Diagnose Krebs – eine Heraus-Forderung für Angehörige und FreundInnen

 

Zumeist stehen nach einer Krebs-Diagnose die davon Betroffenen im Vordergrund, sie haben den Schock zu verarbeiten, die richtige Wahl zu treffen, und sie haben sich auch den teilweise hefigen Behandlung auszusetzen.

Doch auch für Angehörige und FreundInnen ist dies eine sehr schwierige Zeit – schwieriger vielleicht noch, weil sie nicht in mitten des Geschehens sind, das all ihre Kräfte bündelt und die Aufmerksamkeit fokussiert. Sie stehen außerhalb und sind oftmals auch unsicher, was ein guter hilfreicher Beitrag von ihrer Seite sein könnte. Im Eindruck des Leids und der Not des Nächsten fühlen sie bisweilen auch kein Recht, ihre Bedürfnisse einzubringen und ihren Gefühlen Ausdruck zu geben. Und oft sind sie mit nie gekannten Aspekten und Seiten eines wohlbekannten Menschen konfrontiert.

Eine Krebsdiagnose trifft einen Menschen im Kern, er ist grundsätzlich erschüttert. Diese Erschütterung bringt Seiten an der Persönlichkeit zum Vorschein, welche wir als die Nächsten vielleicht noch nie wahrgenommen haben. Vor der Diagnose war unser Freund beispielsweise ein umgänglicher, verbindlicher Mensch, bei welchem wir nichts zu befürchten hatten. Plötzlich ist dieser so freundliche Mensch unwirsch, schroff, in sich zurückgezogen, weist uns zurück, schickt uns weg, will uns gar nicht sehen, er, der immer höflich und mitfühlend und im Kontakt mit den Bedürfnissen der anderen war, stößt uns mit einem schroffen Nein zurück und sagt beispielsweise den lange ausgemachten Besuch kurzfristig ab. Das ist hart und verunsichert. Wir verlieren die Selbstverständlichkeit, wissen nicht mehr, wie wir uns verhalten sollen, wir werden immer verklemmter und sprachloser.

Auch wir haben Bedürfnisse, wollen nahe sein, unterstützen, am Laufenden gehalten werden, wollen teilhaben. Und müssen schmerzlich bemerken, wie wir zunehmend den Kontakt verlieren.

Ich erinnere mich an meine liebe Freundin Gundi, welche mich bat, sie in ihrem Sterbeprozess zu begleiten und ich fühlte mich geehrt, war beglückt von diesem intimen Herzensgeschenk. Und dann, in ihrem Ringen um ein Sterben-Können war sie so gar nicht mehr meine Gundi, ich musste stundenlang in der Küche warten, ehe mir die Pflegerin mitteilte, dass sie mich heute doch nicht sehen möchte.  Das tat weh. Je mehr sie sich dem Tod näherte, desto ungehaltener im wahrsten Sinne des Wortes wurde sie, mal sollte ich leise, mal ganz normal sprechen. Meine Verunsicherung wuchs und damit mein Halt, den ich in mir hatte, und den ich ihr geben hätte können.

Was können wir tun: Ich glaube, das Wichtigste ist anzuerkennen, wie groß mein Schmerz ist, den anderen als meinen …..zu verlieren, die Trauer, meine Angst aber auch meine Wut, so behandelt zu werden, das Gefühl, dass ich so eine Behandlung nicht verdient habe – all das will angenommen werden oder wie Thich Nhat Hanh sagt, mich in all dem liebevoll zu umarmen und zu halten.

Und dann kann ich schauen, welcher Ausdruck stimmt, was ich davon wie mitteilen möchte, aus meinem Herzen heraus zu sprechen.

Vielleicht hilft es auch zu verstehen, dass meine Freundin es mit einem überwältigenden Geschehen zu tun hat, das all ihre Kräfte beansprucht, und dass das nicht gegen mich gerichtet ist. Und vielleicht ist es dann ja möglich, ihr/ihm den Raum zu geben, den er/sie braucht.

Einfach zu bleiben  – als eine vielleicht letzte Liebestat.

 

 

 

Mit dem Krebs tanzen….(Kurzversion)

„Ich tanze mit der Angst, ich tanze mit der Freude“ heißt das Buch von Karoline Erdmann.

Das Buch ist unscheinbar, wäre da nicht diese Frau am Cover, welche die linke Burstseite entblößt mit einer Rose verziert einen Tango tanzt. Es hat mich tief berührt, weil es so viel beschreibt, was ich im Umgang mit Krebs als wesentlich erachte – die Genauigkeit mit den (inneren und äußeren) Fakten, mit den eigenen Gefühlen und der inneren Stimme, der Mut, Tabus zu brechen und sich beispielsweise kein Brustimplantat einsetzen zu lassen und im Gegenteil die brustlose Seite beim Tangotanzen zu offenbaren.

Vor allem ist es ein Aspekt, welcher mir wertvoll erscheint und welcher mit meiner Auffassung über die „Aufgabe“ der Krebserkrankung übereinstimmt  – die Krebserkrankung als einen Bewusstseinsweg zu beschreiten.

Karoline Erdmann tut das nicht in einer realitätsfernen abgehobenen Weise, nein sie zeigt, dass es um die Anerkennung aller am Weg liegenden (oft schmerzlichen) Tatsachen geht.

Das letzte Kapitel in diesem wunderbaren Buch trägt den Titel „Ich tanze mit dem Leben und ich tanze mit dem Tod“. Es ist derart essentiell für mich, dass ich es am liebsten Wort für Wort wiedergeben würde.

Es geht darin neuerlich um die Dankbarkeit dem Krebs gegenüber – „Ich begann zu fühlen, dass der Krebs fast ein Privileg war, wie ein Erlebnis, das mich viele Schritte in meiner Entwicklung vorangebracht hatte. Durch ihn begegnete ich dem Leben mit einer anderen Hingabe, einer anderen Freude, einem anderen Bewusstsein.“ ….“Durch den Krebs habe ich mich mit dem Tod auseinandergesetzt. Der Tod ist dadurch für mich zu einem Freund und Begleiter geworden, der mir das Leben bewusster und lebenswerter macht.“  Mehr noch „In meinem Leben mit Krebs kann ich die Krankheit als eine Herausforderung, annehmen, als einen Entwicklungsschritt oder als eine Gnade. Eine Gnade, weil sie mir die Chance gibt, vieles zu erleben und zu verarbeiten, was mir sonst verschlossen geblieben wäre.“ und weiter „Es war der Krebs selbst, durch den ich das erste Mal meine tiefe Verbundenheit zum Diesseits spürte und realisierte, dass ich die letzen fünfundzwanzig Jahre mit meinem spirituellen „Streben“ oft auf der Flucht vor dem Leben gewesen war. Ich hatte mich nach dem Jenseits“ gesehnt und war am „Hier und Jetzt“ manchmal vorbeigelaufen.“ S. 155

Sie entdeckt neben der kausalen, horizontalen die vertikale Ebene in ihrer Verbindung zu Gott. „diese beiden Ebenen schneiden sich und ich muss lernen, in ihrem Schnittpunkt zu leben, d.h., ich muss lernen, dieses Kreuz, diese Spannung auszuhalten.“

In diesem angehobenen Bewusstseinszustand kann sie erkennen, dass das ganze Leben ein Tanz ist und jeder Mensch seinen eigenen Tanz tanzt. „Ich sehe, wie sich die Reigen der Menschen berühren, ineinander verschlingen und sich wieder lösen, ein unendliches wundersames Muster, in steter Bewegung, in steter Veränderung. Und wenn ich dieses Muster betrachte, aus immer weiterer Ferne, dann sehe ich auch den Tanz des Diesseits mit dem Jenseits. Ich sehe, unser Leben ist nur ein Leben von vielen Leben, ein kurzer Tanz, ein winziger Schritt im unendlichen Tanz der Ewigkeit.“

Karoline Erdmann ist Anfang 2006 gestorben. Üblicherweise würde man sagen, dass sie dem Krebs erlegen ist, den Kampf gegen ihn verloren hat. Ihr Buch hat mir jedoch erneut gezeigt, dass es vielleicht gar nicht darum geht, am Leben zu bleiben – möglichst lange.

Und auch wenn der Tod eines Menschen auf der menschlichen Ebene traurig und schmerzlich ist, so ist es vielleicht noch wesentlicher, einen Bewusstseinsweg zu gehen, so wie sie ihn gegangen ist.

