Über die Not-Wendigkeit von Fürsorge und Mitgefühl

Anlässlich eines Unfalles meines Mannes hatte ich viel Gelegenheit, Einblicke in Förderliches und Schwächendes in der klinischen Versorgung wahr zu nehmen.

Ein Unfall wie auch eine Krebsdiagnose sind ein Schock, ein Einschnitt, wo plötzlich das Leben nicht mehr so ist, wie es gerade noch war. Dieser Schock hat Wirkungen auf alle Ebenen unseres Seins – im Körper durch die Ausschüttung von Stresshormonen, im Gehirn durch die Aktivierung von alten dem Überleben dienenden Gehirnregionen, die uns signalisieren, dass wir in Gefahr sind. Wir werden sehr erregt – wollen flüchten oder kämpfen und können dies oftmals nicht – bei einem Unfall wegen der körperlichen Einschränkung  und bei der Krebsdiagnose nicht, weil das Bedrohliche  in unserem Körper ist.

Damit sich der Schock aus dem Körper herauslösen kann, und die dem Körper innewohnenden Selbstheilungsmaßnahmen einsetzen können, braucht es gute Bedingungen.

Das ist zu allererst menschliche Zugewandtheit – mit dem Namen angesprochen werden, im Blickkontakt sein, eine angemessene Berührung – schlicht menschliche Zuwendung. Das klingt selbstverständlich, ist es leider oftmals nicht. Natürlich geht es bei einem Unfall um die Abklärung der vielleicht lebensgefährlichen Symptome, wie auch am Anfang eines Krebsgeschehens eine genaue Differentialdiagnose unbedingt notwendig ist. Wie diese Untersuchung und diese erste Kontaktnahme erfolgt, ist, – in Bezugnahme auf traumaspezifischen Wissen – jedoch ebenso bedeutsam. Bei vielen Menschen zeigt sich eine Erstarrungsreaktion im Schock, d.h. sie sind „nicht ganz da“, nicht orientiert in Zeit und Raum. Wenn ohne Erklärung und Kontaktnahme eingreifende Maßnahmen erfolgen, bleibt die Erstarrung, das Geschockte und Geängstigte in uns aktiviert. Wir können uns nicht ausdehnen und wie der geniale Traumaforscher Peter Levine sagt – der Traumaablauf als physiologisches Geschehen im Sinne einer unterbrochenen Handlung – kann sich nicht vervollständigen.  Die Reste der Erstarrung, der Lähmung, des Übererregtseins, der Wut und Angst bleiben im Körper eingeschrieben und werden dann oftmals durch Reize, die mit dem traumatischen Ereignis verknüpft sind, aktiviert. Hier sind es vor allem Orte, Personen, Gerüche, Stimmen, die triggern.

Die menschliche Zugewandtheit, das in Resonanz Sein mit dem Patienten ist meiner Ansicht nach eine der zentralen Qualitäten, die verhindert, dass aus einem Schock eine posttraumatische Belastungsstörung wird.

Die Zugewandtheit aktiviert nämlich den ventralen (klugen, sozialen) Vagus, der für eine angemessene Orientierung im Hier und Jetzt verantwortlich ist. Es hemmt gleichzeitig den dorsalen Vagus, den archaisch angelegten Abschaltmechanismus, den Totstellreflex.

Ich konnte auch erfahren, wie angewiesen wir in einer derart bedrohlichen Situation auf die Qualität des Mitgefühls durch andere sind- wie wir faktisch danach lechzen, dass sich die Sanitäter zum Beispiel für das Geschehene interessieren, ihr Bedauern formulieren, nachfragen und alles Gute wünschen.

Es  ist auch wichtig zu spüren, dass behutsam umgegangen wird,  dass darauf geachtet wird, nicht unnötigerweise wo anzustoßen. Auch dieses Kontaktbedürfnis ist tief in uns angelegt, das Bindungssystem, das Halt und Stütze in anderen Menschen sucht, ist in Notsituationen aktiviert, wir wollen uns anhalten, ausweinen, aussprechen, brauchen Trost und Sicherheit. Interessant war für mich, dass dieses Kontaktbedürfnis sich auch auf unbekannte Personen richtet, also zum Beispiel auf die Sanitäter beim Transport. Sind diese nett und liebenswürdig, werden sie zu rettenden Engeln.

Angekommen im Krankenhaus finde ich es sehr wichtig, dass es einen Stützpunkt gibt, wo jemand hinter einem Glasfenster zu sehen ist. Bei der Erstaufnahme meines Mannes an einem Sonntag fand ich auf der Suche nach seinem Zimmer auf der Unfallstation nur verschlossene Türen. Auf einer war auf einem Schild zu lesen, dass man nur eintreten dürfe, wenn man aufgerufen wird. Keine AnsprechpartnerInnen, nur andere verunfallte Menschen. Das ist sehr verunsichernd, ist da überhaupt jemand, wird man angenommen, gibt es Hilfe?

Wie anders ist es, wenn man – von der Rettung angekündigt – erkannt wird, „Ah Sie sind es –  wir müssen noch kurz das Bett herrichten, dann kommt Frau Doktor……zu Ihnen und wird die Erstuntersuchung vornehmen.“ – Und da kommt dann wirklich schnell einmal die besagte Frau Doktor und sie erkundigt sich und gibt Raum, dass man den Unfallhergang schildern kann – auch ein großes Bedürfnis in einer Notsituation, das Geschehene zu berichten und auch das ist sehr notwendig, weil man, indem man das Geschehene von Anfang bis zum Ende berichtet eine zeitliche und räumliche Einordnung trifft und sich damit orientiert – das Ereignis gehört der Vergangenheit an und jetzt bin ich hier – in Sicherheit und in guten Händen.

Weiters ist die Beschreibung der nächsten Behandlungsmaßnahmen nötig – in ruhigem Ton vorgetragen, schafft das  Vertrauen und Zuversicht, dass etwas getan wird, was Schmerzen lindert und heilt. Da wird auch die Erwachsene in uns angesprochen, sind wir doch in einer derartigen Situation oftmals zum Kind geworden, dass der Maschinerie hilflos ausgeliefert ist.

Immer geht es um Kontakt und ob dies nur ein paar Worte des Trägers sind, wenn man flach am Rücken liegend in den OP geschoben wird.

