Feier – Tag

Heute vor einem Jahr, am 18.11.2021 um 9 Uhr früh hat mein Mann die Rettung gerufen.

Am Abend davor sind meine beiden Liebsten an meinem Bett gesessen, von dem ich nur mehr schwer aufstehen konnte und wir haben beschlossen, dass dies der nächste Schritt ist – morgen früh.

Lisa, meine Süße, packte noch Einiges zusammen – ich hab es nicht gebraucht, weggesperrt in Schränken bis zum letzten Tag meines Aufenthalts, warteten sie darauf, einfach wieder nach Hause gebracht zu werden.

Dann, am 18,11. 2021 wurde ich abtransportiert. So kann man das sagen.

Die nächsten 15 Tage und besonders das tagelange Schweben zwischen Leben und Tod waren eine eindrückliche Erfahrung.

Irgendetwas in mir hat sich dann doch für das Leben entschieden.

Ich habe mich für das Leben entschieden.

Hab´ noch was zu tun, zu erleben hier auf Erden.

Heute, am 18.11.2022 um 12 Uhr Ortszeit hat meine Tochter Lisa die Defensio ihrer Dissertation. Nach 7 Jahren PhD Studium an der McGill University in Montreal.

Sie wird das nicht einfach überleben, sondern bravourös meistern. Davon bin ich überzeugt.

Oft meinen Eltern, dass sie stolz auf ihre Kinder sind. Ich scheue mich, das zu sagen. Stolz auf – da ist mir zu viel Eigenes, Besitz und auch zu viel Hierarchie dabei.

So suchte ich nach einem Wort, das meine Empfindungen ausdrückt.

Groß sind sie, meine Gefühle. Ich kann sie in meiner Brust spüren.

Vielleicht bin ich ja doch stolz, auf sie, wie sie sich, meine schöne, weise, liebe Tochter all das erarbeitet und oft auch errungen hat.

Sie ist durch Tiefen des Selbstzweifels gegangen, sie hat sich furchtlos und oft auch ängstlich Vielem gestellt, was ihr den Weg verbaute.

Und letztlich hat sie sich ihre Größe erobert.

Und wurde – endlich – gesehen.

Welch´ eine wunderbare Gelegenheit, all dieses tapfer erworbene Wissen zu offenbaren, zu zeigen, wer Du bist, meine Liebe.

Und wie schön, dass ich noch da bin, um dieses wunderbare Ereignis zu erleben.

Mein gutes Leben

Das gute Leben fängt mit dem Aufhören an – aufhören mit all den Angewohnheiten.

Ange-Wohn-heiten.

Welch ein Wort!

Da hat sich was rAn an mich gemacht, und dann dringt es ein in mich, was zuvor noch draußen war als eine Möglichkeit, eine von vielen Möglichkeiten.

Es freut sich, diese eine Möglichkeit, die ich fortan immer und immer wieder wähle – „Ja, nimm mich, ich bin gut für Dich“, sagt es, flüstert, schreit es, „ich nehme Dir Deine Unruhe, Deine Verzweiflung, Deine Langeweile, Deinen Zorn, Deine Angst – ruhig mach ich Dich, beschäftigen tu´ ich Dich und schon ist es weg, was Dich grad „gebissen“ hat.

Versprochen, Deal!

So kommt es näher und näher und schon verstellt es den Blick für all die anderen Möglichkeiten, –  für mich und das, was eigen-tlich da ist in mir.

Langsam zieht es ein, mit all den Möbelstücken, die nicht meine sind, und so wird meine Körper-Geist-Wohnung langsam ent-eignet. Nicht mehr meine.

Meine – mit all den vielen schönen Zutaten, die mein Leben reicher machen und erfreuen.

Kein Platz.

Kein Raum.

Alles verstellt.

Kein Ausdehnen, kein Atmen, renn´ mir dem Kopf an – bald einmal ausweglos.

Jetzt

Ausräumen, Zupacken, Schleppen, Stemmen oder einfach all das Gerümpel beim Fenster rausschmeißen, wie sie das in Neapel so tun zu Silvester.

Radikal.

So!

Das ist jetzt vollbracht.

Jetzt

Neu-Beginnen.

Keine unverrückbaren (Zucker, Rauch, Alkohol, Trägheits,….)- Einbauschränke mehr – unveränderbar für Jahrzehnte.

Ein leichtes, lindgrünes Sofa, vielleicht mitten im Raum, und dann mal sehen, Sitzen und Schauen, von diesem guten Platz der Freiheit aus.

Braucht´s noch was, ist´s genug?

Wären da nicht diese Ideen vom Brauchen und Müssen, ist es meistens mit wenig, manchmal, oft mit Nichts genug.

Sitzen – hier auf meinem lindgrünen OrganismusSofa.

Platz nehmen in mir.

Still sein.

Sitzen.

Schauen.

Und den unendlichen Reichtum des Lebens fühlen.

Jetzt

Vom Sinn zur Sinnhaftigkeit

                                                                                                         Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
                                                                                                         Die sich über die Dinge ziehn.
                                                                                                         Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen
                                                                                                         Aber versuchen will ich ihn
                                                                                                          Ich kreise um Gott, um den uralten Turm
                                                                                                          Und ich kreise jahrtausendelang
                                                                                                          Und ich weiß noch nicht, 
                                                                                                          bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.

                                                                                                                                                                   Rainer Maria Rilke

                 

„Wer keinen Sinn im Leben findet, wird sich kaum heilen können“. Diesen Satz schreibt meine geschätzte Freundin Miriam Reichel in einem ihrer  fb Beiträge.

Miriam weiß, wovon sie spricht, konfrontiert mit einer 8-Wochen Überlebensprognose eines Lymphoms hat sie ihr Leben vollständig umgekrempelt, von der Ernährung bis zur Veränderung des Lebensmittelpunkts von Deutschland nach Südafrika hat sie radikal eine Wende vollzogen.

