Krebs und ganzheitliche Gesundheit bei Wilhelm Reich

Wilhelm Reich, Psychoanalytiker, Arzt und Forscher (1897-1957) ist zu Unrecht in weiten Kreisen unbekannt. Er  erkannte, dass am Grund jeder Erkrankung eine Störung im bioenergetischen Funktionieren des Menschen besteht. Diese Störung drückt sich sowohl auf der körperlichen Ebene in Form von chronischen Kontraktionen, von ihm Panzerungen genannt,  aus, wie auch im Charakterlichen, in der Unfähigkeit sich auszudrücken und sich dem Leben hinzugeben. Er gilt als Vater der modernen Körperpsychotherapie, welche nicht nur an der Psyche sondern auch direkt am Körper ansetzt.

Ab den 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts begann er systematisch mit der Erforschung der Krebserkrankung wie auch mit Untersuchungen zu ihrer Heilung.

Er erkannte, dass der Krebserkrankung eine Pulsationsstörung zu Grunde liegt, die sich chronisch  über mehrere Stadien bis zum Krebssymptom entwickelt. Diese Pulsationsstörung nannte er Schrumpfungsbiopathie. Er beschrieb, dass bei Menschen, die letztlich an Krebs erkranken ein Überwiegen der Kontraktion besteht, eine Sympathikotonie des vegetativen Nervensystems, was mit vegetativem Stress und Veränderungen im immunologischen System und in der endokrinen Regulation einhergeht.

Es ist eine Erschöpfung des Gesamtsystems, welche eine Krebserkrankung begünstigt. Im Psychischen drückt sich diese in einer Resignation, einem Aufgeben, einem Nein zu Welt und zum Leben aus. Viele Krebskranke berichten von dieser Erschöpfung in den Monaten vor der Krebserkrankung. Die Lebensfreude ist abhanden gekommen und das Leben erscheint entfremdet und sinnlos.

Es ist unglaublich, wie weitsichtig dieser Sichtweise von Reich war. Sie deckt sich eins zu eins mit den neueren Untersuchungen aus der Psychoneuroimmunologie bei Krebs, wie sie zum Beispiel durch Christian Schubert an der Universitätsklinik in Innsbruck durchgeführt werden.

Reich betrachtet also die Krebsgeschwulst  als ein Symptom der Krebserkrankung. Konsequent setzt seine Behandlung demzufolge an diesem tieferliegenden Mechanismus des bioenergetischen Funktionierens an. Er wandte dazu Orgonakkumulatoren an. mit dem Ziel „der Aufhebung der Kontraktion und der Erzeugung einer Expansion…“

Die Pulsationsfähigkeit, also das Pendeln zwischen Kontraktion und Expansion ist die Grundlage für Gesundheit. Die Anwendung des Orgonakkumulators – bisweilen begleitet von einer psychosomatisch orientierten Vegetotherapie  – führte zu dramatischen Verbesserungen sowohl was objektive Befunde aus den Ergebnisse der Blutuntersuchung betrifft – Reich brachte eine Lebendblutuntersuchung zur Anwendung – auch dieser meiner Ansicht nach äußerst bedeutsame Test ist in Vergessenheit geraten und wird kaum noch angewandt.

Vielfach ging auch die Metastasierung zurück, vor allem zeigten sich Verbesserung im subjektiven Empfinden des Menschen – Gewichtszunahme, vermehrter Appetit, weniger Übelkeit und Schmerzen, verbesserte Hautdurchblutung, Zunahme an Lebendigkeit, Empfindung von Wohlbefinden und Lust.