Und ich würde mir wünschen, dass sie (und auch ich) diese letzten Schritte auf ihrem Weg mit jener von ihr beschriebenen Überzeugung gehen konnte. „In mir ruht die tiefe Überzeugung, dass alles gut ist, so wie es ist, und ich begegne dem Leben mit mehr Demut. Ich nehme an, was mir gegeben ist. Der Krebs ist weder eine Strafe, noch ist er ein Ansporn noch mehr zu meditieren oder stärker zu glauben, sondern er ist in sich selbst mein Ja zum Leben, mein Ja zur Existenz und ich kann mein Leben mit Krebs lieben. …Ich will keinen „Kuhhandel“ mit Gott, ich will keine Bedingung mehr stellen. Das ist eine wunderschöne Erkenntnis, eine bedingungslose Liebe zum Leben.“  

Mit dem Krebs tanzen….

„Ich tanze mit der Angst, ich tanze mit der Freude“ heißt das Buch von Karoline Erdmann.

Das Buch ist unscheinbar, wäre da nicht diese Frau am Cover, welche die linke Burstseite entblößt, mit einer Rose verziert, einen Tango tanzt. Es hat mich tief berührt, weil es so vieles beschreibt, was ich im Umgang mit Krebs als wesentlich erachte – die Genauigkeit mit den (inneren und äußeren) Fakten, mit den eigenen Gefühlen und der inneren Stimme, der Mut, Tabus zu brechen und sich beispielsweise kein Brustimplantat einsetzen zu lassen und im Gegenteil die bloße Seite beim Tangotanzen zu offenbaren.

Vor allem ist es ein Aspekt, welcher mir wertvoll erscheint und welcher mit meiner Auffassung über die „Aufgabe“ der Krebserkrankung übereinstimmt  – die Krebserkrankung als einen Bewusstseinsweg zu beschreiten.

Karoline Erdmann tut das nicht in einer realitätsfernen abgehobenen Weise, nein, sie zeigt, dass es um die Anerkennung aller am Weg liegenden (oft schmerzlichen) Tatsachen geht.

Das beginnt bei der Würdigung der Todesangst bei der Diagnosestellung und dem Entschluss, die Krebserkrankung als Herausforderung für einen „konstruktiven Umgang“, wie sie sagt, zu nehmen. Sodann eine Therapiewahl zu treffen, die auf einer tiefen Erkenntnis beruht, – einem organismischen Ja zur Ablatio und die nicht aus „blinder Angst“ getroffen. wird. Sie schreibt: „Der allgemeine „Krebsterror“ um mich herum suchte Lösungen durch immer raffiniertere Mittel. Aber mir schien, die eigentliche Lösung lag in mir selber. …Wenn es nun gelang, gleichzeitig auch innerlich Frieden mit meiner Situation zu schließen, dann würde ich wissen, welche Behandlungsmethoden für mich im Moment, die richtigen waren.“ (S. 101)

Auch der Abschied von ihrer Brust wird bewusst vollzogen, sie lädt dazu einen Freund ein, der sie ein letztes Mal mit beiden Brüsten fotografiert.

Sie beschreibt die Zeit im Krankenhaus wie ein Wochenbett, – mit dem Bedürfnis nach Stille und Rückzug und dem Gefühl von großer Verbundenheit mit „dem Leben, mit Gott und einem inneren Frieden“. Und „alles ist intensiver – die Sonnenstrahlen hinter den Wolken, die Farben, die Gerüche, die Geräusche – alles konnte mich begeistern.“

Immer wieder ist sie mit allem in Frieden, nimmt die Verletzung ihrer rechten Seite zum Anlass, sich zärtlich um ihren Körper wie um ein gekränktes Kind zu kümmern.

Entschieden lehnt sie nach einer Zeit der Unruhe, Angst und Verzweiflung eine Chemotherapie ab. Auch das nach Einbeziehung aller Informationen und einer tiefen Erkundung, was die Chemotherapie neben der Vernichtung von Krebszellen noch alles bewirkt – und in Resonanz mit der eigenen inneren Stimme. Und siehe da, kein Infragestellen von anderen, vielmehr ein Begrüßen dieser Entscheidung – so ist es, wenn eine Entscheidung fest auf einem organismischen Fundament steht.

Karoline Erdmann spricht aber auch über ihre Todessehnsucht. Mutig beschreibt sie, wie erlösend es ist, dieses „Endlich darfst Du sterben“ anzuerkennen. Genauer betrachtet geht es dabei mehr um eine Er-Lebens-Sehnsucht, um die Sehnsucht nach einem Eins-Sein- mit allem.

Zurück im Alltag leistet sie viel Ordnungsarbeit, mistet aus, was nicht mehr zu ihrem Leben gehört und widmet sich auch der Ursachensuche, dem, was sie belastet und hemmt.

Sie beschreibt, was ich von so vielen Krebskranken Menschen gehört habe, dass die Zeit um die Diagnose und danach zwar herausfordernd ist, die Konfrontation mit der Alltagsrealität, mit den eingespielten Mustern jedoch überfordernd sein kann. Schnell ist sie wieder derart erschöpft, dass sie nur mehr weinen kann. Sie sucht therapeutische Hilfe und nützt diese als eine Unterstützung in der Befreiung von Altlasten und von zehrenden Schuldgefühlen, was sie wohl alles falsch gemacht hat, „um solche eine schreckliche Krankheit zu bekommen.“ Sie kann erkennen, dass dahinter eine tiefer liegende Schuld verborgen ist, die gegenüber der eigenen intensiven Sexualität, welche von früh an verpönt war. Auch das Verlassenwerden von ihrem „griechischen Gott“, mag zu ihrer Erkrankung beigetragen haben. Letztlich kann sie anerkennen, dass es wohl viele Ursachen sind, die dazu geführt haben dass sie an Krebs erkrankt. Und sie erkennt, dass sie schlicht und einfach Erholung braucht. Auch dies ist mir von vielen an Krebs Erkrankten sehr bekannt. Vor allem bemerkt sie, dass die Phantasie (über den Krebs und die Folgen) das Schreckliche ist, nicht so sehr die Realität und auch, wie sehr diese Phantasien die Angst nähren und umgekehrt.

Sie kann der Menopause, in welche sie durch das Tamoxifen gerät, viel Positives abgewinnen, dass sie langsamer wird, das präzise Gedächtnis nachlässt und auch dass das begehrende Wollen abnimmt, kann sie begrüßen. „Wenn ich mich nicht gegen diesen neuen Zustand wehrte, sondern ihn einfach akzeptierte, musste ich zugeben, dass mein Leben dadurch viel friedlicher geworden war.“ (S. 109)

So ist der Bericht ihres Krankheitsweges durchtönt von  einer grundsätzlichen Öffnung für alle Möglichkeiten und für die Erfahrungen, die sie damit macht. Und es zeigt sich für mich, dass wie in vielen spirituellen Traditionen beschrieben die bedingungslose Bejahung der Erfahrung zu Frieden führt.

Auch ist sie, wie viele andere an Krebs erkrankte Menschen, ihrem Krebs dankbar, weil durch ihn „jeder Augenblick kostbar wurde“ und sie „sich frei fühlte, zu tun, was ich wirklich wollte“. Und das war unter anderem Tangotanzen. Durch den Tanz und ihre Auftritte mit einer entblößten brustlosen mit Blumen verzierten Brust gelang es, diese in ihrer Schönheit wahrzunehmen.

Und als dann nach einem Jahr neuerlich Krebs festgestellt wird – diesmal in den Lymphknoten -durchdringt sie auch dieses Geschehen nach einer Phase des Schocks und der Angst mit ihrem Bewusstsein und erkennt, dass es darum geht, dem Krebs nicht feindlich gegenüber zu stehen, vielmehr noch, dass das Unkontrollierbare, das ihm innewohnt zum Leben dazu gehört.

Neuerlich lehnt sie die Chemotherapie ab und entscheidet sich für hoch dosierte Misteltherapie in Kombination mit Hyperthermie und der Einnahme von Enzymen. Diese aus dem Inneren getroffene Entscheidung beruhigt und lässt sie ihre Mitte wieder finden. „Es ging darum, an meinen Weg zu glauben und mit meinem Schicksal glücklich zu sein. Ich hatte inzwischen innerlich zu der „Unsicherheit mit Krebs zu leben“, ja gesagt. ich versuchte nicht mehr aus dem Druck meiner Angst heraus eine mögliche nächste aktive Phase von Krebs zu verhindern, sondern ich lernte aus Freude am Leben und mit Neugier nach neuen Behandlungsmethoden zu suchen, um so gut und gesund wie möglich zu leben.( S 136/137).

