Corona/Krebs – Wahrheit und Wissenschaft

Der Virologe Dr. Christian Drosten war am 24.4. in der ZIB 2. Armin Wolf hatte die Ehre und es war ihm anzusehen, wie begeistert er war, dass es ihm gelang, ein Interview mit ihm zu führen.

Und ja, alles, was Herr Dr. Drosten sagte, war schlüssig, sehr verständlich, einfach ausgedrückt, nicht überheblich – wie viele Menschen in den sozialen Medien bemerkten, bescheiden und sehr sympathisch.

Ja so ist es – spätestens jetzt wissen wir, wie es wirklich ist.

Aber tun wir das wirklich?

Zur Zeit kann ich diese Beeindruckbarkeit gut an mir selbst beobachten – ich höre ein Interview – z.B. jenes von Dr. Drosten und denke – aha, ja sehr schlüssig, eigentlich klar, wenngleich ich bereits mit einem kritischen Ohr zuhöre. Dann höre ich eines von Dr. Wodarg oder vom sehr sympathischen Dr. Arvay, vom klugen, warmherzigen Dr. Bhakdi…. alles sehr schlüssig.

Was soll ich glauben?

Ich gestehe, bei mir ist die Entscheidung schon vor längerer Zeit gefallen.

Auch an Krebskranke wird eine wissenschaftliche Wahrheit herangetragen – Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapie…- das sind die Mittel, mit welchen man den Krebs bekämpft.

Die auf wissenschaftlichen Studien beruhenden Fakten werden mit der gleichen Überzeugungskraft an Menschen herangetragen, wie jetzt die Notwendigkeit einer Impfung, die uns von der drohenden Corona Gefahr befreien wird.

Tausende PatientInnen kommen so gebrieft, man könnte auch sagen, beeinflusst, gar nicht auf die Idee, einen anderen Weg zu gehen, auch weil dieser eine von allen Seiten unterstützt wird. So wird davon ausgegangen, dass, wenn man einen schulmedizinischen Weg geht, man überleben will, sonst gibt man auf. Wir werden vom System unterstützt, indem die Krankenkassen die Kosten für schulmedizinische im Gegensatz zu alternativmedizinischen Methoden übernehmen, die Ärzte uns zugewandt bleiben, die Verwandten beruhigt sind.

Alles andere – wie beispielsweise hochdosierte Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel, eine Ernährungsumstellung, psychologische Unterstützung…. kann man zusätzlich gerne machen, aber doch nicht alleine.

Ebenso gibt es in der Krebstherapie AlternativmedizinerInnen, die ganz und gar die Schulmedizin ablehnen. Auch sie berufen sich auf Studien und Erfahrungen, wenn sie beispielsweise sagen, dass die Chemo mehr Schaden anrichtet als sie Gutes tut. Auch hier eine große Überzeugungskraft, die unseren Blick fokussiert und dadurch blenden kann. Ja so ist es. Ganz klar.

Vor 22 Jahren habe ich 3 Tage nach meiner ersten Krebsdiagnose einen Chirurgen, seines Zeichens eine Berühmtheit auf dem Gebiet von Brustkrebs kontaktiert.

Auf meine Frage, ob ich meinen niedrig malignen Brustkrebs beobachtend (wait and watch), mit einer homöopathischen Therapie und Ernährungsumstellung begleiten könnte, sagte er mit einem tiefen Augen-verdrehenden Seufzer: „Sie haben Krebs!“ und weiter in ungefähr: „Jetzt nehmen wir Ihnen mal die Brust ab, dann sind Sie körperlich geheilt und dann können Sie sich um Ihre Psyche kümmern.“

Glücklicherweise war dieser Chirurg menschlich so unzumutbar, dass eine Behandlung bei ihm nicht in Frage kam.

Aber: es war beeindruckend – es gibt nur diese Möglichkeit, so die Botschaft – State of the Art, nach Stand der Wissenschaft – ist die Ablatio die einzig korrekte Vorgehensweise.

Im Übrigen änderte sich der Stand der Wissenschaft innerhalb von 3 Monaten und so sollte mir, der damals 41-jährigen,  nicht nur die eine sondern auch die andere Brust abgenommen werden – ein 9- stündiger Aufbau sei leicht zu machen (!). Auch die Eierstöcke sollten mir entfernt werden und die jahrelange Einnahme von Tamoxifen, einem Hormonsuppressivum, das mich in einen sofortigen Wechsel gebracht hätte, sei – State of the Art – auch indiziert, so sagte man mir. Sicher ist sicher!

