Krebs Leben – die Kombination der Möglichkeiten

Das Buch von Miriam Reichel ist ein Schatz!

Es ist nicht nur ein Bericht über eine spektakuläre Heilungsgeschichte, die im 1. Teil beschrieben wird, und bleibt nicht nur bei einem persönlich getönten Erfahrungsbericht, sondern geht weit darüber hinaus.

So findet sich in 2/3 des Buches eine auf profunden Daten beruhende Analyse zu vielen Aspekten um eine Krebserkrankung und ihre Therapie.  Es zeigt damit auf, wie viel Unwissenheit im Zusammenhang mit Krebs und seinen Therapiemöglichkeiten nach wie vor herrscht.

Es gibt damit eine grundlegende Basis für einen bewussten, eigenverantwortlichen Weg,  der aus einer Kombination der Möglichkeiten besteht. Erholsamer weise verdammt die Autorin weder das eine – die Schulmedizin – noch das andere – die alternativmedizinischen Möglichkeiten.

Es sollte unbedingt am Beginn des Krebsweges und vor einer Therapieentscheidung gelesen werden, weil die hier gegebenen Informationen entscheidend sein können, ob und auch wie man den einen oder anderen Weg antritt.

Bereits im persönlichen Bericht, finden sich viele wertvolle Hinweise und Botschaften, von welchen ich die für mich Wesentlichsten beschreiben will.

Die aller wichtigste ist wohl folgende:

1. „Meine eigene Geschichte ist der beste Beweis dafür, dass Krebs heilbar ist.“

Wohlgemerkt handelte es sich um ein Morbus Hodgkin Lymphom in Stadium 4b, mit einer Überlebensprognose von 8 Wochen.

  1. Man braucht, um den Weg zu gehen, einen kundigen Begleiter, der gleichzeitig die Verantwortung ganz bei dem betroffenen Menschen lässt. Das hatte Miriam in ihrem homöopathischen Arzt.
  2. Beginne da, wo Du beginnen kannst, eigenständig. Das war bei Miriam ihre Kohl- Diät, die sie über lange Zeit aufrecht erhielt.
  3. Halte Dich fern von Menschen, welche ihr – unüberprüftes – Wissen ungefragt an Dich heran tragen! Halte Dich fern von Menschen, welche Dich mit mitleidigen Augen betrachten, die nicht an eine Heilung glauben und Dir mit Drohungen und moralischen Appellen („Bist ja Mutter von kleinen Kindern“) nahe treten!
  4. Orientiere Dich an Krebsgeschichten mit einem wirklichen Happy End!
  5. Bevor Du in einen diagnostischen, oft auch belastenden Prozess eintrittst, sei Dir bewusst, welchen Therapieweg Du auf der Basis dieser Diagnose einschlagen willst!
  6. Sei Dir Deines persönlichen Heilungsziels bewusst! Miriam wollte nicht einfach ein paar mehr Monate überleben, sie wollte wirklich gesund sein mit allem, was dazu gehört.
  7. Stell Dir die Frage, was Du von Deinem Leben wolltest und was Du gerne verwirklichen willst!
  8. Nimm die Diagnose wahr, nicht jedoch alles was dran hängt – Statistik, Stigma, Prognose!
  9. Forsche, forsche, forsche – mach´ Deinen Krebs zu Deinem Forschungsprojekt!
  10. Wähle Ärzte, mit welchen ein dialogischer Prozess stattfinden kann, die Dich würdigen in Deiner Expertise, in Deiner Gründlichkeit und dies nicht als nervende Lästigkeit abtun!
  11. Lege Deine Marschroute fest und bleibe ihr beharrlich treu!
  12. Untersuche Deine grundlegenden Überzeugungen zum Beispiel zum Krebs und zum Tod und korrigiere sie, wenn sie einer Heilung nicht förderlich sind!
  13. Nicht jeder Krebs muss eine psychische Ursache haben, lass´ Dich also nicht beirren, wenn es Dir gut geht in Deinem Leben, Du mit Deinem Mann und Deiner Familie glücklich bist, was nicht heißt, dass Du etwas verändern kannst im Sinne eines Dir gemäßen Lebens! Miriam hat Ihre Juristerei an den Nagel gehängt, und ist in ein weit entferntes Land gezogen, wo sie mit ihrem Pferd – wunschgemäß – über den Strand galoppieren kann und Bücher schreibt.
  14. Sei nicht zu zimperlich mit Dir selbst in den Anforderungen, z.B. der disziplinierten Einhaltung der Diät!

Im 2. Teil geht Miriam anhand von ausführlicher Dokumentation von Forschungen auf  sehr wesentliche Fragen ein – z.B. welche Wechselwirkungen sich aus der Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen usw. mit einer Chemotherapie ergeben.

Sie geht weiters auf Nahrungsmittel und für Krebs spezifische Diäten,   wie die Budwig oder Gerson Diät ein, und wie sie eine heilsame Wirkung entfalten können.

In Bezug auf die Chemotherapie werden Tests für Tumorprofile vorgestellt, mit welchen man feststellen kann, welche im konkreten Fall überhaupt wirksam sein können.

Es werden die Nebenwirkungen ebenso beschrieben wie Möglichkeiten, sie gering zu halten. Alles sehr detailliert, gründlich und übersichtlich.

Es wird beschrieben, wie wesentlich ein basisches Milieu ist und was man dazu beitragen kann.

In diesem Sinne ist es auch ein Nachschlagwerk, in dem man sich immer wieder vertiefen und damit neu motivieren kann.

Also, ich bin voll begeistert, wie man wahrscheinlich schon festgestellt hat.

Ich möchte nur einen Aspekt erwähnen, der mir wichtig erscheint bei der Lektüre:

Auch wenn alles Sinn macht, was Miriam zu ihrer Heilung unternahm, es sind wohl fundierte Entscheidungen, die da getroffen wurden und das wird auch sehr schlüssig dargelegt, ist es dennoch ihr Weg. Jeder Krebs ist anders und vor allem jeder Mensch ist anders. Bei Miriam war der Krebs ein existentiell bedrohliches Geschehen – es ging ums Überleben. Da geht es nicht darum, ein bissl von dem und ein bissl von dem zu machen, sondern um radikale Maßnahmen.

Bei mir selbst handelte es sich um einen langsam wachsenden Tumor, ein In situ Carcinom. In meiner subjektiven Kranheitstherorie war das Krebsgeschehen ein Ausdruck der erbarmungslosen Härte gegen mich und meine Bedürfnisse. Jahrelang hielt ich mich an diverse, „gesunde“ Diäten und befolgte sie mit großer Strenge.

Für mich war die Krebsdiagnose ein Aufruf, mehr Milde und Mitgefühl im Umgang mit mir walten zu lassen, damit endlich Ausdehnung stattfinden kann. Eine weitere strikte Diät hätte mein Lebenslicht gehörig gedimmt und mich in ein lichtloses Verließ gebracht, weshalb zwar eine grundlegende Orientierung an einer gesunden Ernährungsweise – in meinem Fall die ayurvedische Ernährung – gut war, nicht jedoch eine radikale Einschränkung, wie sie Miriam vornahm.

