Aller Seelen

Gewidmet meinen lieben Krebsschwestern im Himmel

„In die rosarote Landschaft des Brustkrebsbewusstseins wird regelmäßig nur eine Art von Menschen, die Brustkrebs hatten, zugelassen: die Überlebenden.“ sagt in etwas provokanter Weise Anne Boyer in ihrem spannenden Buch „Die Unsterblichen – Krankheit Körper Kapitalismus“

So will ich heute all denen eine Stimme geben, die den Kampf gegen den Krebs, so wie man sagt, verloren hätten.

In dem Moment, wo sie ihr irdisches Dasein beenden, verstummen sie.

Vielmehr wollen wir sie nicht mehr sehen, aus unserer Wahrnehmung schließen wir sie aus, wollen uns nämlich nicht an das vermeintliche Scheitern erinnern, das uns schmerzlich an unser Eigenes denken lässt.

Da halten wir uns lieber an jene, die auch den unheilbarsten Krebs besiegt haben.

Sie sind unsere Heldinnen, unsere Vorbilder.

Sie haben es geschafft.

Sie leben.

Aber – so frage ich mich – sind sie deshalb geheilt?

Und was ist das eigentlich Ge-heilt-Sein?

Ist das Überleben, das Hier-Bleiben auf der Erde ein Zeichen, dass wir heil sind?

Oder gibt es nicht auch eine Heilung, die trotz des leiblichen Ablebens stattfinden kann?

Ein Heilsein, das sich vielleicht nicht an den Jahren des Überlebens, an den medizinischen Werten, am Rückgang des Tumorgeschehens bemisst, sondern in einem nur zu erahnenden Seelen-Heil, einem Frieden, einer Läuterung.

So denke ich heute an Elsa, die mir kurz vor ihrem Tod eine Stunde vollkommenen Friedens, Heil-Seins schenkte.

Kein Konflikt mehr, keine Angst, kein Widerspruch, erlöst von Kämpfen und einem Dagegen.

Da gab es keinen Unterschied mehr zwischen dem so ersehnten nachtodlichen Frieden und dem Jetzt.

Still war es – überirdisch still.

Ich denke auch an Gunda, die so ganz bewusst war über ihr bevorstehendes Sterben und eines Tages – 2 Monate vor ihrem Tod – auf meine Frage, worum es heute in unserer Stunde gehen könnte, meinte, um ihr Sterben und der Bitte, dass ich sie begleiten möge. Welch´ ein – hin und wieder durchaus herausforderndes – Geschenk.

Auf einer bewussten Ebene war sie einverstanden, sagte Ja zu ihrem jungen Sterben. Vorbildhaft regelte sie ihre Angelegenheiten, versöhnte sich, wo Versöhnung nötig war, plante minutiös ihr Begräbnis, sah dem Tod in die Augen, und dann wehrte sich ihr junger Körper, allem Sterben-Üben zum Trotz, stemmte sich, wie wenn sie eine Türe zum Öffnen zuhalten würde.

Sie starb – an meinem Geburtstag vor vielen Jahren, und dann kamen wir alle wieder zusammen, wie wir das in den letzten Wochen ihres Lebens immer wieder getan hatten.

Da lag sie, den von ihr gewählten Lippenstift aufgetragen von uns, den ihr nächsten Frauen, gewandet in ein Designerkleid – auch das sorgfältig gewählt.

An den Füßen kuschelige Socken, nicht mehr gebraucht, aber gewollt. Da lag sie dann und war überirdisch schön, eine Schönheit, die ihre weltliche noch übertraf.

Ich denke auch an Ramona, die Tapfere, die ihren Weg ging, im wahrsten Sinne das Wortes – nicht einmal verschob sie ihren Chemotermin, um den Jakobsweg zu gehen.

Sie nahm Alles in Kauf – den Haarverlust, – geh´, da gibt es echt Wichtigeres – die Schmerzen und die Eingriffe.

Sie trotzte dem Tod über viele Jahre. Von vielen wurde sie deshalb bewundert, und dann starb sie doch –  im Kreise fürsorglicher Frauen. Kein Gehen mehr, nicht mal ein Aufstehen – Hingabe statt Entgegentreten war angesagt. Das war schwer.

Sie und alle anderen, die in die andere Welt gegangen sind, haben es gemacht, wie sie es gemacht haben.

Und ich kann mit einem wertfreien Blick sehen, dass dieser je eigene Weg ein genau richtiger war, und dieser je eigene Krebsweg – immer –  einem Gesamtkunstwerk gleicht.

Dann entspannt sich etwas in mir, und bei allem persönlichen Verlust und Bedauern kann ich die Schönheit darin sehen.

Wie tröstlich zu wissen, dass, wie schmerzlich der Weg auch war, er ein von ihnen auf der Seelenebene getroffener war.

Eine Wahl genau dieses Schicksals, mit allem Drum und Dran, dem Leichten und vielem Schweren.

Wie tröstlich auch, dass sie noch immer da sind. Befreit von menschlichem Wollen können sie uns unterstützen, mit uns sein, uns bezeugen, wahr-nehmen, lieben, weil sie der Erdenschwere enthoben sind und frei.

Wie tröstlich auch, dass das Leben weitergeht, immer weiter und weiter, dass nichts zu Ende ist, niemals.

Dieses Wissen hochzuhalten und sich gleichzeitig der Endlichkeit bewusst zu sein, zu wissen, dass jeder Moment der Letzte sein kann, dass alles, was wir tun, vielleicht das Letzte ist, das wir tun können – hier auf der Erde, ermöglicht mir, mich nicht nur um die Erhaltung meiner leiblichen Existenz zu bemühen, sondern darum, meine Seelen-Bedürfnisse zu entdecken und ihnen gerecht zu werden, auch das nicht einem Bild gehorchend, sondern darin meinen ureigensten Klang, meine Tönung wahrzunehmen, die ich – und nur ich – hier in dieser Inkarnation dem Ganzen hinzufüge.

Es heißt ja immer „Ruhe in Frieden“. In dem oben gesagten Sinne wäre „Wirke in Frieden“ – wo immer Du bist – inkarniert oder gerade nicht inkarniert, der stimmigere Aufruf.

P.S. Zwei Bücher möchte ich noch empfehlen, die mich in dem Vertrauen bestärkt haben, dass die geistige Welt immer (für uns) da ist, und das Leben (auf verschiedenen Ebenen) immer weiter lebt:

Das Erste ist von Bruno Bitterli-Fürst und heißt „Tod und Leben. Mit Betrachtungen aus dem Jenseits von Elisabeth Kübler-Ross.“ In diesem schönen Büchlein meldet sich immer wieder Elisabeth Kübler-Ross, die legendäre Begleiterin von Sterbenden zu Wort und was sie da vermittelt ist unglaublich schön und ein wahrer Trost.

Ich könnte nahezu das ganze Buch zitieren, so viel Erhebendes, Inspirierendes, Tröstliches ist darin zu lesen.