Es ging anders! Und ich fand einen Chirurgen, der mir die Brust beließ und mit liebenden Händen den Tumor entfernte und mir damit ermöglichte, noch 20 Jahre mit meiner Brust zu leben.

Was ich sagen will: Letztlich geht es nicht darum, ob jemand über Überzeugungskraft verfügt. Über eine solche verfügen, man verzeihe mir den Vergleich, Herrscher aller Zeiten. Sie verblendeten den Geist der Menschen und es brauchte lange Zeit, um drauf zu kommen, welch´ tödlichem Irrtum man aufsaß.

Es geht auch nicht (nur) darum, dass eine Theorie schlüssig ist. In sich sind viele Theorien schlüssig – Chemotherapie tötet die Krebszellen und lässt uns überleben, so die von mir zugegeben verkürzt wieder gegebene einleuchtende Theorie. Und das tut sie in vielen Fällen auch. Darüber hinaus stellt sich jedoch die Frage, unter welchen Bedingungen sie auch nachhaltig heilsam wirkt, oder ob sie nicht im Gegenteil die Voraussetzungen schafft, dass dadurch ein neuerliches Krebsgeschehen verursacht wird. Darüber schweigt meines Wissens die etablierte Wissenschaft.

Auch wird nur das Zellgeschehen betrachtet, nicht das Umfeld, sei es das biologische, das individuelle, das psychische, wie auch das der Beziehungen, in welchen der Mensch lebt. Ebenso wird jetzt bezüglich Corona nur auf der Ebene des Virus gesprochen. Der Gesamtkontext – der Einfluss der Immunabwehr und wie sie zu unterstützen ist, wird demgegenüber gar nicht oder zumindest zu wenig ins Bewusstsein gerückt.

Ein weiterer Aspekt ist die Finanzierung von Studien: Man braucht nur das Buch „Die Krebsindustrie“ zu lesen oder den letzten Abschnitt von Langbeins „Weissbuch Heilung“, um zu erfahren, dass die wissenschaftliche Forschung mittlerweile nahezu vollständig von der Pharmaindustrie gesponsert wird, und auch wie die allseits kolportierten Daten zu Stande kommen, dass zum Beispiel die Ergebnisse, welche für deren Wirksamkeit sprechen, mehrmals veröffentlicht werden, solche die die Wirkung nicht bestätigen, hingegen nicht selten unveröffentlicht bleiben.  Um sich ein Urteil zu bilden, sollten wir also fragen, woher die Forschungsgelder kommen und welchem Interesse sie damit folgen.

„In Deutschland gibt es bisher nicht eine einzige Studie, die untersucht, ob und welche der in Kliniken und Praxen eingesetzten Krebsmedikamente tatsächlich den Nutzen für die Patienten bringen, den man laut den Zulassungsstudien erwarten kann. Bei den Pharmaunternehmen erlischt das Interesse in dem Moment, da sie das Medikament zugelassen und auf dem Markt haben, bei den Krankenkassen, da sie es bezahlen müssen und der Preis feststeht. Und für die behandelnden Ärzte gilt, dass sie für weitere Forschungen in der Regel keine finanziellen Mittel haben, weil weder die Industrie noch die Kassen dafür aufkommen wollen. Geld gibt die Industrie meist für Marketingstudien, die der Umsatzsteigerung dienen und nicht der Beantwortung einer ernstzunehmenden Forschungsfrage.“ so Lauterbach (2015, S. 148)

Das ist der Grund, warum Brokkoli keine Lobby hat, warum Nahrungsergänzungsmittel und deren Einfluss auf das Immunsystem nicht untersucht werden und warum auf die Frage nach der Wirksamkeit dieser Mittel schnell einmal mit dem Hinweis auf den Mangel an Studien verwiesen wird. Wie jetzt bei Corona ständig von der Notwendigkeit einer Impfung beziehungsweise pharmazeutischer Produkte verwiesen wird und niemals auf die Unterstützung unserer Basis – nämlich auf Maßnahmen, wie wir unser Immunsystem unterstützen können, sodass wir trotz Infektion nicht schwer erkranken.