Sie kann endlich ihre „unermessliche“ Wut wahrnehmen und ihr gemäß handeln, indem sie z.B. all die Porträtphotos ihres geliebten griechischen Gottes vernichtet.

Ihre neu erwachte Kraft mündet in ein Projekt, das sie „Mammatango“ nennt, wo sie mit entblößter Brust auftritt und damit auch andere Frauen ermutigt, zu sich und ihrem Schicksal zu stehen und zu sehen, dass Schönheit nicht an Konventionen  gebunden sind.

Das letzte Kapitel in diesem wunderbaren Buch trägt den Titel „Ich tanze mit dem Leben und ich tanze mit dem Tod“. Es ist derart essentiell für mich, dass ich es am liebsten Wort für Wort wiedergeben würde.

Es geht darin neuerlich um die Dankbarkeit dem Krebs gegenüber – „Ich begann zu fühlen, dass der Krebs fast ein Privileg war, wie ein Erlebnis, das mich viele Schritte in meiner Entwicklung vorangebracht hatte. Durch ihn begegnete ich dem Leben mit einer anderen Hingabe, einer anderen Freude, einem anderen Bewusstsein.“ ….“Durch den Krebs habe ich mich mit dem Tod auseinandergesetzt. Der Tod ist dadurch für mich zu einem Freund und Begleiter geworden, der mir das Leben bewusster und lebenswerter macht.“ (S. 152)  Mehr noch „In meinem Leben mit Krebs kann ich die Krankheit als eine Herausforderung, annehmen, als einen Entwicklungschritt oder als eine Gnade. Eine Gnade, weil sie mir die Chance gibt, vieles zu erleben und zu verarbeiten, was mir sonst verschlossen geblieben wäre.“ und weiter „Es war der Krebs selbst, durch den ich das erste Mal meine tiefe Verbundenheit zum Diesseits spürte und realisierte, dass ich die letzen fünfundzwanzig Jahre mit meinem spirituellen „Streben“ oft auf der Flucht vor dem Leben gewesen war. Ich hatte mich nach dem Jenseits“ gesehnt und war am „Hier und Jetzt“ manchmal vorbeigelaufen.“ S. 155

Sie entdeckt neben der kausalen, horizontalen die vertikale Ebene in ihrer Verbindung zu Gott. „diese beiden Ebenen schneiden sich und ich muss lernen, in ihrem Schnittpunkt zu leben, d.h., ich muss lernen, dieses Kreuz, diese Spannung auszuhalten.“

In diesem angehobenen Bewusstseinszustand kann sie erkennen, dass das ganze Leben ein Tanz ist und jeder Mensch seinen eigenen Tanz tanzt. „Ich sehe, wie sich die Reigen der Menschen berühren, ineinander verschlingen und sich wieder lösen, ein unendliches wundersames Muster, in steter Bewegung, in steter Veränderung. Und wenn ich dieses Muster betrachte, aus immer weiterer Ferne, dann sehe ich auch den Tanz des Diesseits mit dem Jenseits. Ich sehe, unser Leben ist nur ein Leben von vielen Leben, ein kurzer Tanz, ein winziger Schritt im unendlichen Tanz der Ewigkeit.“ (S. 157)

Karoline Erdmann – so musste ich lesen – ist Anfang 2006 gestorben. Üblicherweise würde man sagen, dass sie dem Krebs erlegen ist, den Kampf verloren hat. Ihr Buch hat mir jedoch erneut gezeigt, dass es vielleicht gar nicht darum geht, am Leben zu bleiben – möglichst lange. Natürlich ist es auf der menschlichen Ebene traurig und schmerzlich, aber vielleicht ist es wesentlicher, einen Bewusstseinsweg zu gehen, so wie sie ihn gegangen ist.

Ich wünschte, dass sie (und auch ich) diese letzten Schritte auf ihrem Weg mit jener von ihr beschriebenen Überzeugung gehen konnte. „In mir ruht die tiefe Überzeugung, dass alles gut ist, so wie es ist, und ich begegne dem Leben mit mehr Demut. Ich nehme an, was mir gegeben ist. Der Krebs ist weder eine Strafe, noch ist er ein Ansporn noch mehr zu meditieren oder stärker zu glauben, sondern er ist in sich selbst mein Ja zum Leben, mein Ja zur Existenz und ich kann mein Leben mit Krebs lieben. …Ich will keinen „Kuhhandel“ mit Gott, ich will keine Bedingung mehr stellen. Das ist eine wunderschöne Erkenntnis, eine bedingungslose Liebe zum Leben.“  

Diagnose Krebs – die „gute Brust“

 

Die Wissenschaftlerin und Filmemacherin Bernadette Wegenstein hat einen sehr beeindruckenden Film gemacht – „The Good Breast“. Hier werden 4 Frauen mit Brustkrebs begleitet, welche in einem Krankenhaus in Baltimore in Behandlung sind. Bei allen Frauen wurde eine Totaloperation vorgenommen mit anschließendem Brustaufbau. Der Film hat mich inspiriert, mich näher mit dem Thema der – zumindest in den USA –  immer häufiger vorgenommenen Mastektomien zu beschäftigen.

Auch bei mir wäre eine Totaloperation indiziert gewesen, weil die Tumorausbreitung multifokal war und eine Teiloperation kein gutes Ergebnis (Entfernung des Tumors im gesunden Gewebe und auch kosmetisch) erwarten ließ. Dann sei ich geheilt, meinte damals der erste Chirurg, den ich kontaktierte. Da  sich dies nicht mit meinem Verständnis von Geheiltsein – immerhin war ich damals erst 41 Jahre alt – deckte, machte ich mich auf die Suche nach einem, der mir die Brust beließ, da wo sie state of the art total entfernt werden sollte. Dieser Chirurg tat eine derart liebevolle Arbeit, sodass nur ein mittlerweilen nicht mehr sichtbarer kleiner Schnitt um die Brustwarze herum von einer OP zeugt.

Damals – im Jahr 1998 – war der Spielraum von Arztwahl und Vorgangsweise noch größer. Es gab noch keine Tumorboards, welche grundsätzlich eine gute Idee sind, nur birgt das die Gefahr, dass unter dem Eindruck dieser gebündelten Autorität der Mut zur eigenen Entscheidungsmacht und der Mut für diese einzutreten für die Patientin geschwächt werden kann.

Ich bin sehr dankbar, dass ich mich damals im Dialog mit einzelnen Ärzten, welche ich frei wählen konnte, für einen mir angemessenen Weg entscheiden konnte.

Der besagte Film, der obwohl es sich um eine Dokumentation handelt,  in seiner Ästhetik einem Kunstwerk gleicht, bildet  mit nicht wertendem Blick die Wege von vier Frauen ab.

Dabei handelt es sich entweder um Fremdstoffimplantate oder aber um eine Aufbauplastik aus Eigengewebe. Da die Filmemacherin sich glücklicherweise nicht scheut, diese (zumeist mehrstündigen) Operationen zu zeigen, wird deutlich, welch massiver Eingriff das ist.

Auch die Ergebnisse werden gezeigt – empfindungslose Brüste, mit langen Schnitten, welche für mich wie prall gefüllte Fremdkörper aussehen, denen dann mithilfe eines Tatoos eine Brustwarze aufgemalt wird.

Mit Ausnahme jener Frau mit der Diagnose DCIS, welche den Verlust ihrer Brust sehr betrauert und  nach wie vor bezweifelt, ob eine solche Amputation notwendig war, waren alle Frauen mit einer derartigen Vorgangsweise – so wie es scheint – einverstanden und glücklich.

Jeder Frau sei es unbezweifelt überlassen, für welche Option – brusterhaltende OP, Totaloperation mit oder ohne Brustaufbau – sie sich entscheidet.

Die vermeintliche Frei-Willigkeit ist für mich jedoch in einem hohen Maße durch folgende Faktoren eingeschränkt:

– In der Schulmedizin hat sich die evidence-based medicine durchgesetzt, wonach die Behandlungsentscheidung auf der empirisch erwiesenen Wirksamkeit von Behandlungsmaßnahmen  getroffen wird. Das klingt zwar gut, weil sicher, ist es aber – näher besehen – leider nicht.