Ich wähle einen Abschnitt, der für mich gerade in der jetzigen Zeitqualität von Bedeutung ist:

„Wir sind uns meistens bewusst, dass wir das, was ist, nicht wirklich verändern können. Aber wir können die Liebe, die in uns wohnt, mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, zum Ausdruck bringen. Gerade jetzt bin ich nicht die Einzige, die Worte zu Bruno spricht. Ich bin mit vier anderen Wesen anwesend. Ich kann euch sagen, dass es sehr beflügelnd ist, die eigene Individualität aufzugeben, um eine Wesen zu kreieren, das aus fünf Einzelwesen besteht. Und dann, wenn dieser Fünfer Tanz zu Ende getanzt ist, lösen wir den Verbund und lassen uns weiter von der Welle der Liebe ins nächste Abenteuer führen. Dann kann es geschehen, dass ich eure feinen Körper zusammenschliessen und aus diesem Zusammenschluss etwas gänzlich Neues entsteht. Etwas, das jemand alleine nicht hätte erschaffen können; etwas Einzigartiges, das durch die Anwesenheit exakt dieser Beteiligten möglich wurde.“

Auch das zweite Buch mit dem Titel „Menschsein im Jetzt“ ist ein wahrer Schatz.

Hier hat Ana Pogacnik Gespräche mit der Seele ihrer verstorbenen Schwester Ajra geführt. Ich habe fast das ganze Buch unterstrichen, und ich könnte viel Wertvolles zitieren.

Ich habe einen Absatz gewählt, weil in ihm die ewige Natur der Seele betont wird. Das ist gerade in einer (medizinischen) Welt, die das irdische Weiterleben, so finde ich, überbetont sehr wesentlich und darüber hinaus auch beruhigend.

„Wenn wir die zyklische und ewige Natur der Seele kennen und wissen, dass wir als Seelen gerade deswegen durch verschiedene Inkarnationen reisen, um zu lernen, zu üben, zu heilen und zu wandeln, dann verstehen wir auch, dass die Seele immer wieder durch Nadelöhrsituationen hindurch gehen muss, um sich tiefer zu reinigen, noch gründlicher mit sich selbst zu konfrontieren, noch deutlicher ihr eigenes Sein zu begreifen, noch klarer herauszuschälen, worum es im Leben eigentlich geht und so noch konkreter im Leben zu landen.“

Ein Brüste-Liebhab-Rezept

Zeit meines Lebens als Frau hab´ ich es schwer gehabt mit meinen Brüsten, hab´ sie nur schwer annehmen können, nicht weil sie nicht schön waren, sondern weil sie mich zu sehr exponiert, zu sehr ausgesetzt haben – den begehrlichen Blicken, den An-Griffen.

Dann bei meiner dritten Brustkrebsdiagnose, habe ich entschieden, mich von ihnen zu trennen, sie mir abnehmen zu lassen.

Auch wenn ich es nicht bereue, denke ich, dass es einen Weg gibt, sie zu heil-igen und damit dem Krebs vorzubeugen, beziehungsweise ihn wieder auszuladen, wenn er schon zu Dir gekommen ist.

Deshalb mein heutiges Busen-Liebhab–Rezept mit 6 Zutaten für ein heilsames Leben mit unseren Brüsten (besonders für Frauen, die wie ich eine schwierige Beziehung zu ihren Brüsten haben):  

  1. Geh´ mit Deinen Brüsten in Kontakt – schau´ sie an, berühre sie, streichle sie, verwöhne sie mit einem duftenden Balsam, einem Puder.

Sprich mit ihnen – frag´ sie, was sie brauchen.

Frag´ sie nach ihrem Glück und ihrem Leid, ihrer Geschichte,

Freunde Dich mit ihnen an – Tag für Tag.

  • Gib´ ihnen Halt durch Deine Hände – halte sie hoch, trage sie.

Unterstütze sie – vor allem wenn sie größer sind – mit einem angenehmen, bügellosen BH, in schönen Farben, einem anschmiegsamen Natur-Stoff, wo nichts drückt und schneidet. Das nimmt Dir und ihnen die Last ab, und sie können dadurch einfach sein und sich vertrauensvoll hingeben an den äußeren Halt, umschmiegt von einem zarten, wohligen Stoff.

 Mit Schönheit gewürdigt.

  • Sei in Fühlung mit Deinen Brüsten, kehre die innere Bewegung vom energetischen Rückzug zur Präsenz um.

Da bin ich  –  ganz so, wie ich bin – eine wunderschöne Frau mit zwei schönen Brüsten.

  • Brüste wollen keinen Hormon Überschuss. Deshalb reduziere Produkte von Tieren (aus Hochzuchtsanstalten), die ja alle vollgepumpt sind davon.

Bevorzuge Gemüse, viel Grün, viel Erdnahes wie Wurzelgemüse und Vollkorngetreide wie Hirse, Reis, Quinoa, … Das stärkt die Mitte und fördert, so es basisch ist, die Abwärtsbewegung im Körper. Dann kann sich Dein Körper entspannen.

  • Entspanne Dich, leg´ Dich hin, die Hände auf die Brust gelegt, bergend, summe vor Dich hin, wie eine Mama, die ihr Kind beruhigt.
  • Lasse die Nacht Nacht sein, verdunkle Dein Zimmer. Vertiefe Dich aber auch immer wieder in das Dunkel Deiner Seele, in Deine Wildheit, in das Abgründige. Verweigere Dich dem Mainstream, dass es vor allem darum geht, im Scheinwerferlicht, im Außen zu sein.

  • Sticke, stricke, töpfere, bereite Deine Nahrung selbst zu. Das stärkt die Hestia, die Göttin des Herdes, die so ganz mit sich zufrieden, sich ausschließlich dem Innen-Sein widmet.

Noch mehr Zutaten findest Du im wunderbaren Buch: Brustgesundheit – Brustkrebs von Susun Weed. https://krebscoaching.org/buchempfehlungen/bucher/ Hier finden sich auch immer wieder sehr berührende gechannelte Texte, in denen die GroßMütter sprechen.

Zum Beispiel 2 für mich sehr berührende Stellen:

„Wir sind die Alten GroßMütter. Wir sprechen für die Dunkelheit. Wir sprechen für das Chaos. Wir sprechen für den weiten Spielraum, die Kanten. Wir sind hier, um dir zu helfen, deiner leidenschaftlichen, wilden, exzentrischen Natur zuzuhören. Um dir zu helfen, deine Dunkelheit, deine Lockerheit, deine Zeitlosigkeit, deine ungeformten Kanten zu nähren.“

„Die Kraft unserer Brüste ist die Kraft jeder Frau. So wie unsere Brüste Leben bedeuten, so bedeutet die Brust einer jeden Frau Leben. Auch du, EnkelTochter: Deiner Brüste-Kraft ist die Kraft des Lebens. Deine Brüste sind heilig.“

NEU erlich

Eigentlich ist es einfach.