Ich würde mir wünschen, dass täglich anstelle der Betonung der Gefahr und der Ohnmacht dem Virus gegenüber Folgendes gesagt wird: „Bitte schauen Sie auf sich. Essen Sie biologisches Gemüse und Obst, atmen Sie bewusst, machen Sie die noch nicht von der Maske bedeckten Augen auf, freuen Sie sich an der Natur, daran, wie sich das Leben durchsetzt. Und freuen Sie sich, dass Sie am Leben sind und atmen können.“

Langer Rede kurzer Sinn:  Nicht alles, was uns mit voller Überzeugung vermittelt wird, ist wahr, weil es oftmals nur einen schmalen Ausschnitt der Wirklichkeit abbildet.

Und es ist an uns, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Wie das viele meiner Krebsgeschwister taten – Miriam Reichel, Gabriele Freytag, Sophie Sabbage und all die Menschen, denen mit eben solcher Gewissheit gesagt wurde, dass sie unbedingt eine schulmedizinische Behandlung brauchen, weil sie sonst nicht mal die wissenschaftlich prognostizierte Lebensdauer – bei Miriam Reichel waren das 8 Wochen – erleben werden.

Sie leben immer noch. Miriam nunmehr seit 15 Jahren, weil und nicht trotzdem sie ihren eigenen Weg gegangen ist, der im Übrigen auch die Schulmedizin einschloss.

Sie alle stellten unbequeme Fragen, starteten ihr eigenes Forschungsprojekt zur Erkundung ihres Krebses und erwarben sich ein Wissen, das über das der wissenschaftlich ausgewiesenen Experten weit hinaus reicht.

Und – sie haben Verantwortung übernommen und den Mut gehabt, für ihre Wahrheit einzutreten.

Nochmal langer Rede kurzer Sinn:

Wir alle verfügen über einem übergeordneten Sinn, der uns erkennen lässt, was für uns wahr und richtig ist. Er ist oftmals vergraben durch eine Erziehung, die uns von uns wegführte, durch Manipulation und Verführung und durch Panikmache, wie jetzt bei Corona.

Diesen Wahrheitssinn sollten wir ent-decken – in einem Fühlen und Erspüren. Vielleicht kann ich nicht erklären, warum etwas von mir als wahr erkannt wird, aber es ist Zweifel-los so.

Was wahrhaftig wahr ist erschließt sich mir aus meiner Resonanz zum Gesamten und dann weiß ich einfach, dass es so ist, wie es ist. Darüber kann es letztlich keine Diskussion geben, weshalb all der aufreibende Austausch über die Wahrheit müßig ist.

Wenn diese meine Wahrheit jedoch bei anderen Resonanz findet, dann ist das ein großes Glück.

Literaturempfehlungen

Freytag, G. (2017). Ein wilder Ort. Marta Press.

Langbein, K. (2014). Weissbuch Heilung. Wenn die Moderne Medizin nicht mehr tun kann. Ecowin.

Lauterbach, K.(2015). Die Krebsindustrie, Wie eine Krankheit Deutschland erobert. Rowohlt

Reichel, M. (2017). Krebs Leben. Die Kombination der Möglichkeiten. Cajus-Verlag

Sabbage, S. (2015). Die Krebsflüsterin. Der 8-schritte-Kompass für einen selbstbestimmten Umgang mit der Krankheit. Irisiana

Momentum, die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für biologische Krebsabwehr verweist immer gut recherchiert auf Forschungsergebnisse https://www.biokrebs.de/gfbk/freundeskreis/momentum-aktuell

Und noch zwei für mich gut dokumentierte und differenzierte Datenanalysen:

https://www.addendum.org/coronavirus/lebensschutz-als-totschlagargument/?fbclid=IwAR17mn35p79HEb_tG0cJF1MLoIrWHV2IdEWXxWmRi52Ea1GNCQTxPh-JHjQ

https://www.martin-hirte.de/coronavirus-2/?fbclid=IwAR2ycUTawSTYDbsChiFHYlwNpkmoFsRc2jRTRk0uW1I5A–6PoR_nq2wX9E

Corona, Facebook und ich

Soll ich oder soll ich nicht? Einfach aussteigen – Cut and Go in eine Fb befreite Welt ohne die eindringende Flut von Nachrichten, Einschätzungen, ohne den emotional hochgeladenen Austausch von Sichtweisen zur Situation, ohne den Zwang, mich zu Wort melden zu müssen.

Spür´ immer mehr, wie es mich auflädt, wie ich drin hänge, wie affiziert ich bin, wie die Welt um und in mir unter geht, wie ich das Leben, das eben jetzt stattfindet, nicht mehr mitbekomme.

Bald wird sie vorbei sein, die ruhigere Zeit, die für mich leider nie eine ruhige war. Schon spüre ich ein wehmütiges Bedauern, sie nicht besser genützt zu haben, das Unmittelbare zugedeckt von Medialem.