Im Buch „Heilimpulse bei Krebs“ (siehe Empfehlungen auf dieser Seite) stellt der Autor diese „sogenannte Objektivität“ mit harten Daten kräftig in Frage: Er schreibt: “ In der konventionellen Medizin gewinnen Leitlinien für die Therapie zunehmend an Bedeutung. Sie können als mögliche Variante der Behandlungsstrategie für Ärzte und Therapeuten in der Praxis hilfreich sein. Doch sie sind vor allem problematisch, weil sie nicht unabhängig, sondern mit einseitiger Orientierung in Richtung schulmedizinischer Methoden erstellt werden. Das medizinische Establishment, Politik und Krankenkassen setzen nicht leitlinienwillige Ärzte massiv unter Druck. Von 100 Autoren, die an insgesamt 37 Leitlinien beteiligt waren, bestätigten in einer kanadischen Untersuchung 87% Beziehungen zur pharmazeutischen Industrie (Quelle 5). ….“ (S. 45/46) . Weiters zitiert Irmey Studien, wonach „firmenfinanzierte Studien viermal so häufig zu Gunsten des Prüfpräparats ausfallen wie Studien mit anderen Geldgeber, dass Studienergebnisse, die ein positives Resultat zeigen, doppelt so oft veröffentlicht werden wie Studien mit Negativergebnissen oder eine Veröffentlichung von Negativergebnissen überhaupt unterbleibt, hingegen werden für den Sponsor positive Daten durch Mehrfachveröffentlichung in verschiedenen Zeitschriften überbetont.“ (Siehe Irmey, S. 46).

Aus diesen vermeintlich objektiven Ergebnissen bildet sich ein Konsens über ein Behandlungsvorgehen . State of the art bedeutet wörtlich übersetzt „Stand der Kunst“, und  umgangssprachlich „Stand der Wissenschaft.“

Bei mir änderte sich dieser Stand der Wissenschaft innerhalb von vier Monaten.  War bei meiner Art des Tumors im Frühjahr eine (brusterhaltende) OP mit nachfolgender Bestrahlung  indiziert, musste ich dann im Herbst, als ich mit der Bestrahlung beginnen wollte, erfahren, dass es nunmehr indiziert ist, beide Brüste sowie auch die Eierstöcke zu entfernen. Die Brüste könne man dann sofort – in einer 9-stündigen OP – wieder aufbauen. Alles kein Problem. Dieses Vorgehen war für mich undenkbar, und so nahm ich all meinen Mut zusammen, um dem Radioonkologen diese Entscheidung mit zu teilen und ihn zu bitten, dass er mich dennoch mit Respekt und medizinisch gut behandelt.

Auf dem Hintergrund der oben angeführten Tatsachen, vermute ich, dass Behandlungsleitlinien auch oder vielleicht sogar vor allem finanziellen Interessen folgen, die sich als Interesse am Wohl der Patientin verkleiden. Für die Patientin scheint es so, dass eine Mastektomie die  erfolgversprechendste Behandlung ist, mit der niedrigsten Rezidiv- und höchsten Überlebensrate. Nun weiß man jedoch, dass eine Mastektomie gegenüber einer brusterhaltenden Operation die Sterbensrate – mit Ausnahme bei hoher genetischer Disposition – nicht senkt. Ein Umstand, welche sogar die beeindruckende Chirurgin Lauren Schnaper,  um welche sich der Film rankt, betont – „a mastectomy does not save your life“. Es ist etwas verwirrend, warum sie das dennoch tagtäglich macht.

Die Patientin steht also einem Bollwerk an vermeintlich wissenschaftlich abgesicherten Aussagen gegenüber. Darüber hinaus ist sie durch die Diagnose in einem Angst- und Schockzustand, was bedeutet, dass die kortikale Aktivität nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Sie kann also schwerlich das ganze Feld der entscheidungsrelevanten Faktoren und vor allem ihre innere Stimme wahrnehmen. Sie wird sodann wahrscheinlich der Behandlungsweise zustimmen. Noch dazu, weil auf eine Auflehnung leider nicht selten Drohungen – „dann werden Sie mit einem Rezidiv zu rechnen haben“ oder einem Entzug der Behandlungsbeziehung – „dann kann ich nichts für Sie tun“ – folgen.

–  Der zweite Faktor, welcher die Entscheidung zu einem Brustaufbau beeinflusst,  ist der Umstand, dass die Identität einer Frau als Frau in der westlichen Welt an diesen „Hügel“, wie es eine anwesende Zuschauerin nannte, gebunden ist. Diese Übereinkunft, dass eine Frau nur eine Frau ist, wenn sie Brüste hat, bestimmt mit, dass auch derart massive Eingriffe wie ein Brustaufbau  in Kauf genommen werden. Mehr noch, unsere Brüste sollen in ihrem Aussehen Idealen gehorchen. Diese sind interessanterweise je nach wirtschaftlicher Phase unterschiedlich. Der Terror des Schönheitsideals lässt uns Frauen mit unseren Brüsten oft lebenslänglich hadern, auch wenn sie wunderbar aussehen, ob sie jetzt klein oder groß sind. Und unsere Wahl ist in einer derart hirngewaschenen Situation ganz und gar nicht frei. Auch das hat man in dem Film gesehen – vor allem bei einer Frau, die mehrere OPs über sich ergehen ließ, um ein optimales (!!) Ergebnis zu erzielen.

Dass frau mit ihrer Brustlosigkeit glücklich und ganz und gar weiblich sein kann und im Gegenteil ihre brustlose Brust un-verschämt zeigt, wird am Beispiel von Karoline Erdmann („Ich tanze mit der Angst – ich tanze mit der Freude“) deutlich. Sie beschreibt in ihrem Buch eingehend, wie sie sich für eine Mastektomie ohne Aufbau entschied. Entscheidend war dabei die Priorität für Gesundheit und Sicherheit, aber auch die Beweglichkeit, welche zu erhalten für sie als Tänzerin ein großer Wert war. Die Entscheidung war frei und  klar getroffen, die Brust, von welcher sie sich in einem Ritual verabschiedete, wurde frei-willig einem übergeordneten Interesse – Sicherheit, Gesundheit und Beweglichkeit – geopfert. Auf der Basis einer so getroffenen Entscheidung wird die Brust nicht abgenommen, sondern gegeben, Dies ist ein aktiver Akt, bei welchem die Frau nicht selbst zum Opfer wird. Sie ließ sich sodann eine ornamentale Blumenranke auf die brustamputierte Seite tätowieren,  und es ist diese Seite, welche sie in ihrem asymmetrisch geschnittenen Kleid bei ihren Tangotanzauftritten.entblößt. Wie schön!

Ich fände es sehr spannend und versöhnlich, gäbe es einen Film, der  Frauen würdigt, welche in diesem Sinne einen Weg beschreiten. Ihren Mut, ihre, Entschlossenheit, ihre Würde und letztlich ihre Schönheit zu zeigen wäre eine starke Bekräftigung für eine wahrhaft autonome Entscheidung.

Für mich und die Anwesenden hat der Film vieles berührt:

Es hat mir einmal mehr klar gemacht, dass ich einen derartigen Brustaufbau niemals vornehmen lassen würde. Das hat viele Gründe – vielleicht auch, weil in mir eine Amazone steckt. Aber auch, weil meine „gute Brust“ nicht nur im Äußeren lebt, sondern in meinem Inneren. Und diese Kraft und lebensspendende Macht kann man (!) mir ohnedies nicht nehmen.

Der Film hat mich aber auch meinen Brüsten wieder mit mehr Achtung und liebevoller Fürsorge zuwenden lassen, denn es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, dass sie noch da sind, so ganz die Meinen.

Die Würdigung dieser unserer ureigensten Brüste finde ich in folgendem Text wunderbar ausgedrückt:

Altehrwürdige Brüste

Wir sind die Alten GroßMütter, und unsere Brüste sind sehr alt.

Vielleicht findest Du sie hässlich. Sieh, wie sie sich zur Erde neigen, voller Sehnsucht, mit jedem vergehenden Jahr ein Stück tiefer.

Wir lächeln, denn wir wissen, dass unsere Brüste eine unverwüstliche Kraft besitzen, sie sind biegsam, geschmeidig, leicht und nicht zu zähmen. Ob die Launen der Mode sagen, unsere Brüste müssten groß oder klein sein, spitz oder flach, mit Dekolleté oder ohne, gepolstert oder gebunden, betont oder verborgen, interessiert uns nicht.

Unsere Brüste fallen frei, unberührt von gerade gängigen Vorstellungen.

Ihre Kraft ist die Kraft des Lebens.

Die Kraft unserer Brüste ist die Kraft jeder Frau. So wie unsere Brüste Leben bedeuten, so bedeutet die Brust einer jeden Frau Leben. Auch du, EnkelTochter. Deiner Brüste Kraft ist die Kraft des Lebens.