Eigentlich ist es ganz einfach – menschliche Präsenz vermag es, aus einer sehr belastenden Situation ein bereicherndes Erlebnis zu machen, wo ich mein Aufgehobensein, meinen Wert und mein Eingebundensein in der menschlichen Gemeinschaft erfahren kann.

Diagnose Krebs – über sogenannte falsche Hoffnungen

„Ich will Ihnen keine falsche Hoffnung machen“ hört man oftmals von Ärzten, wenn es um Prognosen geht.

Müsste es nicht heißen, wenn es nur einen Fall gibt, wo Heilung wider Erwarten stattgefunden hat, dann gibt es Hoffnung, eine Möglichkeit, es ist nicht hoffnungs- und aussichtslos.

Ich denke, wir sollten genau sein mit den Worten, weil Worte lebensspendend oder lebenshemmend sein können.

Manche Krebsarten haben einen äußerst schlechten Ruf in Bezug auf eine Genesung, und oftmals hört man den Satz, dass es keine Hoffnung gibt.

Was macht das für den Betroffenen? Es schwindet jegliche Hoffnung auf Genesung. Das hat weitreichende Folgen: nicht nur auf der psychischen Ebene, wo sich Resignation, Hilfs- und Hoffnungslosigkeit vielleicht auch Todesangst  breit machen, nein, die Folgen reichen bis ins biologische Fundament. Man weiß, dass die Stärke des Immunsystems vom Lebenswillen und auch vom Bewusstsein über meine Selbstwirksamkeit in direkter Weise beeinflusst wird, in die eine wie in die andere Richtung.

Höre ich einen derartigen Satz, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich aufgebe. Dieser apodiktische, endgültige, jede andere Möglichkeit ausschließende Satz wirkt wie ein Hypnoid, dem man in einer self fulfilling prophecy folgt. Auch das weiß man mittlerweilen aus der Placeboforschung –  dass die positive oder negative Erwartung einen wesentlichen Einfluss auf die Wirksamkeit eines Arzneimittels hat.  Außer ich zähle zu den seltenen Menschen, die das als Aufruf sehen, den Gegenbeweis anzutreten.

Für mich geht es da mehr um eine falsche Hoffnungslosigkeit, in diesem Bemühen darum, keine falsche Hoffnung zu wecken.

Für mich ist eine falsche Hoffnung ein Heilversprechen, das in undifferenzierter Weise gegeben wird, ob sie jetzt von Schulmedizinern oder in diesem Falle leider häufiger von Heilern und Alternativmedizinern – von jenen Menschen also, die die letzte Adresse für von der Schulmedizin aufgegebenen Patienten sind – gegeben wird.

Wenn  gesagt wird, diese oder jene Vorgangsweise wird Sie (auf jeden Fall) heilen – dann ist das für mich ein falsches Versprechen, das eine falsche Hoffnung weckt. Hier übertönt die Eindringlichkeit und Macht der Aussage die innere Stimme der Patientin, die sehr wohl früher oder später  laut wird. Dann, wenn keine anderen therapeutischen Maßnahmen zugelassen werden, wenn nur das eine, vom Heiler propagierte und verkaufte Verfahren als wirksam anerkannt wird. Das ist eine falsche Hoffnung. Da wird die Not des Patienten ausgenützt.

Im Sinne von Vaclav Havels legendärem Zitats, dass „Hoffnung nicht die Überzeugung ist, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ meine ich, dass ich als von Krebs Betroffene gut daran täte, meiner inneren Stimme Gehör zu schenken, diesem tiefen Wissen, dass etwas sinnvoll ist, und dass dieser Schritt auf meinem Krebsweg der nächste gute ist.

          

Krebs – die Krankheit hinter der Krankheit und die Gesundheit hinter der Symptombeseitigung

Die Krankheit hinter der Krankheit

„Den Tumor hat man mir (ab)nehmen können, das Leben habe ich zu führen. Das ist die Herausforderung.“  Diesen Satz habe ich einmal für einen Buchbeitrag mit dem Titel „Krebs sei Dank“ geschrieben.

Für mich war und ist das Leben das Schwierige, nicht so sehr der Krebs- Die Konfrontation mit einer Krebsdiagnose – so erschreckend diese auch für mich war –  war eine fokussierte Geschichte mit einer Richtung,  was zu tun ist – Infos recherchieren, Entscheidungen treffen, Behandlungen durchführen.

Da gibt es auch Fürsorge, Unterstützung durch andere und ganz konkret bekomme ich viel an Bemühen, an Aufmerksamkeit, ich habe ein Recht auf Selbstzentrierung. Andererseits fühle  ich mich –   wenn ich nichts offenkundig Bedrohliches, keinen Krebs habe – wie viele andere Menschen auch – oftmals allein.

Allein mit all den alltäglichen Unannehmlichkeiten, mit dem, was quälend in mir ist, allein mit dem, was unbewältigbar erscheint, und das kann schon die Einführung der Registrierkasse sein, ein Konflikt mit einem nahestehenden Menschen, die Angst, den Anforderungen des Lebens nicht gerecht werden zu können. Damit sind wir verschweigen, weil derartige Ängste nicht gesellschaftsfähig sind.

Dort fängt die Krankheit Krebs an – im Alleinsein, im Schweigen, im täglichen einsamen Ringen mit all dem, was mich bewegt. Oft steht am Anfang einer Krebserkrankung eine Überforderung, eine lange Zeit des Alleinkämpfertums, des Bemühens selbst mit Schwierigkeiten fertig zu werden. Mit all dem, was zu viel ist – zu viel Druck, zu viel Schmerz, zu viel Not, zu viel Angst…..

Und dann kommt die Diagnose und damit das Entpflichtetsein, und ein Raum entsteht in dem ich (ich) sein darf – Krebs gibt Erlaubnis.

Es ist allgemein verständlich, dass ich Angst habe, dass ich mich überfordert führe, dass ich Hilfe brauche. Dann – endlich werde ich wahr- und ernst genommen. Viele an Krebs erkrankte Menschen können nach der Diagnose und vor allem  nach den Behandlungen, – wenn sie es sich leisten und gestatten können, sich für die Genesung Zeit zu nehmen – erstmalig erfahren, wie sich die Essenz des Lebens anfühlt – einfach kochen, im Garten arbeiten, in entspannter Weise und nicht unter Druck dem Sohn bei der Hausaufgabe helfen. Und sie erfahren, wie sukzessive kritische innere Stimmen laut werden – „Jetzt sollte ich bald einmal wieder mit einer richtigen Arbeit anfangen.“ Viele Menschen können sich  nur  Achtung und Wertschätzung entgegenbringe, wenn sie viel leisten, über ihre Grenzen gehe, total im Stress sind.  Dann fühlen wir uns als ein wertvolles Mitglied in der Gesellschaft. – das ist der soziale Krebs.