Vor allem hat sie ihren Beruf als Juristin an den Nagel gehängt und ist ihrer Berufung gefolgt, Autorin zu sein. Und sie wurde gesund und ist dies seit nunmehr 18 Jahren. https://krebscoaching.org/2020/06/30/krebs-leben-die-kombination-der-moeglichkeiten/

Viele andere Menschen hören einen derartigen inneren Auf-Ruf, und oft geschieht das nach einem großen Lebens-Einschnitt, wie nach einer Krebsdiagnose.

Ihre Biographien zeugen davon, wie sie Himmel und Erde in Bewegung setzten, um diesem Ruf gerecht zu werden. Sie riskierten bisweilen Geldnot, Trennung, Verurteilung und manchmal sogar eine (Gefängnis-)Strafe, um diesem Ruf zu folgen. Und oft hatten sie – wie Miriam – Erfolg.

Solche Vor-Bilder können uns inspirieren, bekräftigen und ermutigen, dass auch wir uns auf das besinnen, was und wie wir eigentlich leben wollen.

Lese ich Miriam`s Satz mit den Augen von Menschen, die ihr Leben vielleicht gerade ganz und gar sinnlos finden, die einfach überleben, oder wie auch ich schon öfter, gerade gar keinen Grund finden, zu leben, und schon gar keinen Sinn, ist ein derartiger Appell eine große Herausforderung.

Ich denke an etwas Besonderes, etwas Herausragendes, Spektakuläres. Das leitet eine (fieberhafte) Suche im Außen ein. Was könnte das sein – mein großer Traum, meine Aufgabe, meine Seelen-Pflicht? Und ich verbinde damit den Anspruch – diesen einen Sinn zu finden.

Und dann mühe ich mich, um dieses Ziel, zu erreichen – ein sinnvolles Leben zu schaffen. Und dabei orientiere ich mich an großen Vor-Bildern: ein Kinderhilfsprojekt in Indien etwa, oder Bäume pflanzen, Nein, nicht einen Einzelnen sondern eine ganze Plantage, oder etwas vollkommen Neues zu erschaffen, oder im Hospiz Sterbende zu begleiten.

Mit derart Herausragendem darf ich mir selbst Anerkennung geben und auf den Applaus der Welt hoffen – glaube ich.

Und in der Tat konnte Le Shan feststellen, dass Menschen, die unheilbar an Krebs erkrankten, genasen, wenn sie ihren (Kindheits-)Traum aufgriffen und in einer ihnen (noch) möglichen Form realisierten. https://krebscoaching.org/buchempfehlungen/bucher/

Diese Beispiele sind beeindruckend. Die Menschen griffen ihren innersten Lebensfaden auf und wurden gesund.

Es sind Zeugnisse von großem Mut und radikalen Wandlungen, die bis in die Biologie wirkten.

Diese Beispiele können uns jedoch auch blenden und wir könnten meinen, dass es derart spektakulär aussehen muss. Und vielleicht verhindert ja gerade diese Blendung, diese Aufforderung zum „Think Big“, (weil sonst ist das nichts und schon gar nicht hat es die Kraft der Heilung) eine persönliche Sinnfindung.

Auf der Suche nach diesem einen, das Leben überdauernden Sinn, übersehen wir vielleicht, dass jeder Moment sinnhaft erlebt werden kann. Dass ich die Sinnhaftigkeit meiner Existenz in kleinen Momenten erfahren kann, wo es mir zum Beispiel möglich ist, nett und freundlich und förderlich für andere Menschen zu sein, wo ich einen Kuchen backe, mich an den Zutaten, an meinem Tun und auch an der Freude der anderen erfreue, Momente, in denen ich etwas Tiefes erkennen kann oder einen Satz schreibe, der aus meinem Innersten kommt.

Dazu muss ich nicht Bäckerin werden, auch nicht Schriftstellerin oder Forscherin, wenngleich es gut ist, meinen „Freudenschaften“ zu folgen und ihnen Raum und Ausdruck zu geben, sodass aus den Knospen Blüten und Früchte werden können.

Als ich im November letzten Jahres auf der Intensivstation lag, und der Tod mir schon sehr nahe war, hatte ich eine Erkenntnis: Dass das Leben an sich wertvoll ist, dass es mir geschenkt wurde, dass ich leben darf ,und dass es einen Sinn hat, dass ich hier, zu dieser Zeit, an diesem Ort lebe. Das erste Mal habe ich diesen Sinn jenseits von äußerer Bewertung, dass meine Existenz nur einen Sinn hat, wenn ich etwas Großes leiste, erahnt.

Und so sitze ich hier in meinem Lieblingskaffee, dem Waldemar, und freu´ mich, diese Zeilen zu schreiben und weil ich ahnen kann, dass der Sinn meines Lebens vielleicht darin besteht, Aussagen, Gegebenheiten, Überzeugungen, Selbstverständliches zu hinterfragen und tiefer zu schauen.

Oder vielleicht in der Suche nach Wahrheit oder indem ich mein Leid als Basis für Mitgefühl anerkenne,  in der Befreiung von alten Belastungen oder in meinem eigenen Heilwerden…..

Vielleicht ist das ja so.

Vielleicht ist es aber auch so, dass ich in meinem Verbunden Sein mit meinem Tun, mit allem, was diesen Moment auszeichnet, auch wenn es nicht angenehm ist, in meinem Stillsein, das aus dem Einverstanden Sein entsteht, einfach die radikale Sinnhaftigkeit dieses, meines Lebens erspüren kann –  zart, unbeschreiblich vielleicht, und ganz und gar wahr.

Dann muss ich nicht wissen, ob ich, wie der liebe Rainer Maria Rilke es im oben zitierten Gedicht sagt, ein Falke bin, ein Sturm oder ein Gesang.

Dann lebe ich mit allem, was dazu gehört.

Ich koche, ich schreibe, ich gehe, ich spreche, ich meditiere, ich schaue, ich atme, ich leide – und Alles ist sinnvoll,

weil ich ganz dabei bin.

Das Leben vollzieht sich.

Einfach.

Fühlbar.

