Was ich von meinem Garten lerne

Mein Garten ist mein Paradies.

Immer entsteht Neues, oftmals ohne mein Zutun, überraschend ist ein Hibiskusstämmchen da oder die Sonnenblume dort, der kleine Eichbaum, ein Röschenstamm, ja auch das , was man als Unkraut bezeichnet, Brennesseln, Disteln, Löwenzahn, Gras, wo es nicht sein soll.

Die Natur setzt sich immer durch.

Jetzt fast ein Jahr nach dem dramatischen Hochwasser, das den Garten mit Schlamm bedeckte und ich schon dachte, alles ist vorbei, sprießt es üppiger denn je – die Rosen, die Hortensien, Sonnenhüte, Lavendel, der Feigenbaum,  alle setzen sie ein kräftiges Zeichen des Lebens.

Ich weiß, sie brauchen meine liebevolle Aufmerksamkeit, mein Wahr- nehmen.

Hallo, Du Liebe, guten Morgen, geht’s Dir gut?

Darf nicht durch den Garten trampeln, weil ich bei der großen, leuchtendgelben Zinnie nach neuen Blüten schauen will, und patsch schon trete ich auf das kleine Lavendelpflänzchen, das sich von da an gekränkt zurückzieht.

Oh entschuldige, das tu mir so leid.

Nahetreten muss ich, nicht einfach den Rasensprüher anstellen und von oben, vielleicht sogar bei brütender Hitze über die Blütenköpfchen hinweg das Dunstwasser schütten.

Nein, Nahetreten mit dem Schlauch in der Hand, grad richtig eingestellt, zart für Kleinen, kräftiger für Stärkere und sprühend, um die kleinen Samen sanft hervor zu locken.

Pflanzen wollen auch von Abgestorbenem befreit werden, ich bemerke das Aufatmen, wenn ich etwas Verblühtes abschneide. „Hej, hier auch noch bitte, will ja Platz haben für weiteres Leben.“

Eine Erleichterung ist das, ein Aufatmen, eine Befreiung.

Genau muss ich sein, welchen Platz will die Pflanze, wie kurz will das Gras geschnitten werden.

Was muss weichen, was muss bleiben.

Welch´ eine Metapher:

Nähertreten,

in Fühlung sein,

Fragen, was gebraucht ist,

Beantworten,

Genau sein, sich von Altem, Abgestorbenem befreien – großzügig, um für Neues Platz zu machen,

Wandel zulassen.

Vertrauen,

dass sich das Leben immer durchsetzt und sich immer weiter-lebt.

Welch ein Geschenk.

Soviel Schönheit,

Selbstlos gegeben.

Liebe/n

Was ist Liebe und was ist sie nicht – für mich. Natürlich weiß ich das auch nicht. Aber einige Ideen dazu sind heute morgen in mir entstanden. Versteht es bitte als eine idealtypische Annäherung.

Konflikte vermeiden um des sogenannten lieben Friedens Willen.

  • Für die eigene Klarheit sorgen und in kontaktvoller Verbundenheit dafür eintreten.

Den anderen schonen aus Angst, ihn zu verletzen

  • Ihm, ihr Halt geben durch das Geschenk der eigenen Wahrnehmung, auch wenn diese vielleicht schmerzlich ist. Die Wahrheit, so sie eine schmerzliche ist, ist es sowieso.

Romantische Gefühle

  • (Bemühen) den anderen zu sehen und entdecken, wer er ist jenseits von Gefühlsgetönten Zuschreibungen, was er für uns ist.

Sehnsucht

  • Da sein, wo ich bin und mich freuen, dass der andere da ist, wo er ist, wissend, dass wir verbunden sind über Zeit und Raum.

Haben wollen

  • Geben

Die eigenen Grenzen überschreiten aus „Liebe“

  • Der eigenen Grenzen bewusst sein und sie grundsätzlich bewahren, auch wenn wir sie im gemeinsamen Eintauchen und Verschmelzen bisweilen überschreiten. Damit eine Einladung geben, dass der andere auch die seinen beachtet und bewahrt.

Vernebelung

  • (Bemühen um) Klarheit, Gewissheit, Da Sein

Illusion

  • (Bemühen um ein) radikales in die Tiefe gehendes Wissen um mich und den anderen.

Verklärung

  • Pragmatismus: die sogenannten Schwächen des anderen liebevoll zur Kenntnis nehmen und sich damit nicht aufhalten.

Verliebt-Sein

  • Den, die andere/n als andere/n an-erkennen.

Deals

  • Geben, empfangen, empfangen, Geben, Geben, Geben, Empfangen, Empfangen, Empfangen, Empfangen, Geben, Geben, Geben, Geben, Geben. Und somit die gegenseitige Anhebung unterstützen.

Investition

  • Ich bin Geschenk genug in meinem So Sein, wie auch der andere Geschenk genug ist in seinem So Sein.

Wir haben einander gefunden.

Das ist kein Zufall.

Und damit ist es genau richtig so.