Ist das nicht absurd – dass ich schwer erkranken muss, um das Leben wahrnehmen und  leben zu dürfen. An dieser Stelle ist auch der Förderwahn, der bereits an Kindergartenkindern angewandt wird, sehr kritisch zu sehen. Von früh an keine Freiräume mehr zu haben, Zielsetzungen erfüllen zu müssen, eingeteilt zu sein, nicht den Rhythmen des Lebens folgen zu können, nur mehr von einem Termin zum anderen hetzen zu müssen.

Das ist meiner Ansicht nach die wahre Krankheit Krebs – die kollektive Entfremdung von unseren  basalen Bedürfnissen nach Ruhe, Muße, Ausdruck, Bewegung und Innehalten. Und die Entfremdung von unserem innersten Wesen, unserem Angelegtsein.  Dort gilt es anzusetzen. Dort gilt es Gegenentwürfe in die Welt zu bringen, Ermutigung und Engagement.

Die Gesundheit hinter der Symptombeseitigung.

So wie am Anfang der Krebserkrankung die Trennung, die Entfremdung und Enteignung steht, so ist es die Wiederaneignung von mir selbst, indem ich meine Gefühle, Bedürfnisse, Nöte und Ängste aber auch mein Wesen wieder wahrnehme, die am Weg der Genesung stattfinden sollte.  In dem ich wieder in Kontakt trete mit mir und allen Bezügen, die mich ausmachen. Das braucht eine Offenheit, eine Stille und eine Entschleunigung. Dann kann Resonanz stattfinden.  In einer kürzlich gesendeten Radiokollegsendung zum Thema Resonanz wird betont, wie wichtig es ist, dass Kinder die Welt als tragend, wohlwollend, atmend und gütig  erleben. Im Gegensatz dazu wird das Kind oftmals zum „Objekt der erzieherischen Bemühung, ein Objekt, das an Erwartungen, Bewertungen und Zielen gemessen wird“ – so der Neurowissenschaftler Gerald Hüther in der Radiokollegsendung vom 21.3. 2016.  Wichtig wäre, – nicht nur für das Kind sondern auch für uns – sich mit dem Kind einzulassen, sich in seine Welt mitnehmen zu lassen, staunend sich zu öffnen für all die  bewegenden Äußerungsformen, die es zeigt. Dann kann Ausdehnung stattfinden und Wachstum.

Für uns Erwachsene braucht es, um diesem oben beschriebenen essentiellen Alleinsein entgegen zu wirken,  eine Gemeinschaft, die die Kultur des einander Wahrnehmens pflegt  – Wahlverwandtschaften, wo wirkliche An-er-kennung stattfindet.

Es braucht weiters:

Ein Bemühen, einander nicht bloß als Objekte in unserer Funktionalität wahr zu nehmen, sondern miteinander in Resonanz zu gehen. Räume zu schaffen, wo einfach Austausch stattfindet, wie es mir geht, worunter ich leide, wovor ich mich fürchte, worüber ich mich freue.  Einander nicht bloß mit der Brille von Bewertungen wahr zu nehmen, gemessen an Erwartungen und Zielen.

Um meinem Wesen gemäß zu sein, braucht es Menschen, die nach mir fragen, die sich für mich interessieren, für mich als Subjekt, als Individualität, in meiner Einzigartigkeit.

Es braucht Augen, die mich sehen und Ohren, die mich hören, die mich aus mir selbst heraus hören, mich heraus kennen, sodass ich vor – kommen kann.

Diagnose Krebs – Auferstehen

 

Es ist tief in uns im wahrsten Sinne des Wortes „eingefleischt“, dass die Materie Materie ist und damit fest und unveränderlich. Beziehungsweise ist sie nur durch massivste Einwirkung von Materie auf Materie zu verändern. Dies geschieht in der Onkologie zum Beispiel durch Chemotherapie, Operation und Bestrahlung, damit soll die Materie Krebs bekämpft und zerstört werden.

Dem gegenüber stehen Erfahrungsberichte von Menschen, die trotz einer außerordentlich schlechten Prognose und teilweise unter Verzicht von derart materieller Einflussnahme geheilt sind. Berichte darüber finden sich in Büchern wie „Spontanheilung“, „Du bist das Placebo“, „9 Wege zu einem krebsfreien Leben“ und „Geheilt“. (siehe dazu auch die Buchempfehlungen auf dieser Seite) .

Aber auch in Fernsehsendungen wie zuletzt in der Sendung „Die Macht der Heiler“ und „Die Gesetze der Heilung“ finden sich hoffnungsstiftende Beispiele.

Hier berichtete beispielsweise eine Frau mit Muskeldystrophie, welche bereits so fortgeschritten war, dass sie an den Rollstuhl gefesselt war, dass sie nach einer schamanischen Reise erstmalig nach Jahren keine Schmerzen verspürte und mittlerweilen an Kraftgeräten an die 140 kg drücken kann. Auch ein Cellist, dem aufgrund eines Hirntumors bereits 1/4 des Gehirns entfernt werden musste, kann nach monatelanger Visualisierungsarbeit in Kombination mit einer Hypno- und Feldenkraistherapie nicht nur gehen sondern auch wieder Cello spielen. Auch in der von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr herausgegebenen Zeitschrift „momentum – Gesund leben bei Krebs“ stellen immer wieder an Krebs erkrankte Menschen ihren Heilungsweg dar. Wie auch Martin Weingart, dem nach einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung, welche er zusätzlich zu den schulmedizinischen Maßnahmen durch Ernährungsumstellung, der Einnahme von  Nahrungsergänzungsmitteln aber auch durch Visualisierung nach Simonton und Vergebungsarbeit behandelte, schließlich eine Vollremission konstatiert wurde.

Diese Menschen haben sich, teilweise weil die Schulmedizin nichts mehr für sie tun konnte, zu einem geistigen Weg entschieden und siehe da – Heilung geschah.