Sinnlich,

Und ganz und gar

Sinnvoll.














					

Offenbarungseid – der Vierte

Wider die Individualisierung von Leid

Eigentlich wollte ich es diesmal anders machen – meinen Text nicht mehr überarbeiten, einfach die (Wut-) heißen Semmeln direkt aus dem Ofen servieren. Aber dann setzte sich doch mein Bedürfnis nach Genauigkeit und Gerechtigkeit durch und der Semmelteig rastete, wie Ihr seht, einige Zeit.

Anlass ist ein Gespräch, das am 18.8.2022 auf Ö1 in der Sendung Punkteins über Vulnerabilität, Verletzlichkeit und Resilienz gesendet wurde.

Dieses Gespräch mit dem Titel „Die (Un-)Verwundbaren“ wurde von der von mir geschätzten Andrea Hauer geleitet und mit dem ebenfalls von mir grundsätzlich geschätzten Alfred Pritz und der Psychologin und Resilienzspezialistin – Monika Spiegel – geführt.

In diesem Gespräch wurde zwar die Corona Zeit, die Kriegssituation und die Klimakrise als Bedingungen für individuelles Leid und auch die Rolle der Medien bei Angstmache, Polarisierung und Destabilisierung angesprochen.

Was mich aber derart empörte, dass ich beim Zuhören schreien und weinen hätte können, ist die Individualisierung und die individualisierte Pathologisierung von Leid, die sich durch das ganze Gespräch zog.

Den einzelnen Menschen als Ursache für seine Glücks- und Leidensfähigkeit, für Verwundbar- und Verletzlichkeit und für seine Resilienzfähigkeit zu machen, geht vielleicht, wenn man in grundsätzlich freilassenden, moderaten Verhältnissen lebt.

Dann ist es vielleicht (?!) möglich, den je eigenen Umgang mit den Wiederfährnissen des Lebens als Beurteilungsgrundlage für Angemessenheit, Überzogenheit und Normalität von Reaktionsweisen heran zu ziehen.

Nicht jedoch, wenn über 2 Jahre eine kollektive Traumatisierung, die die Verarbeitungskapazität der Menschen weit überschreitet, stattfindet.

Man weiß aus Traumatherapeutischen Untersuchungen, dass der überwiegende Teil der Menschen, die über lange Zeit Gewalt jeglicher Art, Unterdrückung, Vernachlässigung und traumatisierenden Bedingungen ausgesetzt sind, die ihre Selbstwirksamkeit und ihre Regulationsmechanismen überfordern, Schäden an Köper und Seele erleiden wird.

Zudem habe ich in der Traumatherapie gelernt, dass es keine Heilung gibt, wenn das Ereignis und ja auch die Täter nicht benannt werden. Wenn die Taten glaubwürdig (!) anerkannt werden, kann ein Prozess der Verarbeitung beginnen, im Zuge dessen die Verantwortung für die Folgen der Traumatisierung und das eigene Leben sukzessive übernommen werden kann. Siehe dazu auch das wunderbare Buch des Vergebens von Desmond Tutu über den Versöhnungsprozess in Südafrika.

Am Anfang gibt es die Tat. Punkt. Aus. Ende.

Und deren gab es viele in den letzten Monaten, und nein, es war nicht die „Krise“, wie die unerhörten Geschehnisse in neutralisierender, anonymisierender Weise genannt werden, die selbst bislang starken, stabilen Menschen die Widerstandskraft, die Resilienz und das Gleichgewicht nahmen.

Es war der Terror, die Geringschätzung und Schändung unserer Würde, die Ohnmacht und die Willkür, deren wir beständig ausgesetzt waren, die viele von uns an den Rand (des Wahnsinns) brachten.