Und hier noch das Lieblingszitat von meinem Mann von Rainer Maria Rilke – damit hat er mich ein paar Mal ganz schön gequält ;-))

Denn das ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist: die Freiheit eines Lieben nicht vermehren um alle Freiheit, die man in sich aufbringt. Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies: einander lassen; denn daß wir uns halten, das fallt uns leicht und ist nicht erst zu lernen

Die Wahl

Wenn ich im Internet surfe, lese ich kein Buch.

Wenn ich Zeitung lese, lese ich kein Buch.

Wenn ich fernsehe, kann ich zwar gleichzeitig stricken, aber nur etwas Einfaches.

Wenn ich etwas höre, kann ich stricken, aber nur etwas Einfaches.

Wenn ich in den Wald gehe und dabei ein, wenn auch wertvolles Interview höre, kann ich keine Vogerln und schon gar nicht die Stille hören.

Wenn ich Zeit mit anderen verbringe, bin ich nicht allein.

Ich schreibe in dieser Zeit keine Blogbeiträge, ich lese nicht, ich stricke meistens nicht, nur manchmal in ganz vertrauten Kreisen.

Wenn ich fernsehe, schreibe ich nicht.

Ich höre keinen Bach, keinen Beethoven und auch keinen Mozart.

Wenn ich mich mit Zores beschäftige, bin ich ärgerlich und nicht freudig.

Wenn ich eine Topfengolatsche esse, esse ich nichts Frisches, Grünes, Belebendes.

Wenn ich in Gesprächen jammere und mich über dies und das ereifere, werde ich danach eher ab- als aufgebaut sein, ich werde beim Rausgehen den Kopf hängen lassen und nicht erfreut in den Himmel blicken – „Ach ist das Leben schön.“

Wenn ich allein schlafe, schlafe ich nicht neben meinem Liebsten.

Und wenn ich neben meinem Liebsten schlafe, schlafe ich nicht allein.

Wenn ich am Sofa gnotze, tanze ich nicht.

Wenn ich die Arbeit von anderen mache, mache ich in dieser Zeit nicht meine Eigene.

So ist alles ganz einfach.

Und ich habe die Wahl.

Und auch wenn jede Wahl grundsätzlich gleich-gültig ist, so weiß ich doch, dass ich meinem Leben Gutes tue, wenn ich Bücher lese, schreibe, tanze, Nährendes zu mir nehme, still bin, lausche und schaue, wenn ich oft allein und zeitweise mit anderen bin.

Dann ist auch das Leben gut zu mir – erhebt und erfreut mich, ich spüre meine Kraft und Lebendigkeit, meine Freiheit und Freude.

Mit jeder guten Wahl – oder wie mein lieber Carl Rogers sagt, mit jeder organismischen Wahl – bekräftige ich mein eigenes Leben.

Ich eigne es mir an.

Mache es mir zu eigen.

Muss nicht mehr gegen Fremdes angehen.

Keine Verbiegung.

Keine mühsame Verdauungstätigkeit von Unverdaulichem.

Öffnen – Schließen

Öffnen – Schließen

Oder vielmehr

Schließen – Öffnen

Schließen – Öffnen

Ganz einfach.

Eine Tür schließen

Eine andere öffnen

Verweilen

Mich freuen,

bis mich ein neuer Ruf ereilt.

La Mamma – der Muttertag

Wahrscheinlich haben wir als Kinder Gedichtchen aufgesagt und Bilder gemalt und waren schon früh auf, um an diesem einen Tag ein Frühstück für unsere Mama, die wir Judy nannten, vorzubereiten.

Und besonders artig mussten wir natürlich auch sein, damit sie sich ja nicht kränkt, da hat unser Vater drauf geschaut.

Wahrscheinlich hat sie sich da gefreut. Dann war er wieder vorbei – der Tag der Mutter.

Am Montag danach war wieder alles wie immer.

Unsere Mutter stand als Erste auf – so gegen halb sechs –, um ihrem Mann die Kleidung von der Unterhose bis zur Krawatte zu richten, und den Tee und das Frühstück zu zubereiten, die Kinder aufwecken, die Schuljause einpacken.

Dann, als alle aus dem Haus waren, hat sie sicher mal ausgeatmet, denk ich mir.

Zusammenräumen, Einkaufen, Mittagessen zubereiten, auf die Kinder warten, zu Hause bleiben, immer zuhause bleiben, weil mein Vater niemals einen Schlüssel mitnahm, sie war ja ohnehin immer da. Den Beruf beim Steffl, wo sie mit ihren geliebten Stoffen zu tun hatte, hat sie längst aufgegeben für die klassische Rolle der Haus-Frau.

Zuhause sein, Hausfrau sein, Nähen, Bügeln, Wäsche waschen, spielen, dem Mann dienen.

In erster Linie dem Mann dienen.

Dafür sorgen, dass die Kinder ruhig sind, wenn er gestresst von der Arbeit heim kommt, Gsch Gsch…schnell ins Kinderzimmer, der Papa braucht seine Ruh.

Wenn er weg war, auf einer seiner Geschäftsreisen hatten die Mädels Kirtag – Fisch essen, aber nur am 1. Tag, damit er ihn ja nicht riechen konnte.

Schwimmen und Eislaufen gehen und keine Angst vor seinen Zuständen und seinem Gebrüll haben.

