Diesen Text habe ich am 6.3. anlässlich meines 8. Brustlos- Geburtstages geschrieben:
Heute ist der 6.März, der 6. März 2026.
Heute vor 8 Jahren war ich bereits operiert, beidseitige Totaloperation oder wenn frau will, Ablatio.
Beides nicht schön.
Total, Ablatio.
Noch hässlicher ist das Wort Amputation.
Da denk´ ich gleich an Abschneiden, brutal ins Fleisch geschnitten, Blutgefäße durchtrennt, Milchgänge zerstört, lebendiges Pulsieren getrennt vom Lebensstrom.
So wollte ich das nicht sehen, mir nicht die Gewalt vor Augen halten.
Wollte es als eine sanfte Ablösung betrachten, ein Herausschälen des belastenden Gewebes.
Durch die Hände meiner lieben Chirurgin.
Belastet waren sie immer schon, seit sie sich wie zarte Knöspchen ausdehnten.
Damals vor mehr als 58 Jahren. Schnell einmal einen BH, einen Busenhalter gekauft, einen gelben aus Plastik bei der Gazelle, das Unterwäschegeschäft an der Ecke Maroltinger-/Thaliastraße. Die Gazelle trägt den Auftrag im Namen.
Schlank ist sie, die wendige Gazelle, schlank soll sie sein, die Frau von damals und heute. Nur der Busen darf sich wölben, je nach Wirtschaftslage mal mehr mal weniger.
Müssen ja was zum Schauen und Angreifen haben, die Männer.
Da lassen wir doch gleich was machen, wenn wir zu wenig Holz vor der Hütte haben. Zu wenig, um das Feuer der Leidenschaft zu entfachen.
Weil dazu sind sie nämlich zuallererst da, unsere Brüste, nicht als Nahrungsquelle, als Lustobjekt sollen sie dienen.
Das hab´ ich bald einmal erkannt. Nachgepfiffen von den Arbeitern bei jeder Baustelle, habe ich begonnen, sie einzuziehen. Rücken krümmen, Arme schützend vor die Brust.
Und dann all das Genuckel und Gezippe von ahnungslosen Männerhänden und Mündern. Für mich war das nichts.
Bald war ich weg. Habe mich zurückgezogen von ihnen und sie, wie man sagt, außen vor gelassen.
Da hingen sie nun, verlassen von mir, Mutterseelen allein, sozusagen.
Traurig.
Verzagt.
Armselig.
Das haben sie nicht verdient.
Meine Beiden.
Wollten stolz getragen werden, wollten in ihrer Schönheit von mir, der Trägerin wahrgenommen werden, beachtet, gepflegt, gewürdigt.
Doch ich war schon lange weg.
Und dann begannen sie, ihre Köpfchen hängen zu lassen, das Kind längst abgestillt, ohne Sinn, begannen sie zu verkümmern.
Nicht gut.
Und dann vor 28 Jahren war es so weit. Die von Lebendigkeit unterernährten Zwei gaben auf. Und er – der Herr Krebs – konnte sich breit machen.
Zuerst rechts, dann links und dann nach fast 20 Jahren auf beiden Seiten.
So habe ich mich getrennt, habe das traurige Verhältnis der Kränkungen und Zumutungen beendet.
Mit einem großen Schnitt.
Erleichternd war das.
Erleichternd ist das.
Wenngleich heute an diesem besonderen Tag auch eine leise Wehmut mitschwingt.