Ich bedaure es und ich spüre auch eine Selbstabwertung – ich hätte es anders machen sollen, hätte die Chance, mich in der Stille zu beheimaten, wahrnehmen, mich mit dem Wesentlichen beschäftigen sollen.

Glücklicherweise lese ich gerade das letzte Buch von der sehr verehrten buddhistischen Nonne Pema Chödrön, und hier, wo es, wie auch der Titel heißt, um das Willkommen heißen des Unwillkommenen geht, gilt es zu allererst, alle Facetten meines Seins da sein zu lassen, sie an – zu – erkennen, ohne mein Bewusstsein mit Selbst-Verurteilung zu trüben.

Also: Es gibt einen Sog, der mich schon am Beginn der Corona Krise ergriff, einen Sog, mich zu informieren, Bescheid zu wissen, auch und besonders was die „andere Seite“, der als Verschwörungstheoretiker verunglimpften Menschen wie Dr. Arvay, Dr. Wodarg, Dr. Schiffmann, Dr. Bhakdi und andere betrifft. Und hier wurde ich in facebook fündig. Das war gut.

Der „schlechte“, wenn man das so sagen kann, Teil ist das Sogartige per se, der zunehmende Verlust meiner Seelenfreiheit und meines Seelenfriedens, der stete Drang, nachschauen zu müssen, was es Neues gibt. Und damit auch sehen, wie anders die Situation auch von nahen FreundInnen gesehen wird. Nein, nicht im direkten Gespräch, wo wir zueinander sprechen, wo wir in direktem Kontakt sind, sondern in einem teilweise plakativen und polarisierenden, eigentlich unpersönlichem Austausch von Meinungen, ohne sich aufeinander einzulasssen, ohne Gelegenheit, den zutiefst persönlichen Hintergrund zu erfahren.

Überdies fühle ich mich durch die teilweise heftigen, impulsiven Reaktionen von Menschen, auch wenn sie nicht auf eines meiner Postings gerichtet sind, zunehmend aufgerieben und verletzt.

Ja, ich weiß, das bräuchte ich nicht, es ist aber – in Anerkennung von mir, wie ich halt so bin, einfach so.

Das alles tut mir nicht gut – das durch die Beiträge befeuerte innere Argumentieren, das sich verpflichtet Fühlen, für meine Sichtweise einzutreten, das damit verbundene Verschlossensein gegenüber dem Jetzt und Hier, vor allem die Dauererregung, in der ich seit Wochen bin.

In meinem 20-Jährigen Leben mit Krebs habe ich eines erfahren: dass es immer (nur) darum geht, den guten nächsten Schritt zu tun. Auch wenn er nur klein und unscheinbar ist, geht es nur darum, einen Schritt zu tun, der wie der geniale Eugene Gendlin sagt, das Leben fortsetzt.

Und das ist für mich ein Rückzug aus diesem Medium, wie und in welcher Form weiß ich noch nicht ganz genau.

Ich werde weiterhin meine Blogbeiträge über Fb online stellen, weil ich damit viele Menschen erreichen kann.

Darüber hinaus freu´ ich mich sehr, wenn Ihr an meiner Arbeit und meinen Texten interessiert seid und meinem Blog folgt und Euch der Kommentarfunktion bedient oder mich persönlich anschreibt und mich wissen lässt, wie es Euch geht und wo Ihr grade auf Eurer Lebens-Reise seid.

So und jetzt schicke ich ihn ab und danke Euch sehr für Eure Wahr-Nehmung!

Corona – ein Offenbarungseid

Hab ich was Falsches gesagt? Darf ich das sagen? Verdrehen einige meiner FreundInnen nicht bereits die Augen ob meiner Postings und Meinungen? Hab´ ich mir´s verscherzt? Bin ich schon abgeschoben ins Eck der Verschwörungstheoretiker?

Seit einiger Zeit quälen mich diese Fragen, sie lassen mich stumm werden und ängstlich. Da gehört eine Stellungnahme her, ein Glaubensbekenntnis, weil mehr kann es nicht sein, wissen wir doch alle nix oder nicht genug, um profunde Aussagen treffen zu können. Wie im Übrigen auch die Virologen, die Epidemiologen, die WissenschafterInnen und IntensivmedizinerInnen und auch nicht die Politiker.