Deine Brüste sind heilig.

 

(Aus dem Buch „Brustgesundheit – Brustkrebs“ von Susun S. Weed. Orlanda Verlag)

Über das Große und Kleine in uns

Wilhelm Reich´s „Rede an den kleinen Mann“ ist ein sehr herausfordernder Text, welchen ich nun schon zum wiederholten Mal vom genialen Ignaz Kirchner im Vestibül hören durfte.

Und wieder, wie schon zuvor, war ich zutiefst berührt vom Wahrheitsgehalt und der Zeitlosigkeit der Inhalte.

Der Text, der 1946 ohne die Absicht, ihn zu veröffentlichen von Wilhelm Reich verfasst wurde. „…. war das Ergebnis der inneren Stürme eines Naturforschers und Arztes, der jahrzehntelang zunächst mit Naivität, dann mit Staunen und schließlich mit Entsetzen erlebte, was der kleine Mann aus dem Volke sich selbst antut; wie er leidet, rebelliert, seine Feinde verehrt und seine Freunde mordet.“ (so Wilhelm Reich im Vorwort)

Er  ist eine schonungslose Aufdeckung von all dem Kleinen und Kleinlichen in uns, davon, wann wir anderen die Verantwortung überlassen, Autoritäten mehr Glauben schenken als unserem inneren Sensorium und Wahrheitsempfinden. Und es ist ein Appell an unseren Kern, das Lebendige, das „gütig und naiv ist“.

Was hat das nun mit der Krebserkrankung zu tun:

Ich konnte an mir selbst und an vielen anderen an Krebs erkrankten Menschen wahrnehmen, wie wir aus Angst um unsere Existenz, dem um jeden Preis in der Gesellschaft verankert bleiben wollen, unsere tiefsten Sehnsüchte und (körperlichen) Bedürfnisse verleugnen, und das Leben zunehmend freud- und sinnlos wird.

Ich kann auch bemerken, wie die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, dann, wenn man sich nicht ausbeutet und über seine Grenzen geht,  zunimmt. Und dass, wenn  die Konkurrenz in den (beruflichen) Beziehungen und die Wachstumsorientierung  unser Leben beherrscht, wir uns zunehmend von unserem So-Sein, unserer Berufung entfernen und uns jegliche Kraft geraubt wird. Auch dominiert in einer Zeit allgemeiner Existenzangst die Anpassung gegenüber dem Mut zur Selbsteinbringung und dem Aufstehen.

Und dennoch gibt es da eine Sehnsucht –  eine Sehnsucht nach Gemeinschaftlichkeit, Emotionalität und intensivem Erleben. Dies – und auch das konnte Wilhelm Reich in seiner tiefgreifenden Analyse „Massenpsychologie des Faschismus“ zeigen, wurde im Nationalsozialismus  bestens „bedient“ – Zugehörigkeit zu einer (Volks-)gemeinschaft, auserwählt sein, groß und mächtig  sein. Der Preis war, wie wir wissen, hoch – Unterwerfung unter übermächtige Autoritäten, Leugnung des eigenen Empfindens bis zur Unmenschlichkeit, Entmenschlichung.

Und das hat – das konnte Reich in seiner jahrzehntelangen Forschungstätigkeit zeigen –  eine Basis: die Unterdrückung der biologischen, natürlichen Bewegungen des Organismus und damit die Entfremdung von unserem (biologischen) Fundament.

Wollen wir wirklich gesund sein, so geht es darum, unserem Organismus erneut Gehör zu schenken, wahrzunehmen,  wenn etwas zu viel ist, wenn wir über unsere Grenzen gehen, uns ausdrücken wollen, den  natürlichen Rhythmen zu folgen und uns auf unsere „einfache, anständige Natur“ zu besinnen.

Oder um Wilhelm Reich selbst zu Wort kommen zu lassen:

„Du fragst, wann dein Leben gut und sicher sein wird, kleiner Mann: Dein Leben wird gut und sicher sein, wenn die Lebendigkeit mehr bedeuten wird als Sicherheit, Liebe mehr als Geld, deine Freiheit mehr als parteiliche oder öffentliche Meinung; wenn  die Stimmung Beethoven´scher oder Bach´scher Musik die Stimmung deiner gesamten Existenz wird (du hast sie in dir, kleiner Mann, irgendwo tief verborgen in einer Ecke deines Wesens!); wenn dein Denken in Einklang, und nicht mehr in Widerspruch mit deinen Gefühlen wirken wird; wenn du deine Gaben beizeiten erfassen und dein Altern beizeiten erkennen wirst; wenn du die Gedanken der großen Weisen, und nicht mehr die Untaten der großen Krieger, leben wirst, wenn die Lehrer deiner Kinder, und nicht die Politiker, von dir besser entlohnt sein werden; ….wenn du Erhebung beim Anhören von Wahrheiten, und Grauen beim Anblick von Formalitäten verspüren wirst, ….wenn die Menschengesichter auf den Straßen Freiheit, Beweglichkeit, Heiterkeit und nicht mehr Trauer und Elend ausdrücken werden; wenn ihre Körper nicht mehr wie heute, mit zurückgezogenen, eingesteiften Becken und erkalteten Geschlechtsorganen auf dieser Erde wandeln werden.“

und weiter

„Es gibt nichts außer diesem: das Leben gut und glücklich zu leben! Folge deinem Herzen, auch wenn es vom Pfade ängstlicher Seelen wegführt. Verhärte nicht, auch wenn dich mal das Leben quält.“

Über die Not-Wendigkeit von Fürsorge und Mitgefühl

Anlässlich eines Unfalles meines Mannes hatte ich viel Gelegenheit, Einblicke in Förderliches und Schwächendes in der klinischen Versorgung wahr zu nehmen.

Ein Unfall wie auch eine Krebsdiagnose sind ein Schock, ein Einschnitt, wo plötzlich das Leben nicht mehr so ist, wie es gerade noch war. Dieser Schock hat Wirkungen auf alle Ebenen unseres Seins – im Körper durch die Ausschüttung von Stresshormonen, im Gehirn durch die Aktivierung von alten dem Überleben dienenden Gehirnregionen, die uns signalisieren, dass wir in Gefahr sind. Wir werden sehr erregt – wollen flüchten oder kämpfen und können dies oftmals nicht – bei einem Unfall wegen der körperlichen Einschränkung  und bei der Krebsdiagnose nicht, weil das Bedrohliche  in unserem Körper ist.

Damit sich der Schock aus dem Körper herauslösen kann, und die dem Körper innewohnenden Selbstheilungsmaßnahmen einsetzen können, braucht es gute Bedingungen.

Das ist zu allererst menschliche Zugewandtheit – mit dem Namen angesprochen werden, im Blickkontakt sein, eine angemessene Berührung – schlicht menschliche Zuwendung. Das klingt selbstverständlich, ist es leider oftmals nicht. Natürlich geht es bei einem Unfall um die Abklärung der vielleicht lebensgefährlichen Symptome, wie auch am Anfang eines Krebsgeschehens eine genaue Differentialdiagnose unbedingt notwendig ist. Wie diese Untersuchung und diese erste Kontaktnahme erfolgt, ist, – in Bezugnahme auf traumaspezifischen Wissen – jedoch ebenso bedeutsam. Bei vielen Menschen zeigt sich eine Erstarrungsreaktion im Schock, d.h. sie sind „nicht ganz da“, nicht orientiert in Zeit und Raum. Wenn ohne Erklärung und Kontaktnahme eingreifende Maßnahmen erfolgen, bleibt die Erstarrung, das Geschockte und Geängstigte in uns aktiviert. Wir können uns nicht ausdehnen und wie der geniale Traumaforscher Peter Levine sagt – der Traumaablauf als physiologisches Geschehen im Sinne einer unterbrochenen Handlung – kann sich nicht vervollständigen.  Die Reste der Erstarrung, der Lähmung, des Übererregtseins, der Wut und Angst bleiben im Körper eingeschrieben und werden dann oftmals durch Reize, die mit dem traumatischen Ereignis verknüpft sind, aktiviert. Hier sind es vor allem Orte, Personen, Gerüche, Stimmen, die triggern.

Die menschliche Zugewandtheit, das in Resonanz Sein mit dem Patienten ist meiner Ansicht nach eine der zentralen Qualitäten, die verhindert, dass aus einem Schock eine posttraumatische Belastungsstörung wird.

