Von der Seele begrüßt….

Der von einer Krebsdiagnose betroffene Mensch steht vor einer Vielfalt an lebenswichtigen Entscheidungen – Operation, Chemotherapie, Bestrahlung…., oder aber ein alternativmedizinischer Weg.

Es stehen Entscheidungen über die Arztwahl, das Krankenhaus, die Wahl des richtigen Zeitpunkts an. Leider wird bisweilen bereits bei Diagnosestellung ein großer Druck ausgeübt („Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit“).  Das birgt die Gefahr, dass der Mensch (neuerlich) fremdbestimmt und überfordert wird.

Auch weiß man aus traumatherapeutischen Untersuchungen, dass im Schockzustand unsere kortikalen Aktivitäten herabgesetzt sind. Damit ist die Fähigkeit zu einer differenzierten, alles berücksichtigenden Urteilsfähigkeit eingeschränkt, vielmehr dominieren Überlebensmechanismen.

Eine so getroffene Entscheidung ist aus der Angst geboren, und wie Cecily Corti einmal bei einem wunderbaren Vortrag meinte, „wenn die Angst den Geist besetzt, schwächt dies“.

Auf der anderen Seite – das ist meine Erfahrung –  scheint es, dass sich durch die Erschütterung, durch diesen Einbruch in unser als sicher geglaubtes Fundament so etwas wie ein Himmelsfenster auftut, durch das Bewusstseinslicht hindurch scheint, und ich zu einer tieferen oder höheren Ebene meines Seins (Selbst) Zugang bekomme. Und hier ist alles nötige Wissen vorhanden. Ich habe dies einmal in einem Vortrag „die wissende Lücke“  genannt.

Dieses Wissen ist ein aus dem Körper Kommendes, es ist ein Spür-Wissen.  Man kann es auch Körperintelligenz, zelluläres Wissen, organismische Weisheit oder Intuition nennen.

Es ist ein Wissen, das über das, was ich weiß, hinausreicht. Es ist neu,  bisweilen sehr überraschend und ganz gewiss. Es schließt die vergangenen Erfahrungen ebenso ein, wie auch die weiterführenden Schritte.

Damit sich dieses Wissen entfalten kann, braucht es zuallererst Zeit-Räume – „Frei-Raum“ wird das im Focusing genannt. Ein Verweilen mit dem, was jetzt ist. Und das ist ja auch ganz natürlich. Wenn wir uns verirren, wenn unsere Landkarte des Lebens nicht mehr gilt, wie das bei einer Krebsdiagnose der Fall ist, halten wir zunächst an, wir halten inne, wir folgen sodann unserer Intuition.

Es gilt also, den Menschen einzuladen innezuhalten, mit sich in Fühlung zu kommen, sich in seiner inneren Antwort auf die Komplexität der Situation wahrzunehmen. Diese Antwort wird sich vielleicht nicht sofort einstellen, aber es gilt diese Lücke des vermeintlichen Unwissens offen zu halten.

„Wenn man eine ganz komplizierte Situation hat, die noch nie jemand ganz genau so gehabt hat, und daher das, was in der Blaupause vorgesehen ist, nicht mehr passt – es geht nicht mehr, so wie gewohnt weiterzuleben, und das, was geht, weiß man noch nicht; der Atem ist angehalten und dann impliziert der Körper einen nächsten Schritt. Der ist so wie Ausatmen. Und doch ist er ganz neu“, sagt mein verehrter Eugene Gendlin.

Wenn wir also unseren Körper, unser Inneres befragen, ist die Therapiewahl von der Seele begrüßt, wie ich einmal einen Vortrag nannte. Sie ist entschieden nicht allein aufgrund von Fakten, Prozentzahlen, Heilungsquoten, Vernunftgründen, sondern dies alles einschließend. Die alles einschließende Entscheidungs-Kraft ist genau in der Mitte von allem, un-bedingt, alle Bedingungen berücksichtigend, jedoch nicht in der Vereinzelung sondern in ihrer Ganzheit, vor sich hingelegt, betrachtet, wieder weiter weggestellt, sodann im rechten Abstand, sodass nicht eins vor dem anderen hervor sticht und den Seelenblick verstellt.

Und dann – wenn ich mich nicht einmische, dann offenbart sich ein tieferes, vielleicht höheres Wissen, das da sagt, „auch wenn ich es vielleicht nicht begründen kann rational, so weiß ich, so weiß etwas in mir, dass es richtig ist.“ Ja genau, das mach´ ich und dann spüre ich  diesen „felt shift“, wie Gendlin, der Focusing Begründer diesen organismischen Ruck nennt, wenn etwas als wahr erkannt wird. Ja genau, Bestrahlung jetzt, dort an diesem Platz. Und dann ebnen sich Wege, Termine stehen bereit, ohne Kampf, einfach so…

Und die Therapie jetzt von mir mit meinem organismischen Ja unterstützt entfaltet ihre heilsame Wirkung.

Jeder das Ihre….

Viele Menschen, welche mit einer Krebsdiagnose konfrontiert sind, oder auch wenn sie ihre Gesundheit fördern wollen, beginnen mit einer Praxis, wie Tai Chi, Chi Gong oder Yoga…..