Viele der Heiler, die hier und auch in den genannten Büchern zu Wort kommen, betonen, dass   nicht sie es sind, die heilen, sondern dass sie bloß einen Anstoß geben, damit die Selbstheilungskräfte, die uns allen innewohnen aktiviert werden.

Andererseits meinen immer mehr Schulmediziner, dass ein Paradigmenwechsel in dem Sinne notwendig wäre, dass die geistigen Mechanismen von Heilung untersucht und in den Therapieprozess einbezogen werden.

In einigen Kliniken in Deutschland geschieht dies bereits, indem beispielsweise wie in einem Krankenhaus in Berlin Therapeutic Touch schon während der OP  und dann in weiterer Folge in der Nachbehandlung angewandt wird und förderliche Wirkung auf den Heilungsverlauf und eine Reduktion der Schmerzmedikation zeigt. In einer Klinik in Ulm gibt es eine enge Kooperation zwischen einem Onkologen und  Wolfgang Maly, der eine Meditationsform für Krebskranken entwickelte, wo der Partner über Berührung mit dem an Krebs erkrankten Menschen in Kontakt ist.

Die Auferstehung Christi gilt als ein Mysterium, das nur Jesus Christus vorbehalten war.

Auferstehung findet meiner Ansicht nach jedoch auf dem Krebsweg oftmals statt. Dann, wenn wir herausgefordert sind, für unsere Bedürfnisse und für unser Leben einzutreten. Aber auch, wenn wir nach einem langen Leidensweg wie Phönix aus der Asche auftauchen und wieder zu Kräften kommen. Auferstehung kann aber auch wie Manuela Mutschler es versteht als das Finden der eigenen Essenz verstanden werden  – siehe dazu http://www.helfendekräfte.com/2016/03/26.

Letztlich steht uns allen die Möglichkeit zur Auferstehung zur Verfügung wie vom  weisen  Friedrich Benesch im Buch „Ostern“ so treffend beschrieben, nämlich im Sinne einer „Vollmacht über das eigene Bewusstsein, Vollmacht über die schaffende, liebevolle Seele, Vollmacht über die sich verwandelnde Selbst erzeugende Auferstehungs-Leiblichkeit“ oder um es in meinen Worten zu sagen: Vollmacht über all mein Angelegtsein und mein geistiges Potential, auf dass ich aus der Determiniertheit der Gesetze der Materie mich erhebe und die Gesetze des Geistes auf die Materie wirken lasse.

Diagnose Krebs und Traumatisierung

 

Die Krebserkrankung ist ein komplexes Geschehen und es gibt viele Ursachen, die dazu beitragen können, dass Zellen aus dem Gesamtzusammenhang fallen und beginnen sich ungehemmt zu teilen.

Die Ursachen können ebenso eine genetische Disposition als auch Belastungen durch Ernährung und Umweltgifte wie auch Verhaltensfaktoren oder langandauernder Stress sein.

Fragt man Menschen, die an Krebs erkranken, so findet sich oftmals eine Stressbelastung in den letzten 6-18 Monaten vor der Diagnose. Dabei handelt es sich zum Beispiel um den plötzlichen Tod eines nahen Angehörigen, Mobbing am Arbeitsplatz, eine schmerzliche Trennung oder ein chronisches Über-die-eigenen-Grenzen-Gehen.

Tieferliegend finden sich meiner Erfahrung nach oftmals traumatische, d.h. überwältigende Erfahrungen von Ohnmacht und Hilflosigkeit in der Kindheit und Jugend. Vor allem wenn nahe Bezugspersonen gewalttätig und grenzüberschreitend waren, das Kind gedemütigt und erniedrigt haben dann hat das weitreichende Folgen für das weitere Leben. Auch Vernachlässigung zählt zu den traumatisierenden Faktoren. Dazu gehört für mich auch, wenn man das Kind in seinen Bedürfnissen nach Nahrung, Gehaltenwerden, Wärme, Ruhe und Anregung, Sicherheit und Freiheit nicht feinfühlig beantwortet. Am einschneidensten sind Erfahrungen des Missbrauchs, (sexualisierter) Gewalt und einer Atmosphäre der permanenten Bedrohung in der Familie. Obwohl Menschen, die Derartigem ausgesetzt waren, über eine erstaunliche Überlebenskraft verfügen, haben diese Erlebnisse gravierende Auswirkungen, die das Selbst- und Weltverständnis und  das Verhalten prägen und bis ins Biologische reichen können.

Den folgenden Text habe ich anlässlich einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema Traumatisierung verfasst.

Möge er dazu dienen, sich selbst und andere besser zu verstehen und zu sehen, dass  wie Fischer, ein namhafter Traumaexperte sagt „Trauma  eine normale, grundsätzlich gesunde Antwort der Persönlichkeit auf eine verletzende bzw. extrem kränkende Erfahrung ist.“  (Fischer)

Trauma von Innen

Traumatisierung bedeutet zu allererst Angst, Angst, die im Körper steckt, die mich nicht zur Ruhe kommen lässt, die mir den Schlaf raubt und mich in der Früh aus dem Bett schrecken lässt – schon wieder ein gefahrenvoller Tag.

Es ist das keine spezifische Angst, mehr ein Körpergefühl der dauerhaften Auf-  und Erregung, dies lässt uns schwitzen, erkalten, erröten, macht Durchfall oder Verstopfung.

Oder aber mich gar nicht bewegen können, vor Erstarrung gelähmt stunden-, tage-, wochenlang im Bett  verbringen und nicht mal die alltäglichsten Notwendigkeiten tun  können – und mich dafür  verurteilen. Oder in fremde Fantasiewelten einzutauchen –  Soaps als Zufluchtsorte aufsuchen, wie ein Refugium vor dem Horror und dem Schmerz.

Traumatisiert zu sein bedeutet das Jetzt nicht von der Vergangenheit unterscheiden zu können, beim Geruch eines bestimmten Rasierwassers zur 3-Jährigen zu werden, die jetzt gleich erneut vom Vater angegriffen wird, auch wenn ich 40 bin und einem attraktiven Mann gegenüber sitze.

In diesem Traumastate zu sein bedeutet auch, dass es nie anders war und dass es nie anders sein wird. Zeitloser Schrecken und tiefste Verzweiflung.