Ein bisschen frei und frech sein. Weil frech, keck war sie auch – meine Mama – lang vor der Sozialisation als Ehefrau.

Schade eigentlich, hätte sie gerne besser kennengelernt die freche, kleine, pfeifende Erni, die den Kopf noch nicht einzog, immer mal eine Ansage macht, auf den Tisch haut, zurückbrüllt, dass es ihr jetzt wirklich reicht, ihre starken Mädels packt, den Alten sich ausspinnen lässt, ab in die Kondi, Sachertorte mit Schlag und Kaffee oder Kakao und lachen, viel lachen und frei sein.

Schluss mit den Vorwürfen.

Die habe ich ihr schon zu Lebezeiten oft genug gemacht.

Dann hat sie schuldbewusst den Kopf gesenkt und sich flehentlich an ihren geliebten Schwiegersohn gewandt mit der Frage: „Thomas, war ich wirklich so eine schlechte Mutter?“ Das konnte er natürlich nicht wissen und überhaupt hat er sie sehr lieb gehabt. „Aber nein, liebe Erni, Du warst sicher eine gute Mutter.“

Wahrscheinlich würde ich sie nach wie vor im Regen stehen lassen mit der Frage, ärgern würde ich mich, wenn sie immer, wenn ich endlich etwas Unbequemes ausspreche, mit dieser Killerfrage antwortet statt sich anrühren und erschüttern zu lassen.

Jetzt 3 Jahre nach dem 1. Muttertag ohne sie möchte ich sie beantworten, und auch wenn das jetzt vielleicht abgeschmackt klingt: Du hast Dein Bestes gegeben.

Du warst immer großzügig – meintest bei jedem neuen schönen Kleidungsstück, „ich kauf Dir den schönen Rock, kann ja das Geld nicht mitnehmen und geb´ lieber mit einer warmen Hand.

Witzig warst Du und nicht nur, wenn Du den Judy Affen nachgemacht hast.

Und bemüht – bist mit uns, den Zwillingen durch halb Wien zum Eislaufverein oder ins Laabergbad oder täglich ins Amalienbad, damit ich mich beruhige, wenn ich wieder ganz im Schulstress war.

Hast uns die schönsten Kleider genäht und fürs Christkind die Puppen-Röckchen und Jäckchen.

Hast unser Lieblingsessen gekocht und warst auch nicht besonders beleidigt, wenn wir doch wieder nicht oder zu spät nach Hause kamen.

Hast Dich nicht aufgelehnt, schon gar nicht geschimpft oder mich auch nur den Schmerz spüren lassen, als ich mit 16 von einem Tag auf den anderen ausgezogen bin – jetzt selbst Mutter einer sehr selbständigen Tochter weiß ich, wie hart es ist, den Kindern die Freiheit zu gewähren.

Hast mich getröstet, wenn ich es zuließt.

Und hast Dein Schicksal als Zwillingsmutter ohne Murren und Hadern angenommen, wie Du so viele Zumutungen des Lebens angenommen hast.

Danke liebe Mama für Alles.

Und ehrlich: Ich war sicher auch keine gute Tochter. Oft tut mir das leid, auch wenn ich nicht weiß, ob ich jetzt liebe- und verständnisvoller zu Dir sein könnte.

Das musste auch mal gesagt werden.

Grenzen setzen – die Zweite

Weggehen.

Sehr oft habe ich in meinem Leben das kleine Gartenhäuschen mit dem lauschigen Garten, umgeben vom Lattenzaun verlassen, um in die Welt zu ziehen – Trixilein ging allein in die weite Welt hinein…

Habe es gewagt, mich der Ungeschütztheit auszusetzen, war neugierig, was es noch so alles gibt.

So habe ich bei vielem mitgewirkt, in politischen, feministischen Zusammenhängen ebenso wie in therapeutischen Gruppen und onkologischen Netzwerken.

Meistens war ich Jahre, oft Jahrzehnte mit vollem Engagement und Begeisterung dabei.

Es ist schön, zu einer Gruppe dazu zugehören. An etwas gemeinsam zu wirken, eine Bedeutung zu haben und Anerkennung zu bekommen.

Auch war ich stolz, dass ich mit wichtigen Menschen und in bekannten Gruppierungen mitarbeiten konnte. Da war auch ich gleich ein bisschen wichtiger.  

Das ist verführerisch.

Jemand (scheinbar) wichtiger zu sein, gebraucht zu werden, mich wichtig machen zu dürfen.

Das war oftmals die Einladung an mich, mich selbst nicht mehr wichtig zu nehmen. Und über meine Grenzen zu gehen.  Früher oder später machte sich in mir ein Unwohlsein breit, zunehmend fühlte ich mich ausgenutzt, starrte auf die (fehlende) Anerkennung. Wurde frustrierter und frustrierter.

Und blieb.

Vielleicht ist ja doch noch was zu holen und überhaupt, ich kann doch nicht  eine derart wichtige Gruppe verlassen. Dann steh ich ganz allein da, bin überhaupt nix mehr wert.

Sehnsucht nach meinem lauschigen Gartenplätzchen.

Für mich sein. Die Erwartung auf Anerkennung durch andere aufgeben, weil da sowieso nur ich bin und niemand anderer.