Er beschreibt, wie wichtig es ist, das wie er sagt in der „Tiefe festgeklemmte Nein – Nein zu befreien und die gesamtorganismische Fähigkeit zum Ja zu fördern. Gesundheit ist in diesem Sinne dann gegeben, „wenn der Organismus als ein totales Ganzes funktioniert, ….wenn die Ausdrucksbewegungen des Menschen frei ablaufen können.“ (Reich, Charakteranalyse S. 386, 1976)

Am 11.3. 2017 werde ich am Abend zum Thema „Ganzheitliche Gesundheit bei Wilhelm Reich“ sprechen. Genauere Infos zur Veranstaltung siehe hier: www.tzg.at/dieveranstaltungenimeinzelnen/tag-der-ganzheitlichen-gesundheit.html

Information über Wilhelm Reich, seine Therapieansätze und TherapeutInnen bzw. ÄrztInnen, welche in seiner Tradition arbeiten siehe www.wilhelmreich.at

Alles gut! Über die Kraft der Gegenwärtigkeit

Alles gut!

Diese zwei Worte verbindet man nicht unbedingt mit einer Krebserkrankung.

Da scheint gar nichts gut.

Nein, vielmehr ist nichts mehr, wie es war.

Das Vertrauen in meinen Körper und das Leben ist erschüttert, der Blick angstvoll auf eine ungewisse Zukunft gerichtet.

Gleichzeitig wird durch diesen Ein-Schnitt der horizontale Weg von der Vergangenheit zur Zukunft mit einer nicht wahrgenommenen Gegenwart unterbrochen.

Und ich bin plötzlich ganz da.

Wie auch immer ….

Im Erleben des Schocks, der Überwältigung durch meine Gefühle, aber auch mit dem Wissen, dass ich mehr bin als mein Körper, meine Rollen, meine Angst und Schwäche.

Aus diesem Gegenwärtig sein im Jetzt tut sich ein Wissensraum auf.

Und ich kann erfahren, dass jenseits aller Vorstellung über meine Zukunft, dem Ausgang meiner Krankheit aber auch aller Ideen, warum ich krank geworden bin, ich einfach jetzt bin.

Und da ist es still und gut.

Still und gut und ohne Wollen und Abwehren und ohne Angst.

Hier gilt es zu verweilen, auszurasten, einfach zu sein.

Und dann taucht eine Gewissheit auf, was zu tun ist.

Ja genau das, zweifelsfrei, eindeutig weiß ich, welcher der nächste gute Schritt ist.

So ist das Vertrauen im Jetzt gebor(g)en.

Und bei all der Endlichkeit, die uns im Leben mit Krebs so bewusst wird, eröffnet dieses „stimmige Jetzt“ ein zeitloses Fenster, in welchem die zeitliche Grenze unbedeutend wird.

Und da ist alles gut.

Sowieso.

 

Über das Müssen, Dürfen und Wollen – Teil 2: Das Dürfen

„Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“ Karl Valentin

Ist das Müssen für mich im Erleben mit einem Druck von oben, einer Verengung, einer Kontraktion, einem Kleinerwerden verbunden, so erlebe ich im  Dürfen eine Weitung, eine Öffnung, ein heilsames Aufatmen, letztlich eine große Befreiung.

Dürfen eröffnet das Feld von Möglichkeiten –  alles wird weit, vor mir liegen all die Schätze der Welt und des Universums.

Oftmals haben Menschen, welche an Krebs erkranken schon lange nichts mehr dürfen, waren ganz im Müssen. Pflichtbewusst erfüllen wir die an uns herangetragenen oder verinnerlichten Ansprüche, gehen einer Arbeit nach, die uns schon lange nicht mehr erfreut oder leben mit Menschen, die uns nicht gut tun, die uns nicht wahrnehmen.

Dann kommt die Diagnose, der Einbruch in das existentielle Fundament und plötzlich geht es nicht mehr um das Erfüllen von Ansprüchen, sondern um mich. Krebs gibt Erlaubnis, ich darf mich um mich kümmern, zum Beispiel endlich meinen Bedürfnissen nach Erholung und Ruhe, nach Selbstverwirklichung nachgehen – alles, was lange nicht mal denkbar war, ist auf einmal selbstverständlich – „Schau jetzt mal ganz auf Dich, ganz klar, dass das jetzt notwendig ist.“

Ohne Dürfen, ohne die radikale Erlaubnis, alles tun zu dürfen, wirklich alles, kein Lebens- und Genussmittel, das verpönt ist, alle Schätze der Welt vor uns ausgebreitet und uns zur Verfügung, kein Tabu, alles gut – erst auf dieser Basis können wir eine wirkliche Wahl treffen.