Oftmals ist es das beruhigende, harmonisierende Element, als Ausgleich zu innerem Stress, das für sie vielversprechend ist.

Vertrauensvoll begeben sie sich in einen der vielzählig angebotenen Kurse und befolgen die Übungen.

Und viele erfahren dabei eine heilsame, beruhigende Wirkung.

Andere jedoch fühlen sich nicht wohl und hören alsbald auf, und empfinden das vielleicht als ein weiteres Scheitern.

Ich glaube, dass es sehr wesentlich ist, dass wir unserem Organismus Gehör schenken, und auch die erprobteste Methode mag für mich im Unterschied zu meiner Nachbarin ungeeignet sein, und das Gegenteil von dem bewirken, was durch sie intendiert ist.

Dies hängt u.a. davon ab, welches eigene innere Tempo ich habe, ob ich eher handlungsorientiert bin oder die Ruhe, das Kontemplative bevorzuge, ob ich mich gerne kräftig ausdrücke oder mich im Stillsein wohlfühle.

Aus der Traumaforschung weiß man beispielsweise, dass sich bei schwer traumatisierten Menschen das vegetatives Nervensystem im Zuge fortgesetzter Traumatisierung grundlegend verändert hat – viele leiden unter dauernder Übererregung, einer Rastlosigkeit. Da kann ein stillsein müssen, wie beispielsweise in Meditationen, eine Qual sein.

Auch ist deren  Umgang mit Macht und Eigen-Verantwortung von den Gewalterfahrungen geprägt. Sie befolgen „brav“ die vorgegebenen Übungen, können dabei jedoch schwer mit ihrem Körper in Fühlung bleiben.

Diese Eigenheiten benötigen  einen ganz besonderen Zugang, der die eigene Fühligkeit gegenüber sich selbst fördert und nicht das genaue Erfüllen von Vorgaben.

Es ist ein Erlaubnis gebender, einladender Zugang, den das sogenannte Traumasensible Yoga (siehe dazu das großartige Buch von Emerson, Hopper und van der Kolk: Trauma-Yoga: Heilung durch sorgsame Körperarbeit) auszeichnet. So wird darauf geachtet, dass die Wortwahl die eigene Entscheidungsfähigkeit betont, ebenso wie die Freiwilligkeit, wann man eine Yogaeinheit beenden will, beziehungsweise ob man dazwischen eine Pause machen möchte.

Auch sieht man – da es sich bei Traumatisierungen oftmals um körperliche Übergriffigkeit handelt, von der korrigierenden Berührung ab. (Anmerkung: Ich glaube im Übrigen, dass eine wirklich gute Yoga-Lehrerin genau so unterrichtet)

Der folgende kurze Text ist in der Sommerakademie in Zakynthos entstanden. Er ist aufgrund der freilassenden, kreativitätsfördernden Atmosphäre dort etwas launig ausgefallen.

Der Tai Chi Lehrer war wunderbar, und meine Erfahrungen mögen nicht als Kritik an ihm aufgefasst werden.

Tai Chi – eine Erfahrung: „….und nun langsam die Hände zum Bauch, alles sehr langsam. Darum geht es …“, sagt der Kursleiter, und das wird sogleich von einer erfahrenen Kurärztin bestätigt. „Wir sind alle zu schnell, das macht die schnelllebige Zeit, diese Hast und die Aufwärtsbewegung der Energie macht den inneren Aufruhr.“

Das stimmt ja auch – eine Schnelle bin ich, eine Rastlose, kurz und bündig, so habe ich es gerne.

Aber hier soll ich langsam sein, ganz langsam das Gewicht vom hinteren zum vorderen Bein verlagern, dann wieder nach hinten und sinken.

Das Sinken ist das Schlimmste, in mich hinein sinken, in den Boden hinein, um sich zu erden, möchte mich jedoch kräftig bewegen, etwas tun.

Schon steigt die Aufwärtsbewegung, das Wegwollen, aber nein, auf das Ankommen in mir, am Boden, kommt es an, höre ich.

Schon wird mir schlecht, zu viel Stau in meiner Mitte, spüre einen Anspruchsdruck in mir – es richtig zu machen –  und andererseits ein  organismisches Aufbegehren, ein mir gemäßes handeln wollen.

Auch dauert mir das Ganze zu lang, eine Stunde reicht allemal, ist überschaubar.

Überhaupt ist es so, dass wenn ich mich an eine  von außen verordnete (lange) Zeit ausgeliefert fühle, bald einmal das Schulsyndrom einsetzt, „wann ist es endlich vorbei“. Dann geht es (nur mehr) ums Aushalten und Absolvieren.

Mir das Recht zu nehmen, zu gehen, wann es mir im wahrsten Sinne des Wortes reicht, auch wenn, was ich, so wie ich gestrickt bin, eigentlich gar nicht verstehen kann, die anderen immer noch, und wie es scheint, wirklich konzentriert dran bleiben – das wäre gut.  

Selbst-verantwortlich  für mich  sorgen, anerkennen, wer und wie ich bin, welche Art der Bewegung mich wahrhaft besänftigt, was mir entspricht, was für mich stimmt – das ist gut.