Ich mit meinen kleinen Pflanzen, die so ganz meine sind und nix von mir wollen, und der große Baum, der mir ganz selbstlos Schatten spendet.

Und dann bin ich weggegangen.

Einfach weggegangen. Das war nicht einfach, hab noch oft zurückgeschaut und mich gefragt, ob das wohl eine gute Entscheidung war, und was ich vermissen werde. Wieder aus einem Zusammenhang gefallen, gegangen, wieder ein Stück mehr allein.

Weggehen.

Das ist ein großes Tabu. Selbst für mich, Meisterin des Weggehens. Das wird einem bald als Flucht ausgelegt. Flüchten – auch das so ein Tabu.

Aushalten muss man, sich anpassen, in sich gehen, die Ursachen in sich selbst aufdecken, darüber, dass es schon wieder nicht geklappt hat mit der Gruppenzugehörigkeit.

Vielleicht, so flüstert mir ein Vögelchen in meinem Garten zu, ist es jedoch ganz anders. Vielleicht muss ich allein sein, um all-eins zu sein, um in das köstliche Gefühl der wahren Verbundenheit zu kommen.

Heimkehren, Einkehren, Ankommen und dann das innere Ziehen und Zerren aushalten, widerstehen.

Das Gartentor aufsperren.

Aufatmen.

Zuhause.

Endlich wieder zuhause.

Grenzen setzen

Abgrenzen.

Gegen eine solche Aufforderung hab´ ich mich immer gewehrt.

Ab-grenzen.

Da bin ich ganz mit der Aufmerksamkeit an meiner Peripherie, versuche mit angespannte Armen für meinen Raum zu sorgen.

Grenze mich ab.

Und schon bin ich abgegrenzt, stets bedacht, die nächste Lücke zu schließen. Entäußert, abgezogen.

Da gefiel mir ein anderes Bild schon besser: So sehr in meiner Mitte verankert zu sein, dass diese wie ein ins Wasser geworfener Stein Kreise um sich zieht, weite Kreise…

Da ist Ausdehnung, die kraftvoll eine Grenze schafft.

In den letzten Wochen bin ich selbst und vor allem auch in der Begleitung von Menschen, die an Krebs erkrankt sind, damit konfrontiert worden, wieviel Kraft für die innerliche Abwehr von ungünstigen Einflüssen erforderlich ist.

Das können Eltern sein, wo wir gehorsam Zeit miteinander verbringen (müssen), weil es sich so gehört, oder auch Freudinnen, die den Namen eigentlich nicht verdienen, weil sie uns in unseren Vorhaben und Visionen nicht unterstützen, uns die eigene Wahrheit absprechen, uns bewerten und uns mit ihren eigenen unhinterfragten Konzepten befassen. Es kann aber auch ein Kollege sein, der unseren Beitrag zum gemeinsamen Projekt nicht würdigt.

Und dann hat es unser Organismus damit zu tun, all das abzuwehren. Und dann kann es sein, dass ich innerlich Runde um Runde abgehe, immer mit der Frage, wie ich das wohl mitteilen könnte, ohne den/die andere zu verletzen.

Gerade wenn unser Körper nicht gesund ist, oder es mit einem Genesungsprozess zu tun hat, wie das zum Beispiel nach einer fordernden Therapie der Fall ist, brauchen wir einen unbedrohten Raum, einen organismischen Raum, der erneut in die Ausdehnung und damit in die Pulsation kommen kann. Und das ist nur möglich, wenn dieser Raum ein sicherer Raum ist, ein unbedrohter, ein Raum, in dem wir uns niederlassen können, atmen, uns ausdehnen, atmen, pulsieren.

So tauchte vor einigen Tagen ein Bild in mir auf über den je eigenen Lebensgarten, den es zu pflegen und zu hegen und den es ebenso zu schützen gilt.

Und so ein wunderbarer Garten braucht einen Zaun, einen hölzernen Lattenzaun. Latte um Latte in braunem Holz stehen sie nebeneinander, sie schützen mich vor den Blicken und dem Eindringen. Und nein da ist nicht einfach ein kleines, leicht zu öffnendes Schloss, sondern ein richtiges, das man nur von innen öffnen kann.

Und dann schau´ ich, wer da so reinkommen will, verborgen in meinem Häuschen und dann entscheide ich, ob ich Eintritt gewähre oder nicht. Und dann darf die Person vielleicht reinkommen und da gibt es ein Salettl, wo wir auf einen Tee zusammensitzen für eine gewisse – nicht allzu lange Zeit – und dann bitte ich sie wieder zu gehen.

Und dann bin ich wieder in meinem Raum.

Ausatmen.

Mich freuen, angeregt von der Begegnung.

Und dann kann ich in aller Ruhe nachsehen, ob der Zaun wohl noch intakt ist, oder ob die Holzwürmer Löcher rein gefressen haben. Dann ist es gut, zu schauen, wo Löcher zu schließen sind. Welche Sätze sind noch nicht gesprochen? Sätze, die diese Lücken schließen, etwas Aufgewühltes abschließen.

Abschließen, rund machen, sich umdrehen, etwas hinter sich lassen, erneut in die Welt gehen.