Vorgestern noch spürte ich eine Stagnation, sprach von der Fadesse, die mich in den letzten Wochen/Monaten einnahm, fühlte mich schlecht, weil ich mich nicht an den verkündeten Flow der Neuerschaffung anschließen konnte.

Und dann drückte ich genau dies aus, ich outete mich in meiner vermeintlichen Erfolg-losigkeit. https://krebscoaching.org/2023/08/03/neu/

Und dann folgte ich einem Impuls – die überreifen Bananen zu Heidelbeermuffins zu ver-Wert-en.

Dann stellte ich meinen Text online, und einige Menschen fühlten sich verstanden, gesehen in dem, womit auch sie es zu tun haben – mit der Schwäche, dem Mangel an Inspiration und dem Fehlen einer Zuversicht, dass sich dieser Zustand je ändern könnte.

All das zog den Stoppel aus meinem Seelengefäß.

Und schon entstanden Ideen über weitere Texte, Unternehmungen, Kreationen.

Und hier mein heutiges 5.8.2023 Rezept, diesmal aus meinem persönlichen Lebenserfahrungskochbuch:

  • Bewusstheit: Sei Dir bewusst über all die Zutaten, die gerade „Zuhause“ sind. Wenn es an exotischen Zutaten für ein Rezept aus einem großartigen Rezept-Buch mangelt, greife auf jene zurück, die Dir gerade zur Verfügung stehen – wie ein Zen Koch, der mit jenen Zutaten arbeitet, die gerade da sind und sei es auch nur ein einfacher Reis.

Wisse, dass es immer (viele), jedenfalls genügend Zutaten gibt – und dazu zählen neben der Freude, der Begeisterung auch das Leid, die Ruhelosigkeit, der Zweifel, die Angst, die Ratlosigkeit….

Aber auch Deine Beweglichkeit – dass Du Deine Hände und Füße nützen kannst, um die Wohnung zu reinigen, ein paar Schritte zu tun, zu stricken, zu lesen, zu schreiben, zu sprechen, zu backen, zu kochen, die Rosen zu schneiden, eine Pflanze umzutopfen, Marmelade zu machen, eine Radiosendung nachzuhören….

  • Ausdruck: Drücke Dich aus in dem, was für Dich wahr ist. Bewege Dich raus aus dem verschämten Eck des Anders-Seins und Nicht-Entsprechens.
  • Großzügiges Teilen: Lade Menschen ein. Es werden die kommen, die sich vom Geruch Deines Mahles angezogen fühlen, und Ihr freut Euch gemeinsam daran.

Und schon bist Du nicht mehr allein.

  • Genieße, was Du kreiert hast. Bis zum nächsten Ma(h)l.

P.S. zwei Empfehlungen: Bernhard Glassman: Anweisungen für den Koch.  Ein wahrer Schatz, dieses Buch vom weisen Zen-Buddhisten und Begründer des Zen-Peacemaker-Ordens. https://www.medimops.de/bernard-glassman-anweisungen-fuer-den-koch-taschenbuch-M03442132746.html?variant=UsedAcceptable&creative=&sitelink=&gclid=CjwKCAjw5remBhBiEiwAxL2M969CK515eJKkbQDTn3_nqfmhuyGo6orm3uM3rpdQz2VwWysRqrYPVhoC5s8QAvD_BwE

                                              Meine Freundin Manou Gardner verfasst täglich sehr kluge Beiträge für ein seelengerechtes Leben. Gestern über den Zweifel:  https://manougardner.com/2023/08/04/zweifel-an-dir-selbst/?fbclid=IwAR2QH1mC8Uc6viiaWifmyoYQEAfGdgy78S7ITTL-QYkPwkhPUG1CaDp6yTw

Silberhochzeit – 25 Jahre Leben mit Krebs

Heute vor 25 Jahren an einem strahlenden Maitag fand meine 1. Krebsoperation statt – an unserem Hochzeitstag, bewusst gewählt, mein lieber Mann an meiner Seite.

Still war es und groß.

Es sollten noch 3 weitere folgen –  eine links, eine beidseits, und dann noch eine links.

Dann vor einem Jahr wollte ich nicht mehr. Keine Biopsie des verdächtigen Rundherds in der Lunge, schon gar keine Operation.

Jupiter, so wie ich den Herd nannte, will bleiben.

Von außen betrachtet ist die Bilanz keine Heldinnengeschichte – keine Spontanheilung, kein heroischer Verzicht auf schulmedizinische Behandlungen, keine radikalen Veränderungen, hab´ meinen Mann nicht verlassen, den Beruf nicht gewechselt, ja nicht mal aus Wien bin ich dauerhaft rausgekommen.

„Habe ich genug getan?“, fragt Gunnar Kaiser in seinem berührenden youtube Beitrag anlässlich einer kurzen Überlebensprognose.

Wahrscheinlich nicht, denke ich, wahrscheinlich habe ich nicht genug getan.

Auch wenn ich über Jahre, Jahrzehnte höchst diszipliniert war, tägliches Meditieren, Yoga, ayurvedische Ernährung, Sport, …, ist da etwas in mir, was sich (noch immer) nicht heil anfühlt.

Wenn ich nicht aufpasse, breche ich sogar jenen Schwur, den ich, vom Tod bedroht, vor 1 ½ Jahren auf der Intensivstation getroffen habe ,– dass ich das Leben Wollen hoch halte und niemals mehr in Frage stelle.

Wenn ich dann jedoch meine „Zustände“ habe, der Körper tobt, der Geist rast, der Abgrund nah ist, ich mich ausgeliefert fühle, es trotz all meiner Fachkompetenz und meiner vielen Tools nicht abstellen kann, ja vielleicht nicht mal will, weil der Sog zu groß ist.

Dann will ich raus, raus aus dem Körper, diesem Unwohlort, hin an einen Platz, wo es still und friedlich ist, der Tod als Sehnsuchtsort.

Keine gute Prognose für ein krebsfreies, gesundes Leben.

Und dann ist da auch die Scham, darüber, dass ich es nicht „schaffe“, was auch immer da zu schaffen wäre.

Und ich höre und lese von all den wahren Heldinnen, die seit Jahrzehnten stabil gesund, krebsfrei und glücklich leben.

Das macht es nicht besser.

Ich ziehe mich beschämt zurück, verstumme.

Und leide.

Mal mehr, mal weniger.

Ja so ist es.

Heute ist es leichter, heute an unserem 33. Hochzeitstag.

Kann die Dankbarkeit fühlen über den Himmel, den Zipfel des Lindenbaums vor dem Fenster, diese riesige Baum Göttin, die unsere Nachbarn nicht gefällt haben, trotz all der Arbeit, die sie öfter mal beklagen.

Bin dankbar, dass wir gleich in unser Häuschen an der Donau fahren, mit den vielen Rosen, die vielleicht noch rechtzeitig vor unserer Abreise nach Montreal erblühen werden.

Bin dankbar über unsere Tochter, diese schöne, weise, junge Frau.

