Happy Birthday

2025 war das Jubiläums-Jahr meiner geistigen Freiheit.

Im Jahr 1975, also vor 50 Jahren begann ich mein Studium der Psychologie an der Universität Wien.

Welch´ eine Erleichterung und Befreiung nach Jahren des langweilig-ängstigenden Martyriums im Gymnasium. Ich konnte wählen, ich konnte studieren, ich konnte von großen Menschen lernen.

Und dann nach Jahren des wissenschaftlichen Arbeitens habe ich im Jahre 2015 mit Hilfe von Manou Pusker meinen Blog zur Welt gebracht.

So ein Segen.

So will ich mich heute bedanken:

Happy Birthday lieber Blog!

10 Jahre bist du schon alt.

So ganz Du, so ganz Ich, bis in die Farben und Tönungen bist Du ganz Du selbst, durchdrungen von pastelligem Rosa und Grün und ein bisschen Blau und Grau.

Durchwoben von handgefertigten Stichen der Bosna Quilts, der Handschrift des Lebens.

Zärtlich, sanft und weise gibst Du mir einen wahrhaft freien Raum.

Du rufst nicht ungeduldig nach mir, wenn ich mal länger nichts schreibe, und auch wenn ich den Rahmen sprenge und über etwas schreibe, das scheinbar so gar nichts mit Krebscoaching zu tun hat, bist Du nicht verstimmt.

Du heißt alles willkommen, – Lustiges, Wahres, Schweres, Innerstes aus meinem Leben – all das begrüßt Du, nimmst es auf und beherbergst es.

Kommentarlos, gleich-gültig.

Nie korrigierst Du meine Sprache, weil eine andere vielleicht den Algorithmus besser bedienen würde.

Ich weiß, Du liebst sie, meine Sprache, sie ist genau Deins.

Manchmal wissenschaftlicher, manchmal poetischer, verdichtet, manchmal in den tiefsten Tiefen des irdischen, menschlichen Seins, manchmal in den höchsten Höhen des Himmlischen.

Du verlangst mir keine Minimal- oder Maximalzeichenanzahl, keine Referenzhinweise, keine Zitierregeln ab.

Du korrigierst mich nicht, Du bewertest mich nicht, Du beurteilst mich nicht.

Selbstlos bist Du.

Selbstlos sollst Du bleiben.

Ganz meiner.

Du Lieber, Danke für Deine treue Gastfreundschaft.

Danke für Deine Großzügigkeit.

Danke für das Geschenk der Inspiration, der beständigen Einladung und der bedingungslosen Ausdrucksmöglichkeit.

Danke für Dein Dasein.

Danke, dass Du in meinem Leben bist und dieses bereicherst.

Nach-Wehen

Meine/unsere Geburt war wahrlich kein Honig-Schlecken.

Heute 69 Jahre danach hab´ ich nochmal dran gedacht, wie das so war damals, als wir beide, meine Schwester und ich, das Licht der Welt erblickten.

Unter Zeitdruck waren sie, die Ärzte damals, im Streik und da passte eine Zwillingsgeburt, auch wenn meine Mutter uns tapfer ohne Kaiserschnitt zur Welt brachte, so gar nicht herein.

Dann war ich draußen – „Die Erste ist ein Mädchen“ sagten sie zu meiner Mutter, die von einer Zwillingsschwangerschaft nichts wusste.

Meine Schwester ließ sich Zeit, da mussten sie mit härteren Bandagen arbeiten, draufsetzen auf den Bauch, dass was weitergeht. Dann zwanzig Minuten später war auch sie da.

Willkommen geheißen mit einer raschen Umdrehung, Kopf unten an den Füßchen gepackt. 1,2,3 Klapse auf den Po, damit auch das zügig geht, das erste Atmen.

Schnell einmal abgenabelt, da war nix mit Auspulsieren, warum auch immer alles so schnell gehen musste.