Dann kann sich ein neuer Raum eröffnen, ein Lebensraum,

Oder wie man es in der Gestalttherapie sagt, es hat sich ein Gestaltkreis geschlossen und Neues kann in den Vordergrund treten.

Grenzen zu setzen braucht Mut.

Im Bewusstsein und tiefen Verstehen, dass dies notwendig ist, um zu heilen, können wir diesen Mut aufbringen.

Die Krebserkrankung ist ein wahrlich guter Anlass dazu.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl sozusagen. ;- ))

7 Jahre brustlos glücklich

Heute vor 7 Jahren war ich schon im OP, und vielleicht waren sie mir ja schon abgenommen, meine beiden Beleiterinnen über so viele Jahre.

Ich hab meine damalige Entscheidung nie bereut.

Entschieden auf der Basis meiner organismischen Weisheit, gründlich die Trennung und den Verlust betrauert, lebe ich ein Busenloses Leben, das meinem Gefühl von Weiblichkeit keinen Abbruch tut.

Cut and Go war meine Devise damals, und vieles hab ich seit damals abgeschnitten, abgetrennt, manchmal auch gelöst, und bisweilen ist diese Veränderung, der Wandel wie von selbst passiert.

Wenn es eine Erkenntnis gibt in all den Jahren, die ich als die wesentlichste erachte, so ist es diese:

Eine Krebserkrankung oder ein anderes sogenanntes Krankheitssymptom, ob es akut oder chronisch ist, ob es sich auf der Ebene des Körpers oder der Psyche zeigt, alles, was sich auf der menschlichen Ebene als belastend, kränkend, verstörend äußert, trägt bereits einen Heilungsimpuls, einen Heilungsversuch, einen Heilungsaufruf in sich. All das – und das konnte ich oftmals spürbar erfahren – dient unserer Seele, sich in ihrer Ganzheit zu erfahren.

Es ist eine Einladung, mich dem, was in meinem Leben aus der Ordnung gefallen ist, zuzuwenden.

Endlich darf und kann ich all das Leid, das sich im Symptom birgt, aufsuchen, berühren, umarmen, das Heilungspotential erkennen, die Essenz zu mir nehmen und es dann ent-lassen.

Das ist ein Geschenk.

Cut and Go – das klingt jetzt vielleicht widersprüchlich zu dem oben Gesagten.

Trennen und Verbinden?

Mir die Brüste abnehmen zu lassen, war damals am 6. 3. 2018 der nächste gute Schritt. Und auch wenn ich die Komplexität der Entscheidung nach wie vor nur erahnen kann, so war sie genau richtig.

Der nächste gute Schritt, um ganz heil zu werden auf allen Ebenen meines Seins.

Und jetzt noch eines meiner Lieblingsgedichte von Rainer Maria Rilke:

Mandelbäume in Blüte

Unendlich staun ich euch an, ihr Seligen, euer Benehmen,
wie ihr die schwindende Zier traget in ewigem Sinn.
Ach wer´s verstünde zu blühn: dem wär das Herz über alle schwachen Gefahren hinaus in der großen getrost.

Flat is beautiful

Vor mittlerweile über zwei Monaten hat mich eine Journalistin angefragt, ob ich einen Beitrag zum Thema Veränderung/Trennung schreiben könnte.

Der Artikel ist dann Ende September unter dem Titel „Happy? End!“ in der österreichischen Zeitung Woman erschienen. Meine Antworten auf die Fragen von Nina Horcher sind dem begrenzten Raum geschuldet, jedoch sehr einfühlsam gekürzt worden, und so will ich an dieser Stelle meine vollständigen Antworten veröffentlichen.

Beim Schreiben wurde mir bewusst, wie groß der Schritt der Ablatio war und auch wie wesentlich.

Welche Veränderung/Trennung hat dein Leben rückblickend nachhaltig verändert?

Es war die Trennung von meinen Brüsten nach einem nahezu 50-jährigen Leben mit ihnen. 

Wann und warum / wie kam es dazu?

Ich war zu dem Zeitpunkt knapp 61 Jahre alt, hatte schon 2 Mal eine Brustkrebsdiagnose. Einen Tag vor meinem 61.Geburtstag wurde neuerlich ein suspekter Herd in der rechten Brust festgestellt.

Sofort, noch auf der Untersuchungsliege, im Zuge des Ultraschalls wusste ich, wenn es wieder Krebs ist, dann lasse ich mir beide Brüste abnehmen, auch wenn es nur ein einziger Herd ist. Das war eine intuitive Eingebung, wie ich sie auch schon davor bei den zwei anderen Diagnosen in Bezug auf meinen Therapie-Weg hatte. 

Was war die größte Herausforderung dabei, diese Entscheidung zu treffen? Wer oder was hat dir geholfen, es durchzuziehen?

Die größte Herausforderung war, dass es sich ja wirklich um eine endgültige Entscheidung handelte, die mein Aussehen unwiederbringlich verändern würde, anders als bei den anderen beiden Diagnosen, wo ja nur der Krebsbereich entfernt wurde.