Und über meinen Mann, diesen wunderbaren Wegbegleiter, der seit 42 Jahren in meinem Leben ist, den Liebenden, den besten aller Ärzte, der mir Rilke, Monteverdi, und das Streichquintett von Schubert nahe gebracht hat, der mir Liederzyklen singt, mit dem ich Wahrnehmungen über die Welt und die Menschen teilen kann, der mir vom Himmel als mein Lebensmensch geschenkt wurde, und der mich durch alles durch liebt, auch wenn es wahrlich oft nicht leicht ist.

Welch´ ein Geschenk.

Für all das und noch mehr kann ich heute dankbar sein.

Auch darüber, dass mich mein Leid zu einer Anwältin für Leidende gemacht hat, dass ich sie wahrnehmen kann in der Änderungsresistenz, im Drinhängen, in der Todessehnsucht und darin, dass sie wie ich den Glücksanforderungen, dem Selbstoptimierungszwang nicht gehorchen können, vielleicht auch nicht wollen.

Und dann bin ich dankbar, wenn ich wie kürzlich Sätze wie die von Gabor Maté finden kann.

„Drop the shame and look at the context.

It´s not your fault.

Work on developing that compassion of yourself….”

Heute ist es gut.

Jetzt ist es gut.

Welche Gnade.

Oder um es mit meinem lieben Rilke zu sagen:

Ich lebe mein Leben in wachsendem Ringen,

die sich über die Dinge ziehn.

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,

und ich kreise jahrtausendelang;

Und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm

oder ein großer Gesang.

Vom Sinn zur Sinnhaftigkeit

                                                                                                         Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
                                                                                                         Die sich über die Dinge ziehn.
                                                                                                         Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen
                                                                                                         Aber versuchen will ich ihn
                                                                                                          Ich kreise um Gott, um den uralten Turm
                                                                                                          Und ich kreise jahrtausendelang
                                                                                                          Und ich weiß noch nicht, 
                                                                                                          bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.

                                                                                                                                                                   Rainer Maria Rilke

                 

„Wer keinen Sinn im Leben findet, wird sich kaum heilen können“. Diesen Satz schreibt meine geschätzte Freundin Miriam Reichel in einem ihrer  fb Beiträge.

Miriam weiß, wovon sie spricht, konfrontiert mit einer 8-Wochen Überlebensprognose eines Lymphoms hat sie ihr Leben vollständig umgekrempelt, von der Ernährung bis zur Veränderung des Lebensmittelpunkts von Deutschland nach Südafrika hat sie radikal eine Wende vollzogen.

Vor allem hat sie ihren Beruf als Juristin an den Nagel gehängt und ist ihrer Berufung gefolgt, Autorin zu sein. Und sie wurde gesund und ist dies seit nunmehr 18 Jahren. https://krebscoaching.org/2020/06/30/krebs-leben-die-kombination-der-moeglichkeiten/

Viele andere Menschen hören einen derartigen inneren Auf-Ruf, und oft geschieht das nach einem großen Lebens-Einschnitt, wie nach einer Krebsdiagnose.

Ihre Biographien zeugen davon, wie sie Himmel und Erde in Bewegung setzten, um diesem Ruf gerecht zu werden. Sie riskierten bisweilen Geldnot, Trennung, Verurteilung und manchmal sogar eine (Gefängnis-)Strafe, um diesem Ruf zu folgen. Und oft hatten sie – wie Miriam – Erfolg.

Solche Vor-Bilder können uns inspirieren, bekräftigen und ermutigen, dass auch wir uns auf das besinnen, was und wie wir eigentlich leben wollen.

Lese ich Miriam`s Satz mit den Augen von Menschen, die ihr Leben vielleicht gerade ganz und gar sinnlos finden, die einfach überleben, oder wie auch ich schon öfter, gerade gar keinen Grund finden, zu leben, und schon gar keinen Sinn, ist ein derartiger Appell eine große Herausforderung.

Ich denke an etwas Besonderes, etwas Herausragendes, Spektakuläres. Das leitet eine (fieberhafte) Suche im Außen ein. Was könnte das sein – mein großer Traum, meine Aufgabe, meine Seelen-Pflicht? Und ich verbinde damit den Anspruch – diesen einen Sinn zu finden.

Und dann mühe ich mich, um dieses Ziel, zu erreichen – ein sinnvolles Leben zu schaffen. Und dabei orientiere ich mich an großen Vor-Bildern: ein Kinderhilfsprojekt in Indien etwa, oder Bäume pflanzen, Nein, nicht einen Einzelnen sondern eine ganze Plantage, oder etwas vollkommen Neues zu erschaffen, oder im Hospiz Sterbende zu begleiten.

Mit derart Herausragendem darf ich mir selbst Anerkennung geben und auf den Applaus der Welt hoffen – glaube ich.

Und in der Tat konnte Le Shan feststellen, dass Menschen, die unheilbar an Krebs erkrankten, genasen, wenn sie ihren (Kindheits-)Traum aufgriffen und in einer ihnen (noch) möglichen Form realisierten. https://krebscoaching.org/buchempfehlungen/bucher/

Diese Beispiele sind beeindruckend. Die Menschen griffen ihren innersten Lebensfaden auf und wurden gesund.

Es sind Zeugnisse von großem Mut und radikalen Wandlungen, die bis in die Biologie wirkten.

Diese Beispiele können uns jedoch auch blenden und wir könnten meinen, dass es derart spektakulär aussehen muss. Und vielleicht verhindert ja gerade diese Blendung, diese Aufforderung zum „Think Big“, (weil sonst ist das nichts und schon gar nicht hat es die Kraft der Heilung) eine persönliche Sinnfindung.

Auf der Suche nach diesem einen, das Leben überdauernden Sinn, übersehen wir vielleicht, dass jeder Moment sinnhaft erlebt werden kann. Dass ich die Sinnhaftigkeit meiner Existenz in kleinen Momenten erfahren kann, wo es mir zum Beispiel möglich ist, nett und freundlich und förderlich für andere Menschen zu sein, wo ich einen Kuchen backe, mich an den Zutaten, an meinem Tun und auch an der Freude der anderen erfreue, Momente, in denen ich etwas Tiefes erkennen kann oder einen Satz schreibe, der aus meinem Innersten kommt.

Dazu muss ich nicht Bäckerin werden, auch nicht Schriftstellerin oder Forscherin, wenngleich es gut ist, meinen „Freudenschaften“ zu folgen und ihnen Raum und Ausdruck zu geben, sodass aus den Knospen Blüten und Früchte werden können.

Als ich im November letzten Jahres auf der Intensivstation lag, und der Tod mir schon sehr nahe war, hatte ich eine Erkenntnis: Dass das Leben an sich wertvoll ist, dass es mir geschenkt wurde, dass ich leben darf ,und dass es einen Sinn hat, dass ich hier, zu dieser Zeit, an diesem Ort lebe. Das erste Mal habe ich diesen Sinn jenseits von äußerer Bewertung, dass meine Existenz nur einen Sinn hat, wenn ich etwas Großes leiste, erahnt.