Tun wir etwas, weil wir es müssen, so ist oftmals ein in der Zukunft liegendes Ziel leitend – gesünder werden, besser auszusehen, sich Ruhm und Anerkennung erwerben, von sich sagen zu können, dass ich ein guter Mensch bin und so weiter.

Mit der radikalen Erlaubnis, indem wir uns gestatten alles zu dürfen, bringen wir uns un-mittel-bar ins Jetzt. Und damit in den Erfahrungsraum gegenüber dem Erfüllungsraum.

Indem wir zum Beispiel laufen gehen, um schlanker oder fitter zu werden, geht es vor allem um die Erfüllung einer Vorgabe – zum Beispiel mindestens eine halbe Stunde im Stück laufen. Wenn wir jedoch – jenseits von dem, was wir lesen oder hören, dem nachgehen, wonach uns ist und uns das erlauben, z.B. einfach eine Runde spazieren zu gehen oder immer wieder gehen und dann ein Stück laufen und wieder gehen und in Fühlung mit unseren Impulsen sind, so ist es der Moment, den wir genießen. Wir brauchen uns nicht danach auf die Schulter zu klopfen und den Wert aus der Tapferkeit, Überwindung, oder dass wir den inneren Schweinehund (was für ein Wort!) bezwungen haben, beziehen.

Es gilt zunächst uns von all den Konzepten und wissenschaftlich verankerten Vorgaben zu bereinigen und alles zu gestatten, das Schokolade-Essen genauso wie das Zigarettenrauchen – ja auch das!, das Alkoholtrinken genauso wie das faul – nein besser gesagt bequem –  am Sofa liegen. Dann erst können wir eine Erfahrung damit machen.

Bei allem, was wir nicht dürfen, bei allem, was wir müssen, schalten wir – so ist meine Erfahrung – das Bewusstsein ab. Entweder weil wir das, was wir glauben zu müssen nicht wollen und es damit auch nicht bewusst erleben können/wollen sondern nur absolvieren, oder aber, weil wir das, was wir nicht dürfen,  eigentlich ja gar nicht tun – schnell noch eine Schokolade bewusstlos in den Mund geschoben, mit dem richtigen Vorsatz für Morgen oder Montag.

Das Negative, Ausschließende hat offenbar keine wirklich förderliche Wirkung, was die nachhaltige Veränderung von Verhaltensweisen betrifft. Das zeigt sich am Effekt der grauslichen Bildern auf den Zigarettenpackungen, welchen zum Trotz dennoch die Anzahl der Raucher gestiegen ist.

Der kluge buddhistische Mönch Bhante Seelawansa meinte damals, als es nur schriftliche – ebenso unwirksame – Warnungen auf den Päckchen gab, dass folgender Aufdruck effizienter wäre:  „Rauchen Sie, aber rauchen Sie achtsam!“

Wenn wir bewusst etwas tun, dann merken wir, was wir tun, wir fühlen die Wirkung, die es auf uns und unseren Organismus hat. Wir können zum Beispiel bemerken, wie der Rauch sich in der Mundhöhle, im Rachen, in der Luftröhre und auch in der Lunge anfühlt, wir können erfahren, wie wir uns nachher fühlen und diese Erfahrung kann ein Korrektiv sein.

Erst auf der Basis, die nichts ausklammert, nichts tabuisiert, nichts verpönt und verurteilt, kann eine freie Wahl stattfinden.

Und es eröffnet sich die Frage: Ich darf, aber will ich denn?