  • Wenn man über Monate mithilfe manipulativer Aussagen und Informationen sukzessive von Sinnen gebracht wird, sodass ein Mensch nach dem anderen eine für ihn/sie gültige, realistische Einschätzung der Situation verlor, dann ging damit auch die Basis für ein selbstwirksames und selbstbestimmtes Leben verloren – der Wahrheitssinn über das, was (für mich) richtig und falsch ist.
  • Wenn man – wie im 1. Lockdown – nur mehr heimlich gemeinsam im Wald spazieren gehen kann, aus Angst, vom Polizeiwagen aufgehalten und nach dem gleichen Wohnungsschlüssel gefragt zu werden – zur Erinnerung: nur wenn man im gleichen Haushalt lebte, durfte man derart spazieren gehen, so breitet sich sukzessive ein Polizeistaatgefühl aus und die Angst vor Amtspersonen dringt nachhaltig in die Menschen ein.
  • Wenn man mitbekommt, dass ein bislang anerkannter Uniprofessor seine Reputation verliert, öffentlich verunglimpft wird und schließlich seine Stelle an der Uniklinik verliert, wie das dem von mir sehr geschätzten Prof. Sönnichsen passierte. Wenn also ein wahrer wissenschaftlicher Diskurs ausgeschlossen wird, dann werde ich es mir gut überlegen, ob ich meine Haltung, mein Wissen und meine Überzeugungen offen kundtue.
  • Wenn bei ÄrztInnen, welche Maskenbefreiungen ausstellten, eine Polizeieinsatztruppe, die üblicherweise nur zu Terroreinsätzen ausrückt, Türen eintritt, Laptops und Handys mitnimmt, werden ihre KollegInnen ein Bedürfnis haben, sich zu schützen und ja nicht durch derartige Initiativen aufzufallen.
  • Wenn man als einzig Ungeimpfter mit Maske gebrandmarkt und nur mit dem täglichem Testergebnis am Arbeitsplatz erscheinen darf und beim Essen weit entfernt von den anderen zu sitzen hat, dann werden nur die Überzeugtesten diesen aufrechten Gang bewahren und sich alsbald doch impfen lassen, auch wenn sie das nach wie vor – aus wohlüberlegten  Gründen – nicht wollen.
  • Wenn man in Fernsehdiskussionen bezeugt, wie Menschen angeschrien werden, wenn sie eine andere (Wissenschafts-) Auffassung haben, und kein Moderator dem Einhalt gebietet, sondern im Gegenteil dies durch manipulative, hetzerische Fragen befeuert und fördert, dann lerne ich, dass es gefährlich ist, eine andere Meinung – so wohl begründet diese sein mag – zu haben, und dass ich nicht davon ausgehen kann, dass auf bislang übliche Regeln des höflichen, wertschätzenden Miteinanders Verlass ist.
  • Wenn man täglich durch Angsterzeugende Bilder von intubierten, verkabelten Menschen in Intensivstationen überflutet wird, ist es ganz natürlich, dass man darauf mit Angst reagiert und auf keinen Fall will, dass man in eine derartig schreckliche Situation kommt. In der Traumatherapie nennt man das sekundäre Traumatisierung.
  • Wenn Menschen über Monate aufgrund eines fehlenden Status von wesentlichen Bereichen des Lebens ausgesperrt werden, sich nicht mal einen Bleistift in einem Schreibwarengeschäft kaufen dürfen, so ist es nicht nur für diese traumatisierend, sondern für die ganze Gesellschaft.
  • Wenn Jugendliche massenhaft Essstörungen und diverse andere Süchte entwickeln, wenn die Suizid(versuchs-)rate überdimensional steigt, in zeitlichen Zusammenhang mit den Maßnahmen des Kontaktverbots, des Homeschoolings usw., dann ist das kein individuelles Geschehen, dem man mit noch mehr Psychiatrie-/Psychotherapieplätzen beikommen kann. Vielmehr ist es das Ergebnis von Maßnahmen, die das Ganze, die Gesundheit auf jeder Ebene außer Acht lassen und unbarmherzig und gewaltsam, und ja auch sehr dumm in das Leben dieser jungen Menschen mit unabsehbaren Langzeitfolgen eingriffen.
  • Wenn dies alles nicht mal vom Verfassungsgerichtshof beanstandet wird, so breitet sich eine Ohnmacht in den Menschen aus, und das Vertrauen in die Welt, in das Rechtssystem und die Menschen, aber auch in sich selbst ist, wie bei jeder Traumatisierung, zutiefst erschüttert.
  • Wenn Menschen, wie ich, todkrank, bereits im Krankenwagen durch den Nebel des beginnenden Bewusstseinsverlusts die erste von vielen Schimpftiraden über mich ergehen lassen muss, dass er – der Sanitäter oder Röntgenassistent oder Krankenschwester – ja nur wegen solchen wie mir, einer Ungeimpften, diesen Job tun muss…. Wenn ich in meiner größten Not zu hören bekomme, dass ich ja selber schuld sei und mir das früher überlegen hätte sollen, dann passiert da eine schwere Verletzung, die mein Leben und Vertrauen (in das medizinische Personal) nachhaltig erschütterte, und von der ich mich noch lange zu erholen haben werde, Und es ist natürlich meine Verantwortung, wie ich für mich sorge, um wieder ein gutes, vertrauensvolles Leben zu führen.

Aber auch wenn ich die Verantwortung dafür übernehme, werde ich nicht müde, darauf hinzuweisen, dass da ein menschenverachtendes Verbrechen passiert (ist), dass unermessliche Folgen für jeden Einzelnen und leider wahrscheinlich für Generationen haben wird, ob vulnerabel, verletzlich, ob sensibel, ob resilient oder nicht.

Dann gilt es, diese krankmachenden Bedingungen zu benennen.

Und ja, auch diese Wunden können Kraft unserer Resilienz und Lebenskraft heilen, jedoch nur, wenn sie mit Einsicht, einem Schuldbekenntnis und mit Mitgefühl gewürdigt und gesalbt werden.

So das alles musste (endlich) gesagt werden.

Als Trösterchen füge ich noch hinzu:

Die Bach´sche Charconne, gespielt von James Rhodes, der sein Trauma mithilfe eben dieses Stücks überlebte. https://www.youtube.com/watch?v=pZ82pECqiUg

Außerdem das letzte Buch von der klugen, aufrechten, klaren Ulrike Guérot: „Wer schweigt stimmt zu. Über den Zustand unserer Zeit und darüber, wie wir leben wollen“. https://www.kopp-verlag.at/a/wer-schweigt-stimmt-zu

Und einen Tanz aus dem Widerstand: https://www.youtube.com/results?search_query=danser+encore

Die Auferstehung des Menschen

Die Auferstehung Christi gilt als ein Mysterium, das nur Jesus Christus vorbehalten scheint.

Es ist tief in uns im wahrsten Sinne des Wortes „eingefleischt“, dass die Materie Materie ist und damit fest und unveränderlich. Beziehungsweise ist sie nur durch massivste Einwirkung von Materie auf Materie zu verändern. Dies geschieht in der Onkologie zum Beispiel durch Chemotherapie, Operation und Bestrahlung, damit soll die Materie Krebs bekämpft und zerstört werden.

Dem gegenüber stehen Erfahrungsberichte von Menschen, die trotz einer außerordentlich schlechten Prognose und teilweise unter Verzicht auf derart materielle Einflussnahme geheilt sind. Berichte darüber finden sich zum Beispiel in Büchern wie „Spontanheilung“, „Du bist das Placebo“, „9 Wege zu einem krebsfreien Leben“ und „Geheilt“ (siehe dazu auch die Buchempfehlungen auf dieser Seite) oder auch das wunderbare Beispiel von Miriam Reichel, die ihren als unheilbar geltenden Krebs und eine Überlebensprognose von 8 Wochen mittlerweile um mehr als 17 Jahre vollkommen gesund und glücklich überlebt hat https://krebscoaching.org/2020/06/30/krebs-leben-die-kombination-der-moeglichkeiten/.

Auch in der von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr herausgegebenen Zeitschrift „momentum – Gesund leben bei Krebs“ stellen immer wieder an Krebs erkrankte Menschen ihren Heilungsweg dar.