Und so sitze ich hier in meinem Lieblingskaffee, dem Waldemar, und freu´ mich, diese Zeilen zu schreiben und weil ich ahnen kann, dass der Sinn meines Lebens vielleicht darin besteht, Aussagen, Gegebenheiten, Überzeugungen, Selbstverständliches zu hinterfragen und tiefer zu schauen.

Oder vielleicht in der Suche nach Wahrheit oder indem ich mein Leid als Basis für Mitgefühl anerkenne,  in der Befreiung von alten Belastungen oder in meinem eigenen Heilwerden…..

Vielleicht ist das ja so.

Vielleicht ist es aber auch so, dass ich in meinem Verbunden Sein mit meinem Tun, mit allem, was diesen Moment auszeichnet, auch wenn es nicht angenehm ist, in meinem Stillsein, das aus dem Einverstanden Sein entsteht, einfach die radikale Sinnhaftigkeit dieses, meines Lebens erspüren kann –  zart, unbeschreiblich vielleicht, und ganz und gar wahr.

Dann muss ich nicht wissen, ob ich, wie der liebe Rainer Maria Rilke es im oben zitierten Gedicht sagt, ein Falke bin, ein Sturm oder ein Gesang.

Dann lebe ich mit allem, was dazu gehört.

Ich koche, ich schreibe, ich gehe, ich spreche, ich meditiere, ich schaue, ich atme, ich leide – und Alles ist sinnvoll,

weil ich ganz dabei bin.

Das Leben vollzieht sich.

Einfach.

Fühlbar.

Sinnlich,

Und ganz und gar

Sinnvoll.














					

Die Hochschaubahn

Für mich ist das nichts – das Hochschaubahnfahren.

Wann man hinauffährt, weiß man schon, dass es bald einmal dem Abgrund entgegen geht.

Dann der höchste Punkt, da ist nichts von Aussicht genießen, ein kurzes Verweilen, dann geht´s  schon wieder in rasendem Tempo bergab.

Da könnte ich dann schon aussteigen – Boden unter den Füßen – einfach gehen auf einer Ebene.

Am 1.12. wurde ich aus dem Spital entlassen, nachdem ich in einen Abgrund stürzte, unerwartet und heftig – Mit dem Heimkommen konnte ich wieder Boden unter den Füßen spüren – da sein, mich spüren, Sicherheit. – UP

„Jetzt nach der schweren Corona-Erkrankung fängt ein neues Leben an, ein von Krankheit befreites Leben, eines, in dem das Wohlgefühl und die Freude vorherrscht“– dachte ich.

Ja die Lunge war noch geschädigt, verständlich, aber ich konnte Zeugin meiner Selbstheilungskräfte sein und schon bald ohne nachfolgenden halbstündigen Hustenanfall die Stiegen zu meinem Zimmer erklimmen – UP

„Zur Sicherheit machen wir ein CT, um etwaige profunde Schäden auszuschließen“, meinte der Lungenfacharzt Anfang Jänner.

Ganz sicher war ich nicht, ob ich das wollte, aber warum nicht.

Dann der Befund – da musste ich ein Wort lesen „suspekter blastomatöser Herd“.

Mittlerweile etwas kundig in der medizinischen Terminologie wusste ich sogleich, dass das wahrscheinlich nicht Gutes bedeutet.

Der Herr Lungenfacharzt bestätigte meine Befürchtung und drängte auf weitere Untersuchungsmaßnahmen – eine Biopsie und/oder ein PET-CT. Ich verhandelte mir 5 Wochen Regenerations- und Bedenkzeit aus.

Das gab mir erneut einen Boden unter den Füßen und so konnte ich beide Diagnoseoptionen  für 5 Wochen ausblenden.

Die tägliche Atemmeditation – sehr empfehlenswert – Quantum Light Breath von Jeru Kabal – trug mich in höchste Wissensgefilde. Ich wusste, dass alles gut ist und sein wird und war ruhig – UP

Der Tag des PET-CT rückte näher, ein mulmiges Gefühl beschlich mich schon im Vorhinein und dann wurden aus einem drei suspekte, weil stoffwechselaktive Herde – 2 in der Lunge und einer in meiner nicht mehr vorhandenen Brust (das gibt es auch).

Und wieder war es ein Wort, das mein Gefühlsgefährt hinunter stürzen ließ – SBL – „Sekundärblastomatöse Läsion“ – gar nicht gut, umgangssprachlich: eine Metastase.

Wow – damit hatte ich nicht gerechnet. Schwerkrank, ohne mich als solche zu fühlen. – DOWN DOWN

Dank meiner lieben Zwillingsschwester, die selbst Lungenfachärztin und Wissenschaftlerin ist, erhielt ich nähere Auskünfte. Leider musste ich erkennen, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, dass ich als Patientin mit der Nuklearmedizinierin selbst sprechen kann, wie es nicht mal selbstverständlich ist, dass der Befund nicht bloß dem zuweisenden Arzt sondern auch mir ausgehändigt wird. ,

Die Stoffwechselaktivität dieser drei Herde war nämlich zwar über dem Höchstwert, der als gesund gilt, aber dennoch nicht so hoch, dass mit Sicherheit ein höchst alarmierendes Krebsgeschehen sich in mir ausbreitet – UP

Schnell entschied ich mich für eine OP des Knotens am Brustrand, wollte ich doch keinen in die Rippe wachsenden Krebs riskieren.

Meine Chirurgin empfing mich im Aufwachraum mit der guten Botschaft – im Gefrierschnitt war kein (gravierendes) Krebsgeschehen zu sehen und auch im Entlassungsbericht stand „Exzision gutartiger Läsionen“

Welche eine Erleichterung – beflügelt verließ ich das Krankenhaus bereits am OP Tag. Jetzt nur noch die Narben verheilen lassen und dann einfach leben.

Die Histo stand zwar noch aus, dennoch war ich froh – UP

Dann der Anruf meiner Chirurgin – Leider ist es doch bösartig.

„Leider“ und „bösartig“ sind keine guten Worte im Zusammenhang mit Krebs und demensprechend erschüttert war ich von dieser Nachricht. Mittlerweile war ich bereits so verunsichert und entfernt von meiner inneren Stimme – die bis jetzt immer in genauem, intuitiven Wissen um das Geschehen war, dass ich mir alles vorstellen konnte – der Krebs, der ja bislang niemals kein wirklich böser war ist mutiert und es handelt sich um ein G3 und die Lungenherde sind wahrscheinlich doch Metastasen – DOWN.

Als der Befund dann tatsächlich da war, es ist wieder ein G1 – das heißt ein langsam wachsendes Geschehen – war die Erleichterung erneut groß – ein vorsichtiges UP.

