Leiden gibt es – das ist eine Tatsache. Ebenso wahr ist, dass wir nicht leiden wollen.
Nichts wie weg vom Ort des Leidensgeschehens – seien es Bauchschmerzen, Konfliktschmerzen, Liebesschmerzen, Kränkungs- und Geringschätzungsschmerzen, und schon will ich weg und das ist verständlich.
Und dann läuft es uns nach – das Leiden – , es zippt am Rock oder Hosenzipfel, „Hej“ sagt es, „ich hab´ Dir was zu sagen, schau mich an, sei mit mir, ich will Dir nichts Böses, bin für und nicht gegen Dich.“
Immer lästiger und eindringlicher wird es, immer heftiger versucht es, meine Aufmerksamkeit zu erreichen und immer heftiger wird auch der Kampf, das Niederknüppeln, der Versuch, es zum Schweigen zu bringen.
Schon schränkt sich meine Wahrnehmung auf diesen einen Schauplatz ein, immer verzweifelter werden meine Versuche, das Leiden zum Schweigen zu bringen, endlich eine Ruh zu haben, vom lästigen Störenfried.
Jetzt Stehenbleiben, mich umwenden und hinschauen, genau spürend hinschauen, wahrnehmen, hinhören und bleiben, bis sich die Botschaft offenbart.
Nicht mehr.
Atmen – wahrnehmen – atmen – dableiben.
Dann kann Transformation geschehen, ohne mein Zutun, ohne äußere Lösungsversuche, aus sich heraus.
Der kluge Friedrich Benesch, ein langverstorbener Pfarrer der Christengemeinschaft hat in einem seiner kleinen Büchlein zur Passion und Ostern das Leiden Christi von einem ungewöhnlichen Blickwinkel aus betrachtet.
Er beschreibt das Leiden als Prozess der Verdichtung und Vertiefung. Ohne Sentimentalität versteht er es als Möglichkeit, die uns in unserer Wesentlichkeit erfahren lässt.
Für mich ist ein solcher Blickwinkel ermutigend.
Ermutigend, um mich dem allgemeinen Hype des Gut- Fühlen- Müssens, des Glücklichsein-Wollen- Müssens zu widersetzen und mich frei-mütig dem Prozess des Lebens zu überlassen, diesem immerwährenden Pulsieren zwischen Zusammenziehen und Ausdehnen.
Und schon kann nix mehr passieren und alles, wahrlich alles ist gut.
Ein leidenschaftliches Leben ist das, ein passioniertes, intensives, immer neues.