Diagnose Krebs – Auferstehen

 

Es ist tief in uns im wahrsten Sinne des Wortes „eingefleischt“, dass die Materie Materie ist und damit fest und unveränderlich. Beziehungsweise ist sie nur durch massivste Einwirkung von Materie auf Materie zu verändern. Dies geschieht in der Onkologie zum Beispiel durch Chemotherapie, Operation und Bestrahlung, damit soll die Materie Krebs bekämpft und zerstört werden.

Dem gegenüber stehen Erfahrungsberichte von Menschen, die trotz einer außerordentlich schlechten Prognose und teilweise unter Verzicht von derart materieller Einflussnahme geheilt sind. Berichte darüber finden sich in Büchern wie „Spontanheilung“, „Du bist das Placebo“, „9 Wege zu einem krebsfreien Leben“ und „Geheilt“. (siehe dazu auch die Buchempfehlungen auf dieser Seite) .

Aber auch in Fernsehsendungen wie zuletzt in der Sendung „Die Macht der Heiler“ und „Die Gesetze der Heilung“ finden sich hoffnungsstiftende Beispiele.

Hier berichtete beispielsweise eine Frau mit Muskeldystrophie, welche bereits so fortgeschritten war, dass sie an den Rollstuhl gefesselt war, dass sie nach einer schamanischen Reise erstmalig nach Jahren keine Schmerzen verspürte und mittlerweilen an Kraftgeräten an die 140 kg drücken kann. Auch ein Cellist, dem aufgrund eines Hirntumors bereits 1/4 des Gehirns entfernt werden musste, kann nach monatelanger Visualisierungsarbeit in Kombination mit einer Hypno- und Feldenkraistherapie nicht nur gehen sondern auch wieder Cello spielen. Auch in der von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr herausgegebenen Zeitschrift „momentum – Gesund leben bei Krebs“ stellen immer wieder an Krebs erkrankte Menschen ihren Heilungsweg dar. Wie auch Martin Weingart, dem nach einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung, welche er zusätzlich zu den schulmedizinischen Maßnahmen durch Ernährungsumstellung, der Einnahme von  Nahrungsergänzungsmitteln aber auch durch Visualisierung nach Simonton und Vergebungsarbeit behandelte, schließlich eine Vollremission konstatiert wurde.

Diese Menschen haben sich, teilweise weil die Schulmedizin nichts mehr für sie tun konnte, zu einem geistigen Weg entschieden und siehe da – Heilung geschah.

Viele der Heiler, die hier und auch in den genannten Büchern zu Wort kommen, betonen, dass   nicht sie es sind, die heilen, sondern dass sie bloß einen Anstoß geben, damit die Selbstheilungskräfte, die uns allen innewohnen aktiviert werden.

Andererseits meinen immer mehr Schulmediziner, dass ein Paradigmenwechsel in dem Sinne notwendig wäre, dass die geistigen Mechanismen von Heilung untersucht und in den Therapieprozess einbezogen werden.

In einigen Kliniken in Deutschland geschieht dies bereits, indem beispielsweise wie in einem Krankenhaus in Berlin Therapeutic Touch schon während der OP  und dann in weiterer Folge in der Nachbehandlung angewandt wird und förderliche Wirkung auf den Heilungsverlauf und eine Reduktion der Schmerzmedikation zeigt. In einer Klinik in Ulm gibt es eine enge Kooperation zwischen einem Onkologen und  Wolfgang Maly, der eine Meditationsform für Krebskranken entwickelte, wo der Partner über Berührung mit dem an Krebs erkrankten Menschen in Kontakt ist.

Die Auferstehung Christi gilt als ein Mysterium, das nur Jesus Christus vorbehalten war.

