Diagnose Krebs – Vom Überleben zum Leben

Und dann steht sie da, die Frage nach dem Weiter – Leben, dann nachdem die Therapien überstanden sind, die Symptome der Krankheit verschwunden und man aus  dem Eingebundensein in die medizinische Welt wieder in die eigene Lebensrealität eintritt. Dann steht sie da: was jetzt? was soll, mag ich ändern in meinem Leben, habe eine zweite Chance bekommen, die muss ich ja jetzt wohl nützen. Viele Wege liegen vor mir: die Ernährung, Sport, Gewohnheiten wie Rauchen, Trinken, der Umgang mit meinen Nächsten, Freunden, gehe ich in meinen Beruf zurück, was muss ich da ändern, dass es mich nicht neuerlich über-/oder unterfordert…Und mehr noch hinter all dem die Frage nach einem sinnvollen, erfüllenden Leben.

Viele von uns hören bereits als Kind, dass Ideen von einem selbstverwirklichenden Leben, so es nicht ein einträglicher, viel Geld verheißender Job ist, verrückt sind, oder wie Andre Heller in dem wunderbaren Gespräch mit Pachl-Eberharter  “ Vom Nährwert der Kreativität“ (Sendung am 2.8.2015 auf Ö1, bis zum 9.8.2015 zum Nachhören) sagt, dass wir nicht sein dürfen, was wir sind, sondern nur das, wo man sich im Leben leichter durchschlängelt.

Und so beginnen wir ein Leben zu führen, welches keinen Sinn macht, uns nicht interessiert, uns nicht an-spricht. Wir verlieren den Kontakt zu unserer Lebensmelodie – wie Le Shan in dem wunderbaren Buch „Diagnose Krebs – Wendepunkt und Neubeginn“ (siehe Buchtipps) schreibt. Bekräftigt durch die in der Welt so fest verankerte Meinung, dass wir keinen Anspruch auf den vollen Lebens-Genuss haben, auf Erfüllung, Angehobensein, schöpferisches Sein, wird es stumm in uns, wir überleben. Und dann die Krankheit, der Einbruch in diese feste undurchdringliche Struktur – und da tut sich eine Lücke auf, ein Einblick in eine andere Wirklichkeit – und diese „Brunnengrabung zu dieser Bibliothek des Wissens, die in uns ist“ (Heller ebda) wird möglich. So war meine Erfahrung. Ich kam in Verbindung mit dem, was Andre Heller das „göttliche, hohe, tiefe, weite Wissen der Kinder“ bezeichnet. Sehnsucht und Heimweh sind die begleitenden Gefühle. Heimweh nach mir selbst, die ich größer bin als die irdische Verkörperung, die in Verbindung ist mit dem Himmlischen.  Dann bin ich in meiner „Heimatschwingung“ (Andre Heller ebda), und diese mir ureigenste Schwingung  ist attraktiv, spricht andere Menschen an, die sich ihrerseits in ihrer Schwingung angeklungen fühlen- und dann, wenn ich zutiefst ich selbst, authentisch bin,  bin ich wirk-sam.

Und diese Schwingung ist nicht im Außen, nicht im Denken zu finden, weshalb man nicht verbissen suchen muss, was das Erfüllende sein kann – sie ist immer da, wenn ich jenseits vom Denken mit mir in Verbindung bin, wie ein Geschenk, besonders dann, wenn ich grade nichts will.

Es ist da, wenn ich mich mit meinem Atem verbinde, wenn ich mich öffne für das Jetzt, ganz einfach, den Blick hebe, die Bäume wahrnehme, einem Kind, das mir in der U-Bahn gegenübersitzt in die Augen  sehe. Sie kann da sein, wenn ich die Wäsche aufhänge, mich am Duft erfreue, ohne dabei an all die Dinge zu denken, welche ich heute noch zu tun habe.

Einfach Da-Sein.

Dann der nächste gute Schritt, aus mir heraus.

Jetzt.

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