Ich möchte dies zu bedenken geben, weil ich weiß, dass Menschen, die in einer Krebs-Not sind, sich allzu schnell einem fremden Weg anschließen, wenn er einmal zum Erfolg geführt hat – für jemandem in einer anderen Situation, mit anderen Voraussetzungen.  Oder wie Miriam selbst sagt: „Jeder Weg kann der richtige sein, wenn er selbstbestimmt und aus Überzeugung beschritten wird – und nicht aus Unwissenheit und Angst.“

Das Buch endet mit einer wunderschönen, märchenhaft anmutenden wahren Geschichte von einem Mann, der Heilung erfuhr, indem er sich von der Welt zurückzog, ein rhythmisches, immer gleich bleibendes Leben führte, indem er täglich literweise Säfte trank, viel lief und an seinem (Lebens-)Projekt arbeitete.

Wie das ganze Buch zeigt diese Geschichte, dass alles möglich ist – wenn wir die Verantwortung für unsere Heilung übernehmen, wenn wir beharrlich und treu unseren Heilungsweg gehen, und wenn wir uns nicht vom Außen und dem, was über den Krebs so gedacht wird, beirren lassen.

Das Buch ist ein Booster für Mut, Tatkraft, Ernsthaftigkeit, Genauigkeit und auch einer Prise Strenge, wie sie nur jemand äußern darf, der es mit einem derartigen Krebsgeschehen zu tun hatte.

Das Buch entfaltet so viel Kraft, weil es von einem wirklichen Krebsprofi geschrieben ist, von einer Frau, die weiß, wovon sie redet, weil sie es selbst erlebt hat und den  Weg gegangen ist. Es ist in diesem Sinne wirklich ein „verständnisvoller Ratgeber, geistiger Leitfaden und seelische Unterstützung. “

 

Danke liebe Miriam für dieses wertvolle Werk!

 

Corona/Krebs – Wahrheit und Wissenschaft

Der Virologe Dr. Christian Drosten war am 24.4. in der ZIB 2. Armin Wolf hatte die Ehre und es war ihm anzusehen, wie begeistert er war, dass es ihm gelang, ein Interview mit ihm zu führen.

Und ja, alles, was Herr Dr. Drosten sagte, war schlüssig, sehr verständlich, einfach ausgedrückt, nicht überheblich – wie viele Menschen in den sozialen Medien bemerkten, bescheiden und sehr sympathisch.

Ja so ist es – spätestens jetzt wissen wir, wie es wirklich ist.

Aber tun wir das wirklich?

Zur Zeit kann ich diese Beeindruckbarkeit gut an mir selbst beobachten – ich höre ein Interview – z.B. jenes von Dr. Drosten und denke – aha, ja sehr schlüssig, eigentlich klar, wenngleich ich bereits mit einem kritischen Ohr zuhöre. Dann höre ich eines von Dr. Wodarg oder vom sehr sympathischen Dr. Arvay, vom klugen, warmherzigen Dr. Bhakdi…. alles sehr schlüssig.

Was soll ich glauben?

Ich gestehe, bei mir ist die Entscheidung schon vor längerer Zeit gefallen.

Auch an Krebskranke wird eine wissenschaftliche Wahrheit herangetragen – Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapie…- das sind die Mittel, mit welchen man den Krebs bekämpft.

Die auf wissenschaftlichen Studien beruhenden Fakten werden mit der gleichen Überzeugungskraft an Menschen herangetragen, wie jetzt die Notwendigkeit einer Impfung, die uns von der drohenden Corona Gefahr befreien wird.

Tausende PatientInnen kommen so gebrieft, man könnte auch sagen, beeinflusst, gar nicht auf die Idee, einen anderen Weg zu gehen, auch weil dieser eine von allen Seiten unterstützt wird. So wird davon ausgegangen, dass, wenn man einen schulmedizinischen Weg geht, man überleben will, sonst gibt man auf. Wir werden vom System unterstützt, indem die Krankenkassen die Kosten für schulmedizinische im Gegensatz zu alternativmedizinischen Methoden übernehmen, die Ärzte uns zugewandt bleiben, die Verwandten beruhigt sind.

Alles andere – wie beispielsweise hochdosierte Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel, eine Ernährungsumstellung, psychologische Unterstützung…. kann man zusätzlich gerne machen, aber doch nicht alleine.

Ebenso gibt es in der Krebstherapie AlternativmedizinerInnen, die ganz und gar die Schulmedizin ablehnen. Auch sie berufen sich auf Studien und Erfahrungen, wenn sie beispielsweise sagen, dass die Chemo mehr Schaden anrichtet als sie Gutes tut. Auch hier eine große Überzeugungskraft, die unseren Blick fokussiert und dadurch blenden kann. Ja so ist es. Ganz klar.

Vor 22 Jahren habe ich 3 Tage nach meiner ersten Krebsdiagnose einen Chirurgen, seines Zeichens eine Berühmtheit auf dem Gebiet von Brustkrebs kontaktiert.

Auf meine Frage, ob ich meinen niedrig malignen Brustkrebs beobachtend (wait and watch), mit einer homöopathischen Therapie und Ernährungsumstellung begleiten könnte, sagte er mit einem tiefen Augen-verdrehenden Seufzer: „Sie haben Krebs!“ und weiter in ungefähr: „Jetzt nehmen wir Ihnen mal die Brust ab, dann sind Sie körperlich geheilt und dann können Sie sich um Ihre Psyche kümmern.“

Glücklicherweise war dieser Chirurg menschlich so unzumutbar, dass eine Behandlung bei ihm nicht in Frage kam.

Aber: es war beeindruckend – es gibt nur diese Möglichkeit, so die Botschaft – State of the Art, nach Stand der Wissenschaft – ist die Ablatio die einzig korrekte Vorgehensweise.

Im Übrigen änderte sich der Stand der Wissenschaft innerhalb von 3 Monaten und so sollte mir, der damals 41-jährigen,  nicht nur die eine sondern auch die andere Brust abgenommen werden – ein 9- stündiger Aufbau sei leicht zu machen (!). Auch die Eierstöcke sollten mir entfernt werden und die jahrelange Einnahme von Tamoxifen, einem Hormonsuppressivum, das mich in einen sofortigen Wechsel gebracht hätte, sei – State of the Art – auch indiziert, so sagte man mir. Sicher ist sicher!

Es ging anders! Und ich fand einen Chirurgen, der mir die Brust beließ und mit liebenden Händen den Tumor entfernte und mir damit ermöglichte, noch 20 Jahre mit meiner Brust zu leben.