Auferstehung findet meiner Ansicht nach jedoch auf dem Krebsweg oftmals statt. Dann, wenn wir herausgefordert sind, für unsere Bedürfnisse und für unser Leben einzutreten. Aber auch, wenn wir nach einem langen Leidensweg wie Phönix aus der Asche auftauchen und wieder zu Kräften kommen. Auferstehung kann aber auch wie Manuela Mutschler es versteht als das Finden der eigenen Essenz verstanden werden  – siehe dazu http://www.helfendekräfte.com/2016/03/26.

Letztlich steht uns allen die Möglichkeit zur Auferstehung zur Verfügung wie vom  weisen  Friedrich Benesch im Buch „Ostern“ so treffend beschrieben, nämlich im Sinne einer „Vollmacht über das eigene Bewusstsein, Vollmacht über die schaffende, liebevolle Seele, Vollmacht über die sich verwandelnde Selbst erzeugende Auferstehungs-Leiblichkeit“ oder um es in meinen Worten zu sagen: Vollmacht über all mein Angelegtsein und mein geistiges Potential, auf dass ich aus der Determiniertheit der Gesetze der Materie mich erhebe und die Gesetze des Geistes auf die Materie wirken lasse.

Diagnose Krebs – Über das Placebo

Angeregt durch eine Radiokollegsendung auf OE 1 in der Woche vom 25.-28.1.2016 möchte ich der Frage nachgehen, inwiefern die Ergebnisse aus der Placeboforschung Relevanz in der Behandlung von Krebserkrankung haben.

Unter Placebo, das aus dem Lateinischen stammt und wörtlich übersetzt „ich werde gefallen“ bedeutet, versteht man ein Scheinarzneimittel, welches keine wirksame Substanz enthält und somit auch keine durch einen solchen Stoff verursachte pharmakologische Wirkung haben kann.

Unter Placeboeffekten versteht man positive Veränderungen, die sich im Zuge dieses -pharmakologisch unwirksamen – Mittels einstellen.

Placebo-Medikamente werden in klinischen (Doppel-Blindstudien) eingesetzt, um die therapeutische Wirksamkeit verschiedener, jeweils als Verum bezeichneter Verfahren möglichst genau erfassen zu können.

Das Gegenstück zum Placeboeffekt ist der Nocebo Effekt. Hierbei handelt es sich um unerwünschte Wirkungen, die analog einer Placebowirkung auftreten können.

Einen Hauptschwerpunkt der Untersuchungen bildet der Einsatz von Placebos in der Untersuchung der Wirksamkeit von Schmerzmitteln. Es zeigte sich, dass auch Placebos ohne schmerzlindernden Wirkstoff schmerzlindernd wirken, wenn die Erwartung auf Schmerzlinderung beim Patienten besteht. Umgekehrt ist es so, dass ein hocheffektives Medikament, selbst wenn es intravenös verabreicht wird, keine schmerzlindernde Wirkung hat, wenn dem Patienten vermittelt wird, dass diesen den Schmerz vielleicht sogar verschlimmert kann.

Die schmerzlindernden Effekte bei positiver Erwartung zeigen sich sowohl im Erleben /Verhalten als auch in der Ausschüttung von Opioiden, von Cannabinoiden und Dopamin. Im  Gegenteil dazu wird bei negativer Erwartung selbst ein starkes Opioid außer Kraft gesetzt. (Untersuchungen der Placebo Forschungsgruppe Ulrike Bingel der Universitätsklinik Essen).

Allerdings ist die Fähigkeit zur Bildung von positiven Erwartungen von Mensch zu Mensch unterschiedlich und kann durch eine Depression und Angst gehemmt sein.

Der zweite wesentliche Faktor sind Lernprozesse. Wie Pawlow in seinen für die Lerntheorie bahnbrechenden Untersuchungen zeigen konnte, reagiert ein Hund nach mehrmaliger Koppelung eines Signaltons mit der Darbietung von Futter auch bereits nach Ertönen eines Signaltons allein mit Speichelreflex – der Signalton wird somit zu einem konditionierten Reiz.

