Über das Ja und das Nein

JA GENAU, das mach ich: ich lasse mich operieren nicht von irgendeinem Chirurgen, nein von genau diesem – Professor Kolb – von meiner Seele begrüßt, ausgewählt nach vielen Kontakten mit anderen „Berühmtheiten“, für die vieles sprach – jedoch er musste es sein, JA genau. Es war ein lichtdurchfluteter Mai Tag, ein Montag um 9 Uhr früh im evangelischen Krankenhaus in Wien Währing, begleitet von meinem Mann an unserem Hochzeitstag – da wurde ich operiert von liebenden Händen, welche mir meine Brust beließen, dort wo nach State of the Art, sie mir zur Gänze genommen werden sollte.

So war es damals vor über 20 Jahren – Ja genau – eine unerschütterliche Gewissheit, der zu folgen ganz leicht ging.

In meinen zwischenmenschlichen Beziehung ist es schon schwieriger mit dem Ja und dem Nein. Vieles mischt sich da ein und oft sehe ich mich gefangen in inneren Dialogen wie dem folgenden:

 Will ich das? Meine Zeit mit einem Menschen verbringen, der für mich bedrohlich ist, in dessen Gegenwart ich mich nicht wohlfühle?

Ich glaub nicht.

Nur: hab´ ich das Recht, Nein zu sagen zu diesem Kreis, in dem wir beide mittlerweile seit fast einem Jahr einmal monatlich zusammenkommen, nur weil mir eine Person nicht so  angenehm ist.  

Und überhaupt jetzt, wo wir das bei unserem letzten Treffen angesprochen haben und wo es sich, Dank der wertvollen Unterstützung der anderen, doch auch irgendwie gelöst hat.

Und sogar etwas Versöhnliches im Raum gestanden ist. Wir beide sind halt so, jede ist, wie sie ist und jede gibt ihr Bestes und ja, da gibt es auch eine Zuneigung durch alle Schichten des Schwierigen hindurch.

Wir sind halt so, sehr verschieden, das ist nicht zu werten, nicht zu be-werten, schon gar nicht zu beurteilen. 

Das ist eine Gelegenheit zu Wachstum, zu Transformation. Solche Schwierigkeiten und Menschen, die uns herausfordern sind in unserem Leben, damit wir dran wachsen können.

Seh´ ich alles ein, verstehe ich sogar.

Nur: Es ist mir einfach unangenehm, mein Körper schreit in Form von Bauchschmerzen, nein, ich will das nicht, ich will es ganz einfach nicht.

Ich möchte es nicht aushalten müssen, ich möchte keine Grenzen setzen müssen, nicht aufmerksam machen müssen, wenn es mir wieder mal zu viel ist, in liebevoller Art, die andere verstehend.

Kurz scheint es klar, wäre da nicht auch die Angst zu kränken, kennen wir einander doch schon so lange – mehr als die Hälfte meines Lebens. Und überhaupt sind ja alle wirklich sehr nett, und ich freu mich ja auch und es ist ja auch immer wieder lustig und anregend. Und das wäre ja auch ein Verlust.“

So spricht es in mir. Und schon legt sich ein Nebel zwischen das Ja und das Nein und dieser trübt meinen Sinn.

Und ich sehne mich nach jener Bewusstseins-Klarheit rund um die 3 Krebsdiagnosen, wo ich jeweils glasklar wusste, was zu tun und was abzulehnen ist. Operation – ja, genau bei diesem Arzt, an diesem von mir gewählten Tag.

Bestrahlung –  jetzt noch nicht, aber dann nach der Zeit, die ich mir zugestanden habe – diese 4-monatige Bedenk-,  nein vielmehr Befühlzeit, voll bejaht, nein nicht im nahegelegenen Krankhaus, wo mich 36 Tage täglich ein Museum voller alter medizinischer Geräte, Folterinstrumenten gleich im Eingang begrüßt hätte, sondern da, wo ich die Wartezeit in einem einladenden, mit schönen Farben ausgestatteten Raum verbringen konnte.

Die State of the Art indizierte Einnahme vom Hormonsuppressivum Tamoxifen lehnte ich nach längerer Beschäftigung ab, wollte ich doch mit 41 Jahren nicht in einen vorzeitigen Wechsel versetzt werden mit allen Folgen.

Da war ich ganz klar. Das Ja und das Nein  ganz einfach.

Weil es um mich ging, nur um mich.

Dieses Eindeutige schwindet leicht einmal, wenn es um Beziehungen geht, hab´ den/die andere/n zu stark in meinem Empfinden, mit all den (vermeintlichen) enttäuschten, gekränkten, wütenden Reaktionen.

Das verstellt mir den Blick auf das, was dran ist zu tun – Ja oder Nein und Punkt.

Schon spüre ich einen Aufruf an mich, mir auch diese Bastion der un-bedingten Berechtigung und Freiheit zu einem Nein und damit zu einem Ja zu mir zurück zu erobern.

Mal sehen, wie das ausgeht.

Aufregend wird es allemal.

 

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