Wie gesagt: Hochschaubahnfahren ist nicht so mein´s. Da schau ich lieber, was mir einen Boden unter den Füßen bereitet:

  • Wissen ist ein Boden
  • Eigene Forschung, mich nicht zufriedengeben mit dem Wissensstand der ÄrztInnen – ist ein Boden
  • Unbequeme Fragen stellen und lästig sein (dürfen) – ist ein Boden
  • Selbst entscheiden, wann, was richtig und stimmig ist, zu tun – ist ein Boden.
  • Menschen, die mich in der Gründlichkeit und Genauigkeit unterstützen – ist Boden
  • Menschen, die mir ihre Liebe bekunden und an meiner Seite gehen – ist ein Boden.
  • Dinge, zu tun, die mich anheben, ist ein Boden, ein Himmelsboden – zu meditieren, berührende Musik zu hören, zu schreiben, vor allem, wenn mein Schreiben aus einer höheren Ebene kommt.
  • Verantwortung zu übernehmen für mein Leben (mit Krebs) – ist ein Boden
  • Mein Leid, meine Sorgen, die Ratlosigkeit und Verzweiflung in göttliche Hände zu geben – ist ein himmlischer Boden.
  • In die Stille gehen, ist der profundeste Boden

Mit diesem Boden, der letztlich mein innerstes Zentrum ist, mit einem Bewusstsein über mein Ich, das durch alles durchzugehen vermag, kann ich mich den Bewegungen der Ups and downs (leichter) überlassen – mal mehr und mal weniger.

Ich muss den Atem nicht anhalten, kann das das Abenteuer des Lebens begrüßen, – mal mehr und mal weniger – und ich kann eine Sicherheit spüren, die nicht so leicht zu gefährden ist.

Dann wird die Achterbahn zur Hoch-Schau-Bahn und ich kann sehen, wie weit und groß das Leben ist.

Das Leben feiern!

Heute ist mein 4. Busenlos-Geburtstag.

Welch´ ein großes, freudiges Ereignis war das damals!

Vieles ist in der Zwischenzeit passiert, Vieles hat mir sehr zugesetzt, hat mich aus dem Gleichgewicht gebracht und am Leben verzweifeln lassen.

Und dann Ende November, auf der Intensivstation, als ich einige Zeit zwischen Leben und Tod schwebte, habe ich zu tiefst erkannt, dass das Leben per se ein kostbares Geschenk ist.

So habe ich eine Entscheidung getroffen:

Den Flirt mit dem Tod zu beenden und das Leben, wie immer es sein mag, anzunehmen.

Diese Entscheidung wurde nach einer kurzen glückseligen Erholungszeit mit meiner Familie stark herausgefordert.

Ein CT und nachfolgend ein PET CT zeigte 3 suspekte Herde, 2 in der Lunge und einen in meiner nicht mehr vorhandenen Brust.

Das war ein schwerer Schlag.

Dennoch – Dank der liebevollen Unterstützung meiner Familie und FreundInnen hielt die Entscheidung für´s Leben – erstaunlich!

Und ich konnte unaufgeregt, nur hin und wieder unterbrochen von verschattenden Einbrüchen immer wieder ganz im Moment sein und das Leben, das ja – immer – ganz (für mich) da ist, erfahren.

Die Histo von der Brust-OP letzte Woche steht noch aus, und auch die beiden Herde werden wohl noch eine Weile da sein.

Dennoch – ich bin wild entschlossen, mich nicht von Befunden und meinen Stimmungen vereinnahmen zu lassen, meiner Entscheidung treu zu bleiben, und das Leben einfach zu leben, solange ich darf.

Und da ich mir, wie an jedem Geburtstag auch etwas wünschen darf, möchte ich das auch jetzt in buddhistischer Tradition tun:

  • Möge ich mich an meine Entscheidung fürs Leben erinnern, komme da, was wolle.
  • Möge ich mich an meinem Körper freuen, an seiner Lebendigkeit und wie lieb er mir dient und auch an seiner Schönheit.
  • Möge ich mir meine Wildheit, meine Lebendigkeit gönnen, auf dass ich das Lebenslicht in mir erleben kann.
  • Möge ich mit Jupiter (so habe ich den so leuchtend strahlenden Herd in meiner Lunge genannt) in friedlicher Koexistenz leben können.
  • Mögen meine Haare, die post-covid großzügig ausgefallen sind, erneut kräftig sprießen.
  • Möge ich mir meiner Weisheit bewusst sein und sie un-verschämt teilen.
  • Möge ich die Schöpferin in mir zum Ausdruck bringen, sei es im Schreiben, Malen, Tanzen…
  • Möge ich im Frieden sein mit allem, was geschieht.
  • Möge ich lieben und mich lieben lassen,
  • Möge ich oft und oft meine schützische Be-Geist-erung erleben dürfen.
  • Möge ich wissen, dass ich immer heil war, bin und immer sein werde.
  • Möge ich mich freuen am Leben!
  • Möge ich mich freuen am Leben!
  • Möge ich mich freuen am Leben!
  • Mögen alle Wesen glücklich, frei und im Frieden sein.

Der Corona/Krebs – Aufruf zum Selbst-Sein

Der Corona-Krebs – Aufruf zum Selbst-Sein

Mein Krebs wurde erstmals 1997 diagnostiziert, in der rechten Brust, ausgedehnt auf 10×8 cm zeigten Mikroverkalkungen, einem Sternenhimmel gleich, ein niedrig malignes Krebsgeschehen an.

Der erste Chirurg, den ich 3 Tage nach der Diagnose kontaktierte – ein honoriger Universitätsprofessor – machte gleich mal klar: „Da muss Alles weg – die ganze Brust, dann sei ich geheilt.“

Das war der eigentliche Schock – der Verlust meiner Brust mit 41 Jahren. Das wollte ich nicht. Soviel war sofort klar.

Glücklicherweise fiel mir das wunderbare Buch „Brustgesundheit – Brustkrebs“ von Susun S. Weed in die Hände. Dieses Buch wurde zu meiner Bibel. Hier las ich – und das tat ich im Bus, in der Straßenbahn, zwischen den Therapiesitzungen, abends, morgens, überall und immer – dass wir, die von einer Krebsdiagnose betroffen sind, uns Zeit lassen dürfen, zunächst einmal innehalten, nichts tun, auf die innere Stimme hören und diesen Eingebungen folgen.

Das tat ich. Und so fand ich meinen ersten Chirurgen, der mir meine Brust beließ und mich nur von dem betroffenen Teil befreite – mit einer derartigen Kunstfertigkeit und in Liebe zu mir als Frau, sodass schon nach kurzer Zeit nichts mehr zu sehen war. Wunderbar.

Man/frau möge meinen, dass die Zeit um die Krebsdiagnose verschattet war, dunkel, bedrückend. Das war sie nicht. Vielmehr fühlte ich mich in meinen Bewusstsein angehoben. Leben durfte ich endlich, mich zum Zentrum meines Lebens machen, Leben aus mir heraus.

20 Jahre später erhielt ich die nunmehr dritte Brustkrebsdiagnose. Wieder wurden multizentrische Krebsherde gefunden und erneut traf ich ganz klar eine Entscheidung: Ich trennte mich von beiden Brüsten nach nahezu 50 Jahren Zusammenleben.