Diese Menschen haben sich, teilweise weil die Schulmedizin nichts mehr für sie tun konnte, zu einem eigenen (geistigen) Weg entschieden und siehe da – Heilung geschah. Sie sind auferstanden.

Auch wenn sich Auferstehung oftmals nicht derart spektakulär vollzieht, findet sie meiner Ansicht nach auf dem Krebsweg oft statt. Dann beispielsweise, wenn wir herausgefordert sind, für unsere Bedürfnisse, unseren Therapieweg und für unser Leben einzutreten. Aber auch, wenn wir nach einem langen Leidensweg wie Phönix aus der Asche auftauchen und wieder zu Kräften kommen. Auferstehung kann aber auch wie Manuela Mutschler es versteht als das Finden der eigenen Essenz verstanden werden  – siehe dazu http://www.helfendekräfte.com/2016/03/26.

Letztlich steht uns allen die Möglichkeit zur Auferstehung zur Verfügung wie es vom weisen Friedrich Benesch im Buch „Ostern“ so treffend beschrieben wird, nämlich im Sinne einer „Vollmacht über das eigene Bewusstsein, Vollmacht über die schaffende, liebevolle Seele, Vollmacht über die sich verwandelnde Selbst erzeugende Auferstehungs-Leiblichkeit“.

Oder um es in meinen Worten zu sagen:

Vollmacht über all mein Angelegt-Sein und mein geistiges Potential, auf dass ich aus der Determiniertheit der Gesetze der Materie mich erhebe und die Gesetze des Geistes auf die Materie wirken lassen kann.

Das Leben feiern!

Heute ist mein 4. Busenlos-Geburtstag.

Welch´ ein großes, freudiges Ereignis war das damals!

Vieles ist in der Zwischenzeit passiert, Vieles hat mir sehr zugesetzt, hat mich aus dem Gleichgewicht gebracht und am Leben verzweifeln lassen.

Und dann Ende November, auf der Intensivstation, als ich einige Zeit zwischen Leben und Tod schwebte, habe ich zu tiefst erkannt, dass das Leben per se ein kostbares Geschenk ist.

So habe ich eine Entscheidung getroffen:

Den Flirt mit dem Tod zu beenden und das Leben, wie immer es sein mag, anzunehmen.

Diese Entscheidung wurde nach einer kurzen glückseligen Erholungszeit mit meiner Familie stark herausgefordert.

Ein CT und nachfolgend ein PET CT zeigte 3 suspekte Herde, 2 in der Lunge und einen in meiner nicht mehr vorhandenen Brust.

Das war ein schwerer Schlag.

Dennoch – Dank der liebevollen Unterstützung meiner Familie und FreundInnen hielt die Entscheidung für´s Leben – erstaunlich!

Und ich konnte unaufgeregt, nur hin und wieder unterbrochen von verschattenden Einbrüchen immer wieder ganz im Moment sein und das Leben, das ja – immer – ganz (für mich) da ist, erfahren.

Die Histo von der Brust-OP letzte Woche steht noch aus, und auch die beiden Herde werden wohl noch eine Weile da sein.

Dennoch – ich bin wild entschlossen, mich nicht von Befunden und meinen Stimmungen vereinnahmen zu lassen, meiner Entscheidung treu zu bleiben, und das Leben einfach zu leben, solange ich darf.

Und da ich mir, wie an jedem Geburtstag auch etwas wünschen darf, möchte ich das auch jetzt in buddhistischer Tradition tun:

  • Möge ich mich an meine Entscheidung fürs Leben erinnern, komme da, was wolle.
  • Möge ich mich an meinem Körper freuen, an seiner Lebendigkeit und wie lieb er mir dient und auch an seiner Schönheit.
  • Möge ich mir meine Wildheit, meine Lebendigkeit gönnen, auf dass ich das Lebenslicht in mir erleben kann.
  • Möge ich mit Jupiter (so habe ich den so leuchtend strahlenden Herd in meiner Lunge genannt) in friedlicher Koexistenz leben können.
  • Mögen meine Haare, die post-covid großzügig ausgefallen sind, erneut kräftig sprießen.
  • Möge ich mir meiner Weisheit bewusst sein und sie un-verschämt teilen.
  • Möge ich die Schöpferin in mir zum Ausdruck bringen, sei es im Schreiben, Malen, Tanzen…
  • Möge ich im Frieden sein mit allem, was geschieht.
  • Möge ich lieben und mich lieben lassen,
  • Möge ich oft und oft meine schützische Be-Geist-erung erleben dürfen.
  • Möge ich wissen, dass ich immer heil war, bin und immer sein werde.
  • Möge ich mich freuen am Leben!
  • Möge ich mich freuen am Leben!
  • Möge ich mich freuen am Leben!
  • Mögen alle Wesen glücklich, frei und im Frieden sein.

Mein schönster Augenblick 2021

Endlich – endlich nach quälenden 2 Wochen im Krankenhaus mit (Todes-)Angst, Ausgeliefert- und Alleinsein und Schmerzen jeglicher Art sagte der Assistenzarzt das erlösende Wort:

„NEGATIV“.

Ich konnte heim – endlich.

Auf wackligen Beinen trat ich aus dem Isolierzimmer und sah zum ersten Mal Gesichter, wo zuvor nur Vollvisiere zu sehen waren, freundliche Gesichter, Menschen, die sich sichtbar freuten, dass ich auf beiden Beinen das Krankenhaus verlassen konnte.

Auf wackligen Beinen ging ich zum Lift – die größte Strecke der vergangenen 3 Wochen, in denen ich nicht mehr als 5 Meter ging.

Große Freude, in den Sessel des Wagens zu sinken.

Und dann gingen mir die Augen auf – alles sah ich zum ersten Mal, die Weite des Himmels, die Häuser, die Straßen, die ich sicher schon Hunderte Male befahren und begangen hatte, der Meidlinger Bahnhof, die „Kichererbse“ bei uns ums Eck, die Weinrotherstraße und dann war ich da, in meiner Straße.

