Über den Segen des achtsamen Essens

Der Tisch – ein Tischtuch am Boden mit vielen mitgebrachten Essensgaben – war reich und schön gedeckt. Und wir drum herum, eingestimmt in unsere inneren Nahrungsbedürfnisse – was ist es jetzt wirklich, was ich essen möchte – begannen wir am Tag der ganzheitlichen Gesundheit im Tzg www.tzg.at mit der Essmeditation.

Das ist eine Meditationsform, die ich im Rahmen meiner Zen-buddhistischen Praxis kennen gelernt habe. Ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern, wo ich sie praktiziert habe, im Jahre 2004 in Scheibbs auf einem Retreat. Und ich kann mich noch gut an meine Reaktionen erinnern auf den besonderen Ablauf.

Alles fand in Stille statt, schon beim Zubereiten der Mahlzeit sollte man nicht sprechen, die Teller mit möglichst wenig Geräusch auf die Tische stellen. Alles sehr bewusst und achtsam.

Dann galt es, sich am großen Buffet zu bedienen, eine nach der anderen. Und ich, die eine der Letzten war, bekam es mit der Angst zu tun – „Wird von dem, was ich so gerne möchte, wonach es mich gelüstet hoffentlich noch was übrig bleiben?“. So ist es, wenn man seinen Emotionen und Gedanken Gehör schenkt. Wir können spüren, was wirklich in uns lebt, die Angst zu verhungern, dass mir etwas weg genommen wird, dass nicht genug übrig bleibt, alles, was unter das Wort „Futterneid“ gefasst ist, wurde damals ganz laut.

Und dann die Essmeditation:  mit Dankbarkeit alles würdigen, was dazu beigetragen hat, dass es hier auf unserem Tisch ist – die Sonne, die Luft, das Wasser, die Erde, aber auch alle hilfreichen Hände, die geholfen haben.

Und dann zu essen beginnen – auch das still, ohne miteinander zu sprechen. Die Nahrung sehen und riechen, die Gabel, den Löffel, das Messer und die Schale wieder nieder legen, nachdem ich einen Bissen genommen habe – 50 mal kauen – „das klingt ja schrecklich, wie soll ich das schaffen?“

Oder aber immer wieder zum Geschmack, zum Kauen zurück kehren, sich mit der Nahrung verbinden, sie wirklich zu sich nehmen.

Das eröffnet einen großen Raum. Bei mir und auch bei vielen, mit welchen ich die Essmeditation geteilt habe, ist ein großes Glück spürbar, über den Wohlgeschmack und die Verschiedenheit in den Qualitäten. Und eine große Dankbarkeit über den Reichtum des Nahrungsangebots, der in vielen Teilen der Welt ganz und gar nicht selbstverständlich ist.

Das achtsame Essen hat eine vielfältige Wirkung: Da die Verdauung  ja bereits im Mund beginnt, wird sie durch das langsame, bedächtige, gründliche Kauen gefördert. Sie kann wirklich aufgeschlossen werden und muss daher nicht in ganzen Stücken in den Magen gelangen.

Auch wird der Geschmack deutlicher. Ich habe erst durch das achtsame Essen gemerkt, wie oft mir etwas zu salzig, zu sauer, zu scharf, zu süß ist, und wie oft ich durch das schnelle Runterschlucken vermeide, das zu spüren, weil es für mich unangenehm ist. Und ich konnte bemerken, dass am ehesten mittlere Geschmäcker für mich wohlschmeckend und bekömmlich sind.

Auch ist es meine Erfahrung, dass Nahrung, die gut ist, durch das Kauen immer besser wird. Aus lerntheoretischen Untersuchungen weiß man, dass Zucker, wie zum Beispiel in Milchschokoladen, zwar zunächst gut schmeckt, dann aber ziemlich schnell einen negativen Nachgeschmack bekommt, weshalb man schnell einmal zum nächsten Bissen greift, um den negativen Geschmack zu tilgen.

Die Erfahrung über das, was sich im achtsamen Essen als gut und bekömmlich erweist, hat sodann eine leitende Wirkung für die Auswahl beim nächsten Hunger.

Essmeditieren hat außerdem eine beruhigende Wirkung. Die Nahrungsaufnahme gibt uns drei Mal am Tag die Möglichkeit uns zu sammeln, den Trubel der Welt außen vor zu lassen, zu uns zu kommen, und das beruhigt. Ganz einfach.

Oftmals wurde auch berichtet, dass man/frau bereits nach einigen Bissen satt war, und eigentlich nicht mehr Essen gebraucht war. Das wirkliche Genießen und Schmecken ohne Ablenkung, ohne Weiterdenken, beziehungsweise ein immer wieder Zurückkehren zu dem, was ich jetzt tue, nämlich essen, lässt uns von Wenigem satt sein, auch weil wir das Sättigungsgefühl erst dann spüren können.

Ich habe außerdem bemerkt, dass ich, wenn ich mir treu bleibe, und wenn ich mir und meinem Organismus in seinen Bedürfnissen Rechnung trage, indem ich nur das zu mir nehme, was jetzt wirklich dran ist – nein nicht auch noch die köstlich aussehende Mangocreme, den Kuchen, das Sandwich  –   hat es mein Körper nicht damit zu tun, mit dem Zuviel oder Falschem fertig zu werden. Ich fühle mich damit bekräftigt in mir selbst, und mein Selbst-Bewusstsein im Wortsinn wird gestärkt. Hab ich mich doch nicht verführen lassen und mich damit außer mich gebracht.

So – wirklich genährt und zufrieden kann ich den nächsten guten Lebens-Schritt tun.

Lesetipps:

Jan Chozen Bays: Achtsam essen.

Aivanhov, Omraam: Yoga der Ernährung.

Thich Nhat Hanh, Lilian Cheung: Achtsam essen und achtsam leben: Der buddhistische Weg zum gesunden Gewicht.

Schilling, Jürgen. Kau Dich gesund!

 

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