Es war ein sehr großer Abschied, der auch viel Trauer und Wehmut mit sich brachte. Ich ging also immer wieder innerlich zahlreiche Entscheidungsrunden durch, ob es wirklich notwendig sei, noch dazu, wo es medizinisch nicht als indiziert galt, handelte es sich zu diesem Zeitpunkt doch nur um einen einzigen Herd – also warum gleich sogar beide Brüste abnehmen lassen. Ich wusste jedoch genau, ohne dass ich es erklären konnte, dass es sich hier um ein systemisches Geschehen handelt, und dass – in meinem intuitiven Wissen – wahrscheinlich beide Brüste betroffen sind.

Diese Vermutung hat sich durch den postoperativen histologischen Befund bestätigt, was meine Chirurgin sehr erleichterte, weil die beidseitige Ablatio damit im Nachhinein betrachtet auch medizinisch indiziert war. Ich hätte mir auch nur eine Brust abnehmen lassen können, doch es war für mich klar, dass ich keinen Aufbau will und auch keine Prothesen tragen möchte. Ich fand es auch schöner, symmetrisch flach zu sein als auf einer Seite.

Geholfen hat mir mein Mann, der meine Entscheidung unterstützte und Menschen, die nicht an einem Konzept festhielten, dass es für eine Frau katastrophal ist, ohne Brüste zu sein. Das war für mich nämlich zu keinem einzigen Zeitpunkt so. Außerdem war die Reaktion meiner Chirurgin sehr unterstützend, die zunächst natürlich nicht gleich ein potentiell gesundes Organ entfernen wollte, aber dann erkannte, dass meine Entscheidung aus der Tiefe kam und wohlüberlegt ist – immerhin ließ ich mir fast 3 Monate von der Diagnose bis zur Operation Zeit -, sodass sie meinem Wunsch nachkam. 

Inwiefern hat dein Alter dabei eine Rolle gespielt?

Natürlich hat das Alter eine Rolle gespielt. Bei meiner ersten Diagnose mit 41 Jahren war eine Totaloperation der einen Brust indiziert, weil das Krebsgeschehen, das sich in Mikroverkalkungen zeigte, sehr ausgedehnt war. Für mich war klar, dass das zu diesem Zeitpunkt keine Option ist. Ich habe dann auch einen wunderbaren Chirurgen gefunden, der die Operation so machte, dass trotz des großen Volumens nahezu nichts zu sehen war. Für die letzte Entscheidung, 20 Jahre danach, war wahrscheinlich auch ausschlaggebend, dass ich in einer sehr stabilen, innigen Beziehung mit meinem Mann seit mittlerweile 43 Jahren lebe.

Wenn du heute zurückblickst: Was hat sich seitdem positiv verändert?

Ich fühle mich freier, ich fühle mich unbelasteter, auch weil ich keine Mammographien mehr über mich ergehen lassen muss. Auch brauche ich nicht ängstlich auf das Ergebnis zu warten. Ein gar nicht so kleiner Benefit ist, dass ich auch beim Sport keinen BH tragen muss, das war mir nämlich immer sehr unangenehm. 

Ich fühle mich jedoch nicht nur befreit von der Angst vor einer neuerlichen Diagnose, sondern in einem viel übergreifenderen Sinn. Sofort am ersten Tag nach der OP, als ich mich, den Verband noch eng um meine Brust gebunden, im Spiegel sah, jauchzte etwas in mir.

Das Flachsein, die Brustlosigkeit spürte sich so richtig für mich an, warum auch immer. Ich fühlte mich nicht weniger als ich selbst, sondern mehr. In meinen darauffolgenden Forschungen zur Bedeutung der Brust im Leben von uns Frauen, konnte ich erkennen, dass die Brust mich immer sehr exponiert hat den Blicken und dem Zugriff, und dass hier auch viel Traumatisierung stattgefunden hat, und so war die Brustabnahme auch eine Befreiung vom Ort des Geschehens. 

Ein weiteres positives Erlebnis war, dass ich am eigenen Leib und Seele erfahren konnte, wie wichtig die innere Vorbereitung auf eine OP ist, um die Nachwirkungen gering zu halten und nicht von einem Verlusterleben nachträglich emotional überrascht zu werden. So verließ ich das Krankenhaus bereits am 4. postoperativen Tag mit dem freudigen Gefühl, eine schöne, intensive, bereichernde Erfahrung gemacht zu haben.

Kein Bedauern, kein Hadern, kein Zweifeln.

Es war eine Wahl getroffen, für die besten Bedingungen der Umsetzung gesorgt, dann war es vollbracht und das war ein großes dankbares Glücksgefühl.

Letztlich – und das ist auch eine Bereicherung für mich – bin ich mir der Endlichkeit noch einmal deutlicher bewusst geworden und habe in diesem Sinn mein Leben noch mal radikaler ausgerichtet, meine Praxistätigkeit sehr reduziert und ich schaue sehr genau, was in meinem Leben Platz haben soll und was nicht. 

Wo gab es hinsichtlich dessen die größte Umstellung / den größten Bruch im Vergleich zu früher?

Dass ich zwei sehr lange und deutlich sichtbare Narben habe, die mir nicht so gut gefallen. 

Wie nimmst du diese Veränderungen (z.B. in deiner Einstellung/Persönlichkeit) auch im Alltag war?