In diesem Sinne lobe ich mir die ayurvedische Dosha Lehre und will anerkennen, dass aus einem quirlig/strebenden Vata/Pitta Typus niemals ein gemächlicher Kapha Mensch wird.

Ode an die Begeisterung!

Be-Geist-erung – vom Geist erfasst, durchgeistet. Alles hebt sich an, ich bin ergriffen, habe die Niederungen des Bedrücktseins und der Materie verlassen.

Begeisterung ist auch mit Freude verbunden und damit, dass sich mir  in der Tiefe ein Sinn erschließt.

Es ist, wie wenn sich die vom Himmel trennende Decke hebt. Frei strömt das Himmelslicht herein und mein Seelenlicht aus mir heraus.

Begeisterung bringt man nicht unbedingt mit einer Krebserkrankung in Zusammenhang. Da ist es oft die Verzweiflung, die Wut, vor allem die Angst, von welcher gesprochen wird.

Und doch – liest man die Heilungsgeschichten in den wunderbaren Büchern von  Kelly Turner, Hirshberg und Barasch oder auch die von Thomas Hartl herausgegebenen Bücher (https://krebscoaching.org/buchempfehlungen/bucher/), in welchen ungewöhnliche Heilverläufe beschrieben werden, dann fällt auf, dass viele dieser Menschen nicht wie die Opferlämmer durch die Therapien gegangen sind, verzagt und ängstlich und nur der dringenden Empfehlung des Arztes gehorchend, ohne selbst voll nachvollziehen zu können, warum genau diese Therapie genau zu diesem Zeitpunkt notwendig ist.

Es zeigt sich vielmehr, dass sie (freudig!) und mit großem Engagement an die Umsetzung der als heilsam erkannten Maßnahmen heran gingen. Ja sie waren mit Begeisterung dabei – sei es bei einer tiefgreifenden Nahrungsumstellung, beim Einschlagen eines spirituellen Weges, bei sportlichen Aktivitäten, weil etwas in ihnen die Sinnhaftigkeit dieser Handlungen erkannte.

Es mag eine gewagte These sein: Aber genau um diese Begeisterung, auf der Basis eines tiefen Erkennens der Sinnhaftigkeit geht es auch bei schulmedizinischen Therapien.

Es geht um das tief empfundene Verstehen der Wirksamkeit dieser Therapie für mich. Dann kann ich auch Freude und ja auch Be-Geist-erung empfinden, weiß ich doch, dass es hilfreich und heilsam ist.

Das Ergriffenwerden von großen Emotionen wie Dankbarkeit, Freude, Freiheit und einer generellen Berührtheit scheint ein wesentliches Element der Heilung zu sein. Dispenza schreibt in seinem wertvollen Buch „Du bist das Placebo“, wie wesentlich es ist, dass Erkenntnisse (z.B. über die geeignete Therapiewahl) oder Vorstellungen (über Heilungsprozesse) nicht nur intellektueller Art sind, sondern auch emotional spürbar werden, weil nur dann die für die Veränderung wesentlichen Bereiche im Nervensystem bzw. im Gehirn aktiviert werden.

Ebenso wesentlich scheint die Aktivierung von tranceähnlichen Bewusstseinszuständen zu sein, wie das durch Visualisierungen (siehe Simonton –https://krebscoaching.org/buchempfehlungen/bucher/) aber auch durch das Hören von Musik beziehungsweise auch durch schamanisches Trommeln möglich ist.

Als ich vor ca. einem Jahr an einem Seminar von Joe Dispenza in Wien teilnahm, konnte ich im Zuge der Meditationen, welche alle mit emotional berührender,  bombastischer Musik befeuert wurden, erkennen, wie wesentlich es ist, in einen Bereich des Bewusstseins zu kommen, wo ich berührt bin, wo ich spüren kann, dass es sich sozusagen auszahlt am Leben zu bleiben, wo ich mich in meiner Sehnsucht, in meiner Größe und Inspiration fühlen kann.

Das liegt nicht in trockenen, intellektuellen Vorstellungen über meine Berufung, meine Aufgabe, meinen Lebenssinn. Derartige Fragen sind im Übrigen oftmals eine große Belastung für Menschen, weil sich dieser Sinn nicht aus der kognitiven Ebene erschließt, und sie sich angstgetönt mit diesen Fragen quälen – wird doch gesagt, dass ihr Leben an der Verwirklichung dieses einen großen Lebenssinns hängt.

Nein, das ist nicht nur eine kognitive Idee, das ist eine gefühlte Erinnerung an meinen Daseinsgrund.

In diesen Bewusstseinssphären spüre ich eine Übereinstimmung mit mir selbst,  meine Tönung, meinen Klang, mein ureigenstes Sein. Und das begeistert.

Bei mir geschieht das zum Beispiel, wenn ich großen Geistern zuhöre, die Neues denken, die selbst von etwas ergriffen sind, oder wenn es aus mir heraus schreibt,  im Tanzen, vor allem über die Musik.

Es geschieht, wenn etwas, das größer ist als ich, mich ergreift. Das hebt mich an.