Zuvor: Es ist eine allgemeine Gepflogenheit geworden, dass man vor einer kritischen Stellungnahme bekundet, dass man sich an die Regeln hält. So will auch ich das tun: Ja, ich halte mich dran, Maskentragen, Abstandhalten, usw. usf.

Und ja, ich habe den lockdown befürwortet, weil es Sinn machte und eine Klarheit gab, wo zuvor  ein Deutungsspielraum war.  Gleich schloss ich mich beherzt dem solidarischen Ehrgeiz an, beim legendären Kurvenverflachen mitzuhelfen – wär´doch gelacht, das machen wir, gemeinsam sind wir stark, Distanzwahren und Zusammenhalten – „Gemeinsam schaffen wir das!“,  so  Nadja Bernhard am Schluss jeder ZIB 2.

Ich muss zugeben, dass es auch eine Entlastung war – so viele Termine, die ich auf einmal nicht wahrzunehmen brauchte, Frei-Raum, Aufatmen, daheim in meiner kleinen Welt.

Die Ruhe war von kurzer Dauer, fehlte mir doch mein höchstes Lebensgut – meine Freiheit. Allem Wissen um die Sinnhaftigkeit dieser ersten Maßnahmen zum Trotz breitete sich eine Unruhe in mir aus.

Öl ins Feuer waren zu dieser Zeit bereits Videos von durchaus renommierten Ärzten, die die Gefährlichkeit des Virus und damit die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen in Fragen stellten. Scharlatane seien das, ein Irrsinn, dem Unfug Glauben zu schenken, was ist mit den Toten in Italien, in Spanien usw. Ich erspare mir und den LeserInnen die diesbezüglichen Argumente – der Glaubenskrieg, das Bashing begann.

Dann war es soweit – Ostern rückte heran und ich wartete wie viele andere auf die Daten, damit die angekündigten Lockerungen stattfinden konnten und wir – ich zitiere Armin Wolf aus der ZIB 2 – durch die Wohnzimmer unserer lang entbehrten Verwandten spazieren können.

Großer Auftritt des Bundeskanzlers:

In der Tat die Kurve hatte sich deutlich abgeflacht. Aber: Wir befänden uns erst in der Ruhe vor dem Sturm und die Auferstehung sei noch lange nicht in Sicht.

Spätestens hier begann die Irritation. Was jetzt? Kurve in den guten einstelligen Bereich gebracht, aber nein, bald werden die Krankenhäuser überfüllt sein und jeder jemanden kennen, der an Corona verstorben ist (O-Ton des Bundeskanzlers).

Das war beeindruckend.  Aber: irgendetwas stimmt doch da nicht. Nicht mal einen Kaffee sollen wir gemeinsam trinken. Nicht mal dran denken!

Wir können uns zwar mit wildfremden potentiellen Gefährdern im Supermarkt – einzig erlaubte Spielwiese – tummeln, aber meine 92 – jährige Mutter, die als Reaktion auf die Unmöglichkeit unseres wöchentlichen Besuchs in ihrem Lieblingsgasthaus einging wie eine Blume, die zu wenig Wasser erhält, sollte ich nicht besuchen.

Ich gestehe – und ich glaube, das müssten vielleicht auch einige andere tun: ich hab´s getan. Und es ist auch nicht verboten, gehört es in meinem Verständnis unter den Punkt des Hilfs- und Betreuungsleistungen.

Überdies tat sich ein weiterer Widerspruch auf – die Geschäfte sollten am Dienstag nach Ostern öffnen, von einer neuerlichen Erhöhung der Ansteckungszahlen – die übrigens bis gestern ausblieb – wurde ausgegangen. Bald wusste man/frau zwar nicht, was mit seinen/ihren Kindern in naher Zukunft sein wird und auch nicht, wann wir endlich mit einem guten Gefühl die uns wichtigen Menschen sehen können, aber dass die Friseure am 2. Mai öffnen würden, war klar. Und so kann auch meine Mutter, eine leidenschaftliche Friseurgeherin, bald einmal die Friseurin nahe an sich ran lassen.

Etwas unwohl war mir schon, als ich diesen vermeintlichen „Ordnungsübertritt“, als welcher ein solcher seelischer Betreuungsdienst im Bewusstsein der Menschen verankert ist, beging – zur Klarstellung: natürlich unter Berücksichtigung der Abstandsregeln. Mein Mutter derart mit seelischem Wasser begossen, blühte auf, und hielt 7 Tage stimmungsmäßig durch.