Traumatisiert zu sein bedeutet, mich verrückt zu fühlen, weil die Ankündigung, dass in 2 Tagen der Installateur ins Haus kommt, mich schon jetzt in eine ängstliche Spannung versetzt, weil da jemand in mein Zuhause eindringt. Dass es mir unmöglich ist, Amtswege zu erledigen, weil ich wie damals als ich der schlagenden Gewalt ausgesetzt war, Angst vor neuerlicher Herabwürdigung und strafender Autorität habe. Überhaupt brauchen traumatisierte Menschen viel Alleinsein, weil sie sich nur dann frei bewegen können, Ausdehnung stattfindet, sie sich in Sicherheit fühlen oder aber nicht allein sein können, weil sie nur beim Anderen Schutz vor den inneren Dämonen und Gefahren finden.

Traumatisiert zu sein lässt mich in dauernden Gedankenkreisen verweilen – darüber wer Schuld hat – der andere, mit welchem ich einen Konflikt habe, oder ich, weil ich wieder was Falsches gesagt habe. Mich zu fragen, ob ich berechtigt bin, empört, verletzt, ärgerlich zu sein.

Viele traumatisierte Menschen machen die Nacht zum Tag, dann wenn sich die Welt mit ihren Ansprüchen und Forderungen zurückzieht, wenn die Dunkelheit umhüllt und es still wird, dann leben sie auf. Es ist dies die Zeit der Erlaubnis – endlich dürfen und nicht müssen.

Es bewirkt, dass ich meinen Körper hasse, weil er der Hort des Schmerzes, des Leids, des Terrors ist, mich schmutzig zu fühlen und mich deshalb  durch Zwangsrituale und Fastenkuren von all dem, was im Trauma in mich gekommen ist, zu reinigen. Dieser mein Körper, der eine Quelle der Freude, die Basis meiner Selbstwirksamkeit, meiner Erdung sein könnte, ist zum größten Feind geworden.

Von diesem Platz der Unerträglichkeit will ich raus und so wird der Tod zu einem wiederkehrenden Ort meiner Sehnsuchtsfantasie. Es soll endlich aufhören – das innere Rasen, der Gedankenterror, die hochgeladenen Gefühle der Angst, des Hasses und des Schmerzes, denen ich keinen Ausdruck verleihen durfte, weil der Täter dann erst recht zuschlug, diese Gefühle, die nun eingefroren in Angst mir als Ausdruckskraft nicht mehr zur Verfügung stehen.

Hilflos, wehrlos, ohnmächtig, allein, weil unverstanden mit all meinen eigenartigen, ver-rückten Verhaltensweisen, den sinnlos erscheinenden Ritualen – so fühl ich mich, wenn ich traumatisiert bin.

Wenn es jedoch gelingt, all das, was mich ausmacht zu mir zu nehmen und zu verstehen, dass das alles ganz normal ist, all diese „Spinnereien“ meinem Überleben gedient haben, dann kann ich vielleicht erfahren, dass in mir eine Stärke wohnt, die mich Unmenschliches, Unfassbares überleben hat lassen und ein Lebenswille, der nicht nur überleben sondern leben will – mit allem was dazu gehört – mit Ruhe und Entspannung, Sicherheit, Intimität und Abstand, Ja und Nein, Freude und Trauer, Wohlgefühl und Schmerz und allem was ein einfaches Leben ausmacht.

Diagnose Krebs – Über das Placebo

Angeregt durch eine Radiokollegsendung auf OE 1 in der Woche vom 25.-28.1.2016 möchte ich der Frage nachgehen, inwiefern die Ergebnisse aus der Placeboforschung Relevanz in der Behandlung von Krebserkrankung haben.

Unter Placebo, das aus dem Lateinischen stammt und wörtlich übersetzt „ich werde gefallen“ bedeutet, versteht man ein Scheinarzneimittel, welches keine wirksame Substanz enthält und somit auch keine durch einen solchen Stoff verursachte pharmakologische Wirkung haben kann.

Unter Placeboeffekten versteht man positive Veränderungen, die sich im Zuge dieses -pharmakologisch unwirksamen – Mittels einstellen.

Placebo-Medikamente werden in klinischen (Doppel-Blindstudien) eingesetzt, um die therapeutische Wirksamkeit verschiedener, jeweils als Verum bezeichneter Verfahren möglichst genau erfassen zu können.

Das Gegenstück zum Placeboeffekt ist der Nocebo Effekt. Hierbei handelt es sich um unerwünschte Wirkungen, die analog einer Placebowirkung auftreten können.

Einen Hauptschwerpunkt der Untersuchungen bildet der Einsatz von Placebos in der Untersuchung der Wirksamkeit von Schmerzmitteln. Es zeigte sich, dass auch Placebos ohne schmerzlindernden Wirkstoff schmerzlindernd wirken, wenn die Erwartung auf Schmerzlinderung beim Patienten besteht. Umgekehrt ist es so, dass ein hocheffektives Medikament, selbst wenn es intravenös verabreicht wird, keine schmerzlindernde Wirkung hat, wenn dem Patienten vermittelt wird, dass diesen den Schmerz vielleicht sogar verschlimmert kann.

Die schmerzlindernden Effekte bei positiver Erwartung zeigen sich sowohl im Erleben /Verhalten als auch in der Ausschüttung von Opioiden, von Cannabinoiden und Dopamin. Im  Gegenteil dazu wird bei negativer Erwartung selbst ein starkes Opioid außer Kraft gesetzt. (Untersuchungen der Placebo Forschungsgruppe Ulrike Bingel der Universitätsklinik Essen).

Allerdings ist die Fähigkeit zur Bildung von positiven Erwartungen von Mensch zu Mensch unterschiedlich und kann durch eine Depression und Angst gehemmt sein.

Der zweite wesentliche Faktor sind Lernprozesse. Wie Pawlow in seinen für die Lerntheorie bahnbrechenden Untersuchungen zeigen konnte, reagiert ein Hund nach mehrmaliger Koppelung eines Signaltons mit der Darbietung von Futter auch bereits nach Ertönen eines Signaltons allein mit Speichelreflex – der Signalton wird somit zu einem konditionierten Reiz.