„Dann bin I ka Liliputaner mehr, I wochs, I wochs…“ sagt Andre Heller in einem seiner wunderbaren Lieder.

Zutiefst berührt bin ich dann, die Brust weitet sich, Tränen fließen, aufstehen möchte ich, was Gutes tun, schon fühle ich mich ganz und gar heil und schöpferisch.

Ich könnte jetzt unendlich viele Musikbeispiele anführen –  Monteverdis Marienvesper, Händel, Gluck, Bach, Schuberts Streichquintett, mein geliebter Beethoven, ein Meister der großen Töne, Mozart immer und überall, Mumford&Sons, Estas Tonne mit seiner radikalen Hingabe, Elvis Presley mit seiner Herzensstimme, um nur einige zu nennen.

Heute möchte ich Euch zwei Lieder von einem Begeisterten mitgeben – Konstantin Wecker. Er hat mich wahrlich schon aus so mancher Depression gerettet.  DANKE! https://www.youtube.com/watch?v=PA6tWxfemIk Da geht bei Minute 3.30 die Post ab und https://www.youtube.com/watch?v=q5LS6YyLVAA –  eine gute Ermutigung gegen das Still- und Angepasst sein.

Was begeistert Dich?

Von der Patientin zur Zeugin

Patiens bedeutet im Lateinischen erleiden, erdulden.

In der Tat spielt das Erleiden und Erdulden im Zusammenhang mit Krebs eine große Rolle.

Zunächst ist es die Diagnose, welche ins Leben herein bricht, teilweise aus heiterem Himmel. Sogleich wird das medizinische System aktiv, mit all den Maßnahmen, die aus dieser Sicht notwendig sind, und die sofort angewandt werden sollen.

Da ist es schwer, aufrecht zu bleiben, die eigene Selbstwirksamkeit zu bewahren, das Ebenbürtige, Autonome und Eigenverantwortliche. Grad noch ein selbstbewusster, erwachsener Mensch wird man alsbald zum Patienten.

So taumeln viele Menschen (zu) schnell in sehr fordernde Therapien, zu welchen sie sich nicht mit vollem Bewusstsein entschieden haben, weil dafür keine Zeit gegeben wurde. Und dann – innerlich nicht ausreichend vorbereitet – erleiden sie all die Prozeduren, welche an ihnen angewandt werden.

Ich konnte am eigenen Leib erfahren, wie wesentlich es ist, sich für die Therapiewahl die je eigene Zeit zuzugestehen. In meinem Fall waren es über 4 Monate, um mich für die Bestrahlung zu entscheiden – trotz des Drucks von allen Seiten.

Die Entscheidung bezog nicht nur die statistischen Daten, die Nebenwirkungen und Gefahren mit ein. Sie wurde aus einer tieferen Ebene meines Organismus getroffen, oder wie ich es einmal in einem Vortrag beschrieb: Sie wurde von meiner Seele begrüßt.

Voll entschieden zu dem Zeitpunkt des Bestrahlungsbeginns und des konkreten Ortes – dort wo die Räume hell und einladend sind, verfügte ich über ein gutes Fundament, um die Therapie nicht bloß zu erleiden sondern mitzutragen.

Und – es war zu allererst eine sehr intensive, bereichernde, gute Erfahrung.

So machte ich mich – das mag jetzt sehr ungewöhnlich klingen –  freudig täglich auf den Weg ins radioonkologische Institut des KFJ. In der Wartezeit konnte ich vieles wahrnehmen, Menschen in unterschiedlichen Phasen der Erkrankung, verschiedenen Alters und Geschlechts, doch vereint in der Diagnose Krebs – ein intimer Kontakt der Schwesterlichkeit.

Ich fühlte mich in meiner Mitmenschlichkeit berührt und wurde als Mensch berührt.

Auch  der Kontakt mit dem röntgentechnischen Personal, welches im Wissen der schwierigen Situation besonders behutsam war, war wohltuend.

Dann die Erfahrung des Bestrahlungsprozederes: Mich hinlegen auf die Liege, das Bestrahlungsfeld wird eingestellt, alle verlassen den Raum, eine rote Lampe leuchtet auf, ein warnendes Geräusch ertönt, und ich bin allein, für ein paar Minuten, kon-zentriert, dass die Strahlen nur dieses bestimmte Areal be-treffen, dass sie heilsames Licht sind, die meine Krebszellen umhüllen. Das alles war zu allererst eine sehr intensive Erfahrung, und ich war dankbar dafür.

Natürlich ist eine derartige Haltung weit schwieriger, wenn man es mit größeren Beschwerden zu tun hat, etwas mit der Übelkeit, den Sensiblitätsstörungen, dem unangenehmen Geschmack im Mund usw. während einer Chemotherapie.

Aber auch da ist es manchen Menschen möglich, in der wertungsfreien Wahrnehmung zu bleiben. So war ich sehr beeindruckt im wunderbaren Buch von Sandy Boucher “ Im Herzen des Feuers. Eine buddhistische Frau durchlebt Krebs“ zu lesen, wie sie vollkommen geschwächt durch die Erkrankung und die Behandlung das nahezu unmögliche Stiegensteigen zu einer Achtsamkeitsübung nützte.