Meine geliebten Platanen standen noch da, wie ich sie verlassen hatte.

Und dann waren sie da, meine Geliebten, mein Mann und meine liebste Lisa-Tochter.

Und endlich konnte ich – gehalten in liebevollen Armen – weinen.

Die 3 Stock ohne Lift waren zwar noch zu bewältigen, aber dann war ich Zuhause, in Sicherheit – keine bösen Worte mehr, keine körperlichen Zumutungen und zuallererst die Gewissheit, dass ich am Leben bleibe.

Glückseligkeit

Unbeschreiblich

Liegen

Die Hände über meine Brust gelegt

Schauen

Unsere Wohnung, mein Zuhause, meine Liebsten

Und ich

– wie selten –

einfach da.

Schön, die Dritte!

Heute vor drei Jahren am 6.3. 2018 trennte ich mich von meinen Brüsten und den Krebszellen, die sich in ihnen nieder gelassen hatten.

Man/frau könnte annehmen, dass das schrecklich war. Nein, das war es nicht, es war schön, alles rund um diesen Akt, den man Ablatio nennt, war und ist von einem lichten Schein erhellt. https://krebscoaching.org/2018/03/28/schoen/

Cut and Go war meine Devise – zuerst die Brüste und nein, the first cut was not the deepest.

Die „Arbeit“, die ich zu leisten hatte, begann erst danach.

Meine psychotherapeutische Praxis zu schließen – endlich – war der 1. Schritt. Nicht so einfach, wie ich dachte, musste mich von dem Gebrauchtwerden lösen, davon, dass ich nur etwas wert bin, wenn ich Sinnvolles tue, anderen helfe, mir auf die Schultern klopfen kann, wenn ich wichtig war.

Dann löste ich mich von der strikten Disziplin meiner spirituellen Praxis, der ich seit 20 Jahren folgte.

Auch das nicht einfach – nicht täglich unhinterfragt gleich nach dem Aufstehen mindestens 45 Minuten, besser noch 1 Stunde Yoga und Meditation zu praktizieren, damit ich auf dem spirituellen Pfad bleibe, nicht der geistigen Verdammnis anheim falle.

So ging es dahin.

Step by Step versuchte ich mit all den Überzeugungen, mit all dem mich belastenden Tun aufzuhören.

Corona war und ist ein wahrer Booster in diesem Prozess des Abschieds, der Ent-täuschung und der Genauigkeit mit mir selbst.

Was ist richtig zu tun oder vielmehr, was ist richtig zu lassen?

So sitze ich heute, am 6.3. um 15 Uhr 30, auf meinem Sofa, bin erschöpft vom Herpes Zoster, den ich seit 1 Woche in mir trage, kann auch, wenn ich wollte, nicht zur Demo, die man neuerdings Spaziergang nennen muss – gehen, hab´ nach wie vor ein schlechtes Gewissen, sehe, wenn ich meinen Blick hebe, die viele Schönheit um mich herum, den blauen Himmel, meine geliebten Platanen vor dem Haus, die Bilder meiner Liebsten auf dem Schreibtisch, das wunderbare, sanfte Grün der Wände.

Still ist es und – ich wage es kaum zu sagen – ich fühle eine Art Zufrieden-Sein.

Lebensretter

Die Verzweiflung ist ein häufiger Gast in meinem Körper-Geist-Haus.

Dann sitzt sie da, macht sich breit, fordert ihre Aufmerksamkeit. Zerrt an mir, schreit mich an, verstellt mir den Blick zum Sonnenlicht.

Oft erliege ich ihr, bin gebannt von dem Recht, der Selbstverständlichkeit, mit der sie mich fordert.

Vieles hab´ ich gelernt – wie ich sie aus der Tür schicken, zum Verstummen bringen, auf ihren Platz verweisen kann.

Meistens will es nicht gelingen.

Es will nicht gelingen.

Und dann steht es plötzlich neben mir, wie mein lieber Ringelnatz sagt, – dass was ich so lange ersehnt…

Wie heute, als mir ein Text von Arvo Pärt in die Hände fiel.

Worte, die alle Schichten transzendieren,

Worte, durch die etwas Größeres hindurch scheint, etwas was jenseits der irdischen Verhaftung von Göttlichem kündet.

Dann spür´ ich sie –

die Glückseligkeit, die nicht von dieser Welt ist.

Dankesrede Arvo Pärts für den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz 2007

Sehr verehrte hohe Gäste, liebe Freunde!

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Politikern und Wissenschaftlern zu stehen, ist für einen Musiker eine ungewöhnliche Angelegenheit. Ich höre hier Worte zu meiner Musik und Person, die für meine Ohren etwas überhöht klingen, weil ich mir nie solche grandiosen Ziele gesetzt habe, wie sie hier genannt wurden. Meine Ziele und Maßstäbe waren und sind viel bescheidener und einfacher. Damals, bei der Entstehung meiner heutigen Musik, hatte ich alle Hände voll zu tun, um mich selbst innerlich auf die Beine zu bringen und um meine eigenen Probleme zu lösen. Ich musste mich in einen Zustand versetzen, in dem ich eine Musiksprache finden könnte, mit der ich leben wollte. Ich war auf der Suche nach einem Klanginselchen. Auf der Suche nach einem „Ort“ in meinem tiefsten Inneren, wo – sagen wir so – ein Dialog mit Gott entstehen könnte. Ihn zu finden wurde eine lebenswichtige Aufgabe für mich.

Ich bin sicher, dass ein solches Bedürfnis – bewusst oder unbewusst – zu jedem Menschen gehört, und vielleicht wissen das viele von Ihnen, und Sie erkennen, wovon ich rede.