Was ich sagen will: Letztlich geht es nicht darum, ob jemand über Überzeugungskraft verfügt. Über eine solche verfügen, man verzeihe mir den Vergleich, Herrscher aller Zeiten. Sie verblendeten den Geist der Menschen und es brauchte lange Zeit, um drauf zu kommen, welch´ tödlichem Irrtum man aufsaß.

Es geht auch nicht (nur) darum, dass eine Theorie schlüssig ist. In sich sind viele Theorien schlüssig – Chemotherapie tötet die Krebszellen und lässt uns überleben, so die von mir zugegeben verkürzt wieder gegebene einleuchtende Theorie. Und das tut sie in vielen Fällen auch. Darüber hinaus stellt sich jedoch die Frage, unter welchen Bedingungen sie auch nachhaltig heilsam wirkt, oder ob sie nicht im Gegenteil die Voraussetzungen schafft, dass dadurch ein neuerliches Krebsgeschehen verursacht wird. Darüber schweigt meines Wissens die etablierte Wissenschaft.

Auch wird nur das Zellgeschehen betrachtet, nicht das Umfeld, sei es das biologische, das individuelle, das psychische, wie auch das der Beziehungen, in welchen der Mensch lebt. Ebenso wird jetzt bezüglich Corona nur auf der Ebene des Virus gesprochen. Der Gesamtkontext – der Einfluss der Immunabwehr und wie sie zu unterstützen ist, wird demgegenüber gar nicht oder zumindest zu wenig ins Bewusstsein gerückt.

Ein weiterer Aspekt ist die Finanzierung von Studien: Man braucht nur das Buch „Die Krebsindustrie“ zu lesen oder den letzten Abschnitt von Langbeins „Weissbuch Heilung“, um zu erfahren, dass die wissenschaftliche Forschung mittlerweile nahezu vollständig von der Pharmaindustrie gesponsert wird, und auch wie die allseits kolportierten Daten zu Stande kommen, dass zum Beispiel die Ergebnisse, welche für deren Wirksamkeit sprechen, mehrmals veröffentlicht werden, solche die die Wirkung nicht bestätigen, hingegen nicht selten unveröffentlicht bleiben.  Um sich ein Urteil zu bilden, sollten wir also fragen, woher die Forschungsgelder kommen und welchem Interesse sie damit folgen.

„In Deutschland gibt es bisher nicht eine einzige Studie, die untersucht, ob und welche der in Kliniken und Praxen eingesetzten Krebsmedikamente tatsächlich den Nutzen für die Patienten bringen, den man laut den Zulassungsstudien erwarten kann. Bei den Pharmaunternehmen erlischt das Interesse in dem Moment, da sie das Medikament zugelassen und auf dem Markt haben, bei den Krankenkassen, da sie es bezahlen müssen und der Preis feststeht. Und für die behandelnden Ärzte gilt, dass sie für weitere Forschungen in der Regel keine finanziellen Mittel haben, weil weder die Industrie noch die Kassen dafür aufkommen wollen. Geld gibt die Industrie meist für Marketingstudien, die der Umsatzsteigerung dienen und nicht der Beantwortung einer ernstzunehmenden Forschungsfrage.“ so Lauterbach (2015, S. 148)

Das ist der Grund, warum Brokkoli keine Lobby hat, warum Nahrungsergänzungsmittel und deren Einfluss auf das Immunsystem nicht untersucht werden und warum auf die Frage nach der Wirksamkeit dieser Mittel schnell einmal mit dem Hinweis auf den Mangel an Studien verwiesen wird. Wie jetzt bei Corona ständig von der Notwendigkeit einer Impfung beziehungsweise pharmazeutischer Produkte verwiesen wird und niemals auf die Unterstützung unserer Basis – nämlich auf Maßnahmen, wie wir unser Immunsystem unterstützen können, sodass wir trotz Infektion nicht schwer erkranken.

Ich würde mir wünschen, dass täglich anstelle der Betonung der Gefahr und der Ohnmacht dem Virus gegenüber Folgendes gesagt wird: „Bitte schauen Sie auf sich. Essen Sie biologisches Gemüse und Obst, atmen Sie bewusst, machen Sie die noch nicht von der Maske bedeckten Augen auf, freuen Sie sich an der Natur, daran, wie sich das Leben durchsetzt. Und freuen Sie sich, dass Sie am Leben sind und atmen können.“

Langer Rede kurzer Sinn:  Nicht alles, was uns mit voller Überzeugung vermittelt wird, ist wahr, weil es oftmals nur einen schmalen Ausschnitt der Wirklichkeit abbildet.

Und es ist an uns, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Wie das viele meiner Krebsgeschwister taten – Miriam Reichel, Gabriele Freytag, Sophie Sabbage und all die Menschen, denen mit eben solcher Gewissheit gesagt wurde, dass sie unbedingt eine schulmedizinische Behandlung brauchen, weil sie sonst nicht mal die wissenschaftlich prognostizierte Lebensdauer – bei Miriam Reichel waren das 8 Wochen – erleben werden.

Sie leben immer noch. Miriam nunmehr seit 15 Jahren, weil und nicht trotzdem sie ihren eigenen Weg gegangen ist, der im Übrigen auch die Schulmedizin einschloss.

Sie alle stellten unbequeme Fragen, starteten ihr eigenes Forschungsprojekt zur Erkundung ihres Krebses und erwarben sich ein Wissen, das über das der wissenschaftlich ausgewiesenen Experten weit hinaus reicht.

Und – sie haben Verantwortung übernommen und den Mut gehabt, für ihre Wahrheit einzutreten.

Nochmal langer Rede kurzer Sinn:

Wir alle verfügen über einem übergeordneten Sinn, der uns erkennen lässt, was für uns wahr und richtig ist. Er ist oftmals vergraben durch eine Erziehung, die uns von uns wegführte, durch Manipulation und Verführung und durch Panikmache, wie jetzt bei Corona.

Diesen Wahrheitssinn sollten wir ent-decken – in einem Fühlen und Erspüren. Vielleicht kann ich nicht erklären, warum etwas von mir als wahr erkannt wird, aber es ist Zweifel-los so.

Was wahrhaftig wahr ist erschließt sich mir aus meiner Resonanz zum Gesamten und dann weiß ich einfach, dass es so ist, wie es ist. Darüber kann es letztlich keine Diskussion geben, weshalb all der aufreibende Austausch über die Wahrheit müßig ist.

Wenn diese meine Wahrheit jedoch bei anderen Resonanz findet, dann ist das ein großes Glück.

Literaturempfehlungen

Freytag, G. (2017). Ein wilder Ort. Marta Press.

Langbein, K. (2014). Weissbuch Heilung. Wenn die Moderne Medizin nicht mehr tun kann. Ecowin.