Ich möchte diesen Text nicht als Aufforderung zum positiven Denken verstanden wissen, als ein Schönreden von Leid.

Möchte vielmehr aufzeigen, dass es meistens – außer ich habe es mit überwältigenden Schmerzen und Schwäche zu tun – einen Frei-Raum gibt, die Situation in ihrer Vielschichtigkeit wahr zu nehmen, wozu auch die Intensität der Situation zählt, die vielen Facetten dieser Erfahrung – meine Gefühle, meine Empfindungen  – und auch das Gute – die Fürsorge, die Zuwendung, das Engagement, die Hilfe und Unterstützung.

Die Krebserkrankung konfrontiert uns mit dem (scheinbar!) Unausweichlichen. In unserer Stellungnahme dazu sind wir frei.

Wir sind frei in der Qualität der „zärtlichen Bejahung“, das anzuerkennen, was ist.  Wir sind frei, sich all dem, was wir zu erleiden haben bereit-willig zuzuwenden und diese intensive Erfahrung zu erkunden.

Dann schwindet das Erleidende gegenüber der aktiven Zeuginnenschaft.

Und ich werde von einer Patientin zu einem Menschen, der die dem Mensch-Sein innewohnende Freiheit realisieren kann.

Disziplin – zur Rehabilitation eines Begriffs

Disziplin – „Dieses Wort hat für mich förmlich schon das „Gift“ in sich, meint mein Freund Ferdinand in einem Kommentar zu meinem letzten Blogbeitrag zur Disziplin der Lust  (https://krebscoaching.org/2017/06/)

Stimmt! auch wenn man die ursprüngliche Definition von Disziplin heranzieht, wonach Disziplin Lehre, Zucht, Schule bedeutet, so wollen wir damit natürlich nichts zu tun haben. Wir verbinden sie mit Strammstehen, Stillsitzen und artig sein.

Disziplin, so verstanden, wird eingesetzt, um das Lebendige zu unterdrücken, es ist Korsett, Einschränkung, erbarmungslose Unterwerfung, ein Instrument der Macht.

So hat die Disziplin in der westlichen Welt einen schlechten Ruf. Sie lässt sich nicht mit Freiheit, mit Autonomie, mit Selbstbestimmung und schon gar nicht mit Lust und Freude vereinbaren.

Ganz anders in den östlichen Traditionen. Hier folgen die Menschen Jahrtausende alten Traditionen, wie sie im Ayurveda, in der chinesischen Medizin oder im Buddhismus festgelegt sind. Sie stehen zu bestimmten Zeiten auf, nehmen ihren Meditationssitz ein, praktizieren Yoga, bauen immer wieder Fasten- oder Rückzugsperioden ein,  ganz selbstverständlich, in dem tief verankerten Wissen, dass es das Leben mehrt, es weitet und bereichert.

Auch bei uns gibt es Rituale, lieb gewonnene Gewohnheiten, die uns Halt geben und auch Freude. Oft jedoch übersehen wir, dass diese Gewohnheiten unsere Gesundheit abträglich werden, wir uns damit nichts Gutes mehr tun, und sie uns schon lange nicht mehr mit Freude beschenken.

Dann wäre es Zeit, eine Veränderung vorzunehmen.

Soll eine Disziplin nachhaltig sein, so entspringt sie einer tiefen Erkenntnis. Oft ist das „Triebmittel“ dafür eine Lebenskrise, wie dies eine Krebsdiagnose ist. Viele an Krebs erkrankten Menschen beschreiben, wie sie spontan und aus sich heraus erkannten, dass sie etwas verändern wollen.

Jetzt nach der Diagnose ist es soweit – sie müssen und dürfen etwas an ihrem Lebensstil ändern. Da gibt es viele Möglichkeiten, die als heilsam erachtet werden – mehr Bewegung, weniger Alkohol, die Süßigkeiten zu reduzieren, oder wie bei mir, mit dem Meditieren zu beginnen und den Regeln der ayurvedischen Medizin zu folgen.

Da hat mich zutiefst etwas an-gesprochen, begierig las ich alles über ayurvedische Medizin, ich passte meinen Rhythmus an, kochte Pitta beruhigende Gerichte, und merkte bald, wie ich immer ausgeglichener wurde und weniger in Extremen lebte.

Der begeisterte Anfängergeist, das begeisterte Erkunden der ganz und gar neuen Welt half mir, dran zu bleiben und so etwas Neues zu bahnen. Ist das Erkennen der Sinnhaftigkeit einer neuen Disziplin das Fundament, so ist das Dranbleiben über einen gewissen Zeitraum – bisweilen spricht man von 3 Wochen einer Praxis – die Voraussetzung, dass sich neue Bahnen im Gehirn  bilden können. Das braucht es, sonst siegt schnell einmal der Gewohnheitsleib, und wir geben dem Widerstand nach und hören auf.

Welche Methode für wen:

Wie Ama  in einem Kommentar zu dem oben erwähnten Blogbeitrag „Über die Disziplin der Lust“ schreibt, gilt es aus, all den vielen (tradierten) Strickmustern das für mich passende zu wählen. Und sie betont, dass es (in jedem Moment) eine freie Entscheidung ist, welchem Muster, welcher Tradierung ich folge.