Eigentlich nur, wenn es darum geht, dass ich mich nackt zeigen „muss“, da kann ich noch nicht so gut dazu stehen, so warne ich die Menschen immer vor, dass sie nicht erschrecken. Im angekleideten Zustand merken es die meisten Menschen gar nicht, obwohl ich eben keine künstlichen Körbchen trage, außer wenn ich ein Dirndl anziehe. Ich glaube, das ist deshalb, weil ich so selbstverständlich damit bin. 

Wie hat sich auch dein Umfeld dadurch verändert? (Freunde, Familie, Job…)?

Manche Menschen haben meine Entscheidung nicht verstanden. Ich konnte sehen, wo die Grenzen bei Einzelnen sind. In der Familie hat die letzte Diagnose neuerlich die Beziehung zu meiner Zwillingsschwester belebt und ich habe eine große Innigkeit und ein Mittragen von meinem Mann und meiner bereits erwachsenen Tochter erlebt. Es hat generell eine Art Reinigungsprozess in Bezug auf Beziehungen stattgefunden. 

Was ist dir heute wichtig, was dir früher (vor dieser Entscheidung) nicht so klar war? 

Ich kann so deutlich spüren, dass meine Weiblichkeit nicht an meine Brüste gebunden ist. Diese Botschaft möchte ich auch anderen Frauen weitergeben, vor allem, wenn sie von Brustkrebs betroffen sind. Deshalb habe ich auch eine Initiative mit dem Titel „Flat is beautiful. Breast Cancer is not the end of femininity“ ins Leben gerufen. Unter diesem Titel haben wir, eine Gruppe von Frauen im Jahr 2019 am Frauenlauf teilgenommen. Es tut mir noch immer im Herzen weh, wie unsere Brüste missbraucht werden im Sinne eines Schönheitsideals und als sexueller Reiz. Sie sind soviel mehr. 

Was hättest du rückblickend gerne schon früher gewusst oder gemacht?

Meine Brüste mehr geliebt, sie als meine Brüste gesehen, die so schön und wertvoll, lebensspendend und kräftig sind.

Ich hätte gerne radikaler auf meine Grenzen geachtet, die vielen Neins, die ich nicht gesagt habe, ausgedrückt und damit ein freudvolleres, nicht so braves, angepasstes, leistungsorientiertes Leben gelebt. Vielleicht hätte ich dann auch keinen Krebs bekommen, auch wenn ich in einem größeren Ganzen sehen kann, dass Alles gut und richtig ist, wie es ist.

Drei Mal Sterben

In der derzeitigen Zeitqualität sind 3 kurze Texte entstanden zum Sterben (– Lassen). Ich verstehe sie als Beitrag zur Ermutigung.

Sterben und die Hingabe

Die Krebstherapie ist zumeist auf ein Überleben, eine Vermeidung des Sterbens ausgerichtet.

Vielleicht jedoch, so denke ich, ist die Sterbevermeidung das größte Hindernis am Heilungsweg und die Hingabe an diesen Lebens-Prozess, der das Sterben in meinem Verständnis ist, die größte Heilungsmöglichkeit.

Weil die Vermeidung ein Nein ist und die Hingabe ein Ja, ein Einverstanden Sein, ein Eins-Werden mit diesem Prozess.

Die gute Nachricht: der Prozess ist nicht an die Materie geknüpft, also hört der Prozess auch nicht mit dem Tod der Materie auf, geht auf einer anderen Ebene weiter und weiter und weiter, bis sich wieder Materie kreiert, ein neuerlicher Verdichtungsprozess beginnt, aus dem wir uns dann erneut lösen.

Am besten bereit willig.

Sterben und das Auferstehen

Das Sterben beginnt mit dem ersten Lebenstag.

Schon fällt das erste Hautschüppchen, schon beginnt der Prozess des Wandels.

Kein Wandel ohne Sterben.

Dieser sich stets ereignenden Tatsache zum Trotz haben wir alle Angst vor dem Sterben. Und auch das ist ganz natürlich, ist doch die Angst in unserem Körper zuhause.

Wenn es jedoch gelingt, uns aus der Verhaftung mit dem Körper zu lösen, dann verlieren wir einen Großteil unserer Angst und wir gewinnen Gewissheit, Freude, Stille, ein Hier Sein.

Im Sterben Lassen von Zukunft und Vergangenheit, im Ausstieg aus der Linearität, sind wir im Jetzt und damit in der Ewigkeit.

Im Jetzt gibt es keine Zeit, oder man könnte auch sagen, die Zeit steht still.

Angehalten.

Sich in den Augenblick sterben lassen, und damit ihn ihm geboren werden.

In ihn.

In ihm.

Und dann geschieht die Auferstehung von der Horizontale der Linearität in die Vertikale der Aufrichtung.

Und dann verweilen, Still – Stehen zwischen Himmel und Erde.

Und schon kommt aus dem Himmel die Inspiration, die Eingebung.

Genau richtig.

Sie ist ein Himmelsgeschenk, nicht von dieser Welt.

Dann darf ich mich nicht einmischen.

Das göttliche Licht, das Wissen geht durch mich durch bis in mein Herz.