Am Universitätsklinikum in Tübingen unter der Leitung von Paul Enck nutzt man diese Lernprozesse, um die Dosis von Immunsuppressiva, welche z.B. bei Nierentransplantierten, Morbus Crohn oder Rheuma notwendig sind, zu reduzieren.

Im Zuge von Lernprozessen können negative Vorerfahrungen, die zum Beispiel in einem bestimmten Krankenhaus mit einem bestimmten Arzt oder einer Behandlungsform gemacht wurden, auch dann wach gerufen werden, wenn nur daran gedacht wird.

Der dritte wesentliche Faktor zur Wirksamkeit ist die Arzt-Patient Kommunikation. Wie Ulrike Bingel von der Universitätsklinik Essen meint, geht es nicht nur darum, welches Medikament verschrieben wird, sondern wie. Wenn der Arzt ein Medikament als wirksam darstellt, ist seine Wirkung doppelt so stark, als wenn dieser von der Wirkung nicht überzeugt ist.

Die Wirkung einer Behandlung wird noch dadurch verstärkt, wenn der Arzt mitfühlend ist. Auch das Einbeziehen des Patienten im Entscheidungsprozess für eine Therapieform hat einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg. In diesem gemeinsamen Entscheidungsprozess sollten von Seiten des Arztes seine Sachkompetenz ebenso spürbar werden wie eine positive Tönung der Aufklärung, wo nicht so sehr die negativen Auswirkungen in den Vordergrund gerückt werden sondern die positiven Erwartungen auf einen heilsamen Ausgang. Es sollte zudem Raum gegeben werden, dass der Patient seiner inneren Stimme Gehör schenken kann. Eine derart getroffene bewusste Entscheidung hat gute Aussichten, die Wirksamkeit einer Behandlungsmethode zu steigern.

Die Erkenntnisse aus der Placeboforschung lassen uns Einblick nehmen in Mechanismen der Geist – Materie Beziehung. Es konnte gezeigt werden, dass die Überzeugung, dass etwas wirkt  Heilungsprozesse in Gang setzt, auch wenn keine Substanz verabreicht wird. (siehe dazu auch das Buch von Dispenza „Du bist das Placebo – Bewusstsein wird Materie“. unter Buchempfehlungen auf dieser Seite).

Was bedeutet das konkret für die Krebserkrankung:

Auf der Ebene der Erwartungen :

– Es ist höchst notwendig, dass wir den „Krebs-Geist“ entdämonisieren, das Vorurteil entschärfen, dass es sich dabei in jedem Fall um eine tödliche Krankheit handelt. Damit entkräften wir eine diesbezügliche Erwartung.

– Dass man den Geist mit all den mittlerweilen unzähligen Berichten von Spontanremissionen speist, sodass die Patientin im Bewusstsein lebt, dass selbst bei Diagnosen wir Bauchspeicheldrüsenkrebs alles möglich ist (siehe dazu auch die Bücher „Spontanheilungen“ von Caryle Hirschberg und Marc Ian Barasch und „9 Wege in ein krebsfreies Leben“ von Kelly Turner).

– Dass bei der Diagnosestellung die Behandelbarkeit im Vordergrund steht, dass Prognosen also in dem Sinne relativiert werden, dass darauf hingewiesen wird, dass die Statistik nichts über den Einzelnen aussagt.

– Dass bei einer Chemo die Wirkweise in positiver Form ins Bewusstsein gerückt wird, sodass der/die Patientin Kraft ihrer Vorstellungskraft die genaue Wirksamkeit visualisiert und die negativen Nebenwirkungen demgegenüber im Hintergrund bleiben.

– Dass sich Ärzte für andere Behandlungswege öffnen und diese auf keinen Fall verdammen sondern im Gegenteil andere Heilungswege zulassen, wenn die Patientin tief im Innern spürt, dass diese erfolgversprechend sind.

– Dass die Genesung und vollständige Gesundung visualisiert wird. Dazu eignen sich zum Beispiel Methoden des EMDR.