Und es war gut und richtig. Auch das mit einer gnadenvollen Geistes-Klarheit, die mir jeden notwendigen Seelen-nahen Schritt zeigte.

Dieser Chirurg, diese Chirurgin, dieser Operationszeitpunkt, diese Ernährungsumstellung, dieser spirituelle Weg, diese Ayurvedakur, das Beenden von belastenden Beziehungen, das Zusperren meiner psychotherapeutischen Praxis usw. – all das, entstand aus meinem Innersten.

Und dann vor nahezu zwei Jahren: Corona.

Auch hier war und bin ich ganz klar, was für mich zu tun und zu lassen ist. Auch habe ich keine Angst vor der Krankheit – bei aller Um- und Vorsicht. Ich weiß, dass sie, wie auch mein Krebs, der ja mein Krebs ist, mit mir zu tun hat, mit meiner Lebensweise ebenso wie mit meinem Schicksalsweg.

So weit, so ähnlich.

Es gibt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes gravierende Unterschiede.

Ja, ich hatte es auch in Bezug auf meine Therapieentscheidungen wie viele andere, die sich für einen nicht orthodoxen schulmedizinischen Weg entschieden, mit Kopfschütteln, Infragestellen meiner Entscheidungen zu tun, und viele meiner Krebsgeschwister werden deshalb angegriffen, fallen gelassen und manchmal sogar mit dem Tod bedroht – „dann, wenn Sie diese oder jene Therapie ablehnen,  sehen wir uns am Friedhof!“ Wie in der katholischen Kirche wird mit der Verdammnis gedroht, wenn man/frau sich vom einzig wahren Glaubensweg entfernt.

Aber: es war mein Körper, mein Weg und wenn ich mir ein Herz fasste und für mich und meine Entscheidungen eintrat, erfuhr ich oftmals auch Verständnis, Interesse und Respekt – auch von schulmedizinischer Seite.

Das, womit wir es jetzt seit nahezu 2 Jahren zu tun haben, ist ein anderes Kaliber.

Von Anfang an wurde diese Krankheit über Risikofaktoren hinweg generell dämonisiert und Menschen, die versuchten, diese Gefährlichkeit – auch mithilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen – zu relativieren, wurden sogleich mit Titeln wie CoronaleugnerInnen, Covidioten, AluhutträgerInnen disqualifiziert und ja auch verfolgt.

Die Gehirne der Menschen wurden beständig mit der vermeintlich allumfassend tödlichen Realität der Erkrankung aller wissenschaftlichen Evidenz zum Trotz infiziert.

Sukzessive kamen Menschen, die gerade noch aufgeklärt, vernünftig zum Geschehen standen, von Sinnen. Sie verloren ihre organisimische Urteilsfähigkeit und letztendlich das, was mein lieber Wilhelm Reich als Wahrheitssinn bezeichnete.

Das – und ich sage das jetzt mal ganz unverblümt – ist das wahre Verbrechen.

Weil ohne diese Basis unserer organismischen Wahrnehmungsresonanz, unserer Einschätzungsfähigkeit, was wahr und angemessen ist, was wir als richtig und falsch für uns erachten, ein gesundes, der (inneren) Körper-Geist-Natur entsprechendes Leben schwer, wenn nicht unmöglich ist.

Die Krebsdiagnose führte mich durch alle Schichten meines verbiegenden Geworden-Seins geradewegs in mein Fundament, in das, was ich wesenhaft bin. Sie ließ mich in eine den Himmel und die Erde verbindende vertikale Ausrichtung kommen.

Und hier findet sich alles Wissen, das für das Jetzt und Hier gebraucht ist – ein Wissen, das aus der Erfahrung der Vergangenheit gespeist ist und den Möglichkeitsraum der Zukunft in sich trägt.

Diese Aufrichtigkeit, dieses Selbst-Bewusstsein, im Sinne eines Bewusstseins meines Selbst gilt es in einer Krise zu erwecken, das ist meine Erfahrung.

Ich könnte auch sagen, es bleibt uns nichts anderes übrig.

Und nein, dieser Prozess ist nicht schwierig, nicht anstrengend, nicht hart, vielmehr ist es eine riesige Befreiung, eine göttliche Freude.

Und hier in der Tiefe unserer Wahrheit findet Vernetzung statt zu Gleich-Gesinnten, Menschen, die gleich schwingen.

Wir ziehen über die Kraft unserer Authentizität Menschen an, wo eine Herzensverbindung, eine Vertrautheit spürbar und ein freudvolles gemeinsames Schaffen möglich ist.

Es tun sich Welten auf, Gutes strömt uns zu, und Neues entsteht.

Ganz einfach!

Meine Brüste – ein Abschiedsbrief

…..geschrieben am 27.2. 2018, eine Woche vor der Ablatio 1)

Meine lieben Brüste,

Bald ist der Tag der Verabschiedung gekommen.

Niemals habe ich mich mit Euch so intensiv beschäftigt, wie jetzt in der Vorbereitung unserer Trennung.

Nein, es ist nicht selbstverständlich, dass Ihr nicht mehr zu mir gehören werdet, wie es nicht selbstverständlich war, dass Ihr zu mir gehörtet.

Noch eine Woche und unsere irdische Beziehung ist Geschichte.

Eine Geschichte, die vor nahezu 50 Jahren begann.

Gut kann ich mich noch erinnern, wie Ihr zu wachsen begannt, und stolz war ich, als ich meinen ersten BH, einen gelben, kleinen mit weißen Punkten, kaufte.

Eigentlich war ich ganz zufrieden mit Euch, wäre da nicht die Tante Anna gewesen, die meinte, ich gerate ganz nach meiner Großmutter. Deren riesige Brüste lagen wie weiße Schwämme auf einem ebenso riesigen Bauch.

Das war ein Schock, das wollte ich nicht. Vielleicht war das ja die erste Abspaltung, die erste Ablehnung, der Beginn einer grundsätzlichen Zurückweisung.

Und dann das Exponiert Sein.

Ich sehe mich, die Brüste verbergend an Baustellen vorbeigehen. Es war eine Initiation ins Frau Sein.

Brüste ist gleich sichtbarlich Frau Sein und das ist nicht gut, weil gefährlich, ausgesetzt dem männlichen Blick, ausgesetzt dem männlichen Zugriff.

Nie spielten sie eine wesentliche Rolle, was die Sexualität betraf. Zu intim das Ganze, nein, rührt sie nicht an.

Dann kam meine Tochter zur Welt und siehe da, sie lehnte meine linke Brust ab, nein daraus wollte sie nicht trinken. Da fühlte ich mich als Versagerin, wusste ich doch, dass es unbedingt zu einer Mutterschaft dazu gehört, das Kind über die Brust zu nähren.