Am Universitätsklinikum in Tübingen unter der Leitung von Paul Enck nutzt man diese Lernprozesse, um die Dosis von Immunsuppressiva, welche z.B. bei Nierentransplantierten, Morbus Crohn oder Rheuma notwendig sind, zu reduzieren.

Im Zuge von Lernprozessen können negative Vorerfahrungen, die zum Beispiel in einem bestimmten Krankenhaus mit einem bestimmten Arzt oder einer Behandlungsform gemacht wurden, auch dann wach gerufen werden, wenn nur daran gedacht wird.

Der dritte wesentliche Faktor zur Wirksamkeit ist die Arzt-Patient Kommunikation. Wie Ulrike Bingel von der Universitätsklinik Essen meint, geht es nicht nur darum, welches Medikament verschrieben wird, sondern wie. Wenn der Arzt ein Medikament als wirksam darstellt, ist seine Wirkung doppelt so stark, als wenn dieser von der Wirkung nicht überzeugt ist.

Die Wirkung einer Behandlung wird noch dadurch verstärkt, wenn der Arzt mitfühlend ist. Auch das Einbeziehen des Patienten im Entscheidungsprozess für eine Therapieform hat einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg. In diesem gemeinsamen Entscheidungsprozess sollten von Seiten des Arztes seine Sachkompetenz ebenso spürbar werden wie eine positive Tönung der Aufklärung, wo nicht so sehr die negativen Auswirkungen in den Vordergrund gerückt werden sondern die positiven Erwartungen auf einen heilsamen Ausgang. Es sollte zudem Raum gegeben werden, dass der Patient seiner inneren Stimme Gehör schenken kann. Eine derart getroffene bewusste Entscheidung hat gute Aussichten, die Wirksamkeit einer Behandlungsmethode zu steigern.

Die Erkenntnisse aus der Placeboforschung lassen uns Einblick nehmen in Mechanismen der Geist – Materie Beziehung. Es konnte gezeigt werden, dass die Überzeugung, dass etwas wirkt  Heilungsprozesse in Gang setzt, auch wenn keine Substanz verabreicht wird. (siehe dazu auch das Buch von Dispenza „Du bist das Placebo – Bewusstsein wird Materie“. unter Buchempfehlungen auf dieser Seite).

Was bedeutet das konkret für die Krebserkrankung:

Auf der Ebene der Erwartungen :

– Es ist höchst notwendig, dass wir den „Krebs-Geist“ entdämonisieren, das Vorurteil entschärfen, dass es sich dabei in jedem Fall um eine tödliche Krankheit handelt. Damit entkräften wir eine diesbezügliche Erwartung.

– Dass man den Geist mit all den mittlerweilen unzähligen Berichten von Spontanremissionen speist, sodass die Patientin im Bewusstsein lebt, dass selbst bei Diagnosen wir Bauchspeicheldrüsenkrebs alles möglich ist (siehe dazu auch die Bücher „Spontanheilungen“ von Caryle Hirschberg und Marc Ian Barasch und „9 Wege in ein krebsfreies Leben“ von Kelly Turner).

– Dass bei der Diagnosestellung die Behandelbarkeit im Vordergrund steht, dass Prognosen also in dem Sinne relativiert werden, dass darauf hingewiesen wird, dass die Statistik nichts über den Einzelnen aussagt.

– Dass bei einer Chemo die Wirkweise in positiver Form ins Bewusstsein gerückt wird, sodass der/die Patientin Kraft ihrer Vorstellungskraft die genaue Wirksamkeit visualisiert und die negativen Nebenwirkungen demgegenüber im Hintergrund bleiben.

– Dass sich Ärzte für andere Behandlungswege öffnen und diese auf keinen Fall verdammen sondern im Gegenteil andere Heilungswege zulassen, wenn die Patientin tief im Innern spürt, dass diese erfolgversprechend sind.

– Dass die Genesung und vollständige Gesundung visualisiert wird. Dazu eignen sich zum Beispiel Methoden des EMDR.

– Da Depression und Angst die Bildung von positiven Erwartungen nachweislich hemmt, wäre eine medikamentöse/psychotherapeutische Behandlung notwendig.

In Bezug auf Lernerfahrungen:

– Ein gemeinsames Erkunden von guten Erfahrungen mit medizinischen Einrichtungen aber auch mit dem Heilwerden, sodass diese Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Selbstheilung im Bewusstsein wachgerufen werden können und somit positiv auf die Erwartung eines guten Ausgangs wirken.

– „Überschreiben“ bzw. Behandlung von negativen Erfahrungen – zum Beispiel im Zuge der Diagnosestellung, mit bestimmten Behandlungserlebnissen (Chemotherapie), mit Ärzten oder Behandlungseinrichtungen, damit diese Vorerfahrungen nicht negativ auf eine weitere Behandlungsunternehmung wirken. Hat sich eine Posttraumatische Behandlungsstörung entwickelt, d.h. ist der Mensch immer wieder von ängstigenden Erinnerungen getriggert, so ist es meiner Einschätzung nach unerlässlich, mit EMDR bzw. anderen traumaspezifischen Methoden diese posttraumatische Reaktion aus dem Körper heraus zu lösen, damit die Lebenskraft der Selbstheilung zur Verfügung steht.

– Eine Kenntnis über die Wirkweise der Therapie und eine bewusste Begleitung der Therapie durch den Patienten festigt Lernprozesse über die Wirksamkeit der Therapiemethode.

Zur Arzt-Patient Beziehung

– Achtung der Autorität der Patientin gegenüber, in dem Sinne, dass sie die Expertin für ihren Körper ist.

–  Ebenbürtigkeit: Mitgefühl mit dem  Patienten in Bezug auf die schmerzliche Realität einer Krebserkrankung und ihrer Folgen. Darüber hinaus eine Wahrnehmung der Patientin nicht nur als Patientin/Erleidende sondern in ihrer Ganzheit mit all ihren Ressourcen.

– Eine dialogische Therapiewahl, weil die Wirksamkeit einer Therapie nachgewiesenerweise größer ist, wenn sie nicht bloß erlitten, sondern  auf der Basis einer gemeinsam getroffenen Therapiewahl  auch mitgetragen wird.

Werden all diese Faktoren in der Begleitung auf dem Krebsweg berücksichtigt, hat die Therapieform – gleichgültig ob diese eine schulmedizinische oder eine komplementärmedizinische ist –  gute Chancen ein im wörtlichen Sinn verstandenes Placebo zu sein, also etwas was im gesamtorganismischen Sinne „gefällt“ und damit heilsam ist.