– Da Depression und Angst die Bildung von positiven Erwartungen nachweislich hemmt, wäre eine medikamentöse/psychotherapeutische Behandlung notwendig.

In Bezug auf Lernerfahrungen:

– Ein gemeinsames Erkunden von guten Erfahrungen mit medizinischen Einrichtungen aber auch mit dem Heilwerden, sodass diese Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Selbstheilung im Bewusstsein wachgerufen werden können und somit positiv auf die Erwartung eines guten Ausgangs wirken.

– „Überschreiben“ bzw. Behandlung von negativen Erfahrungen – zum Beispiel im Zuge der Diagnosestellung, mit bestimmten Behandlungserlebnissen (Chemotherapie), mit Ärzten oder Behandlungseinrichtungen, damit diese Vorerfahrungen nicht negativ auf eine weitere Behandlungsunternehmung wirken. Hat sich eine Posttraumatische Behandlungsstörung entwickelt, d.h. ist der Mensch immer wieder von ängstigenden Erinnerungen getriggert, so ist es meiner Einschätzung nach unerlässlich, mit EMDR bzw. anderen traumaspezifischen Methoden diese posttraumatische Reaktion aus dem Körper heraus zu lösen, damit die Lebenskraft der Selbstheilung zur Verfügung steht.

– Eine Kenntnis über die Wirkweise der Therapie und eine bewusste Begleitung der Therapie durch den Patienten festigt Lernprozesse über die Wirksamkeit der Therapiemethode.

Zur Arzt-Patient Beziehung

– Achtung der Autorität der Patientin gegenüber, in dem Sinne, dass sie die Expertin für ihren Körper ist.

–  Ebenbürtigkeit: Mitgefühl mit dem  Patienten in Bezug auf die schmerzliche Realität einer Krebserkrankung und ihrer Folgen. Darüber hinaus eine Wahrnehmung der Patientin nicht nur als Patientin/Erleidende sondern in ihrer Ganzheit mit all ihren Ressourcen.

– Eine dialogische Therapiewahl, weil die Wirksamkeit einer Therapie nachgewiesenerweise größer ist, wenn sie nicht bloß erlitten, sondern  auf der Basis einer gemeinsam getroffenen Therapiewahl  auch mitgetragen wird.

Werden all diese Faktoren in der Begleitung auf dem Krebsweg berücksichtigt, hat die Therapieform – gleichgültig ob diese eine schulmedizinische oder eine komplementärmedizinische ist –  gute Chancen ein im wörtlichen Sinn verstandenes Placebo zu sein, also etwas was im gesamtorganismischen Sinne „gefällt“ und damit heilsam ist.

Diagnose Krebs – Über Spontanheilungen und die Selbstheilungskräfte des Menschen

Von Spontanheilungen wird dann gesprochen, wenn „der Krebs innerhalb  eines kurzen Zeitraums völlig verschwindet, Spontanremission bedeutet, dass sich die Krankheit innerhalb eines bestimmten Zeitraums für mindestens drei Monate messbar zurückbildet“. (Walter Weber in seinem Buch Hoffnung bei Krebs, S. 102 – siehe Buchtipps).

Spontanheilungen geschehen öfter als man denkt. Weber, der in seiner 40-jährigen onkologischen Tätigkeit an die 5000 Krebspatienten begleitet hat, spricht von deutlich mehr als 100 Patienten, an welchen er eine Spontanheilung bzw. eine -remission beobachten konnte. Das wäre ein Verhältnis von 1: 50 gegenüber einem üblicherweise angegebenen Verhältnis von 1: 10000.