Und hier ist die Begeisterung.

Und weiter geht es bis in die Hände und die Füße und dann geschieht die Tat.

Aus sich heraus, wie von Selbst.

Ein Schritt.

Eine Hand-lung.

Sterben und das Nadelöhr

Sterben – Lassen, bereitwillig, auf dass das Kamel durch´s Nadelöhr geht.

Seelenfülle statt Leibdichte.

Sich dünner werden lassen, um das Ätherische zu mehren.

Von der Verdichtung zur Verfließung.

Von der Substanzverhaftung zur Essenzialität.

So sehr um mich zu wissen, ohne über mich zu wissen, ohne ein “Ich bin die und die und die“, also ohne Identität, sodass ich (endlich) mich frei bewegen kann, ganz da bin, zur Verfügung, ohne über mich verfügen zu lassen, oder vielleicht auch das.

Mich verschenken, mich hingeben und mich darin finden, ohne Beschreibung.

Wortlos.

Und dazwischen aufstehen, um bei der nächsten Gelegenheit wieder nieder zu sinken, ein stetes Aufstehen und Sinken.

Sanft beides.

Eine webende Bewegung, einem fließenden Tanz gleich.

Und dann geschmeidig hinübergleiten in diesen Zustand, den man Tod nennt.

Ganz einfach und ohne Aufwand.

!Das wunderschöne Bild ist von meiner Freundin Elisabeth Roller

Geboren Werden

Das haben wir uns gut ausgesucht – meine Zwillingsschwester und ich – in dieser besonderen Zeit geboren zu werden. 10 Tage vor Weihnachten.

Endlich, nach langer Zeit kann ich sie wieder fühlen, die adventliche Vorfreude, diese Ahnung des Großen. Auch die Jupiter Begeisterung, das Strahlende, Lichtvolle, das diese Zeit auszeichnet.

Endlich kann ich auch wieder fühlen, wie groß das Ereignis einer, meiner Geburt ist.

Oft habe ich sie in Frage gestellt, manchmal sogar verflucht, diese irdische Existenz mit all den körperlich-seelischen Schmerzen, dem Rackern und Plagen, der Dummheit und Gewalt in der Welt.

Da wollte ich nicht sein. An diesem fremden Ort.

Jetzt bedaure ich es, dass ich soviel Zeit mit meinem Hadern verbrachte, auch und gerade weil mir ja vielleicht gar nicht mehr soviel Zeit bleibt, dieses Leben zu genießen.

Heute bin ich in Fühlung mit der Großartigkeit einer, meiner Geburt. Zwar wusste ich, dass wir uns über lange, lange Zeit vorbereiten, hierher zu kommen, ganz gezielt gewählt, diesen Platz, diese Eltern, diese Umstände, diese Wachstumsmöglichkeiten, Aufgaben und auch Beschränkungen. Ich habe mich dennoch oft als Opfer gefühlt.

Jetzt mit dem Abstand und auch mit dem Nachlassen der Qualen und dem weniger Werden der Traumazustände kann ich fühlen, dass Alles gut und richtig ist, was geschah und geschieht.

Dass es mir die Möglichkeit gab, mich durchzuarbeiten durch all die Engstellen, Rohheiten, dem Umwegsamen und Schwierigem – durchzuarbeiten zu mir Selbst.

Zu meinem Selbst.

Das ist ein guter Platz. Eine Ahnung von Frieden spür´ ich da, ein Einverstandensein, auch eine Ruhe, ein Da Sein Können und ein Wahrnehmen dessen, was jetzt unmittelbar da ist.

Eine Einfachheit des Seins.

Und auch wenn es mit der Selbstliebe – was immer damit gemeint ist – noch ein bisschen „hapert“, so wächst allmählich eine Akzeptanz von der, die ich bin.

Gerade im letzten Jahr hat eine große Befreiung aus dem Korsett meiner Identität stattgefunden und damit viele erholsame Momente als Niemand.

Einfach Dinge tun, die ich tun kann, und das sind viele, auch wenn es keine großen Artikel, Vorträge, Interviews waren. Blumen säen, ihnen beim Wachsen zu sehen, Kochen, Backen, viel Stricken und Sticken, Singen, Gehen, Schwimmen, Schreiben, Malen, Sprechen, Menschen unterstützen, Schauen, Essen, Hören und viel Liegen….

Dankbar bin ich heute, dass ich noch immer hier sein darf.

Da sein will.

Dankbar für all das, das dazu beigetragen hat.

Dankbar, dass ich meine AhnInnenlinie als Kraft wahrnehmen kann, die direkt zu mir, zu uns und über mich zu meiner Tochter führt.

Dankbar, dass ich mir den für mich besten aller Orte, dieses Wien – man mag es vielleicht nicht glauben – ausgesucht habe, wo es so viel Schönes gibt.

Dankbar für so Vieles mehr – meinen liebsten Mann, meine schöne, weise Tochter, meine Gaben, die Christengemeinschaft, die mich mit dem Christuslicht und Kraft in Verbindung bringt…..

Dankbar bin ich, dass ich die Verbindung wieder spüren kann.

Dankbar vor allem, dass ich Dankbarkeit fühlen kann.