Es ist sehr günstig, sich bei der Entscheidung, mit welcher Praxis ich mich einlassen will, von der Freude leiten zu lassen, nicht so sehr von den Konzepten – Meditation ist gut, weil es beruhigt ….-  oder nur von den Erfahrungen anderer. Jeder Weg ist unterschiedlich. Die Frage ist, was zieht mich an – ist es das Gehen, das Tanzen, das Laufen, das sich bewusste Strecken in der Früh, die sinnliche Erfahrung in der Körperpflege, das Stillsitzen, Was wird jetzt von meiner Seele begrüßt. Es  ist günstig, dann eine Wahl zu treffen für eine gewisse Zeit und dieser Praxis treu zu bleiben.

Förderlich können auch Bedingungen im Außen sein: ein fixer Platz, den ich aufsuche, ein „Altar“ mit Kerzen, Blumen und Räucherstäbchen, die mich erinnern lassen, dass es hier um eine Eröffnung einer anderen Qualität geht, ein guter Zeitpunkt (am Morgen oder Abend).

Sehr förderlich hab ich erlebt, immer wieder in einer Gemeinschaft zusammen zu kommen und gemeinsam zu meditieren, optimalerweise gemeinsam mit einem Lehrer. Das bekräftigt mich im alleinigen Tun.

In diesem Sinne ist die Disziplin, die ich meine, aus meiner grundsätzlichen menschlichen Freiheit der höheren Wahl und des tiefen Wissens geboren. Ich entscheide mich frei, einem Weg treu zu bleiben.

Wenn ich mich zu einer Praxis, ob das jetzt Sitzmeditation, Yoga oder eine Form der regelmäßigen Bewegung ist, entscheide, erfahre ich mich an der Form. Die Form, die ja gleich bleibt, lässt mich erleben, was unterschiedlich jetzt in diesem Moment in mir ist. Wenn ich mich immer um die Erfüllung von neuen Formen kümmern muss, kann ich dies nur eingeschränkt erleben. In der je gleichbleibenden Form erfahre ich das Neue im Alten. Es ist die Freiheit in der Form, nicht jenseits der Form, die sich hier erfüllen kann.

Zum Beispiel mache ich seit einiger Zeit mehrmals wöchentlich Yoga Asanas, die das Gleichgewicht fokussieren, wie zum Beispiel den Baum oder den Kopfstand. Immer die gleiche Position und jeden Tag eine andere Erfahrung, manchmal sehr stabil, manchmal sehr wackelig.

Und siehe da: Im Bleiben kann ich erkennen, dass sich alles wandelt, Schmerzen, Langeweile, Aufruhr, Ärger – all das offenbart seine grundlegende Substanzlosigkeit.

Ich kann erfahren, was wirklich und tief und nachhaltig befriedigend ist – mein Da-Sein, pur, konkret, essentiell.

Und dann nach einer Zeit des Treu Bleibens geschieht etwas Wunderbares:

Der Lebensfaden, der sich an die Praxis knüpft, will immer neu aufgegriffen werden, ich muss mich nicht mehr überwinden, nein es verlangt mich danach es zu tun, weil mir die Praxis ein Wohlbefinden schenkt, eine Tiefe der Erfahrung meiner Selbst.

Die Disziplin verbindet sich mit der Lust und wird zu einer Disziplin der Lust.

Die Disziplin der Lust

Sport, regelmäßige Bewegung, Meditation, gesundes Essen, Chi Gong oder Yoga – all das regelmäßig und konsequent durchgeführt gilt als gesund und im Fall einer Krebserkrankung als unerlässlicher Teil einer Rezidivprävention.

Viele von einer Krebsdiagnose betroffene Menschen übernehmen die Verantwortung für ihre Gesundung und tragen in diesem Sinne ihren Beitrag bei.

Konsequent erfüllen sie ihr Heilprogramm, auch wenn sich bereits ein leichter oder schwererer Widerwillen breit macht.

Zu groß ist die Angst, aus der Disziplin heraus zu fallen und sich damit aufzugeben.

Diese Disziplin ist an sich etwas Gutes – wir übernehmen Verantwortung für unser Leben und unsere Gesundheit, und wir bleiben auch dran, wenn es uns heute nicht genehm ist.

Ich konnte jedoch an mir selbst und an einigen KlientInnen erkennen, dass sich diese Disziplin auch gegen uns wenden kann.

Eine so verstandene  Disziplin, die starr befolgt wird und ohne Spielräume ist, verengt und dimmt das Lebenslicht. Es wird zur ungeliebten Hausübung und die Verbindung zur gefühlten Sinnhaftigkeit geht verloren.

Da braucht es einen Feinschliff, eine Anpassung an die Wirklichkeit, wie sie jetzt ist.

Es braucht ein anderes Verständnis von Disziplin –  nicht eine, die etwas durchzieht gegen alle innere Rebellion und Nein´s,.