Die Zugewandtheit aktiviert nämlich den ventralen (klugen, sozialen) Vagus, der für eine angemessene Orientierung im Hier und Jetzt verantwortlich ist. Es hemmt gleichzeitig den dorsalen Vagus, den archaisch angelegten Abschaltmechanismus, den Totstellreflex.

Ich konnte auch erfahren, wie angewiesen wir in einer derart bedrohlichen Situation auf die Qualität des Mitgefühls durch andere sind- wie wir faktisch danach lechzen, dass sich die Sanitäter zum Beispiel für das Geschehene interessieren, ihr Bedauern formulieren, nachfragen und alles Gute wünschen.

Es  ist auch wichtig zu spüren, dass behutsam umgegangen wird,  dass darauf geachtet wird, nicht unnötigerweise wo anzustoßen. Auch dieses Kontaktbedürfnis ist tief in uns angelegt, das Bindungssystem, das Halt und Stütze in anderen Menschen sucht, ist in Notsituationen aktiviert, wir wollen uns anhalten, ausweinen, aussprechen, brauchen Trost und Sicherheit. Interessant war für mich, dass dieses Kontaktbedürfnis sich auch auf unbekannte Personen richtet, also zum Beispiel auf die Sanitäter beim Transport. Sind diese nett und liebenswürdig, werden sie zu rettenden Engeln.

Angekommen im Krankenhaus finde ich es sehr wichtig, dass es einen Stützpunkt gibt, wo jemand hinter einem Glasfenster zu sehen ist. Bei der Erstaufnahme meines Mannes an einem Sonntag fand ich auf der Suche nach seinem Zimmer auf der Unfallstation nur verschlossene Türen. Auf einer war auf einem Schild zu lesen, dass man nur eintreten dürfe, wenn man aufgerufen wird. Keine AnsprechpartnerInnen, nur andere verunfallte Menschen. Das ist sehr verunsichernd, ist da überhaupt jemand, wird man angenommen, gibt es Hilfe?

Wie anders ist es, wenn man – von der Rettung angekündigt – erkannt wird, „Ah Sie sind es –  wir müssen noch kurz das Bett herrichten, dann kommt Frau Doktor……zu Ihnen und wird die Erstuntersuchung vornehmen.“ – Und da kommt dann wirklich schnell einmal die besagte Frau Doktor und sie erkundigt sich und gibt Raum, dass man den Unfallhergang schildern kann – auch ein großes Bedürfnis in einer Notsituation, das Geschehene zu berichten und auch das ist sehr notwendig, weil man, indem man das Geschehene von Anfang bis zum Ende berichtet eine zeitliche und räumliche Einordnung trifft und sich damit orientiert – das Ereignis gehört der Vergangenheit an und jetzt bin ich hier – in Sicherheit und in guten Händen.

Weiters ist die Beschreibung der nächsten Behandlungsmaßnahmen nötig – in ruhigem Ton vorgetragen, schafft das  Vertrauen und Zuversicht, dass etwas getan wird, was Schmerzen lindert und heilt. Da wird auch die Erwachsene in uns angesprochen, sind wir doch in einer derartigen Situation oftmals zum Kind geworden, dass der Maschinerie hilflos ausgeliefert ist.

Immer geht es um Kontakt und ob dies nur ein paar Worte des Trägers sind, wenn man flach am Rücken liegend in den OP geschoben wird.

Eigentlich ist es ganz einfach – menschliche Präsenz vermag es, aus einer sehr belastenden Situation ein bereicherndes Erlebnis zu machen, wo ich mein Aufgehobensein, meinen Wert und mein Eingebundensein in der menschlichen Gemeinschaft erfahren kann.

Diagnose Krebs – über sogenannte falsche Hoffnungen

„Ich will Ihnen keine falsche Hoffnung machen“ hört man oftmals von Ärzten, wenn es um Prognosen geht.

Müsste es nicht heißen, wenn es nur einen Fall gibt, wo Heilung wider Erwarten stattgefunden hat, dann gibt es Hoffnung, eine Möglichkeit, es ist nicht hoffnungs- und aussichtslos.

Ich denke, wir sollten genau sein mit den Worten, weil Worte lebensspendend oder lebenshemmend sein können.

Manche Krebsarten haben einen äußerst schlechten Ruf in Bezug auf eine Genesung, und oftmals hört man den Satz, dass es keine Hoffnung gibt.

Was macht das für den Betroffenen? Es schwindet jegliche Hoffnung auf Genesung. Das hat weitreichende Folgen: nicht nur auf der psychischen Ebene, wo sich Resignation, Hilfs- und Hoffnungslosigkeit vielleicht auch Todesangst  breit machen, nein, die Folgen reichen bis ins biologische Fundament. Man weiß, dass die Stärke des Immunsystems vom Lebenswillen und auch vom Bewusstsein über meine Selbstwirksamkeit in direkter Weise beeinflusst wird, in die eine wie in die andere Richtung.

Höre ich einen derartigen Satz, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich aufgebe. Dieser apodiktische, endgültige, jede andere Möglichkeit ausschließende Satz wirkt wie ein Hypnoid, dem man in einer self fulfilling prophecy folgt. Auch das weiß man mittlerweilen aus der Placeboforschung –  dass die positive oder negative Erwartung einen wesentlichen Einfluss auf die Wirksamkeit eines Arzneimittels hat.  Außer ich zähle zu den seltenen Menschen, die das als Aufruf sehen, den Gegenbeweis anzutreten.

Für mich geht es da mehr um eine falsche Hoffnungslosigkeit, in diesem Bemühen darum, keine falsche Hoffnung zu wecken.

Für mich ist eine falsche Hoffnung ein Heilversprechen, das in undifferenzierter Weise gegeben wird, ob sie jetzt von Schulmedizinern oder in diesem Falle leider häufiger von Heilern und Alternativmedizinern – von jenen Menschen also, die die letzte Adresse für von der Schulmedizin aufgegebenen Patienten sind – gegeben wird.

Wenn  gesagt wird, diese oder jene Vorgangsweise wird Sie (auf jeden Fall) heilen – dann ist das für mich ein falsches Versprechen, das eine falsche Hoffnung weckt. Hier übertönt die Eindringlichkeit und Macht der Aussage die innere Stimme der Patientin, die sehr wohl früher oder später  laut wird. Dann, wenn keine anderen therapeutischen Maßnahmen zugelassen werden, wenn nur das eine, vom Heiler propagierte und verkaufte Verfahren als wirksam anerkannt wird. Das ist eine falsche Hoffnung. Da wird die Not des Patienten ausgenützt.

Im Sinne von Vaclav Havels legendärem Zitats, dass „Hoffnung nicht die Überzeugung ist, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ meine ich, dass ich als von Krebs Betroffene gut daran täte, meiner inneren Stimme Gehör zu schenken, diesem tiefen Wissen, dass etwas sinnvoll ist, und dass dieser Schritt auf meinem Krebsweg der nächste gute ist.

          

Krebs – die Krankheit hinter der Krankheit und die Gesundheit hinter der Symptombeseitigung

Die Krankheit hinter der Krankheit

„Den Tumor hat man mir (ab)nehmen können, das Leben habe ich zu führen. Das ist die Herausforderung.“  Diesen Satz habe ich einmal für einen Buchbeitrag mit dem Titel „Krebs sei Dank“ geschrieben.

Für mich war und ist das Leben das Schwierige, nicht so sehr der Krebs- Die Konfrontation mit einer Krebsdiagnose – so erschreckend diese auch für mich war –  war eine fokussierte Geschichte mit einer Richtung,  was zu tun ist – Infos recherchieren, Entscheidungen treffen, Behandlungen durchführen.

Da gibt es auch Fürsorge, Unterstützung durch andere und ganz konkret bekomme ich viel an Bemühen, an Aufmerksamkeit, ich habe ein Recht auf Selbstzentrierung. Andererseits fühle  ich mich –   wenn ich nichts offenkundig Bedrohliches, keinen Krebs habe – wie viele andere Menschen auch – oftmals allein.

Allein mit all den alltäglichen Unannehmlichkeiten, mit dem, was quälend in mir ist, allein mit dem, was unbewältigbar erscheint, und das kann schon die Einführung der Registrierkasse sein, ein Konflikt mit einem nahestehenden Menschen, die Angst, den Anforderungen des Lebens nicht gerecht werden zu können. Damit sind wir verschweigen, weil derartige Ängste nicht gesellschaftsfähig sind.