Lauterbach, K.(2015). Die Krebsindustrie, Wie eine Krankheit Deutschland erobert. Rowohlt

Reichel, M. (2017). Krebs Leben. Die Kombination der Möglichkeiten. Cajus-Verlag

Sabbage, S. (2015). Die Krebsflüsterin. Der 8-schritte-Kompass für einen selbstbestimmten Umgang mit der Krankheit. Irisiana

Momentum, die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für biologische Krebsabwehr verweist immer gut recherchiert auf Forschungsergebnisse https://www.biokrebs.de/gfbk/freundeskreis/momentum-aktuell

Und noch zwei für mich gut dokumentierte und differenzierte Datenanalysen:

https://www.addendum.org/coronavirus/lebensschutz-als-totschlagargument/?fbclid=IwAR17mn35p79HEb_tG0cJF1MLoIrWHV2IdEWXxWmRi52Ea1GNCQTxPh-JHjQ

https://www.martin-hirte.de/coronavirus-2/?fbclid=IwAR2ycUTawSTYDbsChiFHYlwNpkmoFsRc2jRTRk0uW1I5A–6PoR_nq2wX9E

Embrace

Zwei Tage nach der Totaloperation meiner Brüste vor einem Jahr sah ich am Frauentag den Film „Embrace“. Er hat  mich sehr berührt, weil er aufzeigt, wie sehr das Diktat, was als schön gilt, in uns Frauen wirkt. Und auch weil er ermutigend ist, zeigt er doch viele Frauen, die in Bezug auf ihr Aussehen und ihren Körper einen tiefen Transformationsprozess durchliefen.

Mir gefällt mein neues Brust-loses Sein. Mein Leben lang habe ich mich für meine Brüste geniert, obwohl sie „eigentlich“ schön waren, weder waren sie zu groß, noch zu klein, auch waren sie symmetrisch. Nichts auszusetzen. Immer fühlte ich mich exponiert durch sie, dem anonymen, männlichen Blick ausgesetzt, trachtete sie daher zu verbergen, mich einzustülpen.

Jetzt bin ich flach und die Scham ist vorbei, zumindest, wenn ich bekleidet bin, kann ich mich ohne Fritz und Fritzi, meine beiden Ergänzungsteilchen – auch unschön Prothesen genannt, einfach flachbusig zeigen. Selbstverständlich.

Dellen haben sie, wegen des oftmaligen Punktierens und auch Hautverfärbungen, die sich aufgrund der Hämatome nicht zurückgebildet haben. Und natürlich gibt es keine Brustwarzen mehr.

Nein genieren tu´ ich mich nicht dafür.

„Flat is beautiful“ wurde bald zu meiner Devise – (siehe dazu auch: https://krebscoaching.org/2019/02/.  Ich habe leicht reden, bin ich doch seit Jahrzehnten mit meinem lieben Mann verheiratet, der mich liebt und mich schön findet und begehrt, ob mit oder ohne Brüste, auch wenn er sie bisweilen vermisst.

Nur, wenn ich mir vorstelle, dass ich mich im Zuge einer Ayurvedakur massieren lasse oder in eine Sauna gehe, wird mir etwas unbehaglich zumute. Fühle mich aufgefordert, vorzuwarnen.

Da will noch etwas umarmt werden, sodass ich zu meinem Anderssein selbstverständlich stehen kann.

Im Film Embrace werden Frauen vorgestellt, die zum Beispiel aufgrund einer Verbrennung oder eines hormonell bedingten Bartwuchses vor die Wahl gestellt wurden, sich lebenslänglich zu verbergen oder aufwendige Prozeduren auf sich zu nehmen, um den Makel unkenntlich zu machen.

Und es werden viele –  schöne! – Frauen befragt, wie sie ihren Körper finden und die Antworten sind erschreckend – hässlich, zu fett, abstoßend… sei er. Das war schmerzlich zu hören.

Der Film war ein neuerlicher Weckruf, mich immer wieder zu versöhnen mit diesem meinen Körper, wie immer er ist.

Dass es darum geht, uns von der ständigen selbstbezüglichen kritischen Betrachtung unseres Äußeren zu lösen.

Dass es darum geht, nicht mehr unsere Zeit, unser Geld und unsere Energie zu investieren, um einer suspekten – künstlich kreierten – Norm zu entsprechen.

Dass wir Räume – in guter alter feministischer Tradition – kreieren, wo wir uns über all das ehrlich austauschen können und einander zeigen, wie wir aussehen und sind. Dass wir einander auch bekräftigen und unterstützen, in dem was wir eigentlich hier zu schaffen haben.

Dann kann unsere Lebenskraft in unser Wirken hier auf die Erde strömen, wo es ja wahrlich nötig gebraucht wird.

Flat is beautiful

Ein paar Wochen nach meiner Brustkrebsoperation im Jahr 2018 habe ich, damals im Team der Österreichischen PsychologInnen am Frauenlauf teilgenommen. Hier habe ich, weil ziemlich untrainiert, im Schweiße meines Angesichts die Idee geboren, beim nächsten Mal ein Team zu gründen mit dem Titel „FlatIsBeautiful“.

Ich möchte damit ein Zeichen setzen, dass die Brust nicht darüber entscheidet, ob wir schön und weiblich sind. Dass wir vielmehr immer schön sind, ob unsere Brüste groß, klein, oder nur mehr innerlich vorhanden sind.

Wenn Ihr am 26.5.2019 beim Frauenlauf dabei sein, diese Botschaft mitteilen, und dem Team angehören wollt, dann gebt bitte bei der Anmeldung beim Punkt „Zusätzliche Informationen“ an, dass Ihr in einem Team mitlaufen wollt unter dem Teamnamen FlatIsBeautiful. Es muss genauso geschrieben werden. Alle Infos: https://www.oesterreichischer-frauenlauf.at/ 

Die Anmeldung beginnt am 2.3. 2019 und wie jedes Jahr wird es ziemlich bald ausgebucht sein. Ich laufe 5 km, man kann walken oder 10 km laufen. Es lohnt sich eine Stornoversicherung abzuschließen, die ist günstig und gut, wenn frau nicht sicher ist, ob sie teilnehmen kann.

Wenn Ihr dabei sein, oder in einer anderen Form an dem Projekt teilhaben möchtet, dann bitte mir eine email unter beawirth@yahoo.de schicken.

Ich habe vor, dass es Treffen gibt, und wir uns vielleicht auch eine Lauf-Coachin organisieren.

Außerdem möchte ich ein Leiberl designen lassen, wo vorne FlatIsBeautiful steht und hinten „Breast Cancer is not the End  – of Femininity“.

Für Ideen und Mitwirkung in jeglicher Form bin ich dankbar.

 

Busen-los glücklich. Ein Gegenentwurf!

„Es ist eine sehr schwere Zeit“ sagt Elia Bragagna im Radiokollegbeitrag vom 13.3.2018 in Bezug auf die Zeit nach einer Brustkrebsoperation. „Es ist eine schwere Zeit, und es ist harte Arbeit“, zu einem neuen Verhältnis und einem Selbstbild zu kommen, sagt sie da.