Um meine Gedanken zu verdeutlichen, möchte ich Ihnen ein Bild schildern:

Wenn wir durch ein Rastertunnelmikroskop irgendeine Substanz oder einen Gegenstand betrachten, dann sieht die tausendfache Vergrößerung ganz offensichtlich anders aus als die millionenfache Vergrößerung. Wenn man sich durch die verschiedenen Stadien der Vergrößerung bewegt, kann man in jeder Materie bis dahin unvorstellbare und ziemlich chaotische „Landschaften“ entdecken. Irgendwann aber gibt es eine Grenze, die bei etwa dreißigmillionenfacher Vergrößerung liegt. Hier sind die fantastischen Landschaften verschwunden, und wir sehen nur eine strenge Geometrie, eine Art Netz, sehr klar und sehr speziell. Was nun verwundert, ist die Tatsache, dass diese Geometrie selbst bei ganz unterschiedlichen Substanzen oder Gegenständen sehr ähnlich aussieht.

Gilt etwas Ähnliches vielleicht auch für das Menschenwesen?

Lassen Sie uns ein wenig phantasieren. Versuchen wir, eine Menschenseele quasi unter einem solchen Mikroskop zu beobachten, wobei wir nach und nach den Grad der Vergrößerung erhöhen. Wir werden Zeuge sein, wie alle äußeren Merkmale eines Menschen mit all seinen Besonderheiten, seinen Schwächen und Tugenden im Verlauf der zunehmenden Vergrößerung mehr und mehr aus dem Bild verschwinden. Es wird wie ein endloser Verkürzungsprozess sein, der uns in die Richtung des Wesentlichen führt. Hinter uns lassen wir auf dieser „Reise ins Innere“ auch alle gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und religiösen Kontexte. Am Ende gelangen wir zu einem netzartigen Grundmuster. Man könnte es vielleicht als „menschliche Geometrie“ bezeichnen, klar geordnet, ruhig geformt – vor allem aber schön. In dieser Tiefe sind wir uns alle so ähnlich, dass wir in jedem anderen uns selbst erkennen könnten. Und diese Ebene könnte die einzige sein, auf der eine wirkliche funktionierende (Friedens-)Brücke überhaupt vorstellbar wäre, wo all unsere Probleme – falls es sie dann noch gibt – lösbar wären.

Es ist für mich eine große Versuchung diese so schön geordnete Ur-Substanz, diese kostbare Insel in der inneren Verborgenheit unserer Seele, als den „Ort“ anzusehen, über den uns vor 2000 Jahren gesagt wurde, dass Gottes Reich dort sei – nämlich in unserem Inneren. Unabhängig davon, ob wir alt oder jung sind, reich oder arm, Frau oder Mann, farbig oder weiß, begabt oder weniger begabt.

Und so versuche auch ich bis heute, mich auf dem Pfad zu halten auf der Suche nach dieser so heiß ersehnten „Zauberinsel“, wo alle Menschen – für mich auch alle Klänge – in Liebe miteinander leben könnten. Die Türen dorthin sind für jedermann geöffnet. Aber der Weg dahin ist schwierig – schwierig bis zur Verzweiflung.

Ihr Brückepreis ermutigt mich, diesen Weg weiter zu gehen, und er gibt mir neue Kraft.

Vielen Dank dafür!

                                                                                      Arvo Pärt

Krebs Leben – die Kombination der Möglichkeiten

Das Buch von Miriam Reichel ist ein Schatz!

Es ist nicht nur ein Bericht über eine spektakuläre Heilungsgeschichte, die im 1. Teil beschrieben wird, und bleibt nicht nur bei einem persönlich getönten Erfahrungsbericht, sondern geht weit darüber hinaus.

So findet sich in 2/3 des Buches eine auf profunden Daten beruhende Analyse zu vielen Aspekten um eine Krebserkrankung und ihre Therapie.  Es zeigt damit auf, wie viel Unwissenheit im Zusammenhang mit Krebs und seinen Therapiemöglichkeiten nach wie vor herrscht.

Es gibt damit eine grundlegende Basis für einen bewussten, eigenverantwortlichen Weg,  der aus einer Kombination der Möglichkeiten besteht. Erholsamer weise verdammt die Autorin weder das eine – die Schulmedizin – noch das andere – die alternativmedizinischen Möglichkeiten.

Es sollte unbedingt am Beginn des Krebsweges und vor einer Therapieentscheidung gelesen werden, weil die hier gegebenen Informationen entscheidend sein können, ob und auch wie man den einen oder anderen Weg antritt.

Bereits im persönlichen Bericht, finden sich viele wertvolle Hinweise und Botschaften, von welchen ich die für mich Wesentlichsten beschreiben will.

Die aller wichtigste ist wohl folgende:

1. „Meine eigene Geschichte ist der beste Beweis dafür, dass Krebs heilbar ist.“

Wohlgemerkt handelte es sich um ein Morbus Hodgkin Lymphom in Stadium 4b, mit einer Überlebensprognose von 8 Wochen.