Spontanheilungen gelten also als selten und auch als exotisch, auf wundersame Weise zustande gekommen. In Wahrheit ist es so, dass wir alle Zellen in uns tragen, deren Teilungsverhalten wie das einer Krebszelle funktioniert, allerdings werden die nicht beachtet, weil die körpereigene Abwehr damit fertig wird. So zeigten sich in systematischen  Obduktionen von Männern, dass bei 70-80% aller Verstorbenen ein Prostatakarzinom entdeckt wurde aber nur bei 3-4% war dieser Krebs für den Tod verantwortlich. (Angaben: in Langbein, Weißbuch Heilung – siehe Buchtipps).

Zumeist können sich diese Selbstheilungsprozesse allerdings nicht entfalten, weil einerseits durch Screening Untersuchungen bei Brustkrebs und darauffolgender Diagnose die Patientin sofort in eine Behandlungsmaschinerie gelangt – ein Spontanheilungsprozess also nicht stattfinden kann – oder sich dieser verweigert, dann jedoch auch aus der Beobachtungsstatistik heraus fällt.

Im oben genannten Buch von Langbein wird auch eine Studie in Dänemark zitiert, wo bereits in einem Teil des Landes in den 1990 Jahren mit Mammographie-Reihenuntersuchungen begonnen wurden, im Rest des Landes  nicht.  In der Vergleichsuntersuchung zeigte sich, dass im Beobachtungszeitraum von 17 Jahren bloß ein Rückgang der Sterblichkeit bei Frauen im Alter von 55-74 Jahren von 1 % in den Sreening Gebieten gegenüber dem Rest des Landes zu beobachten war. Dem steht gegenüber, dass in den untersuchten Gebieten bei 30% mehr Frauen eine Brustkrebsdiagnose gestellt wurde, sie also überdiagnostiziert sind. Langbein interpretiert das Ergebnis folgendermaßen: „Bei etwa einem Drittel der betroffenen Frauen sind die Selbstheilungskräfte stark genug, um ein Frühstadium des Brustkrebses wieder zum Verschwinden zu bringen. Aber diese werden nach dem Screening genauso mit Operation, Strahlentherapie und/oder Hormonen behandelt wie die anderen. Denn welche Frauen trotz dieser Krebsdiagnose wieder gesund geworden wären, lässt sich nicht sagen – ihre veränderten Zellen sahen genauso aus wie jene, die vom Immunsystem nicht mehr besiegt werden konnten.“

Spontanheilungen sind ein gutes Beispiel für die Macht des Geistes über die Materie. Dispenza schreibt in seinem Buch „Du bist das Placebo“ (siehe Buchtipps), dass die Menschen mit einem günstigen und ungewöhnlichen Krankheitsverlauf die Diagnose zwar wahrnehmen, aber ihr nicht die von der Schulmedizin gegebene Bedeutung – z.B. im Bezug auf eine Überlebensdauer geben.

Für viele Menschen kommt die Diagnose allerdings einem Todesurteil gleich, auch weil Mitteilungen über die Prognose – noch dazu wenn sie ohne Mitgefühl als nüchterne Daten vermittelt werden  – als allgemein gültige Wahrheit gelten und nicht darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Statistik letztendlich nichts über das Schicksal des Einzelnen aussagt. Das hat eine  im wahrsten Sinne des Wortes ungeheure Wirkung auf die geistige Verfassung eines Menschen im Sinne von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht.

Der Geist, unsere Überzeugungen, unsere Zuversicht und Hoffnung hat seinerseits weitreichende Konsequenzen was physiologische Stressreaktionen betrifft und auch auf unser Immunsystem.

Eine zuversichtliche geistige Verfassung, ein starkes Immunsystem und darauf fußend umsichtige Handlungen werden jedoch gebraucht,  damit sich der Tumor  nicht weiter ausbreitet, und er sogar wie von selbst verschwinden kann.

Es wäre in diesem Sinne notwendig, eine Krebsdiagnose so zu vermitteln, dass sie auch in all der Bedrohung einen Hoffnungsanker gibt, die Selbstwirksamkeit in den Blick rückt und die Menschen ermutigt,  in die bei Spontanheilungen aktivierten  Heilungskräfte  zu vertrauen .