Es braucht eine Disziplin, die meinem Körper, mir folgt, die mir konsequent treu bleibt in den stets sich verändernden Bedingungen. Al Baumann nannte dies die Disziplin der Lust –  eine Disziplin, die die Pulsation, die Ausdehnung, die Lebendigkeit fördert.

In einer meiner Beratungsstunden mit einer Frau, die von einer Krebsdiagnose betroffen war, zeigte sich eine derartige Erschlaffung der Freude und Begeisterung in ihrer täglichen Heilpraxis. Dennoch wurden die Energie- Übungen weiter  in voller Länge durchgeführt.

Ich lud sie ein, mit ihrem organismischen Spürsinn jede einzelne Einheit in ihrem Programm hinsichtlich der Stimmigkeit abzutasten.

Stimmt es jetzt grundsätzlich noch, die Energieübungen zu praktizieren?  Wie steht es mit den Visualisierungen?  Sind die überhaupt noch gebraucht, sollten sie adaptiert werden, weniger Simonton´sche Ritter, die noch vor ein paar Wochen so dienlich waren und vielleicht anstelle dessen mehr Vorstellungen über ein Aufkeimen von Gesundheit und heilstrahlender Zellen?

Das ist eine subtile Arbeit, und wie immer in meinem Ansatz ist dies keine intellektuelle Betrachtung. Nein, es ist das Instrument der organismischen Resonanz, welches uns spüren lässt, was jetzt dran und damit lebensfördernd ist.

Und oft ist es nicht ein „ganz-oder-gar-nicht“, wo wir das Kind mit dem Bade ausschütten, indem wir ganz mit einer für uns grundsätzlich guten und förderlichen Praxis aufhören.

Im oben beschriebenen Fall meiner Klientin teilte ihr ihr Organismus mit, dass es darum ging, die „Daumenschrauben“ zu lockern, nein nicht ganz mit den Energie- Übungen aufzuhören, aber auch nicht 1 1/2 Stunden täglich üben zu müssen, sondern z. B. eine Minimalzeit der täglichen Praxis festzulegen, eine Zeitspanne, wo sie sich freudig dran machen kann, zu üben, oder aber ohne vorgegebene Zeit ins Üben zu gehen, und dem Körper Gehör zu schenken, wann es Zeit ist, für heute zu enden.

Diese Feinabstimmung ermöglichte ihr, weiter dran zu bleiben, im Gefühl, dass sie einen Beitrag zum Gesundwerden leistet, jedoch ohne Anstrengung und Belastung.

Ich bin überzeugt, dass für ein Heilwerden nicht so sehr  ausschlaggebend ist, was wir tun, sondern die innere Einstellung, letztlich die Freude, die Begeisterung, die gefühlte Sinnhaftigkeit bei dem, was wir tun.

Wenn wir damit in Fühlung sind, können wir erkennen, dass sich stets alles verändert und dass das, was wir vor Wochen noch ganz begeistert machten, an Engagement und Kraft verliert.

Warum? Weil es nicht mehr in der Art notwendig ist. Das weiß unser Körper nämlich, weil alle Informationen in ihm gespeichert sind.

Und wenn wir diesem steten Wandel im Sinne einer Feinabstimmung unseres Tuns Rechnung tragen, kommt Freude auf.

Wie schön!

Ich darf mein Yoga machen, es fühlt sich gut an.

Was für ein Geschenk!

Für die Heilung ist es nie zu spät

Zumeist spricht man bei Krebs von Heilung, wenn ein Mensch gegen den Krebs angekämpft und den „Kampf“ gewonnen hat.

Er/ sie darf in diesem Prozess nicht aufgeben, die Hoffnung nicht verlieren, muss alles dran setzen, an der Heilung zu arbeiten, alles, was möglich ist, dafür tun, um gesund zu werden. So wird es an die Menschen herangetragen. Das ist ein enormer Druck.

So werden alle Möglichkeiten der Schul- und Komplementärmedizin in Anspruch genommen, Heiler und andere Helfer aufgesucht und Tausende Euro ausgegeben, um ja keine Möglichkeit auszulassen, „den Krebs zu besiegen.“  Das ist verständlich.

Es gibt jedoch eine Vielzahl von Beispielen, wo Menschen – wie es heißt – aufgegeben wurden, wo sie hören mussten, dass man nun leider wirklich nichts mehr für sie tun könne, und sie sich noch eine schöne letzte Zeit machen sollten,  und wo sie letztlich zum Sterben nach Hause entlassen wurden.

Und – die, ohne sichtbares Zutun, eine vollständige Heilung erfuhren.

Von drei Frauen, bei welchen eine derartige Totalremission wie eine Spontanheilung auch genannt wird, stattfand, will ich erzählen:

Teil 1 : Die heilende Kraft des Hier und Jetzt

Stefanie Gleising berichtet in ihrem gleichnamigen Buch von ihrer „wundersamen Heilung“.

Sie, die mit der Diagnose  Brustkrebs konfrontiert war, hat wirklich alles versucht, was an Möglichkeiten zur Verfügung stand – von der Operation, über Virenimpfung, Hyperthermie, Mistel, Infusionen mit Vitamin B17, Hormontherapie, Sport, Meditation, Lachtherapie bis zur Aufarbeitung von traumatischen Erlebnissen.