Dort fängt die Krankheit Krebs an – im Alleinsein, im Schweigen, im täglichen einsamen Ringen mit all dem, was mich bewegt. Oft steht am Anfang einer Krebserkrankung eine Überforderung, eine lange Zeit des Alleinkämpfertums, des Bemühens selbst mit Schwierigkeiten fertig zu werden. Mit all dem, was zu viel ist – zu viel Druck, zu viel Schmerz, zu viel Not, zu viel Angst…..

Und dann kommt die Diagnose und damit das Entpflichtetsein, und ein Raum entsteht in dem ich (ich) sein darf – Krebs gibt Erlaubnis.

Es ist allgemein verständlich, dass ich Angst habe, dass ich mich überfordert führe, dass ich Hilfe brauche. Dann – endlich werde ich wahr- und ernst genommen. Viele an Krebs erkrankte Menschen können nach der Diagnose und vor allem  nach den Behandlungen, – wenn sie es sich leisten und gestatten können, sich für die Genesung Zeit zu nehmen – erstmalig erfahren, wie sich die Essenz des Lebens anfühlt – einfach kochen, im Garten arbeiten, in entspannter Weise und nicht unter Druck dem Sohn bei der Hausaufgabe helfen. Und sie erfahren, wie sukzessive kritische innere Stimmen laut werden – „Jetzt sollte ich bald einmal wieder mit einer richtigen Arbeit anfangen.“ Viele Menschen können sich  nur  Achtung und Wertschätzung entgegenbringe, wenn sie viel leisten, über ihre Grenzen gehe, total im Stress sind.  Dann fühlen wir uns als ein wertvolles Mitglied in der Gesellschaft. – das ist der soziale Krebs.

Ist das nicht absurd – dass ich schwer erkranken muss, um das Leben wahrnehmen und  leben zu dürfen. An dieser Stelle ist auch der Förderwahn, der bereits an Kindergartenkindern angewandt wird, sehr kritisch zu sehen. Von früh an keine Freiräume mehr zu haben, Zielsetzungen erfüllen zu müssen, eingeteilt zu sein, nicht den Rhythmen des Lebens folgen zu können, nur mehr von einem Termin zum anderen hetzen zu müssen.

Das ist meiner Ansicht nach die wahre Krankheit Krebs – die kollektive Entfremdung von unseren  basalen Bedürfnissen nach Ruhe, Muße, Ausdruck, Bewegung und Innehalten. Und die Entfremdung von unserem innersten Wesen, unserem Angelegtsein.  Dort gilt es anzusetzen. Dort gilt es Gegenentwürfe in die Welt zu bringen, Ermutigung und Engagement.

Die Gesundheit hinter der Symptombeseitigung.

So wie am Anfang der Krebserkrankung die Trennung, die Entfremdung und Enteignung steht, so ist es die Wiederaneignung von mir selbst, indem ich meine Gefühle, Bedürfnisse, Nöte und Ängste aber auch mein Wesen wieder wahrnehme, die am Weg der Genesung stattfinden sollte.  In dem ich wieder in Kontakt trete mit mir und allen Bezügen, die mich ausmachen. Das braucht eine Offenheit, eine Stille und eine Entschleunigung. Dann kann Resonanz stattfinden.  In einer kürzlich gesendeten Radiokollegsendung zum Thema Resonanz wird betont, wie wichtig es ist, dass Kinder die Welt als tragend, wohlwollend, atmend und gütig  erleben. Im Gegensatz dazu wird das Kind oftmals zum „Objekt der erzieherischen Bemühung, ein Objekt, das an Erwartungen, Bewertungen und Zielen gemessen wird“ – so der Neurowissenschaftler Gerald Hüther in der Radiokollegsendung vom 21.3. 2016.  Wichtig wäre, – nicht nur für das Kind sondern auch für uns – sich mit dem Kind einzulassen, sich in seine Welt mitnehmen zu lassen, staunend sich zu öffnen für all die  bewegenden Äußerungsformen, die es zeigt. Dann kann Ausdehnung stattfinden und Wachstum.

Für uns Erwachsene braucht es, um diesem oben beschriebenen essentiellen Alleinsein entgegen zu wirken,  eine Gemeinschaft, die die Kultur des einander Wahrnehmens pflegt  – Wahlverwandtschaften, wo wirkliche An-er-kennung stattfindet.

Es braucht weiters:

Ein Bemühen, einander nicht bloß als Objekte in unserer Funktionalität wahr zu nehmen, sondern miteinander in Resonanz zu gehen. Räume zu schaffen, wo einfach Austausch stattfindet, wie es mir geht, worunter ich leide, wovor ich mich fürchte, worüber ich mich freue.  Einander nicht bloß mit der Brille von Bewertungen wahr zu nehmen, gemessen an Erwartungen und Zielen.

Um meinem Wesen gemäß zu sein, braucht es Menschen, die nach mir fragen, die sich für mich interessieren, für mich als Subjekt, als Individualität, in meiner Einzigartigkeit.

Es braucht Augen, die mich sehen und Ohren, die mich hören, die mich aus mir selbst heraus hören, mich heraus kennen, sodass ich vor – kommen kann.

Diagnose Krebs – Auferstehen

 

Es ist tief in uns im wahrsten Sinne des Wortes „eingefleischt“, dass die Materie Materie ist und damit fest und unveränderlich. Beziehungsweise ist sie nur durch massivste Einwirkung von Materie auf Materie zu verändern. Dies geschieht in der Onkologie zum Beispiel durch Chemotherapie, Operation und Bestrahlung, damit soll die Materie Krebs bekämpft und zerstört werden.

Dem gegenüber stehen Erfahrungsberichte von Menschen, die trotz einer außerordentlich schlechten Prognose und teilweise unter Verzicht von derart materieller Einflussnahme geheilt sind. Berichte darüber finden sich in Büchern wie „Spontanheilung“, „Du bist das Placebo“, „9 Wege zu einem krebsfreien Leben“ und „Geheilt“. (siehe dazu auch die Buchempfehlungen auf dieser Seite) .

Aber auch in Fernsehsendungen wie zuletzt in der Sendung „Die Macht der Heiler“ und „Die Gesetze der Heilung“ finden sich hoffnungsstiftende Beispiele.

Hier berichtete beispielsweise eine Frau mit Muskeldystrophie, welche bereits so fortgeschritten war, dass sie an den Rollstuhl gefesselt war, dass sie nach einer schamanischen Reise erstmalig nach Jahren keine Schmerzen verspürte und mittlerweilen an Kraftgeräten an die 140 kg drücken kann. Auch ein Cellist, dem aufgrund eines Hirntumors bereits 1/4 des Gehirns entfernt werden musste, kann nach monatelanger Visualisierungsarbeit in Kombination mit einer Hypno- und Feldenkraistherapie nicht nur gehen sondern auch wieder Cello spielen. Auch in der von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr herausgegebenen Zeitschrift „momentum – Gesund leben bei Krebs“ stellen immer wieder an Krebs erkrankte Menschen ihren Heilungsweg dar. Wie auch Martin Weingart, dem nach einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung, welche er zusätzlich zu den schulmedizinischen Maßnahmen durch Ernährungsumstellung, der Einnahme von  Nahrungsergänzungsmitteln aber auch durch Visualisierung nach Simonton und Vergebungsarbeit behandelte, schließlich eine Vollremission konstatiert wurde.

Diese Menschen haben sich, teilweise weil die Schulmedizin nichts mehr für sie tun konnte, zu einem geistigen Weg entschieden und siehe da – Heilung geschah.

Viele der Heiler, die hier und auch in den genannten Büchern zu Wort kommen, betonen, dass   nicht sie es sind, die heilen, sondern dass sie bloß einen Anstoß geben, damit die Selbstheilungskräfte, die uns allen innewohnen aktiviert werden.

Andererseits meinen immer mehr Schulmediziner, dass ein Paradigmenwechsel in dem Sinne notwendig wäre, dass die geistigen Mechanismen von Heilung untersucht und in den Therapieprozess einbezogen werden.

In einigen Kliniken in Deutschland geschieht dies bereits, indem beispielsweise wie in einem Krankenhaus in Berlin Therapeutic Touch schon während der OP  und dann in weiterer Folge in der Nachbehandlung angewandt wird und förderliche Wirkung auf den Heilungsverlauf und eine Reduktion der Schmerzmedikation zeigt. In einer Klinik in Ulm gibt es eine enge Kooperation zwischen einem Onkologen und  Wolfgang Maly, der eine Meditationsform für Krebskranken entwickelte, wo der Partner über Berührung mit dem an Krebs erkrankten Menschen in Kontakt ist.