Nein, will ich gleich widersprechen. War es nicht. Dieses Jahr – heute jährt sich die 3. Brustkrebsdiagnose – war kein schweres und nein, es war auch keine harte Arbeit, mich mit meinem neuen Selbstbild wohl zu fühlen.

Ja, es war eine intensive Zeit, oftmals eine Hochschaubahn der Gefühle, ein Aufgeregtsein war es, aber nicht dunkel und nicht schwer. So habe ich es erlebt.

Zu allererst war es eine wandelnde Zeit.

Ich durfte noch einmal ganz tief in die Schichten meiner Selbst eindringen, mich von Altlasten befreien. Und dazu gehört auch meine Brust. Ich musste sie nicht hergeben, da hätte es auch andere Wege gegeben, hat es sich doch nicht um einen schnell wachsenden, aggressiven Tumor gehandelt. Diese anderen Wege wollte ich nicht gehen. Ziemlich schnell war klar, dass ich mich von ihr trennen wollte.

Viele wunderbare Erlebnisse hatte ich in diesem Jahr, angefangen von der Suche nach einer geeigneten Form des Umgangs mit der Diagnose. Konnte wieder mal die Bewusstseinsanhebung rund um die Diagnose bemerken, meine Klarheit, die Unbeirrbarkeit in meinem Wissen, was zu tun ist.

Dann durfte ich mich in meinem Mut erfahren, meinen bei den ersten beiden Diagnosen außerordentlich dienlichen Chirurgen zu „entlassen“, weil ich merkte, dass seine Haltung (dass die Brust zu erhalten ist) keine stabile Basis für eine derartig große Unternehmung ist. Dann die Begegnung mit meiner Chirurgin, wir zwei Frauen – zu erleben, wie viel nahezu schwesterliches Einverständnis es in unserer Beziehung gibt.

Für mich war diese Zeit eine lichtvolle.  Eine Zeit der Befreiung, eine Befreiung auch von Konzessionen und Konzepten, woran die Schönheit einer Frau geknüpft ist.

Und dann war sie weg, die Brust, und gar nichts, wirklich gar nichts fehlt mir. So ist es.

Mehr noch, ich habe das Gefühl, endlich in meinem Körper angekommen zu sein, so bizarr das klingen mag. Und der ist nicht mal brustlos, gibt es ja noch diese innere Brust und auch diesen kleinen Brustansatz, der dank der wunderbaren Operation noch immer da ist.

Schön fühl ich mich.

Bei allem Respekt und Verständnis, dass es für viele Frauen leider eine schwere Zeit ist und eine große Belastung,  gilt es dies mitzuteilen:

Nein, es muss keine Katastrophe sein, wir sind keine kastrierten Frauen, Brust- und Sexualitäts-amputiert. Wir können über einen derartigen Einschnitt, der auch patriarchale Bilder von uns, wie wir sein sollen, durchtrennt, zu unserer wahren Kraft und Schönheit finden.

Das gibt es auch.

Da steht sie auf, die alte Feministin in mir und möchte  entgegenrufen: Hej, es ist wichtig, auch davon zu erzählen und nicht bloß, dass es ach´ so schlimm ist (sein muss) und ach´ so eine schwere Zeit.

Lasst uns die Frauen mit ermutigenden Botschaften speisen, dass es im Wesentlichen sooooo was von wurscht ist, für uns und unseren Weg, ob da zwei Gewebsteile an uns dran hängen oder nicht.

Das musste jetzt einmal gesagt werden.

Meine Tochter ist eine besondere Frau

Und das ist sie in vielerlei Hinsicht – in ihrer Weisheit, die der einer älteren, lebenserfahrenen Frau gleicht, in ihrer Mädchenhaftigkeit, die mit kindlicher Stimme ein Glas Leitungswasser bestellt, in der Verbindung von weit auseinander liegenden Welten – der Wissenschaft, der Kunst, der Emotionalität und Nüchternheit…..

Vor nunmehr einem Jahr hat sie sich, inspiriert durch ein sehr freies Umfeld in Montreal, entschieden, keinen BH mehr zu tragen, und sich auch nicht mehr zu rasieren.

Wir könnten jetzt glauben, sie habe ohnedies nur eine kleine, nicht weiter auffällige Brust, aber nein, der Busen meiner Tochter ist nicht klein sondern deutlich sichtbar.

Und nein, sie verhüllt diesen nicht mit weiten dunklen Hängerchen, sie trägt enganliegende T-Shirts, die auch ihre Brustwarzen zu erkennen geben. T-Shirts, die ihre Brüste offenbaren.

Und nein, sie hält sich auch nichts schützend vor, wie ich es jahrzehntelang gemacht habe. Sie verschränkt nicht ihre Arme, auch wenn sie durch eine Menschen-Männer-Menge geht.

Damit habe ich es bisweilen schwer. Ich, die ich mich mit meinen Brüsten immer zu exponiert fühlte, sie weg haben wollte, weil sie Hauptangriffspunkt anonymen Begehrens waren, die mich zu-  und eindringlichen Blicken aussetzten.

„Willst Dir keinen BH anziehen?“, sag ich dann, wenn uns ein Tag voller Ausgesetztseins bevorsteht. „Nein,“ sagt sie, „sind doch meine lieben Brüste, die ich nicht in einen BH zwängen will. Die gehören zu mir, wie zu jeder Frau dazu.“

Ich möchte mich vor sie stellen, wenn ich merke, dass die mit uns fahrenden Männer sie anstarren. Ich lasse es, unter Aufbietung aller Ein-Sicht, die ich in einer derartigen Situation aufbringen kann, und weil ich es toll finde, dass sich meine Scham über die offenkundigen Zeichen meiner Weiblichkeit nicht in die nächste Generation tradiert hat.

Und weil ich es bewundernswert finde, dass meine Tochter frei ist, ein Zeichen zu setzen.

Und sie – sie geht völlig unbeeindruckt munter vorbei, selbst-verständlich und selbst-vergessen, gibt es doch so viel Wichtigeres, was ihre Aufmerksamkeit anzieht.

Sie hat das Gefängnis der Selbst-Bezüglichkeit, dass das Leben so vieler Frauen (meiner Generation ?!) prägt, verlassen – dieser Selbstbezüglichkeit, sich ständig des eigenen Körpers bewusst zu sein, wie er aussieht, wo etwas zu viel oder zu wenig ist, wo etwas wackelt und hervorschaut, wo etwas Begierden hervorlocken könnte, was frau essen darf und vermeiden muss.

Die Burka des kritischen Selbst-Blicks.

Meine Tochter isst, wenn sie Hunger hat und das, wonach ihr Körper gerade verlangt.

Sie liebt ihren Körper in seinem So-Sein und sie achtet darauf, was für ihn gut ist.

Sie ist frei und mutig.