Diagnose Krebs – Geburtstag

Viele krebskranke Menschen empfinden ihre Diagnose oder auch den Zeitpunkt des Therapieabschlusses als einen Geburtstag – das zweite Mal geboren zu sein. Das wollen sie würdigen, indem sie dem Veränderten und dem was noch zu tun ist, Beachtung schenken, sich immer wieder daran erinnern, was richtig ist zu tun.

Das will ich heute tun, an meinem 59. Geburtstag:   Möchte den Geburtstag als Möglichkeit der Neuausrichtung mit mir selbst nutzen, achtsam möchte ich sein auf das, was wesentlich, meinem Wesen entsprechend ist.

Dann eröffnet sich ein Raum, ein Lebens-Raum, wo sich Wesentliches ereignen kann.

Und da ist zunächst meine Sehnsucht nach Einkehr, einkehren in mein Körper-Geist-Haus, still  werden, den Samen Raum zum Keimen geben, dann staunen, was da so alles entsteht aus dem vermeintlichen Nichts – schöpferisch Sein im sprichwörtlichen Sinn, etwas erschaffen, etwas durch mich sich erschaffen lassen, sodass sich das Göttliche über mich ausdrücken kann.

Mich neu, immer neu verbinden mit dem Über-Persönlichen, das ist Labsal, Nahrung.

Ja das möchte ich. Das will ich pflegen, auf dass ich mich im tieferen Sinne als die, die ich hier angelegt bin zu sein, immer wieder aufs Neue ins Leben gebäre.

Oder wie Rilke sagt:

Ach nicht getrennt sein,

Nicht durch so wenig Wandung

ausgeschlossen vom Sternenmaß.

Innres was ist´s,

wenn nicht gesteigerter Himmel,

durchworfen von Vögeln und tief

von Winden der Heimkehr.

 

Diagnose Krebs – Arztwahl

Krebs ist mittlerweilen in den meisten Fällen eine chronische Krankheit, das heißt, dass mein Onkologe oder auch Komplementärmediziner mich über eine lange Zeitspanne begleiten wird.

Auch hier wie in der Therapiewahl halte ich es für günstig, sich für die Arztwahl genügend Zeit zu lassen, verschiedene Kontakte aufzunehmen, bis die Entscheidung für einen Arzt oder eine Ärztin getroffen wird.

Da neben den schul- und komplementärmedizinischen Maßnahmen die Beziehung ein heilendes Agens ist, ist es wichtig, einen Arzt zu wählen, der neben seiner Kompetenz ein Engagement an mir und meinem Prozess, Mitgefühl und ein menschliches Verbundensein erkennen lässt.

Servan Schreiber schreibt in seinem Anti-Krebs Buch: „Ich wählte lieber einen Arzt, der mich am besten verstand, wer ich war und was ich erlebt hatte, und dessen direkter Blick und warmherzige Art mir gefielen. Ich fühlte mich in guten Händen, bevor er mich untersucht hatte“.

Ein absolutes No Go ist für mich, wenn Drohungen wie „Wenn Sie diese Behandlung nicht machen, dann werden Sie nicht mehr lange leben“ ausgesprochen werden,  wenn Druck ausgeübt wird, wenn  Geringschätzung meiner Expertise für meinen Körper und mein Leben spürbar ist.

Es ist wichtig, dass ich vertrauen kann, dass ich  keine Angst zu haben brauche, dass ich mich gut aufgehoben fühle, dass ich mich in meiner Ebenbürtigkeit geschätzt fühle. Mein begleitender Arzt, meine Ärztin ist offen für meine Fragen und schätzt mich  als ebenbürtige Partnerin auf dem Krebsweg. Es soll also ein im sprichwörtlichen Sinne  Arzt meines Vertrauens sein.

Dann kann ich mich sogar, wie in meinem Fall, auf die Begegnungen mit meinem Arzt freuen, weil ich auch das Interesse an mir als Mensch wahrnehme.

Darüber hinaus wäre es günstig, wenn der Arzt/die Ärztin gegründet ist in einem Wissen, dass alles möglich ist, jede heilsame Wendung sich vollziehen kann, der/die Vertrauen in die Selbstheilungskräfte hat.

Eugene Gendlin, der geniale Denker und Begründer der Focusing Therapie sagt in Bezug auf den Menschen einen schönen Satz: „Es ist immer jemand drinnen“ .

Ein Arzt, der diesen Jemand, der drinnen ist, in den Blick nimmt ist ein guter Arzt.

 

Krebs und Ernährung

 

Im Oktober wurde eine Studie der WHO veröffentlicht, wonach der regelmäßige Konsum von Fleisch, insbesondere Würste, Schinken und anders verarbeitetes Fleisch das Risiko an Darmkrebs zu erkranken erhöht.  In der Studie hat eine Arbeitsgruppe aus 22 Experten mehr als 800 Studien über den Zusammenhang von Fleischkonsum gesichtet und gezeigt, dass  das Darmkrebsrisiko bei einem Konsum von je 50 Gramm verarbeitetes Fleisch am Tag um 18 Prozent steigt. Natürlich wurde von allen Seiten – ich denke zu allererst von Seiten der Fleischindustrie, aber auch  von Ernährungsberatern und schulmedizinischen Ärzten Kritik laut und die Studie heftig in Frage gestellt.

Für mich ist schon lange klar, dass Fleisch aus Massentierhaltung mit all den Zusatzstoffen wie Antibiotika, Hormonen, aber auch dem unermesslichen Leid der Tiere, der Todesangst und der Bedingungen des Tötens, die wir ja alle zu uns nehmen, wenn wir Fleisch essen, nicht heilsam sein kann.

Die Krankheit hinter der Krankheit Krebs ist für mich ein Herausfallen aus der (kosmischen) Ordnung, ein Verlust der Verbundenheit mit den für den Menschen wesentlichen Bezügen – zuallererst  mit unserem Körper aber auch mit der Natur  und den Tieren.

So nehmen wir nicht mehr wahr, was wir zu uns nehmen, tun es, weil wir es so gewohnt sind, es alle tun, weil Fleisch Essen ideologisch wie Melanie Joy in ihrem klugen Buch  schreibt, durch die drei N´s gerechtfertigt wird:  es gilt als normal, natürlich und notwendig.