Ihr lieben Brüste: Ich habe Euch wahrlich nicht gut behandelt, war weder stolz über, noch lieb zu Euch. Wären da nicht die beiden Krebsdiagnosen gewesen mit all den Behandlungen, die mir eine Beschäftigung mit Euch abverlangten, hätte ich Euch nie bewusst berührt und liebgehabt.

Jetzt, wo ich Euch mit einem Abschiedsblick ansehe, tut Ihr mir leid, das habt Ihr nicht verdient, sterben zu müssen vor der Zeit.

Es ist eine Opfergabe, Ihr seid eine Opfergabe und ich bitte Euch um Euer Einverständnis, dass diese Trennung unser „Ding“  hier ist, unsere gemeinsame Sache.

Und vielleicht kommen wir ja nochmal zusammen, als ein gutes Dreieck – Ihr zwei und ich – voll zu mir gehörig, mich erwürdigend und mit Brust-Potenz in einem weiblichen Sinne ausgestattet, nicht in einem pervertieren Verständnis von Macht und Attraktivität, sondern mit dem vollkommenen, würdigen Ausdruck meiner (unserer) Frauenmacht.

Von mir ausgehend, (mich) nährend und erkraftend.

Ja so soll es sein!

1)das Bild zeigt mich, meine liebe Tochter stillend am 2. Tag nach ihrer Geburt

Lebensretter

Die Verzweiflung ist ein häufiger Gast in meinem Körper-Geist-Haus.

Dann sitzt sie da, macht sich breit, fordert ihre Aufmerksamkeit. Zerrt an mir, schreit mich an, verstellt mir den Blick zum Sonnenlicht.

Oft erliege ich ihr, bin gebannt von dem Recht, der Selbstverständlichkeit, mit der sie mich fordert.

Vieles hab´ ich gelernt – wie ich sie aus der Tür schicken, zum Verstummen bringen, auf ihren Platz verweisen kann.

Meistens will es nicht gelingen.

Es will nicht gelingen.

Und dann steht es plötzlich neben mir, wie mein lieber Ringelnatz sagt, – das, was ich so lange ersehnt…

Wie heute, als mir ein Text von Arvo Pärt in die Hände fiel.

Worte, die alle Schichten transzendieren,

Worte, durch die etwas Größeres hindurch scheint, etwas, was jenseits der irdischen Verhaftung von Göttlichem kündet.

Dann spür´ ich sie –

die Glückseligkeit, die nicht von dieser Welt ist.

Dankesrede Arvo Pärts für den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz 2007

Sehr verehrte hohe Gäste, liebe Freunde!

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Politikern und Wissenschaftlern zu stehen, ist für einen Musiker eine ungewöhnliche Angelegenheit. Ich höre hier Worte zu meiner Musik und Person, die für meine Ohren etwas überhöht klingen, weil ich mir nie solche grandiosen Ziele gesetzt habe, wie sie hier genannt wurden. Meine Ziele und Maßstäbe waren und sind viel bescheidener und einfacher. Damals, bei der Entstehung meiner heutigen Musik, hatte ich alle Hände voll zu tun, um mich selbst innerlich auf die Beine zu bringen und um meine eigenen Probleme zu lösen. Ich musste mich in einen Zustand versetzen, in dem ich eine Musiksprache finden könnte, mit der ich leben wollte. Ich war auf der Suche nach einem Klanginselchen. Auf der Suche nach einem „Ort“ in meinem tiefsten Inneren, wo – sagen wir so – ein Dialog mit Gott entstehen könnte. Ihn zu finden wurde eine lebenswichtige Aufgabe für mich.

Ich bin sicher, dass ein solches Bedürfnis – bewusst oder unbewusst – zu jedem Menschen gehört, und vielleicht wissen das viele von Ihnen, und Sie erkennen, wovon ich rede.

Um meine Gedanken zu verdeutlichen, möchte ich Ihnen ein Bild schildern:

Wenn wir durch ein Rastertunnelmikroskop irgendeine Substanz oder einen Gegenstand betrachten, dann sieht die tausendfache Vergrößerung ganz offensichtlich anders aus als die millionenfache Vergrößerung. Wenn man sich durch die verschiedenen Stadien der Vergrößerung bewegt, kann man in jeder Materie bis dahin unvorstellbare und ziemlich chaotische „Landschaften“ entdecken. Irgendwann aber gibt es eine Grenze, die bei etwa dreißigmillionenfacher Vergrößerung liegt. Hier sind die fantastischen Landschaften verschwunden, und wir sehen nur eine strenge Geometrie, eine Art Netz, sehr klar und sehr speziell. Was nun verwundert, ist die Tatsache, dass diese Geometrie selbst bei ganz unterschiedlichen Substanzen oder Gegenständen sehr ähnlich aussieht.

Gilt etwas Ähnliches vielleicht auch für das Menschenwesen?

Lassen Sie uns ein wenig phantasieren. Versuchen wir, eine Menschenseele quasi unter einem solchen Mikroskop zu beobachten, wobei wir nach und nach den Grad der Vergrößerung erhöhen. Wir werden Zeuge sein, wie alle äußeren Merkmale eines Menschen mit all seinen Besonderheiten, seinen Schwächen und Tugenden im Verlauf der zunehmenden Vergrößerung mehr und mehr aus dem Bild verschwinden. Es wird wie ein endloser Verkürzungsprozess sein, der uns in die Richtung des Wesentlichen führt. Hinter uns lassen wir auf dieser „Reise ins Innere“ auch alle gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und religiösen Kontexte. Am Ende gelangen wir zu einem netzartigen Grundmuster. Man könnte es vielleicht als „menschliche Geometrie“ bezeichnen, klar geordnet, ruhig geformt – vor allem aber schön. In dieser Tiefe sind wir uns alle so ähnlich, dass wir in jedem anderen uns selbst erkennen könnten. Und diese Ebene könnte die einzige sein, auf der eine wirkliche funktionierende (Friedens-)Brücke überhaupt vorstellbar wäre, wo all unsere Probleme – falls es sie dann noch gibt – lösbar wären.

Es ist für mich eine große Versuchung diese so schön geordnete Ur-Substanz, diese kostbare Insel in der inneren Verborgenheit unserer Seele, als den „Ort“ anzusehen, über den uns vor 2000 Jahren gesagt wurde, dass Gottes Reich dort sei – nämlich in unserem Inneren. Unabhängig davon, ob wir alt oder jung sind, reich oder arm, Frau oder Mann, farbig oder weiß, begabt oder weniger begabt.

Und so versuche auch ich bis heute, mich auf dem Pfad zu halten auf der Suche nach dieser so heiß ersehnten „Zauberinsel“, wo alle Menschen – für mich auch alle Klänge – in Liebe miteinander leben könnten. Die Türen dorthin sind für jedermann geöffnet. Aber der Weg dahin ist schwierig – schwierig bis zur Verzweiflung.

Ihr Brückepreis ermutigt mich, diesen Weg weiter zu gehen, und er gibt mir neue Kraft.

Vielen Dank dafür!

                                                                                      Arvo Pärt