Dafür und für so vieles mehr liebe ich sie.
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Gleich-Gültig

Seit ich meine neuerliche Krebs – Diagnose veröffentlicht habe, erhalte ich viel Zuspruch, Mitgefühl aber auch Bewunderung für meinen Mut und die Art, wie ich damit umgehe. Das berührt mich, ist wirklich wohltuend und ich bin dankbar dafür.

Andererseits ist die Krebsdiagnose – das mag jetzt komisch klingen –  noch nie das Schlimmste in meinem Leben gewesen.  Er ist ja auch kein wirklich böser (https://krebscoaching.org/2018/01/20/mein-krebs-ist-kein-boeser/).

Vielmehr bringt mich die Diagnose in meine Klarheit, in mein höheres Wissen, in meine Essenz und meine Kraft.

Ich kann es nicht mal Krankheit nennen, weil ich mich nicht krank fühle, und deshalb mich nicht als krank bezeichnen möchte. Ich habe bloß eine Krebs-Diagnose. Da ist was in meiner Brust – sehr umschrieben und nicht groß, aber rundherum bin ich gesund und fühle mich auch so.

Ich glaube, es könnte vielen Menschen Vieles erspart werden, wenn sie sich (auch!!) an das halten, wie sie sich fühlen.

So hat mir vor einiger Zeit eine Frau mit metastasierendem Brustkrebs gesagt, dass sie sich fortan nicht mehr von der Höhe der Tumormarker beeindrucken lassen will und auch nicht von der doch sehr drastischen Diagnose.

Sie misst ihre Gesundheit an ihrem Befinden, ihrer Energie und daran gemessen, erscheint sie mir gesünder als viele andere, die sich mit schweren Schritten und Atemlosigkeit die 2 Stock zu mir hinauf plagen.

Auch ist die Krebsdiagnose im Gegensatz zu anderen wie HIV, Hepatitis C, aber auch Colitis ulcerosa …. mittlerweile gesellschaftsfähig und anerkennungswürdig. Für eine Krebsdiagnose erfahren wir viel Verständnis, echtes Interesse und ganz konkrete Unterstützung

Für mich ist das ganz normale Leben oftmals viel schwieriger zu bewältigen als das geordnete Vorgehen, das meine Krebsdiagnose nach sich zieht.

Krebs ordnete mein Leben, und gibt bestimmte für mich bewältigbare Schritte vor – Ärzte kontaktieren, Untersuchungen, die Therapiewahl, dann die Therapie, die Berücksichtigung der Nebenwirkungen und die Behandlung der Konsequenzen.

All das ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes überschaubar und damit auch machbar, auch wenn es teilweise unangenehm ist.

Aber (wie vor ein paar Tagen) einen den Strom in einer Wohnung einleiten lassen müssen, einen Energieanbieter wählen, die ganze Prozedur zunächst heraus finden – dass es zum Beispiel einen Unterschied zwischen Netzbetreiber und Anbieter gibt, dass man einen Zählpunkt angeben muss, und der nicht wie vermutet am Zählerkasten steht, dass ich mich da sowas von nicht auskenne, und mich in all dem Unwissen äußerst blöd fühle….

Dass sodann der Strom nicht in 8 bis höchstens 24 Stunden angedreht wird, sondern erst in  zwei Wochen, dass ich das um 21 Uhr erfahre, wo ich natürlich niemanden mehr erreiche, um da gleich Gegenmaßnahmen einleiten zu können, da die zwei jugendlichen Menschen, die ab übermorgen drin leben werden, sicher nicht all die Tage in einer kalten Wohnung verbringen können….

Das ist es, was mich an den Rand der ohnmächtigen Verzweiflung bringt. Umso mehr, als es mich sehr beschämt, wie sehr mir das zusetzt, und was das mit mir macht.

Welch ein Problem? Da gibt es ja echt Ärgeres, Schlimmeres, wie zum Beispiel meine Krebsdiagnose.

Nein gibt es für mich (zu diesem Zeitpunkt) nicht.

Weil diese Dinge einfach alte Überforderungen in mir berühren, oder wie man in der traumtherapeutischen Diktion sagt, sie triggern mich. Und dann hänge ich Stunden im State – auch das ein Fachterminus aus der Traumatherapie – mit allem Drum und Dran.

So gibt es viele Beispiele von Belastungen, die nicht als solche gewürdigt werden, und die damit in den Bereich der Verschwiegenheit geraten:

Zum Beispiel über Jahre auf  Bewerbungen um einen Arbeitsplatz keine Antwort bekommen, depressiv sein, vor allem und jedem Angst zu haben, Zwänge (sehr tabuisiert !!), Panikattacken, Lustlosigkeit, Schamgefühle über das eigene Aussehen, das Süchtig Sein, oder noch größere „Kleinigkeiten“ wie zum Beispiel, dass ein geliebter Mensch nicht antwortet auf meine Nachricht, und ich mich Tage nicht beruhigen kann deshalb, oder wenn ich zum Beispiel ein Geheimnis verrate, und das nicht tun hätte dürfen, und damit lange umgehe, wie wenn ich eine Todsünde begangen hätte….

So ist alles relativ.

Und nichts ist so, wie es von außen erscheint.

Vielleicht müssten Menschen ja gar nicht so schwer krank werden – eine gewagte These (!) – , wenn wir uns selbst und denen, welche mit derartigen Nöten und „Kinkerlitzchen“, die für uns und diese Menschen gar keine sind, die selbe Beachtung schenken, das selbe Mitgefühl und wahrhaftige Interesse für das Leid und die Not entgegenbringen würden, wie wenn wir es mit einer allgemein anerkanntem Belastung wie Krebs zu tun hätten.

Das wäre wahrlich heilsam.

Mein Krebs ist kein böser….

Bösartig nennt man gemeinhin die Krankheit Krebs.

Bösartig, schädlich und zerstörerisch. Er gilt als der Feind im Inneren, von dem eine existentielle Bedrohung ausgeht. (Siehe dazu auch das wunderbare Buch von Susan Sontag „Krankheit als Metapher).

Überhaupt wird so getan, als gäbe es diesen einen Krebs, dessen Gesetzmäßigkeiten über alle individuellen Bedingungen hinweg sich unweigerlich in immer der gleichen, letztlich todbringenden Art vollziehen.

Dem steht gegenüber, dass Krebs nicht eine Krankheit ist, und die Erfahrung zeigt, dass es selbst bei ein und demselben Krebs und ein und derselben Behandlung und ein und derselben Prognose, verschiedene Ausgänge gibt.

Diese Konnotation von Krebs hat weitreichende Folgen. Es ist der bewusstseinsmäßige Boden, auf den eine Krebs-Diagnose fällt, ein Boden, der irrational, undifferenziert einen unheilvollen Weg vorzeichnet, wo das Schicksal von vornherein besiegelt scheint. Die natürliche Reaktion ist verständlicherweise eine Abwehr, eine Wegbewegung, ein Wegsehen, ein Weghaben wollen –  so schnell wie möglich.