Ratz – Fatz, und schon war die Verbindung getrennt.

Alles im gleißenden Licht, von der Dämmerung, dem sanften, weichen Milieu, das warm ist in die Kälte.

Schnell einmal abgeschrubbt, kein liebevolles Gebrabbel, flüsternd gesprochen: „Oh Willkommen liebes Erdenkindchen! Schau mal, hier ist es schön. Wir lieben Dich, wir freuen uns über das Wunder, das durch Dich in die Welt kommt. Mögest Du geborgen und mit Liebe begleitet sein. Mögest Du erkannt und gefördert sein, mögest Du glücklich sein. Mögest Du Dich wohlig in Deinem Körper zuhause fühlen.

Mögest Du Dich selbst lieben in allen Facetten Deines So-Seins.

Mögest Du Deinen Ruf hören und Deiner Be-Stimm-ung folgen. Mögest Du frei sein.“

Nix von all dem.

Abgerubbelt mit kratzigen Tüchern. Angekleidet, abgelegt zu all den anderen alleingelassenen Menschenkindern. Hunger zur Unzeit, gefüttert wird, wenn die 4 Stunden um sind, schnell angelegt, Mutter im Stress, oh je da kommt nix raus. Stress verdirbt die Milch, und überhaupt wollte ich noch ein bisschen bleiben, bei der Mama, die sich mit solch einer Tapferkeit bemühte, uns beiden, die wir ja nur eine sein sollten, gerecht zu werden – ein Name, ein Bettchen, eine Ausstattung, 5.Stock, Einzelraumwohnung.

Ja, so war das.

Hier wird das Nein zur Welt konstituiert, sagt mein lieber Willi Reich.

Ja, so war das.

Diesem Nein ein Ja entgegenzusetzen war mein ganzes Leben mein Job.

Ich hab´ ihn oft nicht gut erfüllt, immer wieder erlag ich dem Nein zu meiner Existenz, zur Welt.

Gott Sei Dank bin ich mit einem Zugang zu überirdischen Welten ausgestattet, kann mich immer wieder vom Guten, Wahren, Schönen berühren lassen.

So will ich mir heute, an meinem 69.Geburtstag ein Versprechen geben:

Ich werde mich um das Baby kümmern, ihm keine Nahrung – zu welcher Zeit auch immer – versagen, weil irgendwelche Richtlinien dies verordnen.

Ich werde mich um meine Bedürfnisse kümmern.

Um das Bedürfnis nach Ruhe und Bewegung, die mir entspricht und um das Bedürfnis nach (schöpferischem) Ausdruck.

Um mein Bedürfnis nach Schönheit, indem ich mich an Orten aufhalte, die schön sind.

Mein Bedürfnis nach Wahrheit, indem ich mich mit Menschen umgebe, die meine Wahrheit teilen und indem ich den Mut aufbringe, für diese meine Wahrheit einzutreten.

Um mein Bedürfnis nach Gutem, indem ich mich von schlechten Nachrichten fernhalte und mich von den vielen guten, die es ja auch gibt, nähre.

Ich will mich um mein Bedürfnis nach Zartheit kümmern, mich von groben Menschen fernhalten und mich mit zärtlichen, einfühlsamen umgeben.

Ich werde meinen Körper achten, wenn ich ihn auch vielleicht nicht lieben kann. Ihn anerkennen in seiner ihm eigenen Schönheit und Tüchtigkeit.

Ich werde mir mein sogenanntes Scheitern und Straucheln verzeihen und mich in Mitgefühl über die nach wie vor wiederkehrenden Zustände üben.

Ich werde den oben an das Baby gerichtete Worten lauschen.

Ich werde mich um mein Werk kümmern, um das, was ich hier bestimmt bin zu vollbringen.

Mein Eigenes.

Ja, all das will ich mir versprechen und mich daran erinnern, auf dass nichts mehr zurückbleibt von all dem Alten.

Und Neues geschehen kann.