Unwohl war mir auch, als viele Prominente seitenweise in auflagenstarken Zeitungen verkündeten, dass sie ihre Verwandten zwar schmerzlich vermissen werden, aber im Kernfamilienkreis das Osterfest begehen werden.

Selbst der von mir sehr geschätzte Herr Bundespräsident verfasste einen handschriftlichen Brief, in dem er eben solches bekundete.

Ebenso Kardinal Schönborn, der betonte, dass seine Mutter ihren 100-jährigen Geburtstag allein feiern werde.

Ja, wann der Herr Kardinal dieses große Opfer bringt, so sollten wir doch auch die weitaus kleineren erbringen.

Geht´s noch?  – oh, wie gut mir die sprachliche Anleihe an meine Favoritner Vergangenheit tut!. Geht´s noch,  denk´ ich mir, das ist doch unfasslich und ver-rückt, unsere Menschlichkeit sinnlos zu verschwenden und die Gelegenheit sie anzuwenden zu verpassen.

Aber hier kommt es schon, das nächste Hypnoid: wir sollen die Alten, die Risikogruppe schützen!

Was meine Mutter betrifft, ist das klar. Wenn sie der Tod ereilen sollte, dann ist sie, gläubig wie sie ist, einverstanden.

Doch nein, so leicht ist das nicht vom Tisch. Auf den Vorwurf der Entmündigung wird geantwortet, dass wir durch unser unvernünftiges Verhalten zum Kollaps des Gesundheitssystems beitragen – das ist unverantwortlich und zutiefst gefährlich.

Um es festzuhalten – die Kurve war bereits stark abgeflacht.

Plötzlich wandelten sich die Orientierungszahlen – und es war nicht mehr die Reduktion der Ansteckungszahlen sondern die Reproduktionsrate, die handlungsleitend war – also wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, die sollte unter 1 kommen. Derzeit ist sie weit unter 1, also was jetzt? Vor einigen Tagen war es dann die absolute Zahl – die sollte im zweistelligen Bereich sein und da sind wir noch weit entfernt.

Überhaupt können wir auch nie sicher gehen, ob nicht eine zweite Welle kommen kann – also keine Entspannung in Sicht.

All das löst Irritation aus, Fragen tauchen auf, die unbeantwortet bleiben beziehungsweise sogar zurück geschmettert werden.

Die Ungewissheit, die Unsicherheit, was gilt, das Nicht-Nachvollziehen können der Maßnahmen, die Intransparenz, die mangelnde Glaubwürdigkeit macht uns klein.

Immer dieselbe Vorgehensweise: Damoklesschwert vor die Nase gehalten – es ist noch nicht ausgestanden, dann der schon oftmals wiederholte Satz: „Das ist jetzt die entscheidende Woche“ – heißt, „Seid weiter brav!“, weil sonst droht gleich wieder der nächste home-prison Aufenthalt.

So haben sie uns und sorry jetzt muss ich flapsig werden: So manipulieren sie uns. So vermitteln sie uns, dass wir keine andere Sprache verstehen, dass wir offenbar nicht anders zur Einhaltung der Regeln zu bringen sind.

So werden wir brav und stumm.

So werden wir angeregt, andere zu bespitzeln, misstrauisch auf den anderen zu schauen, ihn zu denunzieren.

Aber wo ein Brav-Sein ist, ist auch ein Schlimm-Sein und auf diese Polarität ist kein nachhaltiger Verlass.

Langer Rede – kurzer Sinn:

Mit all dem muss Schluss sein!!!!!

Ich fordere einen Respekt, eine Anerkennung, dass wir Menschen grundsätzlich vernunftbegabte Wesen sind!

Ich fordere eine Anerkennung meiner Menschenwürde, mit allem was dazu gehört!

Ich fordere die Entlassung all der Auftrittsberater, damit wir die wahren Gesichter der PolitikerInnen sehen können, wenn die Masken abgelegt werden und Worte aus dem Herzen, aus der Wahrheit und Aufrichtigkeit kommen und nicht um uns zu manipulieren.

Dann können wir wahrlich solidarisch, gemeinsam und mit Engagement diese Krise bewältigen, und Wandel wird stattfinden und es wird zum Guten sein.

So da musste gesagt werden!

Und ich hab´keine Lust auf Beschimpfungen und nicht mal auf Diskussionen. Sehr wohl bin ich offen für Eure Rückmeldungen, was das von mir geschriebene mit Euch macht. Danke dafür!

Und jetzt trau´ ich mich, wenn auch mit klopfendem Herzen, es zu veröffentlichen!