Nein, bösartig ist er nicht, mein Krebs. Schon im Ultraschall schaut er nicht aggressiv aus. Ja, da sind einige graue Schleier, wo es, wenn es eine harmlose Zyste wäre, ganz schwarz sein müsste. Das ist eine Andeutung, ein An-Zeichen.

Er, mein Krebs, lädt mich ein, hinzuschauen auf das, was nicht in Ordnung ist, was eine Eigendynamik entwickelt hat, etwas, was sich aus dem Ganzen herausgelöst hat.

Nein, (noch) wuchert er nicht, nein, noch überschreitet er nicht Grenzen und dringt  ins umliegende Gewebe. Er ist in situ – „unmittelbar am Ort“.

Still zeichnet er, wie man diesen Prozess nennt:  „Schau hin“, sagt er mir, „was aus der Ordnung gefallen ist, was in Deinem Leben wuchert, wo Du das ordnende Zentrum verloren hast, wo Du die Verbindung zur inneren (spirituellen) Heimat verloren hast, die Wurzeln, das Stillsein, wo zu viel Aufruhr, Veräußerung, Ent-Fremdung, Peripherie und Ent-Eignung stattfindet.

„Hej, da gibt es einen Prozess“, sagt er mir, „um den solltest Du Dich kümmern.“ Und das ist eigentlich ganz einfach – nichts Großes, in der Zukunft liegendes.

Step by Step: Informationen einholen, die wissende Lücke offen lassen, mit Allem sein, was stattfindet, mit den Emotionen, den Up and Downs, den Gewissheiten und Unsicherheiten, all die Therapieoptionen bewegen, sie vor-kosten, gleich-gültig da sein lassen, sich von Drängern entfernen, zu mir kommen, mich in meiner Antwort auf diese Situation wahrnehmen, auch die vielen Konzepte, dass ich eine bestimmte Maßnahme auf keinen Fall ergreifen darf, oder eine andere auf jeden Fall machen muss.

Dann der organismischen Wahl Gehör schenken, diesem Ja meiner Seele, wo sich mein Inneres weitet und ein Interesse an der Erfahrung, die ich mit dieser Therapiewahl machen werde, spürbar ist.

Und dann die Erfahrung machen, sie sodann verdauen und integrieren, mir Zeit und Raum nehmen, ungestört, so lange, wie es braucht.

Und dann freudig den nächsten Lebens-Schritt tun, welcher er immer ist.

So gibt uns das Leben die Richtung vor.

Und der Krebs, mein Freund, ist dabei eine Wegmarke.

 

P.S. Zur wissenden Lücke siehe meinen Artikel (2010). Die wissende Lücke. Zur Weisheit des Organismus im Leben mit Krebs. In FocusingJournal Nr. 24, S. 20-23).

 

 

Eigentlich…..

Beim folgenden sehr persönlich gehaltenen Text mag man denken, das sei Leiden auf hohem Niveau, besonders wenn man es mit gewiss schwierigeren Belastungen, wie dies eine Krebsdiagnose ist, zu tun hat.

Ich habe mich dennoch entschieden, mich derart zu offenbaren, weil ich es wichtig finde, aufzuzeigen, wie eine (kleine) Unannehmlichkeit nahezu unaushaltbar ist.

Dann nämlich, wenn es Themen berührt, wie in meinen Fall die ignorante Rücksichtslosigkeit und Übergriffigkeit, welchen ich in der Kindheit wehrlos ausgesetzt war, und welche mich neuerlich in eine Ohnmacht und Hilflosigkeit versetzen.

Das ist für Außenstehende dann schwer zu verstehen, und oftmals ist es auch für die davon Betroffene unbegreiflich. Sie fühlt sich ver-rückt, eigen-artig, nicht normal.

In diesem Sinne habe ich mich entschieden, genau jene Prozesse zu beschreiben, welche in derartigen Triggersituationen ablaufen und wie es möglich ist, förderlich damit umzugehen.

Möge der Text ein Beitrag zu  einem vermehrten (Selbst)-Verständnis und Selbsthilfe sein.

Eigentlich ist es nur ein Geräusch – das Geräusch einer Motorsäge um 7 Uhr 30 in meinem Rückzugsort auf der Pionierinsel an der Donau.

Gleich neben uns baut unser Nachbar großzügig sein Haus um, der Garten wird durchgebaggert, Flächen betoniert, die Hausfassade neu gestaltet. Emsig wie die Bienen arbeiten sie – der Nachbar und seine Helferleins – nahezu Tag und Nacht. Gleich neben unserem Haus in 2 Meter Entfernung.

Eigentlich ist es nur ein Geräusch, um halb acht an einem Samstag im August.

Nur dass ich das Geräusch nicht einfach als ein Geräusch, wenn auch ein etwas unangenehmes, sein lassen kann.

Nein dieses Geräusch löst vielmehr eine Kaskade von Gedanken und Emotionen aus.

Aufgescheucht von meiner Yogamatte geht es ganz unentspannt los – „Welche Zumutung, um halb 8, sind wir doch in einem Kleingartenverein mit strikten Regeln, Motorzeit ab 9 Uhr und dann auch nur bis zwölf, nein nicht bis 8 Minuten nach zwölf – so sagt es die Vereinsregel…“

Was hier vielleicht lustig klingen mag, fühlt sich für mich sehr leidvoll an, in mir streiten die Stimmen, welche ja auch von meiner Umgebung verstärkt werden – „Es gibt echt Schlimmeres, es hat ein Ablaufdatum, da mussten wir alle durch, er ist eh nett usw. “

Das vergrößert meinen Konflikt, ich darf nicht so empfinden, im Übrigen verändern negative Gedanken das Gehirn, sodass man sich auf Negatives programmiert und damit die Realität gestaltet – lese ich in einer Kolumne.

Und dennoch – da ist meine Not, meine Not darüber, dass jemand rücksichtslos meine Grenzen überschreitet, mir zur absoluten heiligen Hauptsaison derartige Riesenumbauprojekte zumutet, jetzt, wo ich endlich Urlaub habe, den ich hier an meinem wunderbaren Ort am Wasser genießen will – in Ruhe.

„Was ist das für ein Mensch,“  denkt es in mir, „der sowas macht, was habe ich da noch alles zu erwarten an Lärm und Unverbundensein?“

Sukzessive gerate ich in einen State, wie man in der Traumatherapie sagt. Der Trigger ist das rücksichtslose Überschreiten meiner Grenzen, unverbunden. Fassungslos nehme ich wahr, dass man sowas wirklich machen kann.

Im State reagiert der Körper mit Aufruhr, Übelkeit, innerem Rasen, die Emotionen schwanken zwischen Wut, Empörung, und nackter Panik und der Geist rast, versucht Möglichkeiten zu finden, diesen Zustand zu beenden.

Und – ich kann die Realität, wie sie auch ist, nicht wahrnehmen, dass es schön ist hier, dass es wunderbare Bäume gibt, auf die ich schauen kann, dass es ein Wasser gibt, in dem ich schwimmen kann, dass  ich mich aufs Rad setzen kann, um der unangenehmen Situation zu entfliehen.