Die oben genannte Studie kann dazu führen, dass ein Mensch, welcher an Krebs erkrankt ist, oder Angst davor hat, seinen Fleischkonsum verringert oder gänzlich damit aufhört. Das ist sicherlich der Gesundheit förderlich.

Viel bedeutsamer erachte ich jedoch, dass ein Bewusstseinswandel stattfindet. Dass eine Heilung der hinter dem Krebs liegenden Krankheit – des Getrenntseins  – sich vollzieht.

Und auch das ist nicht so schwer, wie es klingen mag. Es bedarf nur, sich mit der Nahrung zu verbinden, sich kurz vor dem Essen bewusst zu sein, ob ich überhaupt Hunger verspüre oder nur einem äußeren Reiz gehorche, sodann eine organismische Wahl treffe, genau das esse, was mein Organismus jetzt begrüßt, mir vor dem Essen vergegenwärtige,  woher die Nahrung stammt, dass das Stück Fleisch zum Beispiel nicht etwas Abstraktes sondern von einem vormals lebendigen fühlenden Wesen stammt, mich sodann mit der Nahrung einlasse, indem ich über ein achtsames Essen die Qualität erspüren kann und letztlich auch aufhöre, wenn ich satt bin. Das alles bedarf ein bisschen Achtsamkeitspraxis, belohnt uns aber mit einem Gefühl der Zufriedenheit, der Freude und Dankbarkeit über die Lebens!mittel, die uns Gott sei Dank in unseren Breiten zur Verfügung stehen. Und – es bekräftigt mich in einer Verbindung zu mir selbst und zu allem, was mich umgibt und ist damit ein Beitrag für mein Heilsein.

Literatur zum Thema:

Safran Foer: „Tiere essen.“ Wunderschönes Buch in dem Safran Foer seine Reise in die Fleischproduktion beschreibst, sehr aus dem Herzen geschrieben, aber Achtung: Starke Nebenwirkungsgefahr, nie wieder Fleisch zu essen.

Melanie Joy: „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“. Sehr kluges Buch. Melanie Joy beschreibt die hinter dem Tierkonsum liegende Ideologie, den Karnismus.

Thich Nhat Hanh: „Achtsam Essen und achtsam leben. Der buddhistische Weg zum gesunden Gewicht.“ Der berühmte Zen-buddhistische Mönch und Lehrer schreibt mit vielen Übungsbeispielen über ein barmherziges Essen.

Jan Chozen Bays: „Achtsam essen. Vergiss alle Diäten und entdecke die Weisheit Deines Körpers.“  Achtsamkeitsübungen aus dem Buddhismus lassen zum Beispiel die verschiedenen Arten des Hungers (Augen-, Magen,- Zellhunger usw.) erkennen.

http://www.essenundkrebs.net : eine Initiative einer österreichischen Ärztin zur Untersuchung, wie sich eine vegane Ernährung auf die Krebserkrankung auswirkt.

Von der Selbstverständlichkeit zur Lebensintensität

Das Rausfallen aus der Selbstverständlichkeit meines Lebens durch eine Krebsdiagnose ist oftmals ein Weckruf, ein Aufwachen aus dem „Bett“ der Selbstverständlichkeiten. Dies ist begleitet von der Erkenntnis, dass dieses so gewordene Leben vielleicht gar nicht so gut war, wie es schien, dass es Unstimmigkeiten gab, ich vieles tat, was mir nicht wohl tat, vielleicht sogar schädlich war.

Oft sind das Erlebnisse spontaner Erkenntnis, eine Bestätigung von etwas, was ich schon länger tief in mir wusste, aber nicht wahrnehmen wollte. Manche Menschen, die mit einer Krebsdiagnose konfrontiert sind, wissen beispielsweise, dass ihre Ernährung krankmachend ist und dass hier Änderungsbedarf gegeben ist. Sie nehmen diese Notwendigkeit wahr und vielmehr noch, sie dürfen sie jetzt endlich ändern. Der Wunsch und die Notwendigkeit einer Ernährungsumstellung ist jetzt stärker als die lieb gewordene Gewohnheit. Wie die Beispiele in dem wunderbaren Buch „Spontanheilungen“ von  Hirshberg und Barasch  zeigen, kommen diese Erkenntnisse aus der von mir schon oftmals beschriebenen „wissenden Lücke“, jenem freien undeterminierten Bewusstseinsfeld, in welchem alle Informationen zur Verfügung stehen.  Da weiß etwas in mir – und dieses Spür- oder Zellwissen ist hinter der Angst, der Sorge, der Unwissenheit -, was jetzt zu tun ist. Und  das ist dann ganz und gar kein bedauernswertes Opfer sondern ein mit Freude begonnenes Unterfangen. Ja, ich darf meinen organismischen Bedürfnissen gerecht werden, ich muss nicht mehr mitmachen, ich darf mich um mich selbst kümmern, dafür sorgen, dass meine Nahrung, meine Beziehungen, meine Arbeit, mein Lebensstil heilsam sind. Wie jener im oben genannten Buch beschriebene Patient, der selbst seinen eigenen Koch auf seine Reisen mit nahm, weil er erkannte, dass seine Ernährung eine wesentliche Säule in seinem Heilsystem ist. Der große Aufwand, der bisweilen zu leisten ist, ist keine Belastung, vielmehr spiegelt es mir wieder, dass ich mir das Beste wert bin, weil mein Leben kostbar ist. So führt das Gewahrwerden meiner Endlichkeit, die Möglichkeit, dass ich an meinem Krebs sterben könnte, zu einer Verdichtung, einer Ver-Eigentlichung meines Lebensprozesses, welches sich auch in einer gesteigerten Lebensintensität ausdrückt.

Oder – um viel, viel schöner noch mit Rilke zu sprechen:

Mandelbäume in Blüte

Die Mandelbäume in Blüte: alles, was wir hier leisten können, ist, sich ohne Rest erkennen in der irdischen Erscheinung.

Unendlich staun ich euch an, ihr Seligen, euer Benehmen,

wie ihr die schwindliche Zier traget in ewigem Sinn.

Ach wers verstünde zu blühn: dem wär das Herz über alle

schwachen Gefahren hinaus und in der großen getrost.                                                                Rainer Maria Rilke