  1. Man braucht, um den Weg zu gehen, einen kundigen Begleiter, der gleichzeitig die Verantwortung ganz bei dem betroffenen Menschen lässt. Das hatte Miriam in ihrem homöopathischen Arzt.
  2. Beginne da, wo Du beginnen kannst, eigenständig. Das war bei Miriam ihre Kohl- Diät, die sie über lange Zeit aufrecht erhielt.
  3. Halte Dich fern von Menschen, welche ihr – unüberprüftes – Wissen ungefragt an Dich heran tragen! Halte Dich fern von Menschen, welche Dich mit mitleidigen Augen betrachten, die nicht an eine Heilung glauben und Dir mit Drohungen und moralischen Appellen („Bist ja Mutter von kleinen Kindern“) nahe treten!
  4. Orientiere Dich an Krebsgeschichten mit einem wirklichen Happy End!
  5. Bevor Du in einen diagnostischen, oft auch belastenden Prozess eintrittst, sei Dir bewusst, welchen Therapieweg Du auf der Basis dieser Diagnose einschlagen willst!
  6. Sei Dir Deines persönlichen Heilungsziels bewusst! Miriam wollte nicht einfach ein paar mehr Monate überleben, sie wollte wirklich gesund sein mit allem, was dazu gehört.
  7. Stell Dir die Frage, was Du von Deinem Leben wolltest und was Du gerne verwirklichen willst!
  8. Nimm die Diagnose wahr, nicht jedoch alles was dran hängt – Statistik, Stigma, Prognose!
  9. Forsche, forsche, forsche – mach´ Deinen Krebs zu Deinem Forschungsprojekt!
  10. Wähle Ärzte, mit welchen ein dialogischer Prozess stattfinden kann, die Dich würdigen in Deiner Expertise, in Deiner Gründlichkeit und dies nicht als nervende Lästigkeit abtun!
  11. Lege Deine Marschroute fest und bleibe ihr beharrlich treu!
  12. Untersuche Deine grundlegenden Überzeugungen zum Beispiel zum Krebs und zum Tod und korrigiere sie, wenn sie einer Heilung nicht förderlich sind!
  13. Nicht jeder Krebs muss eine psychische Ursache haben, lass´ Dich also nicht beirren, wenn es Dir gut geht in Deinem Leben, Du mit Deinem Mann und Deiner Familie glücklich bist, was nicht heißt, dass Du etwas verändern kannst im Sinne eines Dir gemäßen Lebens! Miriam hat Ihre Juristerei an den Nagel gehängt, und ist in ein weit entferntes Land gezogen, wo sie mit ihrem Pferd – wunschgemäß – über den Strand galoppieren kann und Bücher schreibt.
  14. Sei nicht zu zimperlich mit Dir selbst in den Anforderungen, z.B. der disziplinierten Einhaltung der Diät!

Im 2. Teil geht Miriam anhand von ausführlicher Dokumentation von Forschungen auf  sehr wesentliche Fragen ein – z.B. welche Wechselwirkungen sich aus der Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen usw. mit einer Chemotherapie ergeben.

Sie geht weiters auf Nahrungsmittel und für Krebs spezifische Diäten,   wie die Budwig oder Gerson Diät ein, und wie sie eine heilsame Wirkung entfalten können.

In Bezug auf die Chemotherapie werden Tests für Tumorprofile vorgestellt, mit welchen man feststellen kann, welche im konkreten Fall überhaupt wirksam sein können.

Es werden die Nebenwirkungen ebenso beschrieben wie Möglichkeiten, sie gering zu halten. Alles sehr detailliert, gründlich und übersichtlich.

Es wird beschrieben, wie wesentlich ein basisches Milieu ist und was man dazu beitragen kann.

In diesem Sinne ist es auch ein Nachschlagwerk, in dem man sich immer wieder vertiefen und damit neu motivieren kann.

Also, ich bin voll begeistert, wie man wahrscheinlich schon festgestellt hat.

Ich möchte nur einen Aspekt erwähnen, der mir wichtig erscheint bei der Lektüre:

Auch wenn alles Sinn macht, was Miriam zu ihrer Heilung unternahm, es sind wohl fundierte Entscheidungen, die da getroffen wurden und das wird auch sehr schlüssig dargelegt, ist es dennoch ihr Weg. Jeder Krebs ist anders und vor allem jeder Mensch ist anders. Bei Miriam war der Krebs ein existentiell bedrohliches Geschehen – es ging ums Überleben. Da geht es nicht darum, ein bissl von dem und ein bissl von dem zu machen, sondern um radikale Maßnahmen.

Bei mir selbst handelte es sich um einen langsam wachsenden Tumor, ein In situ Carcinom. In meiner subjektiven Kranheitstherorie war das Krebsgeschehen ein Ausdruck der erbarmungslosen Härte gegen mich und meine Bedürfnisse. Jahrelang hielt ich mich an diverse, „gesunde“ Diäten und befolgte sie mit großer Strenge.

Für mich war die Krebsdiagnose ein Aufruf, mehr Milde und Mitgefühl im Umgang mit mir walten zu lassen, damit endlich Ausdehnung stattfinden kann. Eine weitere strikte Diät hätte mein Lebenslicht gehörig gedimmt und mich in ein lichtloses Verließ gebracht, weshalb zwar eine grundlegende Orientierung an einer gesunden Ernährungsweise – in meinem Fall die ayurvedische Ernährung – gut war, nicht jedoch eine radikale Einschränkung, wie sie Miriam vornahm.

Ich möchte dies zu bedenken geben, weil ich weiß, dass Menschen, die in einer Krebs-Not sind, sich allzu schnell einem fremden Weg anschließen, wenn er einmal zum Erfolg geführt hat – für jemandem in einer anderen Situation, mit anderen Voraussetzungen.  Oder wie Miriam selbst sagt: „Jeder Weg kann der richtige sein, wenn er selbstbestimmt und aus Überzeugung beschritten wird – und nicht aus Unwissenheit und Angst.“

Das Buch endet mit einer wunderschönen, märchenhaft anmutenden wahren Geschichte von einem Mann, der Heilung erfuhr, indem er sich von der Welt zurückzog, ein rhythmisches, immer gleich bleibendes Leben führte, indem er täglich literweise Säfte trank, viel lief und an seinem (Lebens-)Projekt arbeitete.

Wie das ganze Buch zeigt diese Geschichte, dass alles möglich ist – wenn wir die Verantwortung für unsere Heilung übernehmen, wenn wir beharrlich und treu unseren Heilungsweg gehen, und wenn wir uns nicht vom Außen und dem, was über den Krebs so gedacht wird, beirren lassen.

Das Buch ist ein Booster für Mut, Tatkraft, Ernsthaftigkeit, Genauigkeit und auch einer Prise Strenge, wie sie nur jemand äußern darf, der es mit einem derartigen Krebsgeschehen zu tun hatte.

Das Buch entfaltet so viel Kraft, weil es von einem wirklichen Krebsprofi geschrieben ist, von einer Frau, die weiß, wovon sie redet, weil sie es selbst erlebt hat und den  Weg gegangen ist. Es ist in diesem Sinne wirklich ein „verständnisvoller Ratgeber, geistiger Leitfaden und seelische Unterstützung. “

 

Danke liebe Miriam für dieses wertvolle Werk!