Dass ich frei bin – zu tun und zu lassen, was ich will. Unverklemmt, frei, erwachsen.

Heilung erwächst nicht aus einem moralischen Imperativ, dass ich so großzügig sein müsste, um dem Nachbarn das alles zu gewähren, im Sinne einer guten Nachbarschaft.

Schon gar nicht kann sie geschehen, wenn ich in der (selbst-)gerechten Anklage und Abwehr der für mich gar nicht freundlichen Tatsachen verbleibe – eine Mauer nach der anderen betoniere.

Da braucht es zu allererst eine Hinwendung zu dem verängstigten, hilflosen Kind in mir, ein Umarmen von mir in dieser Not, eine volle An-erkennung von dem, was sich in mir ereignet, ein liebevolles zu mir sprechen, ein Bestätigen meiner inneren Erfahrung, ja und ein Fragen, was es jetzt braucht, um in Sicherheit zu kommen und besänftigt zu sein.

Dann kann ich dem Zustand ent-wachsen, er-wachsen.

Das Kind ist gut aufgehoben und ich, die 60-Jährige bin frei, zu tun, was ansteht und die Situation zum Besseren wendet – ums-sichtig, in Kontakt mit allen relevanten Fakten dieser Situation, zu welchen ja auch zählt, dass wir wahrscheinlich noch lange mit ihm Haus an Haus zu tun haben werden.

Heilung kann geschehen, wenn ich eben diesem oben beschriebenen Kind in mir Beachtung schenke und neuerlich in meine Freiheit zu einer angemessenen Handlung komme.

P.S. Heute ist Sonntag und es regnet…Schön still ist es hier!

 

 

 

Über das Recht auf´s Allein-Sein

Dieser Beitrag richtet sich in erster Linie an Menschen, die in einer Beziehung oder in einem Familienzusammenhang leben. Es ist mir bewusst, dass es viele Menschen gibt, die sich nach Gemeinsamkeit und einem Aufgehoben sein in einer Familie sehnen und deren Allein-Sein nicht freiwillig ist, und welche vielmehr an einem Zuviel davon leiden.

Alleinsein gehört zu meinen Hauptnahrungsmitteln – Tür zu, niemand im Haus, nur ich und die Stille.

Ausatmen. Sein.

Es war eines der größten Geschenke, welche mir die Krebsdiagnose gab – die Möglichkeit, oft allein zu sein, ungestört. Dankenswerterweise konnte ich es mir leisten, mir sowohl nach der ersten als auch nach der zweiten Operation einige Monate ohne Berufstätigkeit zu gönnen. Das war eine richtige Frei-Zeit – ohne Projekte, ohne Aufgaben und mit viel freier Zeit, alleine.

Wie ich es schon in meinem Blogbeitrag „Das Recht auf´s Nein“ https://krebscoaching.org/2017/04/  beschrieb, fällt es manchen Menschen schwer, Nein zu den Bedürfnissen der anderen zu sagen. Sie sind ausgerichtet auf deren Erfüllung, können schwer in ihrem eigenen energetischen Raum bleiben und erschöpfen sich damit zunehmend.

Für solche Menschen ist es wichtig, sich immer wieder aus den Kontakten zurückzuziehen, für sich zu sein, in einem sicheren ungestörten Raum. Gerade bei Menschen, welche eine schwere Traumatisierung mit Übergriff, Missbrauch und Gewalt erlebt haben, reicht nicht mal die geschlossene Tür zum eigenen Zimmer, um  Sicherheit zu empfinden, und damit die Möglichkeit, sich wirklich auszudehnen. Sie brauchen es, dass niemand in der ganzen Wohnung ist, um ausatmen zu können.

Das mag für Menschen, welche diese Erfahrung nicht gemacht haben, sehr befremdlich klingen, aber es gilt dies zu würdigen. Da nützt es nichts, mit Forderungen an sie oder sich selbst heran zutreten, dass man doch bei sich bleiben können muss, auch wenn man im Kontakt mit anderen ist.

Es gilt wahrzunehmen, wie ich angelegt bin, mit einer Durchlässigkeit meiner energetischen Grenzen, wo vieles von außen einfließt. So ist es einfach.

Und dann gibt es noch die gesellschaftlichen Vorgaben, dass es um eine Beziehung bereits schlecht bestellt ist, wenn man sich zurückziehen, für sich sein will, einen Tag oder vielleicht sogar einen Urlaub ohne den/die PartnerIn verbringen will. Da muss schon was im Argen sein, wenn man nicht Tag und Nacht mit dem Partner/der Partnerin sein will. Auch das getrennt Schlafen gilt als Anfang vom Ende.

So halten wir vieles aus. Und das tut uns und auch unserer Beziehung nicht gut. Wir werden grantig, fokussieren zunehmend auf die Fehler und Eigenartigkeiten des anderen und schaffen damit eine Distanz  – eine Distanz jedoch, die sich – weil konflikthaft –  nicht gut anfühlt.

Ich glaube, dass sich viele Menschen von ihrem Partner trennen, weil sie über Jahre einem derartigen vorgegebenen Konzept von Beziehung gehorchten, wo es dazu gehört, das man/frau so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen wollen muss, dass das Paar selbstverständlich jede Nacht das Bett teilen und auch noch nach jahrzehntelanger Beiziehung leidenschaftlichen Sex miteinander haben soll.

Sie halten aus, bis dieses Aushalten nicht mehr geht, sie sich trennen müssen oder eine Krankheit „einspringt“, und mir einen Frei – Raum gewährt. Jetzt  darf ich mich um mich kümmern, zum Beispiel im Zuge einer Kur mehrere Wochen nur auf mich schauen ohne Orientierung auf den anderen. Das ist erholsam.

An der Basis dieses Gebots, dieses Tabus ist wie bei so vielen Lebensrichtlinien ein Mangel an Vertrauen in die rhythmische Natur unseres Organismus.

Dieser Rhythmus pendelt zwischen Öffnung, nahe kommen wollen und Intimität und einem Rückzug, einer Distanz, einem zu mir kommen und einer Innigkeit mit mir selbst.

Im Alleinsein zentriere ich mich, schwinge mich in mich selbst ein, komme in Berührung mit meinem Wesen und meiner schöpferischen Kraft. Und ich kann auch erleben, dass ich mir genug bin und nicht angewiesen auf die Erfüllung von Bedürfnissen durch andere. Gleichgültig, was ich dann tue, es ist zutiefst verbunden mit mir.

In dieser Vertiefung meiner Beziehung zu mir selbst öffnet sich sodann – das ist meine Erfahrung – erneut die Liebe zu ihm,  ich kann die Sehnsucht nach Begegnung erneut spüren und im Kontakt ist wirklich er gemeint.

Jetzt verweilen solange bis……