Die Auferstehung Christi gilt als ein Mysterium, das nur Jesus Christus vorbehalten war.

Auferstehung findet meiner Ansicht nach jedoch auf dem Krebsweg oftmals statt. Dann, wenn wir herausgefordert sind, für unsere Bedürfnisse und für unser Leben einzutreten. Aber auch, wenn wir nach einem langen Leidensweg wie Phönix aus der Asche auftauchen und wieder zu Kräften kommen. Auferstehung kann aber auch wie Manuela Mutschler es versteht als das Finden der eigenen Essenz verstanden werden  – siehe dazu http://www.helfendekräfte.com/2016/03/26.

Letztlich steht uns allen die Möglichkeit zur Auferstehung zur Verfügung wie vom  weisen  Friedrich Benesch im Buch „Ostern“ so treffend beschrieben, nämlich im Sinne einer „Vollmacht über das eigene Bewusstsein, Vollmacht über die schaffende, liebevolle Seele, Vollmacht über die sich verwandelnde Selbst erzeugende Auferstehungs-Leiblichkeit“ oder um es in meinen Worten zu sagen: Vollmacht über all mein Angelegtsein und mein geistiges Potential, auf dass ich aus der Determiniertheit der Gesetze der Materie mich erhebe und die Gesetze des Geistes auf die Materie wirken lasse.

Diagnose Krebs und Traumatisierung

 

Die Krebserkrankung ist ein komplexes Geschehen und es gibt viele Ursachen, die dazu beitragen können, dass Zellen aus dem Gesamtzusammenhang fallen und beginnen sich ungehemmt zu teilen.

Die Ursachen können ebenso eine genetische Disposition als auch Belastungen durch Ernährung und Umweltgifte wie auch Verhaltensfaktoren oder langandauernder Stress sein.

Fragt man Menschen, die an Krebs erkranken, so findet sich oftmals eine Stressbelastung in den letzten 6-18 Monaten vor der Diagnose. Dabei handelt es sich zum Beispiel um den plötzlichen Tod eines nahen Angehörigen, Mobbing am Arbeitsplatz, eine schmerzliche Trennung oder ein chronisches Über-die-eigenen-Grenzen-Gehen.

Tieferliegend finden sich meiner Erfahrung nach oftmals traumatische, d.h. überwältigende Erfahrungen von Ohnmacht und Hilflosigkeit in der Kindheit und Jugend. Vor allem wenn nahe Bezugspersonen gewalttätig und grenzüberschreitend waren, das Kind gedemütigt und erniedrigt haben dann hat das weitreichende Folgen für das weitere Leben. Auch Vernachlässigung zählt zu den traumatisierenden Faktoren. Dazu gehört für mich auch, wenn man das Kind in seinen Bedürfnissen nach Nahrung, Gehaltenwerden, Wärme, Ruhe und Anregung, Sicherheit und Freiheit nicht feinfühlig beantwortet. Am einschneidensten sind Erfahrungen des Missbrauchs, (sexualisierter) Gewalt und einer Atmosphäre der permanenten Bedrohung in der Familie. Obwohl Menschen, die Derartigem ausgesetzt waren, über eine erstaunliche Überlebenskraft verfügen, haben diese Erlebnisse gravierende Auswirkungen, die das Selbst- und Weltverständnis und  das Verhalten prägen und bis ins Biologische reichen können.

Den folgenden Text habe ich anlässlich einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema Traumatisierung verfasst.

Möge er dazu dienen, sich selbst und andere besser zu verstehen und zu sehen, dass  wie Fischer, ein namhafter Traumaexperte sagt „Trauma  eine normale, grundsätzlich gesunde Antwort der Persönlichkeit auf eine verletzende bzw. extrem kränkende Erfahrung ist.“  (Fischer)

Trauma von Innen

Traumatisierung bedeutet zu allererst Angst, Angst, die im Körper steckt, die mich nicht zur Ruhe kommen lässt, die mir den Schlaf raubt und mich in der Früh aus dem Bett schrecken lässt – schon wieder ein gefahrenvoller Tag.

Es ist das keine spezifische Angst, mehr ein Körpergefühl der dauerhaften Auf-  und Erregung, dies lässt uns schwitzen, erkalten, erröten, macht Durchfall oder Verstopfung.

Oder aber mich gar nicht bewegen können, vor Erstarrung gelähmt stunden-, tage-, wochenlang im Bett  verbringen und nicht mal die alltäglichsten Notwendigkeiten tun  können – und mich dafür  verurteilen. Oder in fremde Fantasiewelten einzutauchen –  Soaps als Zufluchtsorte aufsuchen, wie ein Refugium vor dem Horror und dem Schmerz.

Traumatisiert zu sein bedeutet das Jetzt nicht von der Vergangenheit unterscheiden zu können, beim Geruch eines bestimmten Rasierwassers zur 3-Jährigen zu werden, die jetzt gleich erneut vom Vater angegriffen wird, auch wenn ich 40 bin und einem attraktiven Mann gegenüber sitze.

In diesem Traumastate zu sein bedeutet auch, dass es nie anders war und dass es nie anders sein wird. Zeitloser Schrecken und tiefste Verzweiflung.

Traumatisiert zu sein bedeutet, mich verrückt zu fühlen, weil die Ankündigung, dass in 2 Tagen der Installateur ins Haus kommt, mich schon jetzt in eine ängstliche Spannung versetzt, weil da jemand in mein Zuhause eindringt. Dass es mir unmöglich ist, Amtswege zu erledigen, weil ich wie damals als ich der schlagenden Gewalt ausgesetzt war, Angst vor neuerlicher Herabwürdigung und strafender Autorität habe. Überhaupt brauchen traumatisierte Menschen viel Alleinsein, weil sie sich nur dann frei bewegen können, Ausdehnung stattfindet, sie sich in Sicherheit fühlen oder aber nicht allein sein können, weil sie nur beim Anderen Schutz vor den inneren Dämonen und Gefahren finden.

Traumatisiert zu sein lässt mich in dauernden Gedankenkreisen verweilen – darüber wer Schuld hat – der andere, mit welchem ich einen Konflikt habe, oder ich, weil ich wieder was Falsches gesagt habe. Mich zu fragen, ob ich berechtigt bin, empört, verletzt, ärgerlich zu sein.

Viele traumatisierte Menschen machen die Nacht zum Tag, dann wenn sich die Welt mit ihren Ansprüchen und Forderungen zurückzieht, wenn die Dunkelheit umhüllt und es still wird, dann leben sie auf. Es ist dies die Zeit der Erlaubnis – endlich dürfen und nicht müssen.

Es bewirkt, dass ich meinen Körper hasse, weil er der Hort des Schmerzes, des Leids, des Terrors ist, mich schmutzig zu fühlen und mich deshalb  durch Zwangsrituale und Fastenkuren von all dem, was im Trauma in mich gekommen ist, zu reinigen. Dieser mein Körper, der eine Quelle der Freude, die Basis meiner Selbstwirksamkeit, meiner Erdung sein könnte, ist zum größten Feind geworden.

Von diesem Platz der Unerträglichkeit will ich raus und so wird der Tod zu einem wiederkehrenden Ort meiner Sehnsuchtsfantasie. Es soll endlich aufhören – das innere Rasen, der Gedankenterror, die hochgeladenen Gefühle der Angst, des Hasses und des Schmerzes, denen ich keinen Ausdruck verleihen durfte, weil der Täter dann erst recht zuschlug, diese Gefühle, die nun eingefroren in Angst mir als Ausdruckskraft nicht mehr zur Verfügung stehen.

Hilflos, wehrlos, ohnmächtig, allein, weil unverstanden mit all meinen eigenartigen, ver-rückten Verhaltensweisen, den sinnlos erscheinenden Ritualen – so fühl ich mich, wenn ich traumatisiert bin.

Wenn es jedoch gelingt, all das, was mich ausmacht zu mir zu nehmen und zu verstehen, dass das alles ganz normal ist, all diese „Spinnereien“ meinem Überleben gedient haben, dann kann ich vielleicht erfahren, dass in mir eine Stärke wohnt, die mich Unmenschliches, Unfassbares überleben hat lassen und ein Lebenswille, der nicht nur überleben sondern leben will – mit allem was dazu gehört – mit Ruhe und Entspannung, Sicherheit, Intimität und Abstand, Ja und Nein, Freude und Trauer, Wohlgefühl und Schmerz und allem was ein einfaches Leben ausmacht.