Und dennoch – der Tumor wuchs und streute, bis in die Knochen und ins Gehirn.

Jedoch –  immer wieder, bei all dem Stress und der Angst tat sich ein Feld des Friedens, der Stille und der Glückseligkeit auf.

Sie schreibt: „Ich musste so viel loslassen, meine Brust, Sport machen zu können, ein schmerzfreier Körper. Vor allem aber die Illusion, die Zukunft planen zu können. Im Grunde kann das keiner wirklich, auch die scheinbar Gesunden nicht. Dies alles katapultiert mich immer wieder direkt ins Hier und Jetzt. Manchmal kann ich dann weinen vor Liebe und Dankbarkeit, dass alles so ist, wie es ist.“ S. 199

Im sogenannten Endstadium ihrer Krankheit angelangt, kann sie nichts mehr zu sich nehmen, verliert dramatisch an Gewicht und dämmert immer länger einfach vor sich hin.

Sie ist mittlerweilen so schwach, dass sie einverstanden ist, diesen letzten Abschied – von ihrem Zuhause – zu vollziehen und in ein Hospiz zu kommen.

„Jeden Tag kamen Menschen, um sich von mir zu verabschieden. Doch anstatt zu sterben, geht es mir von Tag zu Tag etwas besser“. S. 205

Und sie – die Todkranke – kann nach einer Woche ein erstes richtiges Frühstück mit allem Drum und Dran, einem Ei, Saft, Kaffee, Topfen, Marmelade und Brötchen zu sich nehmen.

Bald kann sie in eine kleine Ferienwohnung im Hospiz übersiedeln, und nach ein paar Monaten sitzt sie wieder auf ihrem Pferd. Da sie seit 2014 keine schulmedizinische Behandlung mehr erhielt, gilt sie als geheilt.

Was trug zu dieser Heilung bei:

War es vielleicht der kathartische Traum vom KZ, den sie am Weg ins Hospiz hatte?

War es die Liebe und die unterstützenden Gedanken von vielen, vielen FreundInnen?

Oder das Absetzen eines Medikaments durch eine Hospizärztin, oder die Verdreifachung der Schmerzmitteldosis, wodurch sie leichter ins Hier und Jetzt zurückkehren konnte, da die Schmerzen sie nicht mehr vollständig bannten?

Oder war es das Auf- und Hingeben von allem Wollen, von den Illusionen dessen, was wir zu sein haben, oder wie sie selbst Markof Niemz Buchtitel zitiert: sich selbst verlieren und alles gewinnen.

Das Buch ist jedenfalls ein starkes Dokument dafür, dass egal, „wie schlimm die Umstände auch sind, es Hoffnung auf eine positive Entwicklung gibt“ S. 235

Und dass es immer wieder darum geht, ganz ins Hier und Jetzt zurück zu kehren und zu erkennen, „dass jede Situation, so schlimm sie auch nach außen sein möge, irgendwo auch einen Grund zur Freude bietet.“

Das können wir tun. Das ist unsere Wahl – zwischen einem Leben in Angst über eine unbestimmte Zukunft zu verharren oder uns für die Heilkraft des Moments zu öffnen.

Für mich ist es – das ist natürlich eine Interpretation, welche von der Autorin verifiziert werden müsste –  die Hingabe, das vollständige Ja zu allem Geschehen, ja auch das Aufgeben von Lebenswillen im Einverständnis für ein Hospiz, welche die Wende bringen kann.

Es ist damit nicht (nur) der oben genannte Kampf, wiewohl alle Beiträge zur Gesundung vielleicht doch auch eine Basis für die Heilung bildeten.

War es  letztlich vielleicht vielmehr das Ja zum Schicksal, an diesem Krebs sterben zu müssen, sich von allen lieben Menschen wirklich ein für allemal zu verabschieden, welche dann die Wendung brachte. Und dass es sich bei dieser Heilung um eine radikale Wendung handelte, kann man an der raschen Erholung – bereits nach wenigen Tagen – erkennen.

Diese radikale Wendung scheint sich für mich ganz von innen – aus dem innersten Zentrum heraus – ereignet zu haben. Ein Prozess, der sich vielleicht gerade nur in jenem Dämmerzustand, im vielen Schlafen, im mehr drüben als hier Sein ereignen kann.

Wenn wir diesen Gedanken glauben, was würde das wohl für unser Verständnis von Heilung und der dafür notwendigen Prozesse bedeuten? Wären wir dann nicht angehalten, die Menschen nicht zum weiteren dagegen Kämpfen, sondern zum Anerkennen und Sein Lassen, zur Tiefe  zu ermutigen?

Viele Fragen, auf welche nur die wirklich davon Betroffene Antworten finden werden. Dazu bräuchte es genaueste tiefgehende Fragen, nicht bloß einen Fragebogen, sondern prozessorientierte Untersuchungsmethoden, die vieles offen lassen, so dass nicht einfach Altbekanntes wiederholt, sondern Neues ergründet und erforscht wird. Und wo mein Organismus als